Siren's Heart || kim seokjin

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Kim Seokjin OC (Own Character)
13.10.2019
09.11.2019
7
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Wellen zerschellten über meinem Kopf und drückten mich tief in das kalte Wasser, das mich in einem stetigen Sog gefangen hielt. Bläulich-schwarze Dunkelheit umgab mich, doch ich konnte dennoch durch das klare Wasser sehen, obwohl es eigentlich nicht hätte möglich sein dürfen.
Ein Sturm wütete über der Wasseroberfläche und wiegelte das Meer immer weiter auf. Oder das Meer den Sturm.
Doch von diesem bekam ich nichts mit. Ich fühlte nur das Reißen und Ziehen des Wassers, das mich stetig weiter nach unten treiben ließ und es gab kein Entkommen.
Mit angehaltenem Atem und aussichtslos rudernden Armen, versuchte ich mich aus der Gewalt des Meeres zu befreien und wieder zurück an die Oberfläche zu gelangen, doch nichts veränderte sich. Das Wasser riss mich nur immer weiter mit sich und langsam verlor ich die Orientierung, wusste nicht mehr wo oben, unten, rechts und links war.
Doch da hörte ich ein leises, beruhigendes Flüstern und mein Kampf nahm jäh ein Ende.

Mit klarem Verstand, trotz des bereits viel zu lang anhaltendem Sauerstoffmangels, sah ich mich um und bemerkte, dass ich mich nahe des Meeresgrundes befand. Meine Orientierung war zurück, doch das zarte, aber durchdringliche Flüstern hinderte mich daran zurück an die Wasseroberfläche zu schwimmen.
Viel eher suchte ich nach der Quelle des Flüsterns und in den Tiefen der teilweise durchschaubaren Schwärze vor mir, entdeckte ich zwei blasse Arme, die eine elegante Schwimmbewegung vollführten und immer wieder von braunem Haar umströmt wurden, in dessen sanft vom Wasser umhergetragene Strähnen, Goldfäden zu schimmern schienen.
Das Gesicht der Frau, die mir nun Näher kam, erkannte ich allerdings nicht. Die Dunkelheit und ein Teil ihrer Haare, ließen genau dieses wichtige Detail verschwimmen, doch ein paar zarter, rosaner Lippen war zu erkennen, die sich langsam und im Takt des unverständlichen Flüsterns bewegten.
Sie war die Quelle der leichten Töne, die mir ins Ohr drangen und mich innehalten ließen.

Ich erkannte, dass sie eine Flosse aus rosafarbenen Schuppen anstatt von Beinen besaß und ihr gesamter Körper war mit goldenen Ketten geschmückt, die sich im Wasser erhoben. Doch noch immer war ihr Gesicht nicht auszumachen, während sie vor mir innehielt wurde ihr dichtes Haar nach oben getrieben und verdeckten es komplett.
Seltsamerweise war ich nicht überrascht von ihrer äußeren Erscheinung. Viel mehr kam sie mir vertraut vor. Ich hatte keine Angst, eher die Sicherheit, dass nun alles gut werden würde.
Das Toben des Meeres und das Wüten des Sturmes über der Wasseroberfläche zählten nun nicht mehr. Ich war hier in Sicherheit. Bei ihr.

Mit einer einfachen Bewegung ihrer Flosse war sie nun direkt vor mir und während sie weiter vor sich hin wisperte legte sie ihre Hände an meine Wangen. Ihr Haar senkte sich langsam ab und gab ihre Augen frei, die bernsteinfarben strahlten, gab ihre Nase und zum Schluss ihr gesamtes Gesicht frei. Ein Gesicht, dass ich mir nur allzu gut gemerkt hatte. Faszinierend und unvergleichlich. Wie, als wäre es nicht von dieser Welt.
Unweigerlich kam sie mir noch näher und kurzerhand lagen ihre wispernden Lippen auf meinen. Es kam mir vor, als flüsterte sie in mich hinein. Ich war nicht erstaunt, als ich schließlich atmen konnte, doch ich war wie jedes mal erstaunt, dass sie wieder von mir abließ.
Viel zu schnell ging ihre zarte, wärmende Berührung vorüber, doch das Strahlen in ihren Augen ließen mein Herz genauso hoch schlagen, wie ihre weichen Lippen auf meinen.
Ohne, dass ich hörte, was sie zu mir sagte, sprach sie zu mir und im nächsten Moment wurde alles schwarz. Ich spürte nur noch ihre filigranen Finger, die sich um meinen Arm schlossen und das Strömen des Wassers, als sie mit mir nach oben schwamm.
Ich war mir ziemlich sicher, dass sie mich wieder zurück an die Meeresfläche brachte.

~*~

Atemlos fuhr ich in meinem Bett hoch. Mein Traum hatte damit geendet, dass ich auf dem Strand aufwachte. Wie damals.
Aufgewühlt fuhr ich mir durch das Gesicht. Der Traum war nichts neues und dennoch ... hat sich alles verändert.
Schnell stand ich auf. Es war halb vier Morgens und eigentlich hätte ich noch bis neun Uhr geschlafen, doch irgendetwas trieb mich dazu ins Bad zu gehen, mich meiner Kleidung zu entledigen und unter die Dusche zu steigen.
Während das lauwarme Wasser meinen Körper hinablief und eine Gänsehaut auf meiner Haut verbreitete, starrte ich gegen die Badkacheln und dachte an dieses Gesicht. Es war das erste mal, dass ich in diesem Traum ein Gesicht sah, normalerweise war die Meerjungfrau mit der beruhigenden Stimme immer bloß ein Schemen gewesen, gesichtslos, identitätslos.
Es war lange Zeit her, seitdem ich diesen Traum das letzte mal geträumt hatte. Nachdem ich vor dreizehn Jahren am Strand erwacht war, nachdem man mich ins tosende Meer gestoßen hatte, hatte ich diesen Traum nahezu jede Nacht. Irgendwann wurde es zu einem mal die Woche, einem mal im Monat und schließlich ein paar mal im Jahr.

Aber jetzt, nachdem ich diesen Traum seit gut zwei Jahren vergessen hatte, tauchte er wieder auf und dieses mal schien es, als sei er komplett. Die ganze Zeit hatte diese eine Sache gefehlt und jetzt war sie plötzlich da. Doch das klärte die Sache nicht so auf, wie ich es mir erhofft hatte. Meine Hoffnung war, dass es mein Grübeln stillt und mich diesen Traum ein für alle mal vergessen lässt, doch dieses Gesicht zu sehen wirbelte alles bloß auf.
Dabei war ich mir nicht einmal sicher, ob wirklich ihr Gesicht an diese Stelle gehörte oder ob es bloß ein Streich meines Unterbewusstseins war, das mich auch im Traum nicht davon abhalten wollte, an sie zu denken.
Cheo Bomi.

Ich wusste wirklich nicht, warum ihr Gesicht plötzlich in diesem Traum auftauchte und die Erklärung, dass ich ihr einfach vollkommen verfallen war, war die einzige, die logisch klang. Dennoch blieb die Frage: warum in Verbindung mit diesem Traum?
Ratlos stellte ich das Wasser ab und verließ die Dusche, griff nach einem Handtuch und trocknete mich ab, ehe ich meine Kleidung wieder überstreifte und mir die Zähne putzte. Beinahe eine halbe Stunde hatte ich unter der Dusche verbracht und gegrübelt. Ich musste schmunzeln. Es hatte mich wohl vollkommen erwischt, wenn ich schon so sehr in Gedanken über sie verfiel, dass ich nicht einmal mehr mitbekam, wie viel Zeit tatsächlich verstrich. Auch wenn ich in diesem Fall bloß in Verbindung mit meinem jahrelangen Traum über sie nachgedacht hatte.

Nachdem ich aus dem Bad kam, öffnete ich das Fenster meines Schlafzimmers und eiskalte Winterluft schlug mir entgegen. Da ich bloß ein T-Shirt und eine Pyjamahose trug, setzte sofort wieder eine starke Gänsehaut ein und ich rieb mir über die frierenden Arme.
Trotzdem trat ich aber nicht von dem Fenster weg und verließ den Raum, um mir einen ersten Kaffee oder Tee zu gönnen. Ich blieb stehen und sah in die Dunkelheit hinaus. Straßenlaternen beleuchteten die Seitenstraße und wenn ich nach links blickte, konnte ich das Meer erahnen, das nur leicht vom, halb von Wolken bedeckten, Wintermond angestrahlt wurde.
Wäre es nicht mitten im Winter, hätte ich mich höchstwahrscheinlich dazu hinreißen lassen meine Wohnung zu verlassen, zum Strand zu gehen und ihn entlangzulaufen, während ich auf das Meer starrte und weiter über meinen Traum und Bomis plötzliche Rolle darin nachdachte. Doch es war zu kalt und ich entschied mich schließlich doch dazu, in die Küche zu gehen, Wasser zu kochen und meinen Lieblingstee damit aufzugießen.

Mit meinem heißen Tee saß ich schließlich in meiner kalten Küche. Der Geruch von Kräutern stieg mir in die Nase, doch er lenkte mich nicht von meinen Gedanken ab.
Noch immer waren es die selben Gedanken, denen ich hinterherhing und die ich so schnell wohl nicht wieder loswurde. Ich wusste auch nicht, warum ich mich so lange mit der Frage aufhielt, warum sie in meinem Traum aufgetaucht war, obwohl ich mir doch bereits eine passende Erklärung zurechtgelegt hatte.
Aber aus irgendeinem Grund wollte diese Erklärung nicht passen und das einzige, was ich ganz sicher wusste war, dass dieser Traum nun vollständig war. Dass ihr Gesicht das Detail war, das die ganze Zeit gefehlt hatte. Was auch immer das nun zu bedeuten hatte.
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