Schauspielern

OneshotSchmerz/Trost / P12 Slash
Leonard Hofstadter Penny Sheldon Cooper
15.10.2019
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Penny war erstaunt, wie gut es Shledon auf einmal gelang zu schauspielern. Als er jedoch zu schluchzen begann, wusste sie, dass sie ihn gebrochen hatte. Sie griff zum iPhone um Mrs. Cooper anzurufen, doch sie hob nicht ab.

Sie musste ganz dringend etwas unternehmen – wenn sich Sheldon nicht schnell beruhigte, bekäme er bald keine Luft mehr. Penny rannte hinüber zu Leonard. Wenn jemand ausser Sheldons Mutter mit ihm umgehen konnte, dann war es Leonard. Penny stürmte in die Nachbarwohnung und fand den Physiker an seinem Arbeitstisch sitzend vor.

„Leonard, du musst rüber kommen, Sheldon weint!“, rief Penny ihm verzweifelt entgegen.

„Penny ich habe jetzt keine Zeit für so was. Übt ohne mich schauspielern“, meinte Leonard desinteressiert und sah nicht einmal von seinem Laptop auf.

„Nein, du verstehst nicht. Er weint, weil er sich zu sehr in die Rolle hineingesteigert hat und wenn er so weiter schluchzt, kriegt er bald keine Luft mehr. Seine Mum geht nicht ans Telefon, also musst du mir helfen“, erklärte Penny gehetzt.

Leonard hatte sich inzwischen umgedreht. Penny stand händeringend vor ihm. „Du meinst das ernst“, nuschelte er besorgt und sprang vom Bürostuhl, um mit seiner blonden Nachbarin zurück in die Wohnung gegenüber zu eilen.

„Nein, Mami, lass Spock mich nicht in die Zukunft mitnehmen“, klagte Sheldon schluchzend.

Leonard blieb abrupt stehen. Sheldon war in einer völlig anderen Welt und wirkte dabei so verloren und hoffnungslos, dass es Leonard regelrecht wehtat. Einen Moment lang war er nicht sicher, was er tun sollte. Sein erster Impuls war, Sheldon zu umarmen und ihn wie einen normalen Menschen zu trösten. Nur war Sheldon kein normaler Mensch. Und er hasste es, wenn andere Menschen ihn anfassten. So, wie Sheldon weinte, hatte es jedoch auch keinen Zweck, mit ihm zu reden. Ausserdem hatte er sich noch nie beschwert, wenn Leonard ihn berührt hatte, etwa weil er ihn von einer Dummheit abhalten oder ihn einfach etwas bremsen musste.

Leonard folgte daher seinem ersten Impuls und legte seine Arme um Sheldon, der inzwischen das Gesicht in seinen Händen verborgen hatte und noch immer weinte und heftig schluchzte. Als Leonard ihn umarmte, zuckte er zuerst zusammen. Zur Überraschung von Leonard und Penny reagierte er jedoch nicht empört sondern legte seine Arme ebenfalls um Leonard, vergrub sein Gesicht in Leonards Schulter und weinte weiter. Leonard strich seinem Freund sprachlos über den Rücken, um ihn zu beruhigen. Sheldon schluchzte noch einige Minuten in Leonards Schulter, bis er endlich aufhörte zu weinen.

Stumm blieb er an Leonard gelehnt an Ort und Stelle stehen. Seine Freunde sahen sich fragend an, sagten aber nichts. Ein, zwei Minuten, nachdem Sheldon wieder zur Ruhe gekommen war, löste er sich langsam aus der Umarmung, blickte seinen Freund unsicher an, warf Penny einen scheuen Blick zu, sah dann zu Boden und ging mit hängendem Kopf zurück ins Apartment 4A.

Leonard und Penny tauschten einen irritierten Blick, ehe Leonard Sheldon eilig folgte. Penny entschied, dass es besser war, wenn sie Leonard sich allein um Sheldon kümmern liess und hoffte, dass er ihn schnell wieder hinbekam.

Sheldon war nicht im Wohnzimmer, also sah Leonard in seinem Zimmer nach. Sheldon lag mit angezogenen Knien auf dem Bett. Er starrte abwesend an die Wand gegenüber und hatte die Arme um sich geschlungen. Leonard stand im Türrahmen und musterte Sheldon. Hätte er ihn doch nicht umarmen sollen? Ihm war auf die Schnelle einfach nichts anderes eingefallen. Es war ihm unerträglich gewesen, seinen Mitbewohner so untröstlich zu sehen; jede andere Reaktion wäre ihm herzlos erschienen.

„Leonard?“

„Hm?“

„Nimmst du mich wieder in den Arm?“, fragte Sheldon leise in Richtung Wand.

Leonard sah, dass sich Sheldon verkrampfte und dass er die Kiefer aufeinander presste.

Etwas unsicher legte sich Leonard hinter Sheldon aufs Bett und umfasste ihn behutsam mit einem Arm. Er spürte, wie sich Sheldon entspannte und hörbar erleichtert ausatmete.

„Was ist denn passiert, dass du so ausser dir warst?“, fragte Leonard vorsichtig und Sheldon schilderte den Vorfall.

„Ich fühlte mich plötzlich wieder wie als kleiner Junge. Meine Mutter war die einzige Person, die mich lieb hatte und ich wollte auf keinen Fall weg von ihr“, schloss Sheldon seine Erklärung.

Die ihn „lieb hatte“? Die Wortwahl war für Sheldon höchst untypisch und Leonard war erstaunt, dass der theoretische Physiker das überhaupt realisiert hatte und dass es ihm als Kind offenbar wichtig gewesen war.

„Du magst vielleicht nicht der einfachste Mitbewohner sein, aber ich hab dich doch auch gern, weisst du?“, sagte Leonard sanft.

„Das wusste ich nicht“, erwiderte Sheldon kleinlaut.

„Doch, natürlich habe ich dich gern“, versicherte ihm Leonard.

Sheldon dachte nach. Er mochte es, wie es sich anfühlte, wenn Leonard ihn umarmte. Und er freute sich, dass Leonard ihn gern hatte. Es war schön, gemocht zu werden.

Leonard hörte, wie Sheldons Atem gleichmässig und ruhig ging. Es fühlte sich toll an, Sheldon zu umarmen. Vor allem, da er es anscheinend mochte. Leonard dachte schon, Shledon wäre eingeschlafen, doch er irrte sich.

„Leonard, wie fühlt es sich an, jemanden zu lieben?“, fragte Sheldon nachdenklich.

„Wieso fragst du?“

„Ich möchte gern genau wissen, wie es ist.“

„Nun ja, das ist gar nicht so einfach zu erklären. Es kommt auch darauf an, in welcher Beziehung zwei Menschen zueinander stehen. Die Liebe von Eltern zu ihren Kindern ist beispielsweise eine andere als diejenige zwischen Freunden oder diejenige eines Liebespaares“.

„Es gibt Freunde, die sich lieben aber kein Liebespaar sind?“

„Genau. Diese Liebe kannst du dir in etwa als sehr ausgeprägtes Wohlwollen vorstellen, das man für seine engeren Freunde empfindet. Das ist so, wie bei uns. Ich bin ja auch um dein Wohlergehen besorgt und es ist mir wichtig, dass es dir gut geht. Wie du weisst, sind wir dennoch kein Liebespaar sondern einfach sehr gute Freunde.“

„Und worin liegt nun der Unterschied zu den Liebespaaren?“

„Gute Frage. Wie soll ich das erklären? Also bei Liebespaaren ist es wohl einfach noch etwas verrückter. Was Liebespartner für einander empfinden geht tiefer; sie fühlen Zuneigung statt nur Wohlwollen.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Was verstehst du nicht?“

„Den Unterschied zwischen Wohlwollen und Zuneigung.“

„Der Unterschied ist ja auch nur ganz klein… was ich damit sagen will ist, dass es Liebespaaren einfach noch wichtiger ist, dass es dem Partner gut geht. Der Partner ist wichtiger als alles andere. Man möchte ihn ständig um sich haben und Zärtlichkeiten mit ihm austauschen.“

„Du willst also sagen, dass das einzige, was Liebespaare von Freunden unterscheidet, der Vollzug des Koitus ist?“

„Es ist nicht nur der Koitus, es sind kleine Gesten, Berührungen, die sich die Partner gegenseitig erlauben und die sie geniessen, die du zwischen Freunden nicht findest.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Konzept verstehe.“

„Naja, das ist ebenso eine Sache mit der Liebe. Sie ist kompliziert und… vielfältig. Manchmal sind die Grenzen auch fliessend. Ich denke, dass in jeder Freundschaft auch das Potenzial für eine Liebesbeziehung steckt. Oft sind es winzig kleine Dinge, die aus einer Freundschaft eine Liebesbeziehung machen können.“

Während Leonards Versuch, Sheldon die Liebe zu erklären, hatte Sheldon seine Hand um Leonards geschlossen und hatte, ohne es zu bemerken, begonnen, mit seinem Daumen über Leonards Handrücken zu streicheln.

Nun, da Leonard mit seinem Erklärungsversuch fertig war, realisierte er, dass Sheldon seine Hand umfasste und sanft über seinen Handrücken streichelte. Die Sanftheit von Sheldons Berührung liess Leonard weich werden. Er fühlte Glückseligkeit und drückte Sheldon an sich. Ein Hauch von Sheldons Desinfektionsmittel stieg ihm in die Nase, doch der Geruch störte ihn nicht. So war Sheldon eben, etwas paranoid, etwas phobisch, mit ausgeprägten Hypochonder-Tendenzen. Er mochte ihn einfach so, wie er war. Er war vermutlich ebenso psychisch gestört, wie er intelligent war. Aber eben diese Mischung machte Sheldons faszinierende Persönlichkeit aus: Er war seinen Mitmenschen in so vielerlei Hinsicht überlegen und war gleichzeitig unglaublich verletzbar. Dieser Mix machte ihn so liebenswürdig, so unwiderstehlich… Leonard versank in seinen Gedanken rund um Sheldon.

„Was passiert, wenn die Absichten zweier Parteien nicht kongruent sind?“, wollte Sheldon nun wissen.

„Du meinst, wenn von zwei befreundeten Personen die eine ein Liebesverhältnis möchte, während die andere nur Freundschaft empfindet?“

„Genau.“

„Das Beste ist es, wenn sich die beiden aus dem Weg gehen. Wenn sie es nicht tun, wird die Person, die sich eine Liebesbeziehung wünscht, meistens nur unnötig verletzt.“

„Wieso wird verletzt, wer sich von einem Freund eine Liebesbeziehung wünscht?“

„Wenn man verliebt ist, schafft man es nicht, sich von der Person, in die man verliebt ist, fernzuhalten. Wenn man mit dieser Person befreundet ist und sich häufig sieht, macht man sich nur falsche Hoffnungen. Wenn also der Person, mit der man befreundet ist, etwas an einem liegt, hält sie sich von einem fern.“

„Redest du von dir und Penny?“

„Nein, daran habe ich ausnahmsweise nicht gedacht. Das war mehr so allgemein.“

„Und wenn sich die Person, die nur Freundschaft möchte, nicht von der anderen Person fernhält?“

„Entweder hat es die befreundete Person nicht bemerkt oder sie ist sehr egoistisch.“

„Ich tippe mal auf das Erstere.“

„Was meinst du?“ Leonard verstand Sheldons Erwiderung nicht, sie erschien ihm zusammenhangslos.

Sheldon drehte sich zu Leonard um, so dass er ihm in die Augen sehen konnte.

„Leonard geh bitte.“

Leonard blinzelte. Sheldon hatte ihn mit dieser Bitte mitten in ihrer Unterhaltung komplett vor den Kopf gestossen.

„Ähm… okay, aber, wieso? Wieso willst du auf einmal, dass ich gehe?“

„Wie du mir soeben erklärt hast, ist es für meine geistige Gesundheit nicht zuträglich, dich in meiner Nähe zu haben. Deshalb bitte ich dich, mein Zimmer zu verlassen.“

„Hä?“

„Leonard, ich liebe dich. Darum musst du jetzt gehen.“

„Sheldon, bist du dir sicher? Ich meine, denkst du nicht, dass du da etwas durcheinander bringst?“

„Du kannst die Van-der-Waals-Kräfte auch nicht sehen und trotzdem sind sie da.“

„Auf die Gefahr hin dass ich mich wiederhole aber: Hä?“ Leonard war verwirrt.

„Nur weil ich keine Gefühle zeige, heisst das nicht, dass ich keine habe. Ich habe seit geraumer Zeit vermutet, dass ich dich liebe. Da ich mir nun sicher bin, musst du jetzt gehen“, erklärte Sheldon bestimmt.

„Was- wieso zeigst du keine Gefühle, wenn du sie denn hast?“

„Ich mag sie nicht. Diese kuschlig weich-warmen Empfindungen, die ich in deiner Nähe verspüre, machen mich anfällig und wuselig. Ich dachte, sie würden von selber verschwinden, wenn ich sie nur gründlich ignorierte“, antwortete Sheldon beherrscht.

Leonard traute seinen Ohren nicht. Das war ja mal was gänzlich Neues. Ihr Zusammenleben musste für Sheldon die Hölle gewesen sein. Leonard verspürte einen glühenden Schmerz in der Brust. Wie konnte jemand nur so rücksichtslos und unsensibel sein, und so was seinem Sheldon antun? Am liebsten würde er dem Kerl eine Abreibung verpassen - dumm nur, dass er selber dieser rücksichtslose Kerl war. Er wollte Shledon nur in den Arm nehmen und trösten und für ihn da sein und ihn beschützen vor allem Übel… und da dämmerte es Leonard. Er sah in die wunderbaren blauen Augen seines Mitbewohners. Zärtlich strich er ihm über die Wange. Sheldons Gesichtsausdruck verfinsterte sich, er holte Luft und wollte Leonard einen Vortrag über sein egoistisches Verhalten halten-

„Ich liebe dich auch, Sheldon.“
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