Mein Freund, der Dämon

von Strycore
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Estarossa OC (Own Character)
11.10.2019
18.10.2020
40
86.362
22
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Dieses Kapitel
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18.10.2020 3.875
 
VORWORT!
Ach, es tut mir Leid, dass es eine ganze Woche Verspätung hat. Ich bin Privat momentan ziemlich im Stress und bin einfach nicht fertig geworden. Gomen Nasai! Verzeiht mir! Viel Spaß beim lesen.

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Kalt und leise schwebt eine weiße Schneeflocke vom Himmel herunter und landet auf der Nasenspitze von Natalia. Sie schaut in den wolkenbedeckten Himmel und beginnt zu frieren. Also zieht die Farmerin ihren Mantel enger an sich heran. Es ist Winter geworden und ihre beiden Kinder spielen zusammen im Schnee. „Du solltest wirklich nicht allzu lange draußen bleiben, sonst erkältest du dich noch.“ Estarossa reicht ihr eine Tasse voll heißen Kakao. „Danke“, sagt sie und nimmt sogleich einen Schluck. Es ist ohnehin bald Zeit für das Abendbrot, also ruft sie nach den beiden. Sofort lassen die beiden Halbdämonen alles stehen und liegen und folgen ihren Eltern in das warme Haus zurück. In dem großen Kamin, der im Wohnzimmer steht, frisst ein Feuer ausgehungert das trockene Brennholz auf. Molly hat es sich davor gemütlich gemacht und genießt sichtlich die Wärme. Abwechselnd dürfen sich ihre Kinder einmal in der Woche etwas zu essen wünschen. Diesmal ist Anunnaki an der Reihe und ihre süße, kleine Tochter möchte Milchreis haben. Nachdem sich Natalia den Mantel und die Stiefel ausgezogen hat, legt sie in ihren Ofen ein paar Holzscheite und entzündet sie. Auf die obere Heizplatte kommt noch ein Topf, den sie mit Milch füllt und daraus den gewünschten Milchreis kocht. Manchmal fällt ihr Blick auf das Sofa. Dort sitzt ihr Großvater in einer Decke eingewickelt und einem Buch in der Hand. Der brave Bernhardiner liegt neben ihm und schläft. Bruno ist inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen. Um seiner Schnauze hat sich sein braunes Fell grau verfärbt, sodass man ihm sein Alter richtig ansieht. Eigentlich ist sich Natalia sicher, dass der Hund bald sterben wird. Umso erstaunter ist sie dann über die Tatsache, dass Molly kein bisschen zu altern scheint. Und sie hat die Katze länger als den Hund.

Estarossa kommt gerade von oben und hat seine Sprösslinge in ihre Hausanzüge gesteckt. „Lass mich das machen, Natalia. Setz du dich hin und ruhe dich etwas aus.“ Der Dämon nimmt ihr den Kochlöffel weg, weshalb sie ihn verwirrt ansieht. „Kannst du denn überhaupt kochen?“ Diese unsichere Frage lässt ihn grinsen. „In dreitausend Jahren lernt man so einiges. Außerdem habe ich doch die beste Lehrerin.“ Immerhin hat er ihr oft genug beim kochen zugesehen. Schließlich gibt sie nach und deckt dafür schon einmal den Tisch. Zumindest können dieses einfache Gericht alle zusammen essen. Jedenfalls behauptet Estarossa das. Am späten Abend, gönnt sich die Farmerin noch ein heißes Bad. Xander und Anunnaki schlafen schon tief und fest. Es klopft. „Komm herein.“ Estarossa öffnet die Tür und schließt diese lautlos hinter sich. „Tut mir Leid, dass ich so spät komme. Es hat doch länger gedauert, als erwartet.“ Nun legt er seine Kleidung ab und steigt zu ihr ins Wasser. Sofort schmiegt sie sich an den Dämon und seufzt einmal leise. „Denkst du manchmal noch an die Sache mit Edward zurück?“ Sie schüttelt den Kopf. „Nein. Inzwischen denke ich, dass du richtig gehandelt hast. Es war seine eigene Schuld und hat somit sein Schicksal besiegelt. Ich bin übrigens sehr glücklich darüber, dass du und deine Brüder die Scheune so schnell reparieren konntet. Ich denke, dass die Tiere euch sehr dankbar sind.“ Dafür belohnt sie ihn mit einem Kuss und ist dann doch ziemlich überrascht, dass es nochmal klopft. „Mama, darf ich reinkommen?“ Natalia tauscht mit Estarossa einen irritierten Blick aus. „Xander, mein Liebling. Was ist denn los?“ Er klingt nervös. „Ich muss mal ganz dringend.“ Da fällt ihr Stein vom Herzen, weshalb sie sich tiefer in die Badewanne zurückzieht. „Du kannst reinkommen, mein Schatz.“

Erst nach ihrer Erlaubnis kommt der Junge herein und geht sich erleichtern. Auch der Körper von Halbdämonen kann viel mehr von der Nahrung verwerten, als ein menschlicher Körper. Estarossa hat den großartigen Vorteil, dass er nur ein oder zweimal im Monat ein stilles Örtchen aufsuchen muss, während seine Kinder meistens einmal in der Woche zur Toilette müssen. „Tut mir Leid, Mama. Ich wollte euch nicht beim baden stören, aber das hat so gedrückt.“ Nun schenkt ihm seine Mutter ein sanftes Lächeln, während sie die Hand nach ihm ausstreckt. Xander kommt näher. „Ist schon okay, mein Schatz. Es muss dir wirklich nicht Leid tun. Das ist alles ganz normal und natürlich.“ Sie drückt ihm einen Kuss auf den Mund und streichelt über seine Wange. „Jetzt sei ein braves Kind und geh wieder ins Bett.“ Der kleine Halbdämon gibt seinem Papa auch noch einen Kuss und eilt zurück in sein Zimmer. „Er ist wirklich ein guter Junge. Ich bereue es bis heute, dass ich bei seiner Geburt nicht dabei war.“ Glücklich schmiegt sich die Farmerin an ihn heran und lauscht seinen Herzschlägen. „Ich denke, dass du nichts bereuen solltest. Immerhin hast du nicht gewusst, dass ich ein Kind erwartet habe. Außerdem bist du jetzt für ihn da und das ist wichtiger, als der Vergangenheit nachzutrauern.“ Zusammen genießen sie noch ein paar Momente, doch dann erhebt sich Natalia langsam aus dem warmen Wasser und drückt sich geschmeidig die Haare aus. Estarossa folgt ihr sogleich, der ihr sofort ein wärmendes Handtuch um den nassen Körper bindet, bevor er an sich selbst denkt. Sie steht vor dem Spiegel und beobachtet, wie der Dämon ihre Haarbürste nimmt und damit anfängt, ihre lange Mähne zu kämmen und somit von Knoten und losen Strähnen zu befreien. „An was magst du wohl gerade denken?“ Immerhin macht Natalia gerade einen sehr nachdenklichen Eindruck. Und er ist nicht in der Lage dahinter zu kommen. Sichtlich genießt sie es, die Haare gekämmt zu bekommen. Immerhin ist es immer schöner, wenn es ein anderer macht. „Anunnaki verbringt sehr viel Zeit mit Zeldris. Ich mache mir Sorgen, dass du eifersüchtig auf ihn bist.“ Nun hält der Dämon für einen Augenblick in der Bewegung inne. Er sieht sie entgeistert im Spiegel an. „Eifersüchtig? Ich?“ Estarossa bricht in schallendes Gelächter aus. „Ich denke eher, dass es andersherum ist.“

Nun blickt sie ihn erstaunt an. „Wie kommst du denn darauf?“ Er schmunzelt. „Man sieht Zel doch richtig an, wie gern er Anunnaki hat. Zwar ist er nicht besonders gut darin Gefühle zu zeigen, doch mir macht er nichts vor.“ Daraufhin muss Natalia einfach lachen. „Glaubst du das wirklich? Auf mich macht er immer so einen genervten Eindruck. Vielleicht habe ich mich in deinem Bruder doch ganz schön getäuscht.“ Nun legt Estarossa die Bürste zur Seite und fängt an ihr nasses Haar zu flechten. Gerade deswegen, schaut sie überrascht auf. „Vertrau mir. Wenn du sie morgen früh aufmachst, wird der Goldfasan erbleichen vor lauter Neid“, antwortet er auf ihre unausgesprochene Frage. Daraufhin nickt die Farmerin nur einmal und lässt sich von ihm auf den Arm nehmen, damit er sie ins Bett tragen kann. Müde, schmust sie sich in ihre kuschelweiche Bettwäsche und schmiegt sich sogleich an ihn. „Und jetzt lass uns noch ein bisschen schlafen, Natalia. Es wäre doch echt peinlich, wenn wir an unserem großen Tag zu spät kommen.“ Alleine der Gedanke daran lässt ihr Herz einen Sprung machen. Sie ist so aufgeregt, dass sie an nichts anderes mehr denken kann. „Ja, du hast recht. Das wäre eine wirklich unangenehme Sache.“ Sie seufzt einmal leise und schließt zufrieden die Augen. „Gute Nacht, mein Liebling.“ Estarossa haucht ihr einen Kuss auf und schlingt einen Arm und ein Bein um sie. Schon nach wenigen Minuten normalisiert sich ihr Herzschlag wieder und sie ist eingeschlafen. Plötzlich gibt das Bett ein kleines bisschen nach und leise Pfoten schleichen verstohlen über die Bettdecke. Ein paar große, bernsteinfarbene Augen schauen ihn durchdringend an. „Was ist?“ Molly stellt die Ohren auf und überprüft, ob ihr Frauchen auch wirklich schläft. „Ich habe eine Entscheidung getroffen“, miaut sie leise. Nun schaut der Dämon sie interessiert an. „Und was genau?“ Die blaugraue Kätzin schnurrt es ihm entgegen, weshalb er ziemlich große Augen macht. „Bist du dir sicher?“ Sie nickt. „Ich denke, dass mein Frauchen es verstehen wird. Sie ist bereit.“ Nun knetet sie mit den Pfoten noch ein wenig die Decke, dreht sich dreimal im Kreis und schmatzt sich dann hin. „Ich vertraue dir einfach mal, Staubfänger.“

Der nächste Morgen bricht an. Schon in der Früh, wird Natalia positiv überrascht. In der heimeligen Stube brennt ein warmes Feuer im Kamin und auch das Vieh wurde im Stall schon versorgt. „Hannah?“ Sie schaut ihre Freundin perplex an. „Einen schönen guten Morgen, meine Kleine.“ Johann und Zeldris sind auch schon wach und haben Meliodas an den Stuhl gefesselt, um ihn davon abzuhalten das Frühstück zu machen. Der Fraß des ältesten Dämons ist lebensgefährlich. „...Was ist hier denn los? Warum seid ihr alle schon wach?“ Hannah grinst einmal belustigt. „Zerstreut wie immer, meine Süße. Anscheinend hast du echt vergessen, dass du heute noch heiraten wirst.“ Plötzlich fällt es ihr direkt wieder ein und sie errötet ziemlich stark. „Deshalb lag Estarossa eben nicht neben mir.“ Dabei haben sie am Vorabend extra noch darüber gesprochen. Nun lächelt sie einmal berührt. Doch dann setzt sie sich und isst erstmal ihr Frühstück auf. „Danke für die leckere Mahlzeit. Ich muss noch schnell für meine zwei Mäuse etwas zu essen machen.“ Johann schüttelt den Kopf. „Das kann ich auch machen, Natalia. Du solltest mit Hannah lieber hoch gehen und dich fertig machen.“ Sie kann ihrem Großvater nicht widersprechen. Also nickt sie und folgt ihrer Kindheitsfreundin nach oben ins Badezimmer, wo Hannah erst einmal den Zopf von ihr löst. Ihre sonst so langweiligen Haare sind nun alles andere als langweilig. Eine unglaubliche Lockenpracht schmückt ihren Kopf, sodass Estarossa recht behält und selbst Hannah einmal neidisch drein schaut. „Das muss ich dem Silberlöckchen lassen. Er hat mich echt kalt erwischt“, lacht sie. Nachdem sich Natalia das Gesicht gewaschen hat, folgt sie ihrer Freundin ins Schlafzimmer zurück und öffnet dort den Kleiderschrank. Hannah nimmt eine schwarze Hülle heraus und öffnet sie. „Du hattest schon immer eine Vorliebe für einfache Sachen.“ Vorsichtig holt sie das schlichte, aber wunderschöne Kleid aus der Schutzhülle heraus. „Sogar bei deiner Hochzeitsrobe hältst du dich dezent zurück.“ Natalia hat es bei einer Schneiderin extra anfertigen lassen. „Und ich verstehe bis heute nicht, dass du dir den Winter für deine Hochzeit ausgesucht hast.“

Genau aus diesem Grund, zieht die Farmerin warme Unterbekleidung an, bevor sie sich von Hannah in ihr Kleid helfen lässt. „Du siehst wirklich bezaubernd aus“, sagt sie ganz verliebt. Der lange, rosafarbene Rock versteckt perfekt ihre warme Unterbekleidung und harmoniert sehr gut mit dem weißen, lang ärmlichen Oberteil. Auf der Höhe der Brust ist eine hübsche Schleife in der gleichen Farbe wie des Rocks angebracht. Lediglich ein paar hübsche Stickereien zieren die langen Ärmel des Kleides. „Glaubst du denn, dass Estarossa es gefallen wird?“ Natalia ist sehr unsicher, ob er das Kleid mögen wird. Hannah schmunzelt. „Das Silberlöckchen hat erst vor kurzem zu mir gesagt, dass du sogar in einem Kartoffelsack gut aussehen würdest.“ Sofort reißt sie die Augen weit auf und muss dann herzlich lachen. „Das hat er nicht wirklich gesagt, oder?“ Sie grinst. „Ich würde dich niemals anlügen.“ Nun geht es zurück ins Badezimmer, wo Hannah ihrer Freundin die Haare frisiert. Sie flechtet ihr oberes Deckhaar zu einem aufwendigen Zopf und fixiert ihn mit einem dünnen Haargummi und verziert das untere Ende mit einer süßen Spange. Das untere Haar, lässt sie ihr einfach lockig über die Schultern fallen. Es klopft. Hannah öffnet die Tür einen kleinen Spalt und atmet erleichtert aus, als Johann davor steht. „Du bist es, Großväterchen.“ Sie lässt ihn herein und Johann stehen die Tränen in den Augen. „Ich weiß einfach nicht was ich sagen soll.“ Er wischt sich einmal über das feuchte Gesicht. „Ich bin so unglaublich stolz auf dich, Natalia.“ Sie nimmt ihren Opa einmal in den Arm. „Xander und Anunnaki sind auch schon total aufgeregt. Sie werden von Zeldris betreut.“ Die Farmerin kann sich vorstellen, dass ihre Kinder aufgeregt sind. Ihr geht es da nicht anders. Doch dann nimmt Johann die Hand seiner Enkelin und drückt sie einmal besorgt. „Bist du dir wirklich sicher, dass du eine Hochzeit auf dämonische Weise möchtest?“ Natalia nickt. Sie weiß, was ihr bevorsteht und hat sich bewusst dafür entschieden. „Das bin ich, Großvater. Estarossa hat wegen mir so viel zurückstecken müssen, also will ich ihm endlich etwas zurückgeben.“ Da lächelt der alte Mann. „Ich verstehe dich. Heute ist dein großer Tag und du siehst wunderschön aus.“ Zum krönenden Abschluss, hilft man ihr noch in ein paar warme, weiße Stiefel hinein, die sehr gut zu dem zartrosa Kleid passen.

Gleich ist es soweit. Natalia schlägt das Herz bis zum Hals, als ihr Großvater sie behutsam die Treppe nach unten führt. Sie hat Estarossa das letzte mal gestern Abend gesehen. Daher ist sie wohl genauso gespannt, wie er selbst auch. Meliodas pfeift einmal scharf durch die geschlossenen Zähne. „Ich gehe jede Wette ein, dass meinem Bruder gleich die Augen ausfallen werden.“ Da errötet sie einmal ziemlich stark. Der älteste Dämon nimmt ihre Hand und haucht einen Kuss darauf. „Noch kannst du dich aus dem Staub machen.“ Doch sie schüttelt den Kopf. „Nein, ich bin bereit.“ Nun nickt er Johann einmal zu, der sie nun nach draußen führt, wo Estarossa schon auf sie wartet. Als er sie erblickt, bekommt er so große Augen, wie eine Eule in der Nacht. Obwohl er äußerlich sehr gefasst und ruhig wirkt, tobt in ihm ein unruhiger Sturm. Aufmerksam verfolgt er jeden einzelnen ihrer Schritte, bis sie ihn nach einer gefühlten Ewigkeit endlich erreicht hat. Für diesen besonderen und zauberhaften Moment, hat sich der Dämon ziemlich herausgeputzt. Eine dunkle Hose und ein dunkles Hemd umschmeicheln seinen kräftigen Körper, während eine weiße Fliege einen hellen Kontrast bildet. Estarossa hat sich sein silbernes Haar zurückgekämmt und mit Bienenwachs fixiert. Einzelne, dünne Strähnen fallen ihm lose und verspielt über die Stirn. Sie kann sein dämonisches Mal sehr gut auf seiner Stirn sehen. Die dünnen, exotischen Zeichen wo es bilden, wirken auf sie sehr anziehend. Er lächelt sie an und sie erwidert es. Gleichzeitig, legen sie ihre rechte Hand auf das eigene Herz und verbeugen sich einmal höflich voreinander. Nun kommt Meliodas zu den beiden, der sie einmal umrundet und ein weißes Tuch in beiden Händen hält. Er öffnet es vorsichtig und ein glänzender Dolch liegt darin. Estarossa nimmt als erster seine Hand von der Brust und hält seinem Bruder seine Hand hin. Der älteste Dämon umfasst den Griff und setzt die Spitze an Estarossas Handfläche an. Mit einem sauberen Schnitt, durchtrennt er die Haut der Handinnenfläche. Dickes, tiefrotes Blut tritt aus der Schnittwunde hervor und sammelt sich wie in einem kleinen Becken.

Als nächstes ist Natalia an der Reihe. Sie verzieht bei dem Schnitt das Gesicht und beißt tapfer die Zähne zusammen. Es tut sehr weh, doch die Farmerin hat gewusst, was auf sie zukommt. Sie hat sich dieses Ritual selbst ausgesucht und natürlich hat Estarossa mehrmals versucht, es ihr auszureden. Nun legen beide ihre blutigen Handflächen aufeinander und kreuzen die Finger miteinander. Meliodas wickelt nun das noch weiße Tuch um die Hände der beiden. Estarossa macht sich Sorgen um sie. Immerhin brennt sein dämonisches Blut wie flüssiges Feuer in ihren Adern. Doch während der Zeremonie ist es den beiden verboten Worte miteinander zu tauschen. Sein älterer Bruder zieht sich nun erst einmal zurück und nickt ihnen zu. Den folgenden Tanz hat die Farmerin über Wochen gelernt. Sie hat jeden Abend mit Meliodas trainiert und ihn solange geübt, bis sie ihn selbst im Schlaf beherrschte. Sie folgt den komplizierten Schritten ihres Dämons mit geschmeidigen und eleganten Bewegungen. Beide wissen, dass dieser dämonische Hochzeitstanz erst endet, wenn sich das weiße Tuch komplett blutrot gefärbt hat. Dabei dürfen sie ihre blutende Hand nicht loslassen, sonst ist die Zeremonie gescheitert und müssen wieder von vorne anfangen. Johann ist sehr nervös und verfolgt angespannt das Tuch, welches sich immer mehr mit dem Blut der beiden vollsaugt. Auch die sonst so besonnene Hannah sieht dem Schauspiel nervös zu. Sie hat Angst, dass das zu viel für ihre Freundin sein kann. Doch sie weiß auch, dass Natalia zäher ist als sie aussieht und so hält sie bis zum Schluss tapfer durch. Beide beenden ihren Tanz, als das Tuch komplett rot ist. Erst jetzt dürfen sie es abnehmen. Der nächste Schritt ist sehr wichtig, weshalb Xander ihn unbedingt machen will. Der Halbdämon hat ein kleines, weißes Kissen in den Händen, auf dem die Eheringe gebettet sind. Sein Onkel winkt ihn zu sich her, sodass seine Eltern die Ringe tauschen können. Beinahe wirkt der Halbdämon aufgeregter als seine Mutter und sein Vater selbst. Estarossa nimmt den kleineren der beiden Ringe und steckt ihn seiner Frau an den Finger, während Natalia den größeren nimmt und ihm ihren Mann an den Finger anbringt.

Meliodas wirkt zufrieden und erst jetzt wird die Schweigepflicht der beiden aufgehoben. Er nickt ihnen nun zu. „Gebt euch euer Eheversprechen.“ Estarossa hat sehr lange darüber nachgedacht, was er der Farmerin sagen will. Es sind Worte, die er tief in sich vergraben hat und sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort aussprechen will. „Natalia...“ Er nimmt nun ihre beide Hände und achtet darauf, ihre Wunde nicht zu berühren. Denn anders als bei ihm, wird sie lange brauchen um zu verheilen. „Als wir uns das erste mal getroffen haben, lag ich im sterben. Nur durch dein Mitgefühl, deine Geduld und deine Freundlichkeit habe ich überlebt. Trotz meiner früheren Grausamkeit, hast du nie den Mut verloren und hast mich zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. Du hast mir zwei wundervolle Kinder geschenkt und du hast mir ein Zuhause auf Lebenszeit gegeben. Ich habe so viel von dir bekommen, daher gebe ich dir nun ein Versprechen. Meine sieben Herzen werden immer nur für dich schlagen. Sie werden auf ewig nur dir gehören. Ich verspreche dir, dass ich dich, unsere Kinder und die Farm mit meinem Leben beschützen werde. Niemals werde ich euch im Stich lassen. Ich liebe dich, Natalia.“ Seine aufrichtigen Worte treiben ihr die Tränen in die Augen. Noch nie hat man etwas so wunderschönes zu ihr gesagt. Meliodas reicht ihr ein Taschentuch, damit sie sich die Augen trocken wischen kann. „Estarossa...“ Sie drückt seine kräftigen Hände einmal. „Ich war schon vom ersten Moment an völlig von dir fasziniert gewesen. Die vergangen Jahre, in denen wir voneinander getrennt waren, sind mir wie eine leere Wüste vorgekommen. Auch du hast mir zwei wunderschöne Kinder zum Geschenk gemacht und hast meinem Leben einen Sinn gegeben. Daher will auch ich dir ein Versprechen geben. Ich habe dich so akzeptiert wie du bist. Ein Dämon. Ich verspreche dir, dass ich niemals einen anderen Mann auch nur ansehen werde. Ich werde dich niemals im Stich lassen und dich in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen. Ich liebe dich, Estarossa. Ich werde für immer an deiner Seite sein.“ Hannah wischt sich nun selbst die aufkommenden Tränen weg. Sie ist so unglaublich stolz und so unglaublich eifersüchtig auf ihre Kindheitsfreundin. Doch am allerschlimmsten hat es Johann erwischt. Er hat schon immer auf Hochzeiten geweint. Endlich legt der Dämon seiner Frau eine Hand in den Nacken, beugt sich zu ihr herunter und küsst sie einmal voller Leidenschaft.

„Meine kleine Natalia ist jetzt eine verheiratete Frau. Endlich kann ich glücklich sterben“, weint der alte Mann zufrieden. Estarossa streichelt seiner Ehefrau sanft über das Gesicht. „Lass mich deine Hand verbinden, Natalia. Nicht, dass sich die Wunde entzündet.“ Sie lächelt und nickt. Eine Heilsalbe und ein Verband werden schlimmeres verhindern. „Bevor wir unsere kleine Feier anfangen, möchte dir noch jemand etwas sagen.“ Der Dämon lächelt sie an und winkt nun Molly zu sich her. Die blaugraue Kätzin kommt nun elegant zu ihrem Frauchen und sieht sie mit ihren großen, katzenhaften Augen an. Natalia sieht verwirrt aus und blickt daher Estarossa an. Er nickt. „Du hast einmal gesagt, dass ich alt bin und bald sterben werde. Darüber brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen“, miaut sie nun. Plötzlich reißt die Farmerin die Augen weit auf und hält sich die Hand an den Mund. „Oh mein Gott...Molly...du...“ Sie geht auf die Knie und streichelt ihre Kätzin einmal. „...Kannst ja sprechen...“ Sie schnurrt einmal lauthals auf. „Ich bin eine Dämonenkatze, geliebtes Frauchen. Ich bin genauso alt und genauso unsterblich wie Estarossa.“ Nun bricht Natalia vollkommen in Tränen aus und nimmt ihr geliebtes Haustier auf die Arme. „Na das ist wirklich eine gelungene Überraschung“, schluchzt sie lauthals. Selbst Hannah und Johann scheinen wenig überrascht zu sein. Lediglich Xander steht der Mund voller Erstaunen offen. „Molly...oh meine kleine Molly...“ Sie leckt ihr über das tränennasse Gesicht. „Du musst nicht weinen, Frauchen. Ich werde dich nicht alleine lassen.“ Nun fällt ihr Bernsteinblick einmal auf ihren großen Hundekumpel. „Leider ist das bei Bruno nicht der Fall. Er ist nur ein ganz gewöhnlicher Hund.“ Man kann eben nicht alles im Leben haben. Nachdem sie sich beruhigt hat, lässt sie Molly wieder herunter und flauscht nun dem braven, alten Bernhardiner durch das braune, weiche Fell. „Ich weiß. Aber er hatte ein gutes Leben“, sagt sie darauf. „In Ordnung. Die ganze Aufregung hat mich sehr hungrig gemacht. Lasst uns etwas essen. Außerdem fange ich an zu frieren.“

Hannah umarmt ihre Freundin einmal und drückt sie liebevoll. „Ich verspreche dir jetzt auch etwas. Wenn dir das Silberlöckchen wehtut, ganz egal wie. Dann knöpfe ich mir ihn vor. Und zwar mit Rasierklingen und Zitronensaft.“ Estarossa bricht in lautes Gelächter aus. „Das will ich sehen, Goldfasan.“ Selbst Zeldris muss bei dieser leeren Drohung grinsen. „Halt dein Maul, Silberlöckchen. Ich bin so verdammt neidisch auf dich.“ Johann blickt einmal zu dem jüngsten Dämon. Er ringt wohl gerade mit sich selbst. Also stößt der alte Mann ihm den Ellbogen in die Rippen. „Na los, mein Junge. Nutze deine Chance.“ Zeldris fixiert ihn von der Seite mit seinen smaragdgrünen Augen. Er seufzt einmal. „Scheiß drauf“, meint er dann nur und geht zu Hannah, um sie an der Schulter zu sich umzudrehen. Noch bevor sie etwas sagen kann, drückt er ihr einen dicken, intensiven Kuss auf. Sofort weiten sich die Augen der blonden Hannah. Nicht einmal Estarossa hat damit gerechnet und Natalia hält sich verstohlen die Hand vor dem Mund. Absolut perplex, schaut sie Zeldris nun an. „Wie kannst du es wagen, Smaragdäugchen? Ich werde dich in...“ Plötzlich packt sie ihn am Oberteil und zahlt es ihm mit gleicher Miene heim. Jetzt bricht Estarossa erneut in lautes Gelächter aus. „Da habt ihr es! Vielleicht sollten wir gleich die nächste Hochzeit organisieren.“ Die Wangen von Hannah färben sich feuerrot. Sie legt ihren Kopf auf seine Schulter, während Zeldris seine Arme um sie legt. „Na gut. Ich gebe es zu, dass ich den Blödmann echt gern habe“, knurrt sie. Sie erwidert nun die Umarmung und schmiegt sich an ihn. „Allerdings stimme ich Natalia zu. Ich hab total Hunger. Gehen wir rein und zerfleischen die Torte.“ Natalia lacht einmal überglücklich. Sie legt Estarossa ihre Arme um den Hals und lässt sich von ihm auf den Arm nehmen. „Was für ein wunderschöner Tag, mein Liebling. Gehen wir. Heute fängt ein neues Kapitel in unserem gemeinsamen Leben an.“ Der Dämon nickt und gibt ihr einen Kuss. „Ich freue mich schon darauf. Gehen wir. Lass uns zusammen unsere gemeinsame Geschichte schreiben.“

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NACHWORT BITTE LESEN!
Oh mein Gott...ich hab das gesamte Kapitel nochmal überarbeitet und die peinlichen Fehler ausgebessert. Ich hatte keine Zeit zum Korrekturlesen. Es tut mir Leid! Jetzt passt alles!!!
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