Bei Dir

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Matthias Schweighöfer Palina Rojinski
15.10.2019
10.12.2019
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Klaas’ POV

Als Klaas kaum eine halbe Stunde später im Bett lag, war er viel zu unruhig um schlafen zu können. Er wusste selbst nicht genau, was mit ihm los war. Wobei, wenn er ehrlich war, wollte er es sich nur einfach nicht eingestehen. Wollte es nicht wahr haben, dass ihn all das, was gerade zwischen ihm und Joko passierte, so sehr mitnahm. Denn das machte ihn schwach und Klaas hasste es, sich schwach zu fühlen. Unterlegen, irgendwie. Vielleicht war sogar gerade das der Grund, warum er wirklich so viel arbeitete...? Ein Gedanke, der ihm tatsächlich bisher noch nicht durch den Kopf gegangen war und er musste einmal schwer schlucken, als ihm jetzt diese Vermutung kam. Versenkte er sich denn wirklich nur in so einem Berg an Arbeit, weil er sich etwas beweisen wollte? Oder noch viel mehr Joko? Hatte er das denn nötig?

Eigentlich ja nicht, das wusste er. Eigentlich hatte Joko ihm schon zu Beginn ihrer Zusammenarbeit immer gut zugeredet, ihm wo es nur ging erklärt, wie viel er doch leistete und dass er nie, nie auch nur irgendwie an sich zweifeln sollte. Joko eben. Der wollte immer dafür sorgen, dass alle zufrieden waren, dass alle an sich glaubten und ein schönes Leben lebten. Klaas lächelte leicht in sein Kissen hinein. Das war ja schließlich auch einer der Gründe, warum er ihn so liebte. Und mittlerweile machte er das noch viel mehr. Seit die beiden sich immer näher gekommen und irgendwann ein Paar geworden waren, da unterstützte er ja fast noch jeden Atemzug von Klaas. Und der sollte das vielleicht mal mehr zu schätzen wissen, nahm Klaas sich vor, als er sich das so vor Augen führte. Sollte sich bei Joko vielleicht doch ein- oder zweimal öfter für ein Kompliment oder einen aufbauenden Satz bedanken, bei all der Wertschätzung, die er bekam. Und ja, gerade deshalb wusste Klaas doch, er musste Joko nichts beweisen. Der stand doch ohnehin schon bedingungslos hinter ihm, verdammt.

Vielleicht sollte er wirklich… aber nein, kürzer treten ging im Moment nicht. Das wussten sie doch auch beide. Klaas steckte so tief in all seinen Projekten drin und sie alle waren Herzensangelegenheiten. Davon würde keine weichen können, er musste das irgendwie anders lösen. Nur wie, war die Frage. Auf jeden Fall nicht alleine, dachte er schambewusst. Er musste Joko mehr einbeziehen, irgendwie wusste er das ja. Und vielleicht bereute er es auch schon ein wenig, den anderen vorhin beim Essen so abgewürgt zu haben. Er wollte Jokos Vorhaben ja hören, wollte ja wissen, was in dessen Leben so vor sich ging. Aber vorhin, in Kombination mit allem, was sich zwischen den beiden in den letzten Tagen so abgespielt hatte, da war es einfach ein bisschen schnell gegangen und ein bisschen viel gewesen.

Klaas zögerte, schob sich unentschlossen wieder in eine sitzende Position. Er wach doch ohnehin hellwach vor all dem Chaos in seinem Kopf. Er seufzte einmal leise. Das würde doch alles wieder werden? Das musste alles wieder werden! In ein paar Tagen waren sie sicher wieder das alte eingespielte Team. Einen Moment überlegte Klaas, was er dazu beitragen konnte. Er hatte vielleicht einen kleinen Hinweis gebraucht, dass ihm daran wirklich so viel lag, aber jetzt war er Feuer und Flamme dafür, seine gesamte Freizeit wieder in Joko zu stecken. Er verdiente es.

Ein paar Zentimeter beugte Klaas sich vor, damit er sehen konnte, ob vom Wohnzimmer noch immer ein Schimmer in den Flur fiel. Natürlich, Joko hatte ja schon angekündigt, dass es ein bisschen später werden konnte. Aber von einem Moment auf den anderen war Klaas zu geschafft von allem, was passiert war. Er vermisste Joko doch! Oder viel mehr das, was die beiden normalerweise so hatten. Ihre unendliche Liebe, die sie beide so wertschätzten. Die Unterstützung, zu wissen, egal wie erschöpft man abends im Bett lag, die Hand des anderen war sicher an seiner Hüfte platziert, der beruhigende Atem fiel regelmäßig sanft auf seinen Nacken. Und Klaas wusste, er wollte das nie wieder verlieren. Oder eher wiederhaben, dachte er und er spürte einen kleinen Stich, als er an die letzten Tage dachte.

Er konnte Joko heute vielleicht nicht mehr das geben, was er brauchte. Das war vermutlich Klaas’ Aufmerksamkeit, seine Unterstützung bezüglich der neuen Show. Dazu war Klaas zu geschafft von den letzten Tagen und Wochen, das würde er auf morgen verschieben. Aber er konnte ihm zeigen, dass er es gerne versuchen würde, entschied er, warf seine Bettdecke zurück und schlurfte noch einmal nach nebenan in Richtung des Lichtschimmers.

Im Schein der Stehlampe saß Joko noch immer mit Laptop auf dem Schoß auf dem Sofa. Seine Stirn war gerunzelt und er haute angestrengt etwas in die Tasten. Sein Blick hob sich erstaunt, als Klaas’ Schatten vor ihm auf den Boden fiel.

“Du bist ja noch wach”, meinte er sanft und lächelte. Zögerlich streckte er den Arm aus, um Klaas zu zeigen, dass er sich doch kurz neben ihn setzen sollte. Klaas zögerte keine Sekunde und ließ sich ganz vertraut neben seinem Partner nieder und schloss sogar für einen Moment die Augen. Er atmete dessen Geruch ein und sofort fiel alle Anspannung von ihm ab. Er würde ihn nicht verlieren, nie im Leben würde er Joko verlieren. Er legte eine Hand auf den Oberschenkel des anderen und drückte ganz sanft zu.

“Ich konnte nicht schlafen”, flüsterte er leise und es kam ihm fast ein wenig gewagt vor, nach all dem was passiert war. Aber gleichzeitig wusste er, es war die Wahrheit. Joko sagte nichts und Klaas öffnete erschrocken wieder die Augen. War etwa doch nicht alles in Ordnung? Hatte er etwas falsches gesagt?

Aber dann sah er hoch in Jokos Gesicht, in dessen weiches Lächeln. Dem er ansehen konnte, dass er Bescheid wusste. Dass ihm ganz genau klar war, wie Klaas besser zur Ruhe kommen würde.

“Weil du nicht bei mir bist”, fügte er aber doch noch zur Sicherheit hinzu und Joko nickte.

“Ich kann das auch morgen fertig machen, Klausi”, meinte er und legte seine Hand auf Klaas’, die noch immer auf dessen Oberschenkel ruhte. “Ich komm sofort zu dir, keine Angst. Das hier kann warten.”

Klaas lächelte erleichtert. “Danke”, murmelte er.

“Klar”, erwiderte Joko darauf zunächst nur, zögerte einen Moment und schob dann nach: “Ich liebe dich doch.”

Klaas konnte fast weinen vor Erschöpfung und Erleichterung. “Ich dich doch auch, du Idiot”, erwiderte er leise, drehte noch einmal den Kopf und streckte sich ein wenig, um Joko einen Kuss auf den Mund zu drücken. Der erwiderte ihn ohne zu zögern und Klaas konnte spüren, wie erleichtert auch Joko war über diese Situation. Vielleicht ein bisschen auch über das Entgegenkommen von Klaas, hoffte er. Jedenfalls würde der sich das kein zweites Mal sagen lassen, beschloss er. Sie waren doch ein Team. Dass sie ein Team waren, merkte Klaas auch jetzt wieder, als Joko den Kuss sogar ein bisschen intensivierte und seine Hand von Klaas’ wieder runternahm, sie stattdessen hinüberwandern ließ, ganz bedächtig, zu dessen Hüfte. Klaas spürte sofort, wie ihm das gefehlt hatte, diese Zweisamkeit. Er überraschte sich selbst ein wenig, als er seine eigene Hand ganz langsam höher rutschen ließ, erst knapp vor Jokos Schritt stoppte er wieder, war sich noch unsicher, ob das hier wirklich alles so okay war. Vielleicht brauchte Joko auch noch ein bisschen, um sich von der Aufregung zwischen den beiden in den letzten Tagen zu erholen.

Joko aber bestätigte ihm, er brauchte keine Bedenkzeit mehr, als er seine Hand erneut umplatzierte und zielsicher Klaas’ altes Schlafshirt nach oben schob und an dem Bund seiner Boxershorts herumspielte.

“Du weißt gar nicht, wie dringend du ins Bett kommen musst”, murmelte Klaas in den Kuss hinein, nahm seine zweite Hand zu Hilfe und legte sie unterstützend an die Hüfte des anderen, zog leicht in seine Richtung.

“Ich hab’ eine Vermutung”, brummte Joko zurück und löste sich sofort vom Kuss um aufzustehen und Klaas dabei mit sich hochzuziehen. Er klappte abwesend den Laptop zu, griff nach Klaas’ Hand und zog ihn dann mit diesem so vertrauten Gefühl wieder nach nebenan. Der folgte sofort und ließ sich neben Joko wieder ins Bett fallen. Verdammt, er liebte ihn doch so sehr! Wie hatten die letzten paar Tage denn überhaupt nur zustande kommen können, das durfte doch alles gar nicht wahr sein!

In diese liebevollen Gedanken mischten sich noch ein paar andere, als Joko ihm nun das Shirt über den Kopf zog, sich selbst ebenfalls vom Hemd und der Jogginghose, in die er vorhin scheinbar irgendwann gewechselt hatte, befreite und dann da weiter machte, wo sie im Wohnzimmer gerade eben aufgehört hatten. Klaas stieg mit ein und im Handumdrehen waren die Shorts gefolgt und die Hände der beiden noch an ganz anderen Stellen als nur an der Hüfte.

Klaas war ein wenig durcheinander mit dem, was er fühlen sollte. Er hatte das hier so vermisst. Gar nicht mal den Sex an sich - er war ja keine sechzehn mehr - sondern die Zärtlichkeit. Ganz einfach die Tatsache, Joko so nah bei sich zu haben. Zu wissen, er war da. Er war bei ihm. Auf der anderen Seite konnte er genau das gar nicht mehr so klar denken, denn Joko war inzwischen schon einen ganzen Schritt weiter gegangen und hatte den Schwanz des anderen tief im Mund. Klaas wusste nicht recht, wie ihm hier geschah. Mit der Hand griff er in Jokos Haare, mit seinen Gedanken war er ganz hin und weg davon, wie viel ihm das doch bedeutete, das hier mit Joko teilen zu können.

So wanderten seine Gedanken hin und her, von einer Art der Liebe zur anderen. Joko stoppte währenddessen keine Sekunde, verwöhnte Klaas und so dauerte es nicht all zu lange, bis Klaas zitternd ins Laken neben ihm griff, die Augen schloss und ganz leise den Namen des anderen stöhnte. Er atmete noch ein paar Mal schwer, dann zog sich Joko hoch, lächelte ihn an, ganz verliebt, aber auch ein wenig erwartungsvoll. Und in Klaas kam die Erkenntnis und dieser irrationale Gedanke von vorhin, Joko nicht enttäuschen zu wollen. Nicht heute. Er wusste genau, dass er hier ohnehin vor Melancholie den Tränen nahe war. Aber er wollte keine Tränen auf Jokos Schwanz verteilen, wenn er ihm einen Blowjob gab, kurz gesagt.

Wie er das nun erklären sollte, wusste er nicht genau, aber als Joko über ihm den Kopf schief legte und vermutlich rätselte, warum Klaas ihn so lange warten ließ, blieb ihm keine Wahl mehr.

“Nimm dir was du brauchst”, murmelte Klaas als Antwort und nickte mit dem Kopf in Richtung des Nachttischchens. Dort waren Kondome und Gleitgel sicher verstaut, das wussten sie beide nur zu gut. Aber Joko blieb wo er war, er sackte nur ein wenig in sich zusammen. Klaas’Gedanken wanderten direkt wieder zurück. Jetzt haste ihn doch enttäuscht. Aber Joko rollte sich nur langsam neben ihn, griff einmal kurz auf den Boden neben dem Bett, zog sich selbst seine Shorts wieder an und hielt Klaas seine hin. Mit flauem Gefühl im Magen zog er sie sich wieder über und wandte sich dann zur Seite, um Joko ins Gesicht zu sehen. Er erwartete Enttäuschung, aber alles was er sah war Liebe. Ein Blick voller Liebe. Ganz langsam hob Joko die Hand, strich Klaas einmal sanft über seine Wange.

Dich brauche ich”, beantwortete er schließlich Klaas’ Frage. “Ich brauche nur dich. Dass du da bist.”

Und da war es vorbei, Klaas ließ endlich die Tränen laufen, die sich schon so lange in seinen Augen angesammelt hatten.

“Wir reden morgen über deine Idee, okay? Ich versprech’s dir. Indianerehrenwort”, setzte er noch hinterher und hielt einem grinsenden Joko seine beiden verschränkten Finger vor die Nase.

“Selbstverständlich”, murmelte Joko noch, dann zog er Klaas’ Kopf nah an seine Brust und umarmte ihn mit der größten Zuneigung. “Die rennt uns ja nicht weg.”

Und während Klaas noch kurz über die Formulierung mit einem ‘uns’ rätselte, dann für sich beschloss, dass das sicher nur so dahingesagt war, entspannte er sich langsam wieder. In Jokos Armen war die Welt doch immer noch ein bisschen besser.
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