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Vom teuflischen Wettstreit zwischen Flora und Fauna

KurzgeschichteAllgemein / P6
13.10.2019
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Einst sprach der Teufel:
„Fauna und Flora, wir wollen einen Wettstreit machen. Wer von euch mir das Teuflischste aus euren Reichen zeigen kann, der soll gewinnen.“

So führte ihn Fauna zu einem Ameisenhaufen. Und Fauna sprach:
„Siehe, Teufel, ich werde gewinnen. Ich weiß, wie sehr du deine Freiheit schätzt. Diese meine Geschöpfe aber leben in einer Hölle aus Monotonie. Sieh, wie sie Reih in Glied hintereinander her trotten, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Viele verlassen nicht einmal den Bau und bleiben ihr Lebtag lang blass und schwach.“

Und der Teufel sprach:
„Du hast Recht, Fauna. Das ist schon recht teuflisch. Aber, habt ihr nicht etwas noch teuflischeres?“

So führte ihn Flora in eine Wüste. Und Flora sprach:
„Siehe, Teufel, ich werde gewinnen. Ich weiß, wie sehr du Vielfalt schätzt. In dieser Hölle aus Sand und Gestein gedeiht nur wenig. Sieh nur, wie das Wenige hier braun und verbrannt ist. Siehe diese Pflanzen, welche auf ewig an einer Stelle verharren müssen, grausame Stacheln jenen entgegen streckend, die an ihnen den brennenden Durst zu löschen versuchen. Tag für Tag, Jahr für Jahr, ist hier nichts als heißer Wind und glühende Sonne und der Keimling liegt bereits im Sterben, sobald er seine erste Wurzel ausstreckt.“

Und der Teufel sprach:
„Du hast Recht, Flora, das ist schon recht teuflisch. Aber, habt ihr nicht etwas noch teuflischeres?“

So führte ihn Fauna zu einer Viehmast. Und Fauna sprach:
„Siehe, Teufel, ich werde gewinnen. Diese meine Geschöpfe leben in einer Hölle aus Unrat und Gestank. Niemals sehen sie Tageslicht außer in jenen Momenten, da der Bauer ihnen das Futter bringt und an dem Tage, da sie in engen Käfigen zum Schlachter gefahren werden. Ihr Leben lang stehen sie auf Rosten, verklebt von ihrem Unrat. Das Essen, welches sie bekommen, macht sie krank und wahnsinnig und darum bekommen sie Mittel, welche die Krankheiten unterdrücken, sodass sie mit ihrem Fleische auch den Menschen krank machen können.“

Und der Teufel sprach:
„Du hast abermals Recht, Fauna. Das ist schon sehr teuflisch. Aber, habt ihr nicht etwas noch teuflischeres?“

So führte ihn Flora in eine Plantage. Und Flora sprach:
„Siehe, Teufel, ich werde gewinnen. Diese meine Geschöpfe leben ein Leben ewiger Monotonie. Meilen um Meilen um Meilen, von Horizont bis Horizont, erstreckt sich diese Kultur einer einzigen Pflanze, streng in Reih und Glied gebracht und völlig entleert von tierischem Leben. Denn in der Luft hängen Giftwolken, und das Gift liegt auf jedem Blatt und tötet alles, was von dem Blatt isst. Wird es doch einmal geerntet, so macht es die Menschen, die es ernten, krank, und dann wird es verzehrt und macht die Menschen, die es verzehren, krank.“

Und der Teufel sprach:
„Auch du hast abermals Recht, Flora. Das ist wieder sehr teuflisch. Aber, habt ihr nicht etwas noch teuflischeres?“

Da führte Fauna ihn zu einer Straßenkreuzung in einer Millionenstadt. Und Fauna sprach:
„Siehe, Teufel, ich werde gewinnen. Diese meine Geschöpfe leben in einer Hölle aus Stahl und Beton. Der Zeitdruck beherrscht ihr Leben, sie müssen schneller, besser, stärker sein und sie hetzen Meilen um Meilen um Meilen auf asphaltierten Wegen. Von Horizont zu Horizont erstrecken sich Betonwüsten, beherrscht von ohrenbetäubendem Lärm und alles erstickenden Abgasen. Durch den gelben Smog kommt nur fahles Tageslicht und doch wird es niemals dunkel durch die kopfschmerz-auslösende Flut an bunten, blinkenden Lichtern. Und meine Geschöpfe sind bleich und abgezehrt und entwickeln täglich neue Krankheiten.“

Da wusste Flora nichts darauf zu erwidern.

Und der Teufel sprach:
„Du hast zum dritten Male Recht, Fauna. Das ist wahrhaft teuflisch. Du hast gewonnen.“
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