Aus Versehen verheiratet

von Lelaina
GeschichteRomanze / P12
11.10.2019
11.11.2019
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Liebe Leserinnen und Leser,

alle die, die diese Geschichte schon lesen (vielen Dank dafür), muss ich nun leider verwirren.
Was ist passiert?
Beim Schreiben des letzten hier geposteten Kapitels (Mirror Man) habe ich festgestellt, dass ich so nicht weiterkomme. Also habe ich mich nochmal aus dem Schreibprozess herausgezogen und die ganze Geschichte neu geplottet.
Das würdet ihr normalerweise nicht merken. In diesem Fall aber schon, denn ich muss hier den Anfang neu gestalten.
Das bedeutet vor allem, dass ich vor dem bisher ersten Kapitel (Schreck in der Morgenstunde) weitere Kapitel eingefügt habe und posten werde. Der Teil, den ihr schon lesen konntet, kommt dann. Wahrscheinlich muss ich diesen inhaltlich auch noch etwas anpassen.
Für alle, die diese Überarbeitung geduldig mitmachen: Ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich euch bin und welch schlechtes Gewissen ich habe.
Als kleines Trostpflaster: Da ich mich entschlossen habe, mit dieser Geschichte beim NaNoWriMo 2019 (National Novel Writing Month, man schreibt in einem Monat 50.000 Wörter) mitzumachen, werden neue Kapitel wahrscheinlich weit schneller kommen als bisher.

Für alle, die jetzt erst anfangen zu lesen: Ihr könnt dieses Vorwort einfach ignorieren und euch ins Lesevergnügen stürzen.

Für alle: Viel Spaß bei dieser Geschichte!

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»Komm jetzt endlich«, befahl Andreas, schnappte meine Hand und zog mich, ähnlich wie den Koffer, den er in der anderen Hand hatte, hinter sich her. Es fiel mir schwer, ihm zu folgen, weil ich keine Zeit hatte, auf den Weg zu achten. Viel zu aufregend war es, alles um mich herum zu betrachten. Am meisten faszinierten mich die Spielautomaten mitten im Gebäude und die Menschen, die daran saßen und ihr Glück versuchten. Der Lärm hier drin war ohrenbetäubend, Menschen aller Kulturen drängten sich in dem recht übersichtlichen Gebäude. Kakophonien unterschiedlicher Gerüche drangen in meine Nase. Ich konnte mich kaum an den blinkenden bunten Lichtern sattsehen. Es wirkte unecht und lebendig zugleich, so als wäre ich mitten in einen Film hineingestolpert. Andreas hatte kein Auge für die Faszination dieser fremden Welt. Kein Wunder, der Ärztekongress, wegen dem wir angeblich hier waren, fand jedes Jahr statt und Andreas war vor drei Jahren schon einmal hier gewesen.
Draußen steuerte er eine Reihe Taxis an, blaffte dem Fahrer den Namen unseres Hotels entgegen und ließ sich stöhnend auf den Rücksitz fallen. Den Koffer hatte er neben mir auf dem Gehweg stehen gelassen. Ich hob ihn probeweise an und ächzte. Den würde ich nie in den Kofferraum wuchten können. Doch da war der Fahrer bereits bei mir und hob das schwere Stück mühelos hoch. Er schloss den Kofferraum, setzte sich hinter das Steuer und ließ den Motor an. Ich beeilte mich, auf die andere Seite zu gelangen, um ebenfalls einzusteigen, bevor er losfuhr.
»Ich dachte schon, du willst nicht mit«, sagte Andreas mit einem halben Grinsen.
Eingeschnappt drehte ich mich weg von ihm und starrte aus dem Fenster. Es gab ja auch genug zu sehen. Bereits von hier erkannte ich einige der bekannten Themenhotels. Dahinter erhoben sich majestätisch die Berge in den farbenfrohen Abendhimmel.
Nach kurzer Fahrt erreichten wir unser Ziel, das Bellagio. Der Taxifahrer stellte uns den Koffer auf die Straße, nahm das Geld von Andreas entgegen und fuhr ohne ein weiteres Wort davon. Zwei Löwenstatuen bewachten den Eingang. Ich verrenkte mir den Kopf beim Versuch festzustellen, aus welchem Material diese hergestellt waren. Doch Andreas zog mich weiter ins Innere.
Während er eincheckte, hatte ich endlich ein wenig Zeit, mich genauer umzusehen. Bereits die Lobby des Hotels war umwerfend. Ich freute mich schon so auf die berühmten Fontänen und den Innengarten, den es hier angeblich gab. Bisher hatte ich lediglich Fotos gesehen, doch die Wirklichkeit würde alle Vorstellungen übertreffen, da war ich mir sicher.
Las Vegas war ein umwerfender Ort, genau richtig, um den entscheidenden Schritt des Lebens zu tun, fand ich. Ich war so froh, als Andreas mich gefragt hatte, ob ich ihn begleiten wollte. Zuerst hatte ich mich gewundert, denn bei seinen sonstigen Dienstreisen war er nie auf die Idee gekommen, mich mitzunehmen. Doch dann war mir eingefallen, wofür Las Vegas noch bekannt war, außer für die vielen Casinos und die Themenhotels.
Andreas und ich wollten heiraten. Und ich war mir sicher, dass er geplant hatte, mich zu überraschen und gleich hier zu heiraten. Er wusste, dass mich der Gedanke an eine riesige Feier zuhause nicht reizte, denn die Gäste würden ausschließlich aus Kollegen und Freunden von Andreas bestehen. Ich selbst hatte nicht einmal mehr eine Familie. Meine Mutter war vor sieben Jahren gestorben, mein Vater wollte nicht mal wissen, dass es mich gab. Mit meiner Schwiegermutter verstand ich mich nicht besonders gut und mein Schwiegervater sagte eigentlich nie ein Wort. Eine Spontanhochzeit in Las Vegas, ohne Familie, Freunde und Trauzeugen, war genau das, was ich wollte. Es war so nett von Andreas, auf seine eigenen Wünsche zu verzichten und mir die Peinlichkeit zu ersparen, einen Trauzeugen aus seinem Bekanntenkreis auswählen zu müssen.
Ich spürte seine warme Hand an meiner. »Wollen wir?«, fragte er freundlich und nickte zu dem Pagen, der sich bereits unseren Koffer geschnappt hatte und am Aufzug wartete. Ich nickte und folgte ihm.
Im Aufzug betrachtete ich uns beide im Spiegelbild. Wir würden ein wunderschönes Ehepaar abgeben. Er war größer als ich und in seinem typischen Poloshirt und den geraden Stoffhosen das Sinnbild des adretten Arztes. Seine dunkelbraunen Haare harmonisierten mit meiner Haarfarbe, bei der ich nur ein bisschen nachhelfen musste, damit sie in demselben Kastanienton schimmerten. Nur bei der Augenfarbe konnte ich nichts machen. Er hatte warme, braune Augen, während mich meine in hellgrün anblickten. Auch bei der Wahl meiner Kleider passte ich mich gerne seinem Geschmack an. Ich trug ein pastellfarbenes Kostüm über einer cremeweißen Bluse. Irgendwann hatte er erwähnt, dass die Gattinnen seiner Ärztekollegen vorwiegend solche Kostüme trugen, seitdem besaß ich eine ganze Kollektion davon. Ich lächelte unser Spiegelbild glücklich an und drückte Andreas’ Hand. Er erwiderte diese Geste, was mir ein warmes Gefühl bescherte.

Die nächsten Tage waren wunderbar. Gemeinsam wachten wir auf, frühstückten zusammen und machten uns dabei Pläne, wie wir den Tag verbringen wollten. Abends saßen wir dann bei einem Glas Wein auf der Außenterrasse des Bellagio und sahen der Fontänenshow zu.
Doch nach drei Tagen war unser Urlaub zumindest teilweise vorbei, denn der Ärztekongress begann. Dies bedeutete für mich, dass ich meinen Tag alleine verbringen musste. Laut Andreas kein Problem, denn es gab noch genug zu sehen. Doch alleine machte es keinen Spaß. Bis zu dem Moment, wo Andreas sich mit einem Küsschen im Hotelzimmer von mir verabschiedete bis er Abends vollkommen erschöpft zurückkam, hieß das für mich, dass ich mich zu Tode langweilte. Ich streifte durch das Hotel und drehte auch kurze Runden draußen, doch im Großen und Ganzen traute ich mich nicht, außer Sichtweite des Hotels zu gehen. Zu groß war meine Angst, mich nicht mehr zurückzufinden.
Auch die Abende blieb ich größtenteils auf mich gestellt, denn meist hatte Andreas keine Lust mehr, noch etwas zu unternehmen. Ich hatte Verständnis für ihn. Er befand sich in einem kritischen Stadium seiner Karriere, da musste er vor allem wichtige Kontakte knüpfen. Und schließlich hatte ich als seine zukünftige Ehefrau auch einiges davon, wenn er Chefarzt wurde.
Am siebten Tag begann ich mich zu fragen, wie Andreas das mit unserer Hochzeit geplant hatte. Uns blieb noch ein Tag, wenn der Kongress vorbei war, dann mussten wir zurückfliegen.
Am achten Tag nahm ich all meinen Mut zusammen, suchte mir im Internet heraus, wo sich die Hochzeitskapellen befanden, packte mir einen Rucksack und ging auf die Suche nach einem Taxi. Mit stockendem Englisch gab ich dem Fahrer die Adresse und stieg ein. Mein Fahrer war ein älterer Mann, der sich von meinen Sprachkenntnissen nicht einschüchtern ließ und die ganze Fahrt über redete. Zuerst versuchte er, mich auszufragen, gab jedoch schnell auf, da ich nur einsilbig antwortete. Den Rest der Zeit erzählte er dann, wie ich vermutete, über seine Familie und seinen Alltag in Las Vegas. Ich war froh, als er mir die erste Kapelle zeigte und mich aussteigen ließ.
Ich war enttäuscht, als ich durch die Straßen lief und mir eine Hochzeitskapelle nach der anderen ansah. Ich fand sie im Vergleich zu den riesigen Hotels ziemlich unspektakulär. Dennoch erfüllte mich eine gewisse Vorfreude bei dem Gedanken daran, wie Andreas und ich uns hier das Ja-Wort geben würden. Je länger ich darüber nachdachte, desto realer wurde der Gedanke und schließlich fand ich die kleinen Kapellen genau richtig für uns. Ich konnte mir bereits vorstellen, wie ich neben Andreas herschritt. Er würde seinen dunklen guten Anzug anhaben und ich ein weißes Kleid. Natürlich kein richtiges Hochzeitskleid, aber weiß sollte es schon sein.
Auf einmal waren nicht mehr die Kapellen mein größtes Problem, sondern die Tatsache, dass ich in zwei Tagen heiraten würde, aber noch kein Kleid hatte. Wo bekam ich jetzt noch eines her? Ich erinnerte mich, dass es im Hotel einen kleinen Shop gegeben hatte, doch ich war nicht sicher, ob ich dort das Richtige bekommen würde.
Ich sah auf die offene Tür einer der kleinen Kapellen und atmete tief durch. Während ich langsam näher ging, legte ich mir bereits die richtigen Worte zurecht. Blamieren wollte ich mich schließlich nicht.
»Entschuldigen Sie bitte«, fragte ich eine dicke Frau in Blumenkleid, die ich als erstes in der Kapelle traf, auf Englisch, »wissen Sie, wo ich hier in der Nähe ein Hochzeitskleid kaufen kann?« Ich hoffte jedenfalls, dass ich das gefragt hatte. Die Frau lächelte mich breit an, legte einen Arm um mich und führte mich wieder nach draußen. Hatte ich doch die falschen Vokabeln benutzt und sie irgendwie brüskiert?
Ich setzte zu einer Entschuldigung an, als sie mich draußen ein Stück dreht und mit ihrer fleischigen Hand die Straße hinunter zeigte. »Da unten, Schätzchen, findest du, was du suchst.« Sie sagte noch einiges mehr, doch das verstand ich nicht mehr. Ich bedankte mich artig und ging in die angegebene Richtung.
Etwa zweihundert Meter weiter fand ich ein Schild, auf dem Renta-Dress and Tux Shop stand. Da ich glaubte, bei der Frau etwas ähnliches herausgehört zu haben, ging ich mit neuem Elan in die Richtung, in die das kleine Schild wies und stand bereits kurz darauf vor einem Laden, in dem Brautkleider ausgestellt waren.

Eine Stunde später saß ich im Taxi auf dem Weg zurück ins Hotel. Die ganze Zeit grinste ich wie verrückt, denn in meiner eleganten Tasche mit dem Logo des Shops befand sich ein wunderschönes, knielanges cremefarbenes Kleid. Es war kein Hochzeitskleid im engeren Sinne, doch es stand mir ausgezeichnet und war sogar heruntergesetzt gewesen. Andreas würde sich jedenfalls freuen, dass ich nicht unnötig viel Geld ausgegeben hatte und trotzdem wunderschön neben ihm sein würde. Ich ziere ihn, sagte er immer und das würde ich auch übermorgen tun.
Vorerst wollte ich es ihm noch nicht sagen. Es sollte eine Überraschung werden. Mittlerweile war ich mir sicher, dass er sich den letzten Tag unseres Urlaubs ausgesucht hatte, zumal es sich um ein bedeutendes Datum handelte. Übermorgen hatten wir unseren Jahrestag. Wir waren seit genau fünf Jahren ein Paar. Vor fünf Jahren hatte endlich die Zeit des Trauerns um meine Mutter ein Ende und eine neue, bessere Zeit an der Seite von Andreas begann. Ich war nicht mehr allein.
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