Ein Fehler-alles zerstört?

GeschichteAllgemein / P12
Johannes Thingnes Bø OC (Own Character) Tarjei Bø
16.10.2019
13.09.2020
19
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14.07.2020 1.961
 
Es waren wieder zwei Wochen vergangen und Maja und Johannes steckten mitten in ihren Prüfungen. Sie hatten sich schnell wieder in ihr Leben in Oslo eingefunden und genossen es, einmal nicht an ihr Training denken zu müssen. Maja nutzte ihre freie Zeit, indem sie sich mit Freunden traf und zum Leichtathletiktraining ging.

So verging die Zeit relativ schnell und schon bald stand das Paar am Flughafen in Oslo, bereit, nach Teneriffa zu fliegen. Sie waren früh aufgestanden, weshalb sich Maja müde an Johannes lehnte, während sie darauf warteten, ihr Gepäck abgeben zu können. Dieser hatte einen Arm um sie gelegt, zog sie näher zu sich und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. Er freute sich sehr auf die ruhigen Tage, da er die Entspannung nach der anstrengenden Saison und den Prüfungen gut gebrauchen konnte. Außerdem hatte er die Möglichkeit, sich wieder voll und ganz auf Maja zu konzentrieren. Er konnte es kaum erwarten, sie dort im Bikini am Strand liegen zu sehen und dann...

Aber das musste warten, weil sie jetzt dran waren und ihr Gepäck abgeben konnten. Als sie einige Zeit später im Flugzeug saßen, kuschelte sich Maja wieder an ihn und begann, in einer Zeitschrift zu blättern. Da fiel Johannes etwas ein:

„Maja? Du weißt doch, dass Linn und ihr Freund Carl im Sommer heiraten, oder?“

„Ja, wieso?“ Maja hatte sich wieder aufgerichtet und schaute ihn nun skeptisch an.

„Würdest du mich dorthin begleiten?“ er wirkte unsicher als er sie fragte, weshalb Maja stutzte.

„Natürlich, warum sollte ich nicht, ich kenne sie doch auch ein wenig?“

„Naja, wie du ja weißt, ist Linn ganz gut mit Solveig befreundet, also wird sie auch da sein. Und eure letzte Begegnung war ja eher nicht so erfreulich...“

„Hör zu, Jo! Es ist die Hochzeit einer guten Freundin von dir, also werde ich dich begleiten. Und von so jemandem lasse ich mir doch nicht den Spaß am Leben nehmen?!“

„Auch nicht, wenn sie dich dort angreift oder mich versucht, rumzubekommen?“

„Ich glaube nicht, dass sie so weit gehen würde, mich anzugehen, weil sie damit die Hochzeit von Linn kaputt macht. Und dass dich andere Frauen attraktiv finden und dir das auch zeigen, daran werde ich mich wohl oder übel gewöhnen müssen. Ich vertraue dir und hoffe zu wissen, dass du mir treu bist. Für mich wäre es schlimm, wenn Solveig tatsächlich körperlich werden sollte, aber du bist da, um auf mich aufzupassen und mich zu beruhigen, von daher habe ich keine Angst.“

„Dein Vertrauen ist wirklich unglaublich süß! Natürlich bin ich treu und passe auf dich auf, das ist schließlich meine Aufgabe.“

„Ich liebe dich, Johannes.“

„Ich dich auch Maja, und wie!“
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Knapp zwei Wochen später war schon wieder der letzte Tag ihres gemeinsamen Urlaubs angebrochen. Die beiden genossen den Tag am Strand, verbrachten viel Zeit im Wasser und auf dem Beachvolleyballfeld.

Zum Abschluss genehmigten sie sich einen Eisbecher an der Strandbar. Während sie aßen, ließen sie ihre Blicke schweifen und den Urlaub Revue passieren. Maja dachte besonders an einen Abend, an dem sie bei Kerzenschein am Strand Essen gewesen waren. Sie hatte sich so sicher und geborgen gefühlt, dass alle Zweifel der letzten Monate vergessen waren. Johannes war, wie allgemein im gesamten Urlaub, unglaublich liebevoll und zuvorkommend, sodass sie sich nur wohlfühlen konnte. Durch die zärtlichen Berührungen und süßen Worte fühlte sie sich an ihre Anfangszeit erinnert.

Johannes hatte ähnliche Gedanken, so dass sie beide aufschreckten, als der Kellner kam, um die Becher abzuräumen. Später liefen sie Hand in Hand zurück zum Hotel und begannen dort, zu packen.

Als sie damit fertig waren, zog Johannes, der auf dem Bett saß, Maja auf seinen Schoß und fing an, gedankenverloren mit ihren Haaren zu spielen. Maja genoß diesen Moment der Ruhe und schloss die Augen. Nach kurzer Zeit drehte sie sich zu Johannes um und sagte:
„Der Urlaub war wirklich wunderschön, und ich muss sagen, dass du dein Versprechen erfüllt hast, dich um mich zu kümmern.“ Johannes wollte etwas erwidern, wurde jedoch durch Majas erhobene Hand davon abgehalten.

„Ich wollte mich dafür entschuldigen, dass ich alles während der Saison in mich hinein gefressen und nicht mit dir geredet habe. Ich wollte dich nicht zusätzlich belasten, weil du oft genug gegrübelt hast, habe aber trotzdem irgendwie erwartet, dass du merkst, wie schlecht es mir geht.

Wie dumm das war, habe ich erst später gemerkt. Aber ich will, dass du weißt, dass ich dir auf keinen Fall böse bin, weil du alles so gemacht hast, wie es richtig war. Und ich will jetzt ehrlich mit dir sein, was meine Zukunftsplanung angeht: Diese Saison war für mich verdammt anstrengend und ich bin nicht sicher, ob ich das noch einmal will. Die ganze harte Vorbereitung, das anstrengende Reisen, der Schlafmangel aufgrund von unbequemen Betten, Rechtfertigungen bei schlechten Leistungen und und und. Ich habe meinen Eltern versprochen, mich um eine ordentliche Ausbildung zu kümmern und dieses Versprechen werde ich halten. Mein Studium ist jetzt das wichtigste und neben der Saison war auch das verdammt anstrengend. Ich habe den Urlaub genutzt, um darüber nachzudenken und habe mich dazu entschieden, die nächste Saison auszulassen und dann zu schauen. Wenn es mir so sehr fehlt, wenn ich es nicht lassen kann, werde ich weiter machen, aber wenn nicht, dann eben nicht.“

Johannes war einen Moment lang überrollt von den vielen Informationen und brauchte ein wenig, um zu antworten.

„Ich wusste nicht, dass du dir so große Gedanken darüber machst und dich das so stark belastet. Auf der einen Seite kann ich deine Entscheidung verstehen, mich hat die Saison auch geschlaucht. Andererseits finde ich es schade, zu wissen, dass ich dich nächstes Jahr nicht bei mir haben werde. Ich hätte dir gerne dabei geholfen, diese Entscheidung zu treffen, weil man alleine meist eine Seite stärker beleuchtet als die andere. Ich will das nicht in Frage stellen, aber hast du bedacht, dass es jetzt kurz nach Ende der Saison vielleicht normal ist, sich so zu fühlen? Und dass die nächste Saison besser und einfacher werden könnte, wenn du dich mir anvertraust und du über deine Gedanken und Zweifel redest? Ich habe dir versprochen, immer für dich da zu sein und das würde ich auch tun. Beim Studium könntest du es auch so regeln, dass du nur ein Semester pro Jahr machst und so im Winter Ruhe hast? Ich denke zumindest, dass sich eine Lösung finden würde, wenn die Probleme außerhalb des Sportes liegen. Ich verstehe aber, wenn dir die ganze Schinderei, Diskussionen  mit den Trainern und Ähnliches zu viel sind. Ich respektiere jede deiner Entscheidungen und stehe voll hinter dir, ich möchte nur nicht, dass du die Entscheidung bald bereust.“

Maja seufzte. „Du bist so lieb! Ich werde dich auch vermissen, das weiß ich jetzt schon, und das war wahrscheinlich der Grund, warum ich nicht mit dir darüber geredet habe. Ich wollte die Entscheidung treffen, welche die beste für mich ist, unabhängig davon, ob wir uns dann weniger sehen. Wir schaffen das auch so. Ich weiß, das ist egoistisch, aber ich musste das erst mit mir selber ausmachen, bevor ich mit dir darüber spreche. Und nein, meine Meinung lässt sich nicht mehr ändern, ich bleibe dabei. Wenn wir wieder zurück in Norwegen sind, werde ich mit den Trainern abklären, ob ich nach dem einen Jahr eventuell zurückkommen könnte.“

„Okay... ein wenig verletzt es mich schon, dass du dich schon wieder, anstatt dich mir anzuvertrauen, verschlossen hast. Ich weiß nicht, was ich dir getan habe, dass du denkst, ich würde versuchen, dich zu meinen Gunsten umzustimmen. Ich will in erster Linie, dass du glücklich bist, und wenn es das ist, was du brauchst, dann bin ich der Letzte, der dich davon abhält.“

Maja schaute betrübt zu Boden. „Es tut mir leid. Nein, du hast mir dieses Gefühl nicht gegeben, aber ich wollte mir einfach selber erst einmal sicher sein, was genau ich will.“

„Verständlich, aber das hätten wir doch auch gemeinsam herausfinden können.“ Johannes war nun nicht mehr so sauer, sondern wollte, dass sie merkte, dass er auf ihrer Seite stand.

„Du hast recht. Ich verspreche dir, dass so etwas nicht wieder vorkommen wird, sondern ich immer über alles, was mir im Kopf herumschwirrt, mit dir spreche.“

Das brachte Johannes zum Lächeln. Er nickte, küsste Maja und stand dann auf, um die Koffer zu nehmen und den Rückweg anzutreten
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Am Flughafen von Oslo zog Maja einen Koffer hinter sich her und trug eine Tasche auf der Schulter, während sie mit dem anderen Arm versuchte, Johannes ein wenig zu stützen. Dieser hatte bereits am Flughafen von Teneriffa über Kopfschmerzen geplagt und hatte mittlerweile wahrscheinlich Fieber. Er hatte Gliederschmerzen und konnte deshalb nur schwer laufen. Umso mehr freute sich Maja, als sie vor sich Karsten sah, den sie bereits informiert hatte. Er kam auf sie zu, nahm sie kurz in den Arm und ihr direkt die Tasche ab, bevor er Johannes Arm um seine Schulter legte und ihn so stützte.

Als sie endlich Johannes Wohnung erreicht hatten, verabschiedete sich Johannes gleich ins Bett, während Maja Wasser für Tee aufsetzte und ich dann zusammen mit Karsten ins Wohnzimmer setzte.

„Er sah ja ganz schön fertig aus. So wünscht man sich das Ende seines Urlaubs nun wirklich nicht!“ meinte Karsten.

„Allerdings. Ich habe ihn seitdem wir uns kennen noch nie krank gesehen und bin etwas überrascht von der Heftigkeit. Johannes meinte zwar, dass bei ihm Krankheiten immer kurz und schmerzvoll ablaufen, dass er aber nicht einmal richtig laufen konnte, hat mich schockiert. Ich kann gar nicht mit ansehen, wie er sich quält.“

„Das geht mir mit Sina ähnlich und wenn wir irgendwann mal Kinder haben, wird das noch unerträglicher. Aber ganz anderes Thema: behandelt er dich gut oder muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden? Vor eurem Urlaub sahst du ziemlich fertig aus, jetzt vielmehr entspannt.“

„Ja tut er. Während der Saison war er sehr auf sich und seine Leistung fokussiert, was für mich doppelte Belastung bedeutete. Ich musste mich mit meinem eigenen Versagen beschäftigen und ihn aufmuntern. Er hat sich da nicht wirklich um mich gekümmert, aber wir haben das geklärt und gerade im Urlaub hat er mich auf Händen getragen.“ erklärte Maja.

So unterhielten sich die beiden die Zeit lang, bis der Tee für Johannes fertig war. Dann verabschiedete sich Karsten und Maja ging mit der Teekanne und einer Tasse ins Schlafzimmer. Dort waren bereits die Vorhänge zugezogen, sodass sie Schwierigkeiten hatte, nicht über die herumliegenden Sachen zu stolpern. Sie ging auf die Bettseite ihres Freundes, setzte sich und strich ihm, nachdem sie den Tee abgestellt hatte, über die Stirn. Johannes öffnete daraufhin die Augen und blinzelte sie verwirrt an.

„Ich habe jetzt Tee gekocht und dachte, es wäre gut, wenn du noch ein wenig trinkst, bevor du schläfst.“

Johannes wollte ihr dankbar zulächeln, verzog aber sofort das Gesicht aufgrund einer neuen Welle Kopfschmerzen. Maja half ihm, sich ein wenig aufzurichten und reichte ihm dann eine Tasse. Danach stand sie auf, um das Fieberthermometer aus dem Badezimmerschrank zu holen. Zurück bei Johannes maß sie die Temperatur und war erleichtert, als sie sah, dass es nur 38,4 °C waren. Nach seinen Schmerzen hatte sie mit deutlich mehr gerechnet.

„Du scheinst mehr körperliche Schmerzen haben und weniger eine hohe Körpertemperatur. Am besten ist es jetzt wirklich, wenn du dich gesund schläfst und die nächsten Tage das Training sein lässt.“

Johannes nickte nur, stellte seine Tasse weg und kuschelte sich in Majas Arme. Sie wusste nicht, ob sie lächeln sollte, weil er sich so süß an sie schmiegte, oder besorgt sein sollte, weil er so starke Schmerzen hatte.

„Ich rufe, wenn du eingeschlafen bist, Stian an und sage ihm Bescheid, dass du erst einmal nicht zum Training kommst. Dann komme ich auch schlafen, das Reisen ist doch irgendwie anstrengend.“

Nachdem sie genau das getan hatte, kuschelte sie sich an Johannes und schlief direkt ein.
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