In seinen Händen

von pandabu
GeschichteRomanze, Fantasy / P18
11.10.2019
14.10.2019
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Vor Schmerzen verzog sie ihr Gesicht, versuchte den groben Griff des Mannes abzuschütteln. Doch nichts geschah, er zog sie ungerührt durch die Dunkelheit, weg von dem Wagen. Kälte fraß sich durch ihr dünnes Unterkleid, seit Stunden, durchgefroren bis auf die Knochen. Ihre Beinen taten aufgrund der schlagartigen Bewegung weh, beinahe versagten sie ihr den Dienst.
Der Mann zerrte die junge Frau eine steinerne Treppe hinauf. Oben angekommen klopfte er laut gegen eine Holztür, genau vier Mal. Nach einer Ewigkeit wurde sie einen Spalt geöffnet, das Licht, welches aus dem Inneren drang, viel auf die beiden Gestalten davor.
„Was wollt Ihr zu so später Stund hier?,“ blaffte eine raue Männerstimme.
Ihr Entführer krallte seine Wurstfinger in ihre langen braunen Locken, bog ihren Kopf zurück, sodass der Mann hinter der Tür ihr Gesicht sehen konnte.
„Ich habe frische Ware, sie ist sehr jung und hat keine Familie mehr.“
Die Tür wurde nun gänzlich geöffnet, im warmen Schein der Laterne konnte man mehr erkennen.
Mit vor Schrecken geweiteten Augen starrte sie den Mann an. Alt, ein zerfurchtes Gesicht, trübe Augen. Eine schlichte Kappe bedeckte sein Haupt. Prüfend wanderte sein Blick über ihr Gesicht hinunter bis zum Ausschnitt ihres Unterkleides. Obwohl sie völlig verdreckt war, konnte man erahnen, welche Schönheit sich darunter befand.
Anerkennend nickte der Alte und machte den Weg frei, unsanft stieß der Mann hinter ihr sie in das Innere der Burg.
„Hier, Eure Bezahlung,“ spuckte der alte Herr aus.
Es klimperte, dann fiel die Tür ins Schloss und die Gemäuer verschlangen sie. Zitternd schlang sie die Arme um ihren Oberkörper, ihre nackten Füße brannten vor Kälte. Erneut wurde sie gemustert, eingeschüchtert zog sie die Schultern hoch.
„Komm.“
Schlurfend ging er voraus den schmalen Gang entlang, hastig folgte sie ihm, da ihr nichts anderes übrig blieb. Ein Zurück gab es nicht.
Zumindest nicht in diesem Moment, mitten in der Nacht.
Der Alte führte sie tiefer in die Festung, immer wieder bogen sie ab, erklommen Treppen. Sie verlor die Orientierung, irgendwann stiegen sie eine Wendeltreppe empor, die zu einer einzigen schweren Tür führte.
Bedrohlich quietsche sie in ihren Scharnieren, wie sie aufschwang.
„Rein da.“
Unverzüglich kam sie seiner Anweisung nach, stolperte in das Zimmer dahinter.
Stockfinster war es hier, lediglich seine Laterne beleuchtete spärlich die Umgebung. Ihr Begleiter machte sich daran, ein Feuer im Kamin zu entfachen. Nachdem es allmählich begann zu knistern, richtete er sich auf und hinkte zur Tür.
Eine Hand an dem Ring an der Tür hielt er inne.
„Dies ist dein neues zuhause. Schlaf dich aus, morgen erklärt dir die Irmel, welche Aufgaben du übernimmst.“
Ohne ein weiteres Wort zog er die Tür zu und schob einen Riegel davor.
Unschlüssig stand sie da, starrte eine Weile auf die Tür, bis sie sich aufraffen konnte und sich umschaute. Man hatte sie in ein großes rechteckiges Turmzimmer gebracht. Ein schier riesiges Himmelbett dominierte den Raum, davor stand eine große Kleidertruhe und auf dem Boden lagen Felle verteilt. Weit weg vom Bett drückte sie ein Tisch an die Wand. Darauf befanden sich ein Krug und eine Schüssel, sowie mehrere sorgfältig gefaltete Tücher. Unter dem Tisch versteckte sich ein Kübel, der wohl für die Notdurft gedacht war.
Warum hatte der Wachmann sie hierher gebracht? Sie war eine Verbrecherin, ein Mitglied der Gilde der Verbrecher, die auf ihre Strafe gewartet hatte. Dieses Zimmer war das Vornehmste, was sie je betreten hatte.
Fröstelnd tappte sie auf das Bett zu, sie war völlig erschöpft.
Ordentlich hatte man die Kissen drapiert, eine große dunkelrote Decke bedeckte das Ungetüm.
Vorsichtig schlug sie die Decken zurück, stieg auf die Matratze und versank in ihr. Ihr war es völlig gleich, wie dreckig sie war, denn eine immense Müdigkeit übermannte sie.
Endlich hörte sie auf, zu frieren. Unter Decken begraben glitt sie in einen tiefen Schlaf.

✻✻✻

 
Mitten in der Nacht fuhr sie aus dem den Tiefen ihrer Seele hoch, schnappte erschrocken nach Luft. Etwas hatte sie geweckt, der Raum lag in dämmriger Dunkelheit da. Auf die Seite gedreht hatte sie sich wie ein kleines Kind zusammen gerollt.
Hinter ihr lag jemand, stellte sie entsetzt fest.
Unfähig, sie zu rühren, presste sie fest ihre Augenlider zusammen und betete, dass es schnell vorbei sein mochte. Im Geiste zählte sie, um sich abzulenken. Der Alte musste zurück gekommen sein, schoss es ihr durch den Kopf.
Quälen langsam schob sich ein Arm um sie, viel zu muskulös, um vom alten Mann zu sein. Federleicht strichen raue Fingerkuppen über ihre Schlüsselbeine.
Dann schloss sie eine riesige Hand um ihren zarten Hals.
Sie dachte, das Herz würde ihr in der Brust zerspringen vor Angst, ihr Atem ging flach und schnell.
Er näherte sich ihrem Kopf, die Hitze seines Körpers spürte sie überdeutlich im Rücken.
Etwas kitzelte in ihrem Haar, seine Nase, er roch an ihr...atmete sie ein.
Aus ihrer Kehle löste sich ein erstickter Laut, die Hand an ihrer Kehle lockerte sich etwas, dennoch ließ er nicht los.
So erstarrt lagen sie Minuten da, sie wagte es nicht, sie zu regen.
Nach einer gefühlten Endlosigkeit löste sich der Mann von ihr. Sogleich krümmte sie sich vor Furcht zusammen, hielt sich die Hände vors Gesicht und schloss fest die Augen.
Das Gewicht seines Körpers verschwand, schwere Schritte umrundeten das Bett.
Bitte nicht, bitte nicht...
Die Tür wurde geöffnet.
Stille.
„Willkommen in meiner Burg, Alva.“
Die tiefe ruhige Stimme sickerte durch die Nacht an ihr Ohr, löste eine Gänsehaut aus.
Knarrend fiel die schwere Tür zu und der Riegel wurde erneut davor geschoben.
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