This heart will not erase you

GeschichteRomanze, Angst / P18 Slash
Akiko Yosano Atsushi Nakajima Chuya Nakahara Dazai Osamu Sakunosuke Oda
13.10.2019
08.11.2019
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Willkommen!
Zu dieser Achterbahn an Gefühlen und Drama!
Ich kann nicht glauben, dass ich diese Gesichte wohl wirklich umsetzen werde... oder schon damit angefangen habe, ohje. Aber es macht einfach riesigen Spaß und ich hoffe das bleibt auch so, damit ich sie tatsächlich fertigstellen kann. Normalerweise bin ich nicht sonderlich gut darin lange Geschichten zu schreiben. Aber genug geredet. Ich halte hier bloß auf, dabei wollte ich nur meine Warnung aussprechen, die sowieso schon in der Kurzbeschreibung steht.
Also viel Spaß beim Lesen!
Über Feedback freue ich mich immer, wer tut es auch nicht ;D


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"Na, welche Aussicht genießen wir heute Morgen?"

Ein Tablett gefüllt mit Omelett, Endiviensalat und Schokopuddingdessert, getoppt mit einem Quirl aus Sahne und Schokostreuseln, sowie eine eisgekühlte Coca Cola landeten neben seinem eher bescheidener ausfallendem Mittagessen.

"Hmm... dem 10° Winkel abwärts nach zu urteilen... den Anblick von Dazai Osamus Allerwertestem?"

Chuuya lief augenblicklich knallrot an und räusperte sich ertappt, sehr zum Vergnügen der jungen Dame, die sich nun zu ihrem Essen gesellte.

"Ich muss schon sagen, dass ist eine köstliche Aussicht, aber ich glaube dein Essen wird kalt, Chuuya."

Das war ihre Art ihm mitzuteilen, dass er starrte und er senkte sogleich ruckartig den Blick auf sein eigenes kalorienreduziertes Mittagessen.

"Du spinnst doch, halt die Klappe."

Das war seine Art ihr zu danken.

"Ach was, du hast ja keine Ahnung wieviele da so am Tag hinstarren. Ich führe eine ganze Blacklist an Namen potentieller Rivalen nur für dich. Möchtest du sie sehen?"

"Nein, danke."

Er wusste auch ohne ihre Unterstützung, dass Dazai Osamu nicht gerade umsonst als gutaussehendster und intelligentester Schüler der ganzen Mori Ougai Kōtō Gakkō galt und obendrein bereits mehrmals als Schulsprecher vorgeschlagen wurde. Natürlich gab es da auch noch diverse andere Gerüchte was Beziehungen und Privatleben anbelangte, aber wirklich glauben sollte man diesen lieber nicht. Auch wenn sicher niemand, aber auch absolut niemand, von sich behaupten konnte, nicht schon mindestens einmal ein Wort über ihn fallen gelassen zu haben.
Chuuya wurde mit einem folgendem Herzinfarkt aus seinen Gedanken gerissen.

"Ah, Chuuya. Er schaut hier rüber. Soll ich ihm winken? Wir haben doch noch was frei."

"Nein!"

Sie hob den Arm und wedelte wie wild in der Luft herum.

"Yosano! Bist du von allen guten Geistern verlassen?"

Er versuchte schnell ihren Arm runterzureißen, doch zu spät, Dazai Osamu hatte sie bereits gesehen und kam nun mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen geradewegs auf ihren Tisch zugeschlendert. Chuuya nahm schnell die Hände von Yosanos Arm und wandte sich wieder seinem Essen zu. Er hätte bereits jetzt im Boden versinken können.

"Darf ich?"

Er zuckte kurz. Der Braunhaarige war schneller an ihrem Tisch angelangt, als erwartet.

"Nein,"

maulte Chuuya direkt ohne nachzudenken. Allerdings überschnitt sich dieses 'Nein' mit dem nur allzu fröhlichen, weiblichen "Klar" von seiner Seite.

Ein etwas unschlüssiges Lächeln war die Folge. Und ja, Chuuya hatte es gesehen, weil er zu ihm hinauf gelinst hatte.

"Ach, Chuuya ist nur ein bisschen schüchtern."

"Verstehe."

Das war ihm ja mal eine schöne Freundin. Von wegen, diese Verräterin. Diese Hexe.

"Und Nakahara-san scheint für Nachtisch nicht besonders viel übrig zu haben. Ich kenne niemanden, der so einfach auf diesen göttergleichen Schokopudding verzichten würde,"

versuchte der Braunhaarige ihnen Gegenüber schnell die Situation zu entschärfen und ein wenig von Chuuyas Eis zu brechen. Er hatte nicht einmal eine Ahnung, warum es überhaupt dort war. Er sollte Yosano für diese einmalige Gelegenheit mit seinem verdammten Highschool-Crush zu Mittag essen zu können, dankbar sein.
Chuuya hob den Blick und das Eis schmolz beim Anblick dieser kurzen kastanienbrauen Locken, die über seine ebenso dunklen, sanften, aber doch überaus scharfen Augen fielen, dahin. Nur kurz darauf begann es schon zu kochen und ihm die Ohrenspitzen zu versengen. Sein Blick glitt zur Seite. Er war so erbärmlich.

"Sportler, eben. Immer dasselbe mit denen. Außerdem nennt ihn wirklich niemand außer den Lehrern beim Nachnamen."

Gottseidank wusste Yosano, wann sie einzuspringen hatte. Sein Engel. Was würde er nur ohne sie tun?

"Achso? Dann, Chuuya-san, ja? Chuuya-san und Yosano-san."

Er nahm das zurück. Wer hatte ihr das Recht gegeben diesem Schönling seinen Vornamen anzubieten? Er hatte das selbst tun wollen. Chuuya brummelte nur kurz und Yosano gab ein leises Kichern von sich. Sie verschlangen alle drei hungrig ihr Kantinenessen, ehe Dazai noch einmal versuchte seinen rothaarigen Mitschüler ins Gespräch zu verwickeln:

"Martial Arts, nicht wahr? Wir waren schon in der Mittelschule in einer Klasse. Eigentlich ist es komisch, dass wir nie ins Gespräch kamen."

"Soll bei Ausländischen und Austauschschülern öfter vorkommen."

Yosano zwickte ihm einmal kräftig ins Bein und er hatte Glück vom Training bereits so abgehärtet zu sein, dass sein Bein nicht unten gegen die Tischplatte schnellte. Auch die Beschwerde verkniff er sich und so war eine ganze Weile nur das Zusammenkratzen von Soße zu hören.

"Es lag nicht in meiner Absicht, falls ich-,"

fing Dazai an, wurde aber von Chuuya unterbrochen.

"Schon okay. Ich hätte mich um ehrlich zu sein auch nicht angesprochen."

"Ach was. Ich habe viel Gutes über dich von den anderen Sportlern gehört."

"Ja, er kann auch nett sein. Wenn er will." Yosano stupste den Rothaarigen aufmunternd mit der Schulter an, der daraufhin nur ein "Mh" von sich gab.

Also wollte er wohl nicht in ein Gespräch mit ihm verwickelt werden. Dazai senkte den Blick. Dabei hatte er so viele Fragen an diesen eigenartig aussehenden befremdlichen Jungen. Die hatte er schon immer gehabt, aber irgendwie schienen diese stechend eisblauen Augen ihn auch immer auf Abstand zu halten. Er seufzte bloß. Na schön, er wollte ihn nicht drängen. Keinesfalls.
Selbst wenn ihm die Zeit langsam knapp wurde. Nur noch ein Jahr und ihre Wege würden sich wohl im Sand verlaufen. Ach, was dachte er da. Wenn es nach seinem Vater ginge, dann hatte er sicher nicht einmal mehr ein Jahr Freiheit zu genießen. Etwas enttäuscht nahm er sein mittlerweile leeres Tablett in die Hand und verabschiedete sich von den beiden. Dabei kam ihm die Vertrautheit in den Sinn, mit der sie miteinander umgingen. Die Schwerelosigkeit und das laute Lachen, welches so oft von diesem Tisch ausging und weswegen er schon so lange auf eine solche Gelegenheit wie heute gehofft hatte. Aber das war wohl ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Wortwörtlich. Dazai bekam eine Gänsehaut bei der Erinnerung dieser Augen, selbst wenn sie beinah ausschließlich vor seinem Blick geflüchtet waren.
Schüchtern, hm?
Ob die beiden miteinander gingen?


Chuuya war außer sich. Er zerknüllte den Papierbecher seines Wassers und vergaß dabei ganz und gar, dass er ihn nicht einmal ausgetrunken hatte. Die Sutsche lief ihm über die Finger und er konnte nur mit Mühe eine ziemlich dreckige Schimpftirade vermeiden.
Er nahm sich ohne zu Fragen Yosanos Serviette und trocknete sich daran die Finger ab.

"Ich hasse dich dafür."

"Wenn du nicht so verklemmt gewesen wärst, hätte das richtig gut laufen können."

"Ich war nicht verklemmt, ich war unvorbereitet."

Außerdem, es hätte gut laufen können? Alles klar. Er wusste nicht einmal, ob Dazai überhaupt an Männern interessiert war, geschweige denn, ob er sich gerade in einer Beziehung befand. Alles, was ihn betraf, war immer so krisselig und verschwommen. Wie ein Hollywood-Film mit Verbindungsstörungen. Dazai erzählte nie viel von seinem Privatleben. Niemandem. Chuuya hatte oft genug leise auf seiner Schulbank sitzend heimlich den Gesprächen gelauscht, um im absolut Unklaren zu sein. Er seufzte.

"Mach sowas einfach nie wieder, okay? Ich hätte mich mit dem Anblick seiner Rückseite vollkommen zufrieden gegeben."

Herrje, er hörte sich an wie eins der Mädels aus dem Ersten Jahrgang.

"Hey, ohne mich hättest du nicht mal bis zum Abschlussball, wo du vielleicht endlich mal betrunken genug wärst, mit ihm gesprochen."

.

Und so kam es auch. Mehr oder weniger. Denn Chuuya war nüchtern, als er am 15. Juni um Punkt 21 Uhr auf den jungen Mann zuging, der nie besser ausgesehen hatte, als in diesem schwarzen maßgeschneiderten Anzug, ein ganz sanft liniertes Hemd darunterliegend und mit einer grauen künstlerhaft gebundenen Krawatte um den Hals, die sich perfekt an seinen Kragen schmiegte.
Sie beide trennte vielleicht noch 5 Schritte, da wurde er schon wieder um einen Tanz gebeten und auf die Mitte der Tanzfläche entführt. Chuuya blieb wie angewurzelt stehen. Das war ihm an diesem Abend nicht zum ersten Mal passiert und um ehrlich zu sein fing seine Entschlossenheit langsam an darunter zu bröckeln. Und der Alkohol drüben auf den Tischen kam ihm immer verlockender vor.
Wie sollte er so nur eine Möglichkeit bekommen ihm zu sagen, was er zu sagen hatte?
Plötzlich legte sich eine Hand auf seine Schulter, während eine zweite nach seiner eigenen griff und sie zu einer schmalen Taille hin führte. Er fühlte den seidigen Stoff eines roten Cocktailkleides unter seinen Fingern. Yosano trug andere Kleider wie seine Schwester Kouyou, die man mit einem eleganten mehrlagigen Kimono am glücklichsten machen konnte. Seine beste Freundin trug einen Ausschnitt, der nicht viel Interpretationsraum übrig ließ und der seitliche Schlitz ihres Kleides reichte ihr bis zur Hüfte. Um ihren Hals trug sie eine weiße Perlenkette und in ihrem auf der rechten Seite zurückgestrichenen Haar zierte eine künstlich große rosarote Kirschblüte ihre Schläfe. Sie lächelte ihn aufmunternd an und sie war schön. Er befand sich bereits 12 Schritte und eine Umdrehung lang in dem Tanz, in den sie ihn mit solcher Leichtigkeit geführt hatte, als er zu dieser Schlussfolgerung kam und ihr diese mitteilte. Ihr Lächeln wurde noch breiter. Zumindest einer von ihnen konnte diesen Abend genießen.

"Ich weiß, was du denkst."

Er verdrehte die Augen.

"Dein Atem riecht nach Alkohol."

"Danke~"

"Immer doch."

"Du wirst ihn nicht lange aushalten müssen, ich tanze dich nur schnell rüber zu diesem gutaussehenden Typen in schwarz."

Er hatte nicht viel Zeit darauf zu reagieren, geschweige denn zu widersprechen, denn im nächsten Moment trafen sie auf das andere Paar und wechselten in einer fließenden Bewegung die Tanzpartner. Chuuya schlug das Herz bis zum Hals, als Dazai wie selbstverständlich die Herrenrolle übernahm und ihn an der Taille an sich heran zog. Glitzernd bernsteinfarbene Iriden trafen auf seine und blinzelten zweimal überrascht.

"Oh, Chuuya-san! Ich habe dich wohl gerade für einen kurzen Moment mit deiner Schwester verwechselt."

Dazai lachte vergnügt, doch Chuuya hätte ihm beinah ins Gesicht gespuckt, dass er das jetzt ganz gewiss nicht wissen wollte. Ein Glück war er viel zu sehr darauf konzentriert sich nicht allzu sehr auf die Hand an seiner Hüfte und Dazais nicht einmal einen halben Meter entfernte Lippen zu konzentrieren.

"Sie hatte letztes Jahr ihren Abschluss, nicht wahr? Ein... guter Freund lud mich ein und ich bekam die Gelegenheit mit dieser rothaarigen Schönheit zu tanzen."

"Aha."

Es folgten einige unkommentierte Schritte, ehe Dazai ihn in eine ausschweifende Bewegung führte, die beinhaltete, dass Chuuya sich in seinen Arm fallen ließ und Dazai sich leicht über ihn hinweg beugte. Es schien ganz so, als hätte er auf genau die Ausgangsstellung gewartet, um weiterzusprechen:

"Und dieses Jahr bekomme ich so eine Gelegenheit schon wieder. Die Göttin Benzaiten muss mich wohl lieben."

Zugegeben, Chuuya fühlte sich geschmeichelt. Er mochte dieses eine Mal darüber hinwegsehen, dass er mit einer Frau verwechselt wurde, die seine Schwester war und ganz obendrein auch noch um einiges größer war, als er selbst.
Dazai half ihm zurück in die senkrechte Lage und strich sich durchs Haar.

"Du hast mich sozusagen vor einer ganzen Reihe von 15 cm-Absätzen gerettet. Ich danke dir."

Chuuya schmunzelte bloß, denn er wusste, dass er die Wahrheit sagte. Nun, nicht gänzlich. Aber dass nicht unbedingt Chuuya allein es war, der ihm die Zehen gerettet hatte, brauchte er ja nicht zu wissen.

"Möchtest du was trinken?"

"Gern."

Er war ein wenig stolz auf sich selbst, wie selbstbewusst und flüssig ihm dieser kleine Satz von der Zunge gegangen war. Die Zuversicht kehrte zu ihm zurück, als sie sich beim Sekt bedienten und raus auf den Schulhof gingen, um der stickigen Luft und dem Lärm zu entgehen.
Chuuya atmete die frische Nachtluft tief ein und wusste, er würde sein Vorhaben erfüllen. Er hatte vier Jahre lang auf diesen Moment gewartet. Es war nahezu verrückt und er durfte nicht länger darüber nachdenken, sonst würde all die Unsicherheit doch wieder ihren Weg zurück zu ihm finden. Selbst, wenn er wusste, dass er sich praktisch nicht mehr blamieren konnte. Es war ihr letzter Tag und seine Blamage wäre so schnell vergessen, dass er sich nicht darum sorgen musste. Er brauchte keine Angst zu haben hiernach schiefe Blicke zu kassieren, das neue Opfer des Schultratsches zu werden oder sich und seine Gefühle verstecken zu müssen.
Trotzdem schlug ihm das Herz bis zum Hals. Er trank sich noch drei Schlucke prickelnden Mutes an, ehe er sich Dazai zuwand, der bis hierhin das Meer hinter dem Grundstück der Schule beobachtet hatte.

"Dazai-san. Ich muss dir etwas sagen. Schon seit langem..."

Er hatte augenblicklich Dazais vollste Aufmerksamkeit.

"Ich- Ich-"

Dazais Augen weiteten sich und die Hand, in der er sein Sektglas hielt, sank. Keine Frage, er musste bereits erraten haben, was das hier werden sollte und es fühlte sich so unendlich komisch an etwas auszusprechen, das doch für sie beide so offen auf der Hand lag.

"Also ich-"

"Oh, Chuuya,"

unterbrach der Braunhaarige ihn einfach mitten in seinem Geständnis und sein Gesichtsausdruck gab einfach nichts davon Preis, was das nun zu bedeuten hatte. Nur seine Augenbrauen zogen sich zusammen und bildeten Furchen in der Haut zwischen seinen Augen. Es war ein Gesichtsausdruck, den man machte, wenn man Schmerzen empfand.

"Oh, Chuuya. Ich... wie soll ich das nur sagen? Das... kommt wirklich unerwartet. Ich dachte, du würdest mich nicht ausstehen können."

Seine Stimmbänder zitterten ein wenig, als er ihn vom Gegenteil überzeugte und er fühlte sich, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich:

"Ich habe mich in dich verliebt, Dazai Osamu."

Dazais dunkle Augen leuchteten auf, sie glitzerten in dem Schein, den die Lichter von drinnen nach hier draußen warfen, als sie sich mit Tränen füllten.

"Chuuya... Ich bin seit einem Monat verlobt."

.

Das wars, er sah es in diesem makellosen Himmelblau, über das Schatten fielen, wie dunkle Gewitterwolken. Er hatte Chuuyas Herz gebrochen, mit nur einem Satz und es tat Dazai so unendlich leid. Er wünschte er hätte diesen Satz nicht sagen müssen, aber er war so überzeugt davon gewesen, dass sich Chuuya und Yosano in einer Beziehung befanden und dass Chuuya nicht besonders viel für ihn übrig hatte. Niemals hätte er zu träumen gewagt, dass ausgerechnet er ihm die Liebe gestehen würde,  selbst wenn er Chuuya nicht nur ein oder zweimal verstohlen in seine Richtung starren sehen hatte. Reue erfüllte ihn, als er realisierte, dass das alles hätte anders laufen können, wenn er selbst den Mund aufgemacht hätte. Warum hatte er eigentlich gezögert? Warum hatten sie sich gegenseitig bloß beobachtet? Warum waren sie nicht einfach aufeinander zugegangen? Er war doch sonst nicht so zurückhaltend.
Die Antwort war so einfach und dumm zugleich: Weil sie einander als unantastbar betrachtet hatten. Ihre Freundeskreise, ihre Prioritäten, ihr Ruf, ihre Kurse und Überzeugungen waren so Welten voneinander entfernt gewesen, als Chuuya als Außenseiter von Frankreich übers Meer bis an diese Schule gekommen war, dass Dazai nicht einmal in Betracht gezogen hatte, sie könnten sich derart nähern. Er erinnerte sich noch gut daran, wie er mit den anderen über seinen Akzent geschmunzelt hatte, wie sie über das Rot seiner Haare und das eiskalte Blau seiner Augen gesprochen hatten, welches jeden auf Abstand hielt. Nun ja, nicht jeden. Er musste unweigerlich an Yosano Akiko denken, die ihn immer auf Teufel komm raus verteidigt hatte. Und andersrum. Dazai schüttelte den Kopf. Er war so töricht gewesen, so blind. Er hätte diese klare Struktur und diese Klassengesellschaft nicht so selbstverständlich akzeptieren sollen. Und er hätte sich nicht so schnell dem Willen seines Vaters beugen sollen. Der Ring an seiner linken Hand fühlte sich plötzlich bleischwer an.
Es war nicht so, dass ihm nichts an dieser Verbindung lag. Ganz im Gegenteil, er hatte immer noch frei wählen können und seine Wahl war ihm vergleichsweise leicht gefallen. Mori hatte ihn bloß unter Druck gesetzt, ihn unter die Haube kriegen wollen.
Trotzdem tat dieser gemachten Entscheidung das Wissen um Chuuyas Gefühle für ihn alles andere als gut.

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Er rannte, er flüchtete, bis er auf Yosanos Couch saß und die Tränen endlich laufen lassen konnte. Sie kamen einfach zu dutzenden seine Wangen hinab gelaufen und er wusste einfach nicht wieso. Natürlich, es tat weh. Aber hatte er sich wirklich so große Hoffnungen gemacht? Die Wahrscheinlichkeit, dass Dazai auch nur irgendwas für ihn emfand ging beinahe gegen 0. Er könnte jeden haben und das wusste er auch. Und er hatte sich nie dafür entschieden Chuuya in seinem Leben haben zu wollen.
Er schluchzte, denn er konnte nicht einfach wütend werden. Erstens nicht, weil er sich in Yosanos Zimmer befand und hier nicht einfach nach Lust und Laune wüten konnte und zweitens nicht, weil auch er sich nicht dazu entschieden hatte sich um Dazai zu bemühen. Er hatte all seine Hoffnungen auf diesen einen letzten Tag gelegt und das hatte er nun davon.

"Chuuya..."

Das Sofa gab auf seiner linken Seite leicht federnd nach, als die junge Frau sich zu ihm setzte.

"Ich nehme an... es ist nicht so gut gelaufen?"

Er hätte beinahe laut aufgelacht, doch die Luft in seinen Lungen reichte bloß für ein kurzes Schnauben.

"Yosano, wusstest du, dass er verlobt ist?"

"Was?! Natürlich nicht! Als ob ich dann immer noch versucht hätte euch einander näher zu bringen."

Sie verschränkte die Arme vor der Brust und es tat ihm direkt leid es auch nur angedeutet zu haben. Man schien es ihm anzusehen, denn sie nahm sein Gesicht in die Hände und strich ihm sanft über Wangen.

"Das tut mir leid für dich..."

Er zuckte bloß hilflos mit den Schultern, auf denen vier Jahre lang die Last einer heimlichen Liebe gelegen hatte und die sich jetzt so furchtbar nackt anfühlten.

"Ehrlich, ich wünschte ich könnte irgendwas für dich tun."

Chuuya sah sie an. Sie war wirklich schön. Und noch so viel schöner in der lächerlichen Verzweiflung, in der er sich befand. Er griff nach ihren Oberarmen und suchte dort nach Halt. Ein mitleidiges Lächeln tanzte über die roten Lippen.

"Dann lass mich vergessen. Yosano, bitte... lass mich einfach vergessen. Ich mag nicht mehr an diese Dummheit denken,"

murmelte er und begang gleichzeitig die nächste Dummheit.

Yosanos Lippen schmeckten nach Alkohol. Nach zu viel davon und es brachte wie so häufig die Dinge ebenso viel zu schnell und ungehemmt ins Rollen.

Chuuya hatte nicht die Willenskraft und noch weniger den Kopf oder das Herz dafür es besser zu wissen und so fiel er mit der schwarzhaarigen Schönheit, seiner besten und einzigen Freundin, seiner Hexe und seinem Engel, ins Bett.
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