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This heart will not erase you

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Akiko Yosano Atsushi Nakajima Chuya Nakahara Osamu Dazai Sakunosuke Oda
13.10.2019
25.01.2020
7
17.119
10
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25.01.2020 2.270
 
Chuuya lernte mit jedem neuen Date und jedem neuen Kuss Dazais Worten Glauben zu schenken. Egal ob er schief im Karaoke sang, den Ziegen im Zoo Bauchschmerzen anfütterte, den Escape Room innerhalb einer halben Minute allein knackte, im Sushikurs kleine Reisschnecken mit roten Erdbeerhaaren bastelte, beim Bowling die Kugel keinen halben Meter bis zur Bahn geschleppt bekam, er ihn beim Poetry Slam vor einem ganzen Publikum vor Scham im Erdboden versinken ließ oder er Chuuya mit einem kurzgeschlossenen Wagen zum Autokino abholte: Er liebte ihn. Es war nicht mehr länger bloß eine Schwärmerei, nein. Und das konnte er einfach nicht fassen. Chuuya hatte solch großes Glück im Unglück, dass er gar nicht wusste wie ihm geschah. Er war der glücklichste und bedrückteste Mensch zugleich. Denn mit jedem Moment, den er Dazai näher kam, kam auch das rote X in seinem Kalender näher, welches den Geburtstermin kennzeichnete. Und er hatte sich trotz seiner mittlerweile festen Beziehung immer noch nicht dazu durchringen können diese Information mit seinem Partner zu teilen.
Chuuya sollte ihn endlich nach seiner Meinung fragen. Er sollte ihn fragen, ob er bereit wäre zusammen ein Kind großzuziehen, auch wenn es ziemlich kurzfristig sein würde. Aber er hatte solche Angst vor einem "Nein", dass ihm direkt mulmig wurde, selbst wenn er nur daran dachte. Denn ein "Nein" würde wohl nicht weniger als das Ende ihrer Beziehung bedeuten. Er hatte Yosano versprochen ihr beizustehen. Er würde das Versprechen nicht brechen.

Chuuya stieß wie so oft in letzter Zeit ein verzweifeltes Seufzen aus.

"Hey, seufzt du wegen mir?"

"Nein!"

Ja.

"Das kam eindeutig zu schnell."

Chuuya musterte den hochgewachsenen Mann vor sich, der durch seine Schlittschuhe noch ein paar Zentimeter mehr gewonnen, aber dafür seine selbstbewusste Haltung verloren hatte.

"Na gut, vielleicht. Du bist aber auch echt schrecklich im Eislaufen. Eigentlich bist du in jeder Sportart miserabel."

"Das ist fies!"

"Aber die Wahrheit. Wenn du mir nicht glaubst, dann frag deinen Hintern."

Der war von Dazais Stürzen nämlich schon recht hübsch weiß gepudert. Chuuya musste Schmunzeln, ergriff aber gegen alle Wahrscheinlichkeit nicht Dazais Hinterteil, sondern seine Hände und führte ihn weiter über das Eis. nachdem seine Solorunde schiefer als schief gelaufen war, wollte er ihm nicht noch mehr zumuten. Aber zugegeben... Dazais Ungeschicklichkeit war ziemlich goldig. Normalerweise war Chuuya derjenige, der nicht mit Dazai mithalten konnte, was nur allzu oft einen Graben für Auseinandersetzungen und spielerisches Gezanke aufriss. Und das wiederum konnte immer auf zwei ganz unterschiedliche Weisen ausgehen. Entweder es artete in einer wilden Knutscherei aus oder sie gingen im Streit auseinander und schwiegen sich an, bis sie irgendwann innerhalb von 24 Stunden durch selbige wilde Knutscherei wieder zusammenfanden. Hinterfragen tat dies keiner der beiden. Ganz im Gegenteil. Es funktionierte einfach und das war alles, was zählte.

"Solltest du nicht auf meine Beinarbeit achten, anstatt mir auf die Lippen zu starren?"

Chuuyas Blick hob sich zu Dazais Augen und erwiderte deren schelmisches Glitzern. Ein Glitzern heiß wie die Glut, so hungrig, dass es sich selbst mit scharfzüngigen Eiskristallworten anfachen ließ:

"Das da unten ist sowieso ein hoffnungsloser Fall. Sei froh, dass ich es versuche zu ignorieren."

"Oh ja?"

Dazai bugsierte ihn nicht gerade elegant übers Eis und als er endlich an der Bande ankam und Chuuya dort einkesseln konnte wie geplant, hatte er bereits beinahe zwei kleine Kinder umgefahren. Und das alles nur, um seinem Rothaar zu zeigen, wer hier die Hosen anhatte. Chuuya sah jedoch recht unbeeindruckt zu ihm auf. Seine Lider schlossen sich erst um ein paar Grad, als Dazai sich so nah an ihn schmiegte, dass er seinen hoffnungslosen Fall zu spüren bekam.

"Ernsthaft?"

"Hm?"

"Du wirst hart, weil ich deine Männlichkeit beleidige?"

Chuuya schob sein Becken vor, um seine Worte zu unterstreichen.
In Wirklichkeit hatte er genau diese Situation natürlich willentlich initiiert, aber das würde er keinesfalls laut zugeben. Schon gar nicht hier. Es war bereits fragwürdig genug, dass er nicht einen Moment gezögert hatte ihn ungeachtet ihres Umfeldes dermaßen anzustacheln. Zu sehr beschwingte ihn die Tatsache, dass sein überaus intellektueller Partner sich so von ihm lenken ließ. Chuuya war sich sicher, dass er diese kleine Manipulation zumindest registriert hatte. Warum er nichts dagegen unternahm, war ihm jedoch ein Rätsel. Vielleicht mochte er es, ab und zu die Zügel seines sich überarbeitenden Oberstübchens durchhängen zu lassen und einfach mal unverblümt unbedacht daherzuhandeln, anstatt jedes Wort dreimal umzudrehen. Denn anstatt seine Scham zu verbergen, begann Dazai tatsächlich ein wenig herumzudrucksen, bevor er schließlich rausrückte:

"Nein, eigentlich nicht... nur... deine Beine sehen so sexy aus in diesen Schuhen..."

Chuuya musste blinzeln und dann über diese mit Niedlichkeit gekoppelte Absurdheit lachen. Als Dazai begann beleidigt zu schmollen, drückte er ihm einen kurzen keuschen Kuss auf die eiskalten Lippen, die gerade noch so aus dem dicken Schal herauslugten, den er sich um seinen Giraffenhals gewickelt hatte.

"Die nennt man auch Schlittschuhe."

"Whatever."

Chuuya verdrehte die Augen und schob ihn etwas von sich. Es schmeichelte ihm zwar, aber das wurde ihm auf die Dauer dann doch etwas zu intim für die Öffentlichkeit. Vielleicht würde er ihm später einen kleinen Gefallen tun, aber hier... lieber nicht.

"Wie wärs mit einem kalten Eisshake zum runterkommen?"

"Dein Einfühlungsvermögen ist nah genug am Gefrierpunkt, danke."

Er zeigte noch einmal sein Schmollgesicht, drehte sich dann um und fuhr wackelig übers Eis davon, nur um Momente später wieder von Chuuya eingeholt zu werden. Dieser gab ihm einen Klaps auf den Hintern, um ihn gleichermaßen zu necken und den Eisstaub abzuklopfen.
Allerdings ging er dabei etwas zu enthusiastisch vor und fegte Dazai beinahe von den Kufen. Er hörte das schon beinahe panische Kratzen auf dem Eis und seine Muskeln reagierten augenblicklich wie auf Kommando. Zum Glück konnte er sich noch schnell genug drehen, um rückwärts weiterzufahren, Dazai schnell an den Händen zu fassen zu bekommen und vor einem weiteren Sturz zu bewahren.
Ein entschuldigendes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit, während er seinen Freund, dem das Herz immer noch bis zum Hals schlug, rückwärts durch die Halle führte.

"Das war das letzte Mal, dass du ein Date planst, das schwör ich dir!"

Keifte der Braunhaarige aufgebracht, als er sich zusammen mit seinem Ellbogen an das letzte Date erinnerte, welches Chuuya ausgewählt hatte. Baseball Training. In einem Batting Cage. Zuerst war er ja Feuer und Flamme gewesen zusammen mit seinem Liebling auf so kleinem Raum eingeschlossen zu sein, doch dann hatte sich alles als Flop herausgestellt. Man betrat diese Käfige nämlich nicht zusammen sondern einzeln und dann kamen die Bälle auch noch mit solchem Karacho herausgeschossen, als wollten sie einem die Fresse polieren. Fürchterlich. Er konnte sich Chuuyas Begeisterung für solche risikoreichen Sportarten nicht erklären.
Natürlich gefiel es ihm abends auf der Couch abwesend über Chuuyas Sixpack zu streicheln und dem wohligen Schnurren zu lauschen oder sein definiertes V mit den Fingerspitzen nachzufahren und auch mit den unmittelbar darauffolgenden Konsequenzen konnte er nur zu gut leben, aber sich selbst um solch einen Körper bemühen... nein. Da musste sein Rothaar wohl mit seiner Lauchform vorliebnehmen.

"Von jetzt an schau ich dir bloß noch zu,"

verkündete Dazai in einem immer noch leicht trotzigen Ton. Entgegen aller Erwartung hellte sich Chuuyas Gesichtsausdruck jedoch auf diese Aussage hin auf.

"Apropos zuschauen! Ich wurde von der 'Nihon karate kyōkaizu' zur Weltmeisterschaft eingeladen. Es dauert zwar noch ein Weilchen bis dahin, aber ich würde mich wirklich unglaublich freuen, wenn du Zeit finden würdest mir zuzusehen."

"Wow... natürlich! Wie konntest du vergessen mir das zu sagen? Herzlichen Glückwunsch!"

Ja, wie hatte er das nur vergessen können? Die Vorfreude schwand aus seinem Blick, als Chuuya realisierte, dass er es wegen einer Anhäufung ganz bestimmter Termine Yosanos versäumt hatte. Richtig, er hatte auch die Zeit vergessen. Sie lief ihm davon, ronn ihm wie Sand zwischen den Fingern hindurch. So viele Monate waren seit seinem Wiedersehen mit Dazai vergangen, er mochte es kaum glauben. Schöne schwerelose Zeiten vergingen viel zu schnell.

"Chuuya?"

"Oh, hm?"

"Freust du dich denn nicht?"

"Doch doch, es ist nur..."

Sollte er ihn jetzt fragen? Hier? Chuuya sah sich um. Eine Eishalle voller fremder Leute und kreischenden Kufen auf Eis. Er hatte das Gefühl das war nicht das richtige Ambiente für ein solch sensibles Thema.

"...Es ist nur das Training. Das wird hart. Ich muss mich gut vorbereiten."

Das war nicht gelogen. Aber natürlich spürte Dazai, dass da mehr war, was ihn bedrückte. Schon des öfteren.

"Hm okay. Wenn du Hilfe brauchst, ich bin hier. Ich kann zwar nicht wirklich viel tun, aber selbst wenn es nur so etwas ist wie Liegestütze zählen, ich bin hier. Du brauchst nur zu fragen. Und du kannst mir auch alles sagen, Chuuya. Egal was."

"Ja, das ist mir bewusst. Ganz besonders, dass du gern dem Schweiß zuschaust, der mir beim Workout in Rinnsalen über die Haut fließt."

Dazais Blick war durchdringend scharf. Er spießte Chuuyas Gewissen auf wie eine blutige Speerspitze. Aber nur für einen Moment. Es war nur ein kurzes Zustechen, ein kurzes 'ich weiß, was du da tust' und ein 'weich mir nicht aus. Stell dich mir.'. Und dann war es fort, abgelöst von einem verspielten Glitzern und den Worten:

"Mhm, mehr gönnst du mir ja auch nicht."

Chuuya's Nacken war noch steif von dem kalten Schauer, der ihm über den Rücken gelaufen war und er hatte das Gefühl, dass er leicht zitterte, als er den Kopf schief legte. Daraufhin erklärte Dazai:

"Naja, du würdest doch niemals zulassen, das ich mehr tue, als bloß zuzuschauen."

"Hm? Du kannst auch gerne mitmachen."

Chuuya verstand nicht.

"Nein nein, ich meine mit mehr, dass du nicht zulassen würdest, dass ich dich mit mehr als nur einem Sinn, mit mehr als meinen Augen, erfahre."

Nun hob Chuuya die Augenbrauen. Er wusste zwar, dass er Dazai sozusagen an der kurzen Leine hielt, aber das war das erste Mal, dass er sich verbal darüber beschwerte. Und dann hier? War es tatsächlich ein so drängendes Problem für ihn? Chuuya hatte das Gefühl mit Scheuklappen durch die Welt zu gehen, dass er das nicht an ihm bemerkt hatte.

"Osamu... muss das hier sein?"

Dazai zuckte bloß die Schultern, als wäre es ihm eigentlich egal und trat dann vom Eis. Sie blockierten nun schon eine ganze Weile den Eingang, bemerkte Chuuya und folgte dem Braunhaarigen geschwind. Dazais Beine hatten auf dem festen Boden wieder ihren Fortbewegungsvorteil inne und so holte er ihn erst in den Umkleiden wieder ein, wo er auf einer der Bänke saß und seine Füße aus den engen Schlittschuhen befreite. Chuuya näherte sich von hinten, legte sanft seine Arme um Dazais Schultern und lehnte sich leicht über ihn, um ihm einen Kuss auf die kalte Wange zu drücken. Dazai reagierte mit einem Grummeln.

"Ach komm, sei nicht so,"

meinte Chuuya.

"Wie, so? Untervögelt meinst du? Wie soll ich es nicht sein? Wir sind nun schon acht Monate zusammen und... du lässt mich einfach nicht an dich ran."

Es war ein kleiner Stich in die Brust, dass er ihn so beschuldigte. Es war keineswegs so, dass er sich wie ein Eunuch verhielt. Chuuya versuchte den Stich zu überspielen:

"Wow, ganz schön ungehobelt. Dabei weißt du genau, dass ich nicht kann. Ich muss fürs Training aggressiv sein."

"Du hast beinahe jeden Tag Training. Das ist unfair, du vernachlässigst mich."

Chuuya seufzte. Dabei hatte er es für so eine gute Ausrede gehalten. Aber natürlich war es nicht nur das Training. Es war einfach so, dass er zwar nicht gerade abgeneigt, aber um ehrlich zu sein einfach nicht in der richtigen Verfassung war, wirklich intim mit Dazai zu werden. Nicht, während er sein letztes Mal und dessen Konsequenzen immer noch allzu präsent im Hinterkopf sitzen hatte. Ihm war selbst nicht gut dabei, seinem Liebsten immer auszuweichen, aber er konnte einfach nicht anders. Es war besser so, als sich einfach drauf einzulassen und es dann nicht genießen zu können. Denn das wollte er auf keinen fucking Fall. Trotzdem war ihm klar, dass er Dazai nicht ewig einfach so ohne Erklärung hinhalten konnte. Ihm lief die Zeit davon, verdammte Scheiße. Und das nicht nur hierfür, sondern auch für das notwendige Gespräch über das Baby, das sie immer noch zu führen hatten, aber welches er bei jeder günstigen Gelegenheit doch wieder vertagte. Selbst jetzt, wo er es doch schon zum zweiten Mal an einem Tag in nicht wirklich ernst zu nehmende Erwägung zog. Er seufzte wieder und wusste sich nicht besser zu behelfen, als mit den Worten:

"Ja, ich weiß. Tut mir leid. Nach der Weltmeisterschaft wird sich das wieder einpendeln. Und bis dahin... gibt es doch auch noch andere Möglichkeiten, dich einigermaßen zufrieden zu stellen, oder nicht?"

Er setzte sich in einem Anflug von kreativer Improvisation breitbeinig -mit der Bank zwischen den Schenkeln- zu seinem Schmollbraten und sah sich kurz um. Als seine Augen ihm bestätigten, dass sie ungestört waren, hakten sich Zeige- und Mittelfinger seiner linken Hand vorn in den Gürtelbund des Braunhaarigen. Er flickte den Knopf mit dem Daumen auf, zog den Reißverschluss hinab und zerrte an dem Stoff, bis er endlich genug Platz für ihn bot.

"Chuuya, was zum-"

"Schh, jetzt bitte keine Beschwerden mehr und versuch ausnahmsweise einmal leise zu sein, ja?"

Dann senkte er den Kopf in Dazais wartenden Schoß.
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