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GIVE ME SHELTER

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
13.10.2019
28.04.2020
20
114.623
4
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.10.2019 3.333
 
time won't fly, it's like I'm paralyzed by it
I'd like to be my old self again
but I'm still trying to find it

Taylor Swift // All Too Well




Als es später am Abend klingelte, war Charlotte die Erste, die ihr Glas abstellte und zur Türe eilte. Durch das offene Wohnzimmer konnte man den älteren Herren sehen der Charlotte respektvoll zunickte. „Mrs. Collard.“ „Vielen Dank, Maison.“ Charlotte schenkte ihm ein geschäftiges Lächeln, ehe sie sich an die kleine Gestalt neben dem Butler wandte. „Hey Süße, wie war es bei Amanda?“
Isabella, Charlottes Tochter, stolzierte durch den Flur ins Wohnzimmer und sah sich um, als würde ihr das Gebäude gehören. Sie schenkte ihrer Mutter kaum mehr einen Blick. „Gut. Wo ist Tante Chloe? Du hast gesagt sie ist hier.“
Charlotte gab ein tadelndes Geräusch von sich. „Was sagen wir zu Maison, Isabella?“ Die Kleine runzelte verärgert die Stirn und wandte sich nach einer Sekunde Zögern zu Maison um. „Vielen Dank fürs Abholen, Maison.“ Dann wandte sie sich augenblicklich wieder zu Charlotte um. „Kann ich jetzt endlich Chloe sehen?“
Man konnte sehen, dass Charlotte nicht glücklich war mit dem ungeduldigen Verhalten ihrer Tochter, doch sie nickte und deutete in Richtung Wohnzimmer. Isabellas Blick folgte dem ihrer Mutter und einen Augenblick später entdeckte sie Jalia und Chloe. Sie leuchtete förmlich auf, ein unheimlich niedliches Quietschen kam aus ihrem Mund. Innerhalb von Sekunden wurde aus der kleinen Diva ein überdrehtes Kind. „Tante Chloe!
Eine Flut aus blonden Locken und schmalen Gliedmaßen sprintete auf Chloe zu und warf sich in ihre Arme. Eigentlich hatte sie gerade vom Sofa aufstehen wollen, doch der Aufprall warf sie beide zurück auf das Möbelstück. Jalia griff geistesgegenwärtig nach Chloes Bierflasche, bevor sich der Inhalt auf dem hübschen grauen Sofastoff verteilte. Chloe schlang die Arme so fest um Isabella wie sie konnte, ohne der Fünfjährigen weh zu tun und lachte. „Hey Baby, es ist so schön, dich zu sehen. Wie geht es dir?“
Eine exakte Kopie von Charlottes blauen Augen strahlten ihr aus dem kleinen Gesicht entgegen, dieselben Gesichtszüge, wenn auch in kindlicher Version. Isabella war ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, auch wenn sie - anders als Charlotte, die sich ihre Haare schon seit mehreren Jahren färbte - naturblonde Haare besaß. Das einzige äußerliche Attribut, das sie von ihrem Vater geerbt hatte.

Isabellas Augen wirkten noch fröhlicher, noch leuchtender, als durch den Kamerabildschirm, durch den sie die Kleine in den letzten Monaten so oft gesehen hatte und es wärmte Chloes Herz, sie endlich wieder im Arm zu halten. „Gut! Mommy hat gesagt du wohnst jetzt hier, stimmt das? Heißt das ich kann dich jetzt jeden Tag sehen?“
Chloe genoss den übersprudelnden Wirbelwind in ihren Armen und hob die Kleine ordentlich auf ihren Schoß. „Das stimmt. Wir können so viele Pyjama-Partys veranstalten, wie du möchtest.“
„Ja!“ Das Mädchen grinste breit und sah sich dann im Wohnzimmer um, ihre Aufmerksamkeit offensichtlich schon wieder auf etwas anderem. „Wo ist Loki? Darf ich ihn streicheln? Ich will ihm endlich hallo sagen!“
Vorsichtig setzte Chloe die zappelnde Fünfjährige wieder auf dem Boden ab. „Ich weiß nicht wo er ist aber du kannst ihn gerne suchen gehen. Sei vorsichtig, ja? Er kennt dich noch gar nicht, vielleicht hat er ja Angst vor dir oder erschreckt sich.“
Es war nicht so ganz richtig. Loki war die wohl gemütlichste Katze, die es auf diesem Planeten gab und er erschrak sich höchstselten vor irgendetwas. Doch Isabella neigte dazu viel zu aufdringlich zu sein und sie tat gut daran, ihr Temperament besonders bei Tieren ein wenig zu zügeln. Sie hatte zwar in den meisten Fällen beunruhigend viel Ähnlichkeit zu ihrer Mutter, doch sie war eine übersprudelnde Quelle von Energie, die sie nur zu gerne auslebte. Noch dazu war sie riesiger Fan von Hunden, je größer, desto besser und Charlotte hatte nicht nur bei einer Gelegenheit eingreifen müssen, da sie einfach viel zu stürmisch war.

In einem Wirbel aus blonden Korkenzieherlocken rauschte Isabella davon, ihre Schuhe verursachten kleine Geräusche auf den Hartholzdielen. Selbstverständlich trug Charlottes Tochter winzige rosa Schuhe mit kleinen Absätzen. Sie war eine Prinzessin und Charlottes ganzer Stolz und sie wurde definitiv viel zu sehr von ihrer Mutter verwöhnt. Ebendiese kam gerade wieder von der Türe zurück und warf Isabella einen besorgten Blick zu, als sie durchs Wohnzimmer rannte und schließlich die Treppe nach oben stapfte, um den Kater zu suchen.
Charlotte entschied sich offensichtlich dagegen, noch etwas zu sagen und kam zum Sofa zurück. Jalia streckte ihr das nachgefüllte Weinglas entgegen, noch bevor sie saß. „Na los, setz dich hin und hör auf dir Gedanken zu machen. Ich kann dich bis hier her grübeln hören.“ Ein kleines, schuldbewusstes Lächeln huschte über Charlottes Lippen. "So schlimm, hm?" Sie nahm das Glas entgegen, nahm einen Schluck und ließ sich neben Jalia auf dem Sofa nieder, ihr Kopf auf deren Schulter. Jalias Blick glitt für einen kleinen Moment über Chloe, ehe sie Charlotte fixierte, offensichtlich besorgt. „Was ist los, Lottie?“
Charlotte blinzelte einen Moment lang zu Jalia auf, man sah ihr an, dass sie erwog, die Frage einfach zu ignorieren. Schließlich seufzte sie. „Ach, es ist nur mein Vater. Er hat doch diesen wichtigen Kunden und will, dass ich ihm mit dem Design einiger Sachen helfe und bei der Vorstellung und was weiß ich alles. Aber ich hab doch bald mein Examen und einfach keine Zeit für das alles.“
Jalia legte einen Arm um Charlottes Schultern, beinahe so als wäre es eine instinktive Geste, über die sie nicht einmal nachdenken musste. Vielleicht war es das. Die Afrikanerin schien mit einer Leichtigkeit hinter Charlottes Fassade zu blicken, die Chloe stets imponiert hatte. Sie selbst hatte oftmals Schwierigkeiten zu sehen, dass etwas nicht stimmte, wenn Charlotte nicht wollte, dass sie es sah. Gegen Jalia hatte sie allerdings absolut keine Chance. Die beiden hatten eine besondere Beziehung zueinander und Chloe hatte großen Respekt davor.
„Du hast die letzten Monate pausenlos gelernt, Lottie. Du brauchst eine Pause.“ Charlotte zog eine kleine Schnute und hob ihr Glas, wie zum Beweis. „Ich mache eine Pause.“
„Du hilfst mir beim Umziehen, das ist keine Pause“, bemerkte Chloe missbilligend. „Wir meinen eine richtige Pause. Urlaub. Ein freies Wochenende. Irgendetwas.“
„Wir sollten am Wochenende in diesen Club gehen, von dem du mir erzählt hast“, meinte Jalia nickend, offensichtlich bereits begeistert von dieser Idee. „Du musst abschalten und uns wird das auch gut tun. Ich bin mir sicher, dass Chloes letztes Mal auch schon wieder eine Weile her ist. Sie ist eine Langweilerin geworden."
Chloe öffnete den Mund, um sich zu verteidigen, runzelte dann aber die Stirn, als ihr bewusst wurde, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Stattdessen versuchte sie sich daran zu erinnern, wann sie das letzte Mal aus gegangen war. Wann war das letzte Mal, dass sie einfach aus gegangen war, um zu feiern, um Spaß zu haben? Früher hatte sie es ständig getan, doch nun .. sie konnte sich absolut nicht daran erinnern. Sie schloss den Mund wieder, was Jalia ein heftiges Nicken entlockte, bei dem ihre Locken wippten. „Genau. Das meine ich.“
Im Inneren von Charlottes Kopf ratterte es, man konnte beinahe sehen, wie sie mit sich selbst haderte, als sie einen bedachten Schluck aus ihrem Glas nahm. Sie zuckte mit den Schultern. „Vermutlich hast du Recht. Vorher gehen wir aber shoppen. Ich brauche ganz dringend neue Schuhe."
Jalias Gesicht leuchtete auf. „Ja! Ein Shoppingtrip und dann gehen wir feiern.“ Sie kicherte wie ein kleines Kind. „Es ist wieder wie in der Highschool, nur mit den beiden besten Frauen auf der ganzen Welt.“
Sie zupfte Charlotte das Glas aus der Hand, reichte es Chloe und schlang dann beide Arme um Charlotte, um sich mit ihr nach hinten fallen zu lassen. Charlotte stieß ein überraschtes Quietschen aus, ehe sie begann Jalia zu kitzeln, um sich aus dem Griff zu befreien. Chloe schob die Getränke auf dem Tisch vorsichtshalber ein Stück weiter zur Seite und schüttelte den Kopf über die beiden. Manchmal waren sie wie kleine Kinder doch nach Jahren, in denen sie sich eigentlich hauptsächlich über den Bildschirm ihres Handys oder Computers gesehen hatten, genoss es Chloe einfach nur, sie um sich zu haben. Es war schwierig, Freundschaften über eine lange Zeit aufrecht zu halten, wenn man sich dermaßen selten sah. Doch Chloe war froh, dass sie nicht nur diese beiden Mädels, sondern auch noch die ein oder andere enge Freundschaft behalten hatte, die sie aufgrund großer Entfernung nur über Bildschirme pflegen konnte.



Ihre Aufmerksamkeit wurde auf Isabella gelenkt, als die Kleine die Treppe wieder herunter stapfte, ihre Wangen gerötet und über das gesamte Gesicht strahlend. „Schau mal Chloe, Loki mag mich! Er folgt mir!“
Chloes Kater war eine ausgewachsene Diva, er schien sich die Menschen genauestens auszusuchen, die er mochte. Und tatsächlich schien Isabella eine dieser Personen zu sein, die Loki auf Anhieb mochte. Der rote Maine Coon Kater war so groß, dass er ihr beinahe bis zum Oberschenkel reichte und lief ihr hinterher, wie ein Hund.
Isabella entdeckte die kleine Auseinandersetzung auf dem Sofa, lehnte sich über die Armlehne und runzelte die Stirn, doch dann entdeckte sie den Stapel Filme auf dem Tisch und kletterte auf Chloes Schoß, um sie sich anzusehen. „Machen wir heute eine Pyjama-Party?“
Sie schlang ihre dünnen Arme um Chloes Hals und klang furchtbar hoffnungsvoll. Chloe warf einen amüsierten Blick zu Charlotte und Jalia. „Ich glaube das musst du deine Mommy fragen, Süße.“ Isabella wandte den Kopf in dieselbe Richtung und zog ein Gesicht, das Chloe fast enttäuscht nennen würde. Sie rümpfte die Nase und Chloe zwang sich nicht darüber zu lachen, denn sie sah im wahrsten Sinne aus wie eine Kopie von Charlotte. „Hey Jalia, alles klar?“
Die Dunkelhäutige lag unter Charlotte, die sich siegessicher auf dem Hintern ihrer Freundin platziert hatte und die Arme vor der Brust verschränkte. Jalia japste vor sich hin, doch ein Kichern kam aus ihrem Mund. Als Chloe sie ansprach hob sie den Kopf, ihre Haare ein absolutes Chaos, doch sie wirkte glücklich. „Oh ja, alles super.“
Chloe musste lachen, doch Isabella zog eine Schnute. „Können wir eine Pyjama-Party machen, Mommy? Bitte! Ich bin auch wirklich ganz artig!“
Man konnte den genauen Moment in Charlottes Gesicht sehen, in dem sie wieder in ihren Mutter-Kontrollfreak-Modus wechselte und innerlich ihren Terminplan checkte, denn sie hatte einen ganz bestimmten Gesichtsausdruck dafür. Chloe fand das schon beinahe beeindruckend. „Aber ich hab morgen früh noch einen Termin, Süße und du musst in den Kindergarten. Wir können das nächste Woche machen, schließlich läuft Chloe uns jetzt nicht mehr davon.“
Charlotte hatte offensichtlich Erbarmen mit Jalia und entließ sie aus ihrer Falle. Dank der dunklen Hautfarbe konnte man nicht sehen, wenn sie rot wurde, doch wäre sie hellhäutig, würde sie vermutlich aussehen wie eine Tomate. Sie lehnte sich aufatmend zurück und grinste bei Charlottes letztem Kommentar. „Chloe läuft uns nie wieder davon, dafür sorgen wir schon, Baby. Aber wir können noch einen Film ansehen, was hältst du davon?“
Jalia streckte die Arme aus und Isabella löste sich von Chloe, um über das Sofa zu krabbeln und sich an die Dunkelhäutige zu kuscheln. „Ja! Darf ich mir einen aussuchen?“ Jalia lächelte liebevoll und strich ihr über das helle Haar, ihre dunkle Hautfarbe ein starker Kontrast zu Isabellas heller. „Na klar, Baby.“



Während Jalia und Isabella den Stapel Filme zusammen durchsahen, bemerkte Chloe den forschen Blick von Charlotte, der abermals auf ihr lag. Die Ältere nippte geduldig an ihrem Wein, bis Chloe genug davon hatte sich anstarren zu lassen und eine Augenbraue hob. „Welche Information versucht dein gruseliger Röntgenblick jetzt schon wieder aus meinem Kopf zu holen?“
Es stimmte. Charlottes Röntgenblick war gruselig. Doch zu ihrer aller Überraschung, funktionierte er sehr zuverlässig. Charlotte konnte Menschen lesen wie Bücher, und auch wenn sie nicht so empathisch war, wie Jalia oder Chloe, sie durchschaute so gut wie jedes Pokerface.
„Du hast eine Einweihungsparty erwähnt. Davon mal abgesehen, dass es ganz klar ist, dass ich das planen werde, weil du unfähig bist funktionierende Partys zu veranstalten .. wen wirst du einladen?“
Chloe beschloss die geschickt eingebaute Beleidigung zu ignorieren und dachte einen Moment darüber nach. „Ich dachte an Luke, Mike und Freundin. Euch natürlich. Vielleicht auch Danny. Nichts all zu Großes. Es ist warm genug, um auf der Dachterrasse zu grillen.“
Danny war Jalias Adoptivbruder und auch ihn kannte Chloe ganz gut. Sie hatten über die Jahre losen Kontakt geknüpft und obwohl sie zu ihm nicht so viel Kontakt hatte, wie zu seiner Schwester, verstand sie sich gut mit ihm und freute sich, ihn wieder zu sehen. Doch Charlotte gab sich mit der Antwort nicht zufrieden, ihr Blick bohrte sich in Chloes Schläfe. Es war offensichtlich nicht das, was sie von ihr erwartet hatte. Als Chloe bewusst wurde, worauf Charlotte hin wollte, drehte sich ihr Magen um. „Charlotte ..“
Die Blonde schüttelte den Kopf und kniff die Augen zusammen. „Wirst du Natasha einladen? Nate?“ Charlotte sah forschend aus, eher neugierig als drängend und dennoch fühlte sich Chloe unter Druck gesetzt. „Charlotte, du kennst meine Antwort darauf.“
Offensichtlich war Charlotte auf einer Mission, denn sie winkte die Antwort ab. „Und was ist mit Gordon? Ich weiß, dass er wieder zurück in LA ist.“
Chloe bemühte sich bei dem Namen nicht zusammenzuzucken und wich Charlottes Blick aus. Sie hatte mehrere Geschwister, jeweils zwei leibliche Brüder und Schwestern und einen Halbbruder, zu denen sie allesamt ganz verschiedene Verhältnisse hatte. Nicht alle wohnten überhaupt hier in LA, genau genommen sogar nur drei von fünf. Zu ihrem Halbbruder Gordon hatte sie von allen Geschwistern das engste Verhältnis und gleichzeitig das empfindlichste. Sie hatte sich wirklich überlegt, ihn anzurufen und einzuladen, doch etwas in Chloe sträubte sich dagegen, ihn in diesen Freundeskreis hinein zu bringen. Die Beziehung, die sie zu Gordon hatte, war eine besondere und sie hatte Angst, dass sie das verlieren würde, wenn jeder davon wusste. Noch dazu zog es eine lange Reihe voller Enthüllungen hinter sich her, für die Chloe einfach noch nicht bereit war. Es war noch viel zu früh und alleine der Gedanke daran, bereitete ihr Übelkeit.
Charlotte sah durch ihr Pokerface hindurch, so als wäre es gar nicht vorhanden, Chloe konnte es in ihren Augen sehen. Es fühlte sich ein bisschen so an, als könne Charlotte genau sagen was sie dachte. Doch sie schwieg geduldig, ließ ihrer Freundin Zeit. „Ich weiß nicht, Lottie“, entgegnete Chloe schließlich unentschlossen und leerte ihre Bierflasche, um nicht gleich antworten zu müssen. Jalia war auf ihre Unterhaltung aufmerksam geworden, doch sie hielt sich zurück, beschäftigte sich stattdessen mit Isabella. Sie hatte ihre eigene Meinung zu dem Thema. Chloe wusste das und sie war froh, dass sie sich in diesem Moment nicht einmischte. „Es .. es ist merkwürdig.“
Charlotte nickte nur und schwieg weiterhin, gab Chloe die Gelegenheit über ihre Antwort in Ruhe nachzudenken. „Es fühlte sich an, als würde er nicht hier her passen“, antwortete sie dann. „Er .. er ist eine Zuflucht. Ihn in mein neues Leben einzubauen, mit euch zu teilen, fühlt sich .. merkwürdig an.“

Sie schwiegen einen langen Augenblick zusammen und lauschten Jalias und Isabellas eifriger Diskussion, ob Frozen oder Tangled wohl der bessere moderne Disney-Film sei. Dann runzelte Chloe die Stirn und starrte auf ihre Fingernägel herab. Neue Farbe würde ihr definitiv gut tun. Es dauerte einen Moment, bis sie Charlotte wieder ansah und war beinahe überrascht, darin keinen negativen Ausdruck zu entdecken. So als ob es Charlottes Recht wäre, wütend zu sein. „Ist das egoistisch?“
Die Ältere wirkte einen langen Moment nachdenklich, als müsse sie ihre Antwort genau abwägen, um nichts Falsches zu sagen. Chloe hatte absichtlich nicht alles gesagt, doch Charlotte kannte genug von dieser Geschichte, um es nicht laut hören zu müssen, was sie dachte. „Es ist verständlich“, entgegnete sie vorsichtig. „Vielleicht solltest du mal mit ihm darüber sprechen. Ich bin mir sicher, er hat auch eine Meinung dazu.“
Chloe nickte vor sich hin. Charlotte hatte Recht. Sie würde sich mit Gordon treffen und mit ihm darüber sprechen, ein Besuch war ohnehin überfällig. Bestimmt half es, auch seine Meinung dazu zu hören. Ihr Umzug war dermaßen plötzlich gewesen, dass sie noch überhaupt keine Gelegenheit dazu bekommen hatten, über diese Situation zu sprechen. Über all diese Veränderungen, die Chloes Umzug mit sich brachte. Vielleicht kamen sie gemeinsam zu einer besseren Lösung.
Jalia zog eine kleine lustige Grimasse, brachte Isabella zum Kichern. Die Fünfjährige streckte Chloe mit strahlendem Grinsen eine DVD Hülle entgegen. „Den da!“ Ihr Blick huschte für einen winzigen Moment zu Charlotte, dann wieder zu Chloe. „Bitte.“



Sie machten es sich zu viert auf dem Sofa bequem, Disneys 'Die Schöne und das Biest' auf dem Bildschirm, Isabellas absoluter Lieblingsdisneyfilm. Der einzige Grund, dass sie sich einen Film hatte aussuchen dürfen war eigentlich auch nur, um sie für eine Weile zu beschäftigen, in der sich die drei Freundinnen austauschen konnten. Sie liebten das Mädchen alle innig, doch manchmal konnte Isabellas Temperament durchaus einfach nur anstrengend werden.
Die Kleine lag am Fußende des Sofas, die Augen auf dem Bildschirm, ihre Locken wurden von dem Bildschirm angestrahlt und bauschten sich wie eine blonde Wolke um ihren Kopf, so zerzaust waren sie. Es war nicht gänzlich dunkel im Wohnzimmer, die Stehlampe in der Ecke tauchte den Raum in goldenes Licht, doch das schien sie nicht zu stören.
Was sie auch nicht zu stören schien war Jalia, die ihr Handy gezückt hatte und versuchte ein Foto von Charlotte und Chloe zu schießen, obwohl es dafür viel zu dunkel im Wohnzimmer war. Chloe vergrub ihr Gesicht in Charlottes Schulter und brummte, als ein weiterer Blitz den Raum erhellte. „Du nervst“, warf Charlotte ihrer Freundin vor, welche sich die Aussage nicht sonderlich zu Herzen nahm. „Ja, ich weiß.“
Ein weiteres Blitzen. Chloe legte einen Arm über ihr Gesicht und hoffte, damit Charlotte nicht aus Versehen zu schlagen. Die Ältere hatte sich noch nicht darüber beschwert, dass sie als lebendiges Schutzschild missbraucht wurde und wirkte im Großen und Ganzen unbeeindruckt von dem Tumult. Jalia zog eine Schnute. „Komm schon, Chlo. Zwei Jahre und plötzlich bist du kamerascheu?“
Chloe streckte den gehobenen Mittelfinger in die Richtung, in der sie Jalias Handy vermutete und erntete Gelächter und ein weiteres Blitzen. „Ich fühle mich hinter der Kamera eben wohler“, bemerkte sie und linste zwischen ihren Fingern hervor, als es dunkel blieb. „Bist du jetzt fertig?“
„Nein.“ Chloe konnte sich nicht wieder schnell genug verstecken, bevor Jalia erneut ein Foto machte. Sie stieß ein triumphierendes Lachen aus. „Ha! Sag mal, wo ist deine Kamera eigentlich? Früher hast du wirklich immer eine dabei gehabt. Sag nicht du hast damit aufgehört?“
Als ihr bewusst wurde, dass Jalia das Fotografieren tatsächlich aufgegeben zu haben schien, lehnte sich Chloe wieder an die Sofalehne und zuckte mit den Schultern. Da war ein Knoten in ihrem Magen, wann immer sie an ihre Kamera und ihre frühere Leidenschaft mit der Fotografie dachte. „Hatte eben zu wenig Zeit dafür. Hab die Kamera eingemottet.“
Sie konnte Charlottes Blick auf sich spüren, der sich in ihre Schläfe brannte. Anders als Jalia wusste sie genau, warum Chloe das Fotografieren aufgegeben hatte. Und es war ganz bestimmt nicht, weil sie keine Zeit mehr dafür hatte. Schließlich war es ihre allergrößte Leidenschaft gewesen.
Sie hatte die Worte ihres Ex-Verlobten Logan im Kopf, der ihr immer und immer wieder gesagt hatte, was das Fotografieren für eine Verschwendung sei. Dass sie niemals gut genug sein würde, um damit tatsächlich Geld zu verdienen. Letztendlich hatte er wohl Recht gehabt.
„Schade“, befand Jalia dann. „Mir haben deine Bilder immer gefallen.“


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Hallihalloo ihr Hübschen!

Pünktlich vorm Wochenende kommt ein neues Kapitel. Nicht ganz so lange, nicht ganz so ereignisreich, aber .. jeder Anfang ist bekanntlich schwer. Im nächsten Kapitel werden endlich die Jungs vorgestellt, seid also gespannt.

Eine kleine Überlegung meinerseits war die, eine Art 'Begleitseite' auf Instagram zu machen, mit Fake-Posts und Chats zwischen den Charaktern usw. Würde so etwas gut ankommen? Ich bin mir ehrlich gesagt ein bisschen unsicher, deshalb dachte ich ich lasse die potentiellen Leser entscheiden, ob sie sich dafür interessieren würden.

Ganz viele liebe Grüße und habt einen tollen Tag!
Larissa
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