Du bist die Sonne, ich der Mond

GeschichteRomanze / P12
12.10.2019
14.01.2020
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Sobald sie den Laden betreten hatte, fiel es ihr jedoch äußerst schwer, sich an ihren Vorsatz zu halten. So viele Produkte, die sie in Deutschland noch nicht gesehen hatte – und die Backwarenabteilung erst!
Bevor sie zu lang überlegen konnte, warf sie wahllos einige Packungen in ihren Korb – der Kuchen in Einhornform allerdings musste sein – und holte dann einige Flaschen Wasser und Hundekekse.
Das müsste für die heutige Etappe reichen, dachte sie.
Für die nächsten Tage sollten sie sich allerdings etwas anderes überlegen, Sascha wollte sich jedenfalls nicht nur von Kuchen und Fertigsandwiches ernähren.
Als sie den Supermarkt verließ, wurde sie fast von Beren und Luthien überrannt.
Alister hattte wohl beschlossen, hier auf sie zu warten.
Wortlos nahm er Sascha das Wasser ab, was sie mehr überraschte als verärgerte – obwohl sie sich vornahm, ihn später darauf hinzuweisen, dass er künftig fragen sollte.
„Hatten Sie genug Auslauf?“, fragte Sascha, als sie wieder bei ihrem Auto ankamen. „Oder wollen Sie lieber noch etwas hierbleiben?“
„Wir können gerne weiter“, antwortete Alister. „Was haben Sie da eigentlich alles eingekauft?“
„Verrate ich noch nicht. Erst bei der nächsten Pause – abgesehen von den Sandwiches, die sind für unterwegs. Aber nicht kleckern, ich mag meine Polster!“
„In Ordnung“, sagte Alister und sah aus dem Fenster.
Er schien über etwas nachzudenken, aber Sascha wollte ihn nicht danach fragen. Seine Gedanken gingen sie nichts an.
„Wie lange wollen wir heute fahren?“, fragte sie. „Bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit oder sollen wir uns schon früher nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsehen?“
Alister antwortete nicht und als Sascha kurz zu ihm hinübersah, merkte sie, dass er eingeschlafen war.
Sie lächelte nur und sah dann wieder auf die Straße. Mit jedem anderen hätte sie sich jetzt wohl einen Spaß erlaubt und ihn mit lauter Musik erschreckt, aber Alister sah gerade so friedlich aus, dass sie ihn nicht stören wollte.
Auch Beren und Luthien dösten vor sich hin, sodass Sascha einfach die Stille und die Fahrt genoss, bis sie in einem kleinen Ort ankamen und sie ein Schild mit „Zimmer frei“ sah.
Als sie vor der Pension hielt, wachte Alister auf.
„Was ist los?“, fragte er verschlafen. „Wieso stehen wir?“
„Weil ich beschlossen habe, dass wir uns hier einquartieren“, antwortete Sascha. „Und es bald Zeit zum Abendessen ist und es hier einen Pub gibt. Guten Morgen, übrigens.“
Sascha stieg aus und streckte sich, bevor sie Beren und Luthien rausließ.
Es dauerte nicht lang, bis sich die Haustür öffnete und die Hausherrin heraustrat.
Sascha war nur kurz überrascht, dass sie etwa in ihrem Alter war – und verdammt hübsch, wie sie mit einem leichten Stich im Herzen feststellte.
„Hallo“, sagte sie. „Kann ich euch helfen? Sucht ihr ein Zimmer?“
„Ja“, antwortete Sascha. „Wobei uns zwei eigentlich lieber wären. Oder eins mit zwei Betten.“
„Das sollte sich einrichten lassen“, sagte die Frau. „Kommt rein. Ach, übrigens ... ich bin Ailbhlin. Freut mich.“
Alister und Sascha folgten ihr ins Haus zu einer kleinen, provisorisch wirkenden, Rezeption.
„Wie lange bleibt ihr?“, fragte Ailbhlin. „Eine Nacht oder länger?“
„Können wir spontan verlängern?“, fragte Sascha und Ailbhlin nickte. „Dann erst mal eine Nacht. Mit Frühstück, wenn das geht. Hundefutter haben wir selbst dabei, glaube ich.“
„Kein Problem.“
Ailbhlin legte Sascha und Alister ein Blatt hin, das beide unterschreiben mussten.
„Gut, dann zeige ich euch mal eure Zimmer. Wem gehören die Hunde eigentlich?“
„Mir“, antwortete Alister.
„Schöne Tiere“, meinte Ailbhlin und lächelte ihn an. „Wie heißen sie?“
„Beren und Luthien. Könnten wir jetzt bitte die Zimmer sehen?“
Ailbhlin schien für einen Moment irritiert zu sein, doch sie fing sich schnell wieder.
„Natürlich. Kommt mit“, sagte sie und führte die beiden einen kurzen Flur entlang. „Die Zimmer sind vollkommen gleich, allerdings müsst ihr euch ein Bad teilen. Ich hoffe, das stellt kein Problem dar?“
„Nein“, sagte Sascha. „Und lassen Sie sich nicht von Alister verunsichern. Er ist immer so mürrisch und meint es nicht böse.“
„Ach, du bist einer von der Sorte?“, fragte Ailbhlin und grinste Alister an. „Ihr habt übrigens Glück, heute hier zu sein, es ist Tanzabend. Oder hattet ihr etwas anderes vor?“
Sascha hätte am liebsten „schlafen“ gesagt, aber das wäre wohl ziemlich unhöflich gewesen, also schüttelte sie den Kopf.
„Dann sehen wir uns ja vielleicht da“, sagte Ailbhlin. „Ich lasse euch dann mal die Zimmer ansehen. Wenn irgendwas sein sollte oder ihr Fragen habt, ich bin wieder vorne. Oh, und wenn ich nicht
vorne bin, bin ich oben, klopft dann einfach, ja?“
„Werden wir“, nickte Alister und nahm den Schlüssel für sein Zimmer entgegen.
Auch Sascha nahm ihren Schlüssel, lächelte Ailbhlin noch mal an und ging dann zu ihrem Zimmer.
Beren und Luthien schienen beschlossen zu haben, dass weder Sascha noch Alister allein in ihre Zimmer gehen sollten, und teilten sich auf.
Alister war von dieser Entwicklung nicht so begeistert wie Sascha, die sich freute, im besten Fall einen Fußwärmer zu haben.
„Die haben Sie ja wirklich ins Herz geschlossen“, seufzte er. „Na gut. Bis später dann.“
Er schloss sein Zimmer auf und schlug sofort die Tür hinter sich zu.
Augenblicklich hatte Sascha ein schlechtes Gewissen.
„Na komm“, sagte sie zu Luthien, die sie treudoof anschaute. „Bringen wir dich zu deinem Herrchen, bevor er noch auf die Idee kommt, mich zu fressen.“
Sascha klopfte an Alisters Tür und wartete darauf, dass er öffnete.
Ihre Gedanken schweiften zu dem Tanzabend, vor dem sie hoffte, sich irgendwie drücken zu können. Natürlich wusste Sascha nicht, wie so eine Veranstaltung hier ablief, aber wenn sie ehrlich war, hatte sie auch keine große Lust, es herauszufinden.
„Sascha?“
Der Klang ihres Namens brachte sie wieder in die Realität zurück.
„Sorry“, sagte sie und lächelte flüchtig. „Ich wollte nur Luthien zurückbringen, nachdem sie sich in der Tür geirrt hat.“
Sascha hatte eigentlich fast erwartet, dass Alister mit einem halbwegs unfreundlichen Kommentar reagieren würde – mit einem Lächeln hatte sie jedoch überhaupt nicht gerechnet.
„Danke“, sagte er, als der Hund sich an ihm vorbeidrängte.
„Ich kann Ihnen ja nicht einfach so einen ihrer Lieblinge stehlen“, meinte Sascha und erwiderte das Lächeln.
Einen Moment standen die beiden sich gegenüber, bis Alister schließlich den Blick abwandte und sich verlegen räusperte.
„Bis später, denke ich“, sagte er und schloss die Tür.
„Bis dann“, erwiderte Sascha, allerdings zu spät.
Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Was war das denn gewesen? Hoffentlich passierte das nicht häufiger.
Schnell ging sie zurück in ihr Zimmer und packte ihre Sachen aus, um etwas Passendes für den Abend zu finden. Ihr war bewusst, dass es keine steife Veranstaltung sein würde, aber umziehen sollte sie sich trotzdem. Und duschen vielleicht auch.
Frisches Shirt, frische Jeans und andere Schuhe, mehr konnte sie nicht bieten.
Sascha nahm sich Handtücher und ihre Kleidung und ging den Flur hinunter Richtung Bad, immer lauschend, ob sie das Geräusch von laufendem Wasser hörte.
Sie wollte nicht unbedingt darauf vertrauen, dass Alister hinter sich abschloss.“
Vorsichtig öffnete sie die Tür, doch es war niemand da.
Erst, als sie das Bad wieder verließ, öffnete sich Alisters Tür.
„Die Dusche ist ziemlich toll“, sagte Sascha, um nicht schweigend an ihm vorbeigehen zu müssen.
Er nickte nur und sie machte, dass sie davonkam.
Ob sie Ailbhlin fragen sollte, wie so ein Tanzabend hier ablief?
Schaden konnte es nicht und sie hatte ja sonst nichts zu tun.
Da Ailbhlin nicht an der Rezeption stand, ging Sascha hinauf in den ersten Stock.
Die Holztreppe knarrte unter ihren Schritten.
„Ailbhlin?“, rief sie, als sie oben angekommen war. Vermutlich hatte sie Sascha sowieso schon gehört, aber es erschien ihr höflicher, sich noch mal anzukündigen.
„Komme!“
Ailbhlin kam aus einem der Zimmer und band sich im Gehen ihren Bademantel zu.
„Oh, tut mir leid ... wenn ich ungelegen komme, dann ...“
Doch Ailbhlin winkte ab.
„Unsinn“, sagte sie. „Was kann ich für dich tun?“
„Ach ... ich wollte nur fragen ... was macht man an so einem Tanzabend eigentlich? Und wie verpflichtend ist es, zu tanzen?“
„Wusste doch, dass du nicht hin willst“, grinste Ailbhlin. „Du kannst nicht tanzen, stimmt's? Keine Sorge, das ist ziemlich egal. Das meiste sind irische Rundtänze. Und hübsch machen musst du dich auch nicht, wenn du niemanden aufreißen willst. Vertrau mir, es wird dir bestimmt gefallen. Und sei es nur wegen des Trinkwettbewerbs.“
„Okay. Danke.“
Sascha wandte sich wieder zum Gehen, als Ailbhlin sagte: „Warte kurz.“
Sascha drehte sich wieder um.
„Du und Alister, ihr seid kein Paar, oder? Oder irgendwie verliebt?“
Sascha starrte sie für einen Augenblick nur an, bevor sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete.
„Nein“, sagte sie. „Viel Erfolg bei der Eroberung.“
Es konnte Alister eigentlich nur guttun, wenn Ailbhlin Interesse an ihm zeigte. Zumindest für Sascha würde es unterhaltsam werden.
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