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This heart will not erase you

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Akiko Yosano Atsushi Nakajima Chuya Nakahara Osamu Dazai Sakunosuke Oda
13.10.2019
25.01.2020
7
17.119
10
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20.10.2019 3.044
 
Und daaa bin ich wieder mit nem neuen Kapi, falls es jemanden interessiert.^^

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Chuuya wachte mit einem Schuldgefühl auf, welches ihm übel werden ließ. Er wäre am liebsten ins Bad gerannt und hätte sich übergeben. Aber das hätte so ausgesehen, als ekelte er sich vor Yosanos nacktem Körper neben seinem und vor dem, was sie getan hatten. Und das konnte er zwar nicht gänzlich leugnen, aber noch weniger der jungen Dame neben sich antun.
Er brauchte dringend mehr Zeit, um seine Gefühle zu ordnen und sich eine anständige Entschuldigung zurecht zu legen. Eine Entschuldigung? Gott, als ob er das mit einer simplen Entschuldigung abtun und wiedergutmachen könnte. Er war einfach nur schrecklich.
Und scheiße man, er hatte keine Ahnung wie er reagieren oder was er sagen sollte, sobald sie aufwachte. Am besten er schlich sich davon und ließ etwas Gras über die Sache wachsen, wenn das denn überhaupt möglich war. Er setzte sich mit Bedacht darauf, die Matratze ihres Bettes so wenig wie möglich zu bewegen, auf und wollte gerade aufstehen und seine Sachen einsammeln, als ihn eine Handvoll kalter Fingerspitzen, die ihn am nackten Rücken striffen, innehalten ließen. Er erstarrte, als hätten sie ihn eingefroren.

"Chuuya, sei kein Arschloch,"

erklang eine vom Schlaf raue Stimme.
Er senkte den Blick, ließ den Kopf auf seine Brust fallen. Hinter ihm kam Bewegung in die Matratze und die samtene mit gelben und orangenen Schmetterlingen bedruckte Bettdecke wurde aufgeschlagen. Zwei schmale Hände legten sich auf seine Schultern und tauten unter Einfluss seiner Körperwärme langsam auf.

"Wenn du jetzt einfach so gehst, dann wird unsere Freundschaft so sicher hier dran zerbrechen, wie das Amen in der Kirche. Wenn du hier bleibst... Können wir vielleicht darüber reden."

Darüber reden? Wie konnte sie nur so ruhig bleiben? Sie hatten verdammt nochmal miteinander geschlafen.
Die nun warmen Finger massierten seine steifen Schultern. Er hatte diese Behandlung nicht verdient.

"Chuuya, ich weiß was du denkst. Und ja, du bist ein verdammter Idiot mit deiner besten Freundin zu schlafen, nur weil dein Crush dich sausen lassen hat. Echt jetzt, ich sollte dir dafür in den Hintern treten. Vielleicht mach ich das auch noch. Aber abgesehen davon war es alles andere als schlecht, okay?"

Er sah sie ungläubig über seine Schulter hinweg an. Sie wollte ihn doch bloß beruhigen. Es war so offensichtlich.
Doch dann errötete sie unter seinem Blick und legte die Stirn zwischen seine Schulterblätter und plötzlich dämmerte es ihm.

"Yosano, ich bin schwul."

Sie lachte leicht gekünstelt.

"Ich weiß."

Betretenes Schweigen legte sich über sie beide und Chuuya traute sich nicht auch nur einen Muskel zu bewegen, bis sie ihre Stirn mit einem Seufzen von seinem Rücken nahm und aufstand. Sie bürstete sich vor seinen Augen die Haare und warf sich einen Bademantel über die Schultern und es war Chuuya, als wollte sie sich selbst beweisen, dass sie wusste, mit ihrem weiblichen Körper nichts in ihm auslösen zu können, wenn er nüchtern war. Er seufzte und wünschte sich für einen Moment es wäre anders. Sein gesamtes Leben wäre so viel einfacher, wenn er sich zu ihr hätte hingezogen fühlen können. Stattdessen hatte die letzte Nacht zwei gebrochene Herzen geboren.
Yosano sah ihn an und lächelte dann.

"Vielleicht kann ich versuchen, mich stattdessen in deine Schwester zu verlieben, hm? Vielleicht hab ich mir ja letzte Nacht auch vorgestellt mit ihr zu schlafen und nicht mit dir. Was weißt du schon?"

Eine rhetorischere Frage hätte sie nicht stellen können, aber er spielte mit.

"Gut möglich. Du wärst nicht die Erste, die mich letzte Nacht mit ihr verwechselt hätte."

Sie strich sich das Haar hinters Ohr, bevor sie sich genierte und den Blick abwandte.

"Ja, du solltest dir wirklich die Haare schneiden lassen. Und wenn du schon dabei bist, kannst du dich auch grad mal rasieren."

"Hey!"

Ein Kissen traf sie noch am Hinterkopf, bevor sie kichernd aus dem Zimmer trat und die Treppe hinunter hüpfte.
Chuuya war über alle Maße erleichtert, dass sie so schnell in ihre normalen Umgangsformen zurückgekehrt waren, dass es ihm ein Paar Bruchstücke seines Herzens wieder leise zusammenfügte. Und als er sich fertig angezogen zu ihr an den Frühstückstisch gesellte und ihr Kaffeepulverchaos beseitigte, war es als wäre nichts weiter passiert. Es war, als hätten sie bloß eine neue Erfahrung miteinander geteilt.

.

Aber die Realität sah leider anders aus.
Auch wenn sie dieses Ereignis für eine ganze Weile erfolgreich verdrängt hatten, holte es sie nur 6 Wochen später wieder in rasendem Tempo ein.
Yosano ging es nicht gut, sie war launisch, stritt mit ihren Eltern und fühlte sich im großen und ganzen überaus mulmig. Wahrscheinlich ihre Tage, dachte sich Chuuya, dabei war es genau das Gegenteil.

Yosano war schon längst überfällig und sie machte einen Schwangerschafttstest und dann noch einen und noch einen, denn was sollte es bitte sonst sein?

Als sie das dritte Stäbchen zwischen ihren Beinen hervorholte und einen Blick darauf warf, zeigte es das gleiche Ergebnis wie die beiden vorangegangenen.
2 Striche.
Ihr Kopf knallte an den Wasserbehälter der Toilette und die Spülung sprang an, doch sie zuckte nicht einmal zusammen, sondern starrte bloß an die Decke, die ihr jeden Moment auf den Kopf zu fallen drohte.
Scheiße. Schöne Scheiße. Was jetzt?
Blöde Frage. Sie würde und könnte Chuuyas Kind niemals, unter keinen Umständen und auf gar keinen Fall abtreiben. So viel war klar. Sie war insgeheim noch genauso wenig über ihn hinweg, wie er über Dazai.
Und die Lüge, sie hätte es geschafft und wäre von seiner Schwester schwanger zog auch nicht. Sie musste kurz selbst auflachen, bei diesem lächerlichen Gedanken.
Okay, es half alles nichts. Chuuya würde es sowieso bald bemerken und Fragen stellen. Yosano glaubte nicht daran, ihn wirklich allen Ernstes über so etwas anlügen zu können. Trotzdem zitterte ihre Hand kaum merklich, als sie seinen Kontakt auswählte und auf den grünen Hörer drückte.
Es hupte eine ganze Weile, ehe der Anrufbeantworter ranging. Yosano seufzte. Wahrscheinlich war er schon wieder beim Training. In letzter Zeit ging er bis zum Äußersten, um immer besser zu werden und seinem Traum der Weltmeisterschaft näher zu kommen. Ihr wurde kurz flau bei dem Gedanken der ganzen Muskeln unter seiner Kleidung. Ein Glück schreckte der Piepston sie aus ihren Fantasien.

"Hey... uhm, Chuuya, hier ist Yosano. Könntest du später bei mir vorbeischauen? Ich hab was wichtiges mit dir zu besprechen."

sprach sie aufs Band und saß den Rest des Tages die Türklingel fürchtend auf ihrem Bett. Als sie dann 4 Stunden später tatsächlich Alarm schlug, zuckte sie vor Schreck heftig zusammen.
Als sie sich soweit beruhigt hatte aufzustehen, hörte sie wie ihre Eltern Chuuya bereits die Tür öffneten und ihn fröhlich begrüßten, als wäre er bereits Teil der Familie. Sie fühlte sich etwas schlecht dafür, ihm diese Ersatzfamilie womöglich bald zu entreißen, denn er hatte nur seine Schwester hier in Japan und wenn ihre Eltern erfuhren, wessen Baby in ihr heranwuchs... Sie schüttelte schnell den Kopf. Um ihre Eltern würde sie sich ein andermal kümmern. Jetzt galt es ihre volle Aufmerksamkeit auf die Schritte zu legen, die flink und zielgerichtet die Treppe hinauftapsten.
Schon öffnete sich die Tür zu ihrem Zimmer. Er begrüßte sie mit einem saloppen "Hey", bevor er die Tür hinter sich schloss und rüber zu ihrem Schreibtisch ging, um sich dorthin zu setzen. Seine Haarspitzen waren noch feucht von der Dusche, die er genommen hatte und er verströmte im ganzen Raum sein herbes Parfum und den Geruch seines Duschgels.

"Könntest du bitte ein Fenster aufmachen?"

Er grinste, aber kam der Aufforderung nach.

"Hältst du meine Aura etwa schon nicht mehr aus?"

Nein, eigentlich brauche ich bloß etwas frische Luft, um dir etwas völlig verrücktes möglichst nüchtern beizubringen, dachte sich die Schwarzhaarige und seufzte.
Nun lehnte er am Schreibtisch und ließ seinen Blick über das Durcheinander wandern, wobei er an der leeren Verpackung des dritten Schwangerschaftstests hängen blieb. Sie hätte ihren Koof am liebsten gegen die nächste Wand geschlagen. Chuuya hob die Verpackung auf und warf Yosano einen gemischten Blick zu. Darin spiegelten sich Überraschung, Ungläubigkeit, Ratlosigkeit und auch ein klitzekleines bisschen Entsetzen. Besonders letzteres erweckte in ihr eine winzige Hoffnung es ihm vielleicht nicht erklären zu müssen, da es ihm womöglich selbst schon dämmerte.

"Uhm... du... bist du schwanger?"

Okay, keine Chance, Chuuya war einfach nur hoffnungslos begriffsstutzig. Als Antwort nickte sie bloß knapp.

"Oh."

Ja, oh. Sie schloss die Augen, um sich kurz darauf vorzubereiten ihm zu sagen, dass er der Vater war, als er wieder den Mund aufmachte:

"Ich wusste gar nicht... dass du einen Freund hast. Weißt du, du könntest mich manchmal schon ein bisschen besser informieren, ich dachte wir wären beste Freunde."

War das wirklich sein Ernst? Hatte er wirklich nicht einmal einen einzigen Gedanken daran verschwendet, was sie in dieser verbotenen Nacht vergessen hatten?

"Chuuya, beruhig dich. Ich habe keinen Freund."

Was für eine Ironie. Es wäre beruhigender, wenn sie einen hätte.

"Das Kind ist von dir."

Man sah deutlich, wie er sich an der Kante des Schreibtisches festkrallte und jede Farbe sein Gesicht verließ.

"Was?"

fragte er atemlos.

"Musst du es mich nochmal aussprechen lassen? Du hast mich geschwängert. Am 15. Juni, Irgendwann zwischen 23 und 1 Uhr, okay? "

Nein, ganz und gar nicht okay. Ihre Hand wanderte zu ihrem Bauch und sie konnte nur um ein Haar verhindern Tränen zu vergießen.
Diesmal schaltete Chuuya recht schnell und war sofort an ihrer Seite. Es war wie ein Beste-Freunde-Reflex, ein Schutzmechanismus. Sie spürte seinen Arm um ihre zitternden Schultern, aber es half nicht sonderlich viel. Viel eher war ihr noch mehr danach einfach loszulassen und die Tränen fließen zu lassen. Aber sie war eine zu starke Frau, um sich einfach vor jemand anderes Augen so gehen zu lassen, also atmete sie ein paarmal tief durch, bis ihre Augen endlich aufhörten zu brennen und ihre Lungen aufhörten zu zittern und ihr Ohr eine leise, vorsichtig gemurmelte Entschuldigung entgegennahm.
Sie schüttelte den Kopf.

"Das ist nicht nur deine Schuld, ich hätte genauso dran denken sollen. Außerdem ist das doch jetzt auch völlig egal. Es ist zu spät.
Wir sollten uns eher fragen, was wir jetzt tun?"

Chuuya blieb eine ganze Weile lang still und Yosano war trotz der Scham, die sie verspürte und am liebsten verstecken wollte, irgendwie ziemlich erleichtert, dass er immer noch hier neben ihr saß und nicht einfach vor diesem Horror geflohen war. Gerade seine Worte waren reiner Salbei für ihre Seele:

"Das kommt drauf an, was du tun möchtest."

Er hatte das nicht verdient, dachte sich die Schwarzhaarige. Nein, das hatte er wirklich nicht. Eine Schelle wäre zwar durchaus angebracht gewesen, aber eine komplett vermurkste Zukunft, wo er doch gerade erst das Herz gebrochen bekommen hatte? Yosano fühlte sich unglaublich schlecht, obwohl sie wusste, dass sie nichts hierfür konnte. Zumindest beinahe nichts. Es kostete sie etwas Überwindung ehrlich zu sein, aber schließlich gab sie zu, das Baby behalten zu wollen.

"Wenn du nichts dagegen hast, natürlich."

"Nein, überhaupt nicht. Es ist schließlich deins."

Autsch. Nicht unseres, sondern deins.

"Ich werde vermutlich Hilfe dabei brauchen."

Sie war einfach immer noch zu stolz diese... unglückliche Bemerkung von ihm, die sie getroffen hatte wie eine Beleidigung, einfach so wegzustecken, auch wenn sie Chuuyas Zukunft damit nun doch ganz offiziell willentlich verbaute. Denn sie wusste, er würde ihr diese Hilfe nicht abschlagen können. Und sie wusste, sie war eine zweigesichtige Teufelin in der Art, wie sie es gesagt hatte und in der Wahl ihres Tones.
Wie würde sie das nur wieder gutmachen können?


««««««««««»«»«»«»«»«»»»»»»»»»»

Dazai piddelte an den Enden seiner Strickpulliärmel herum. Dies schien ihm eine bessere Beschäftigung als sinnlos durch die Kanäle zu zappen und sich doch nur dummes Geschwätz anzuhören.
Sein Verlobter stand draußen auf dem Balkon des Apartments, das sie sich seit Dazais Abschluss teilten und rauchte.
Dazais maskeradenähnliche Mundwinkel hatten damit für einen Moment lang Pause.
4 Minuten, um genau zu sein. Er zählte die Sekunden.
Als sich die Schiebetür öffnete und er hereintrat, waren allerdings 5 Minuten und 42 Sekunden vergangen.
Dazai runzelte die Stirn. Das bedeutete entweder, dass ihn etwas in Gedanken beschäftigte, oder dass er zwei geraucht hatte, weil ihn etwas in Gedanken beschäftigte oder dass die Katze von nebenan dagewesen war. Doch für letzteres sah er nicht glücklich genug aus, als er rein kam, sich zu ihm auf die Couch fallen ließ und ihm einen kurzen, rauchigen Kuss von den Lippen stahl. Die Stoppeln seines unrasierten Kinns fühlten sich rau an. Ganz anders, als sich ein Kuss von Chuuya unter dem Mondlicht draußen in der kühlen Abendluft vor der verzierten Festhalle wohl angefühlt hätte und er zuckte vor Überraschung beinah zurück.
Sein Blick traf auf blaue Iriden, obwohl ihre Augen angesichts der Intimität eines Kusses demütig geschlossen sein sollten. Doch einmal ertappt, konnte er sich nicht mehr dazu durchringen sich nur der Pflicht wegen erwartungsgemäß zu verhalten. Sie starrten einander an, sahen bis auf den Grund der Seelenspiegel ihres Gegenübers, während ihre Lippen eine fremde Sprache miteinander sprachen und Dazai war sich sicher, durchschaut worden zu sein. Und das gründlicher, als er sich selbst durchschaut hatte, stellte sich heraus, als sie beide sich voneinander trennten und gebührenden Abstand nahmen.

"Du bist unglücklich,"

sagte Odasaku.

Ich wünschte, ich könnte es verleugnen, dachte sich Dazai, wusste aber instinktiv, dass es besser war zu schweigen.

"Und das schon seitdem du diese Schule verlassen hast."

Natürlich, seit wann auch sonst?

"Aber du gehst jetzt zur Uni... drückst immer noch die Schulbank, kannst immer noch lernen. Also muss es eine Person sein, die dich unglücklich macht."

Dazai versteifte sich. Der Rothaar kannte ihn eindeutig zu gut.

"Willst du mir davon erzählen? Ich würde sagen, ich verdiene es, nachdem ich wochenlang auf eine Besserung gewartet habe, die nicht eingetreten ist."

Odasaku war heute außergewöhnlich redselig. Ihm zuliebe. Also entschied sich Dazai dafür, ihm den gleichen Gefallen zu tun, egal wie falsch es sich anfühlte seinem Verlobten über eine geheime Liebe zu erzählen, die doch auf irgendeine seltsame Weise immer noch hinter ihrer beider Rücken existierte. Im Geheimen. In Dazais Unterbewusstsein, aber doch so klar und deutlich ausmachbar für Oda, als wäre es ihm auf die Stirn geschrieben.

"...Im zweiten Jahr der Mittelschule kam ein neuer Schüler zu uns in die Klasse. Lockige, orangerote, feurige Haare, schiefe Frisur, himmelblaue Augen, 1,60m groß, eine große Schwester -Praktisch eine größere weibliche Version von ihm- und aus Frankreich. Er hatte einen schrecklichen Akzent und war unglaublich impulsiv und sportlich. Alle Jungs hassten ihn vom ersten Augenblick an, denn er wurde zum größten, wenn auch sehr heimlichen Schwarm der Mädels -denn er war immer noch Ausländer und unsere Schule sehr konservativ- und er wurde sehr schnell berühmt für sein Talent zu küssen."

"Zum Schwarm der Mädels und eines gewissen schlaksigen Jungen,"

wurde er unverschämt unterbrochen. Doch Dazai führte Odasakus Satz einfach zu Ende:

"...der ziemlich eingeschnappt war, dass man ihm seinen Ruf stahl."

"Aber mindestens doppelt so verknallt."

Der Braunhaarige musste unverzüglich Schmunzeln, egal wie unangebracht es war.

"Na schön, na schön. Und bis zum Mond und zurück verknallt. Was aber nichts daran änderte, dass dieser rothaarige Junge ihn über alles zu verabscheuen schien. Vielleicht lag es daran, dass der Japaner aus Eifersucht auf die Freunde und Freundinnen des Franzosen immer wieder wirklich fiese und dumme Sachen über ihn sagte und verbreitete."

"Ja, das sieht dir ähnlich."

"Klappe!"

Dazai rieb sich nervös den Ellbogen und kürzte seine Story hier ab, indem er direkt zu Chuuyas Geständnis und dem Fakt sprang, dass es für Dazai Osamu bereits zu spät gewesen war. Dazwischen lag sowieso nichts weiter als Ignoranz und Unterdrückung seiner Gefühle.
Als Dazai endete, schien Oda eine ganze Weile seinen Gedanken nachzuhängen. Genau wie so oft die letzten Tage, bemerkte er und wurde sich klar über den Schmerz, den er seinem Verlobten mit seiner stillschweigenden Sehnsucht beschert haben musste. Doch anders als die letzten Tage, schien er heute letztendlich zu einem Ergebnis zu kommen. Dazai vernahm, wie sich Odasaku das raue Kinn rieb und dann seufzte.

"Danke. Jetzt weiß ich, wer es ist."

Und nach einer längeren Pause, in der Dazai sich kaum berechtigt sah zu Atmen, fügte er hinzu:

"Es ist ziemlich traurig zu wissen, dass ich es bin, der dich unglücklich macht. Aber so ist es nun einmal."

"Was? Nein, das stimmt nicht!"

Oda sah ihn an.

"Doch, das tut es. Du willst es nur nicht akzeptieren. Vielleicht um meinetwegen. Jedenfalls ist das ein tröstlicher Gedanke."

"Odasaku... Bitte."

"Wenn ich dir die Wahl geben würde, wofür würdest du dich dann entscheiden? Für eine Beziehung, in der wir uns beide nur etwas vormachen oder für eine zweite Chance in der Liebe? Für jeden von uns."

Mit diesen Worten zog Odasaku das silberne Band vom Ringfinger seiner linken Hand, legte ihn vor sich auf den gläsernen Beistelltisch, wo er einen viel zu hellen, kreischenden, schmerzenden Ton von sich gab und verließ auf leisen Sohlen nicht nur das Wohnzimmer, sondern auch das Leben eines anderen Mannes.
Dazai Osamus Leben.

Er selbst wäre am liebsten aufgesprungen und ihm nachgerannt, wäre ihm zu Füßen gefallen und hätte ihn angebettelt, ihn nicht einfach so zu verlassen und zu vergessen. Nach alledem liebte er ihn doch immer noch, auch wenn sich diese Liebe nicht als romantische herausgestellt hatte. Er wollte ihn nicht verlieren.
Aber wer war er, Odasakus Entscheidung einfach nicht zu akzeptieren?
Als der Braunhaarige zögerlich den Ring vom Tisch aufnahm und in seiner Hosentasche verschwinden ließ, war er bereits so weit abgekühlt, dass man ihm Odas anhaftende Körperwärme kaum noch anmerkte und Dazai realisierte, wie kalt der Rothaarige sich doch in den letzten Wochen ihrer Beziehung gefühlt haben musste.
Er hätte noch etwas sagen sollen. Danke. Oder es tut mir leid. Oder beides. Aber jetzt fühlte es sich an, als wäre er bereits hunderte von Kilometern von ihm entfernt, obwohl er wahrscheinlich bloß nebenan im Schlafzimmer saß und in seinem Lieblingsbuch las.
Das tat er immer nach einem schlechten Tag.
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