Bad influence

von ChrissyN
GeschichteDrama, Romanze / P18
10.10.2019
06.11.2019
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Keuchend stieg ich von ihm ab. Es verschaffte mir fast noch mehr befriedigung, zu sehen, dass er noch mehr keuchte als ich, anstatt das, was wir eben getan hatten.
„Hey, wollen wir uns nicht mal normal treffen?“, schlug er vor.
„Alter, wir haben gerade auf den Toiletten vom Club gefickt... Was glaubst du wie wahrscheinlich ist es, dass wir uns mal normal treffen?“
Ich ließ den enttäuschten Kerl stehen und ging zurück zu meinen Mädels.
Marleen und Delia begrüßten mich mit einem High Five.
„Hey Joe, wie war er?“, fragte Marleen mit spöttischem grinsen.
Ich mochte die beiden nicht wirklich, aber sie waren die einzigen, die meinen Lebensstil verstanden und mithalten konnten, was sie nicht wie die anderen Weiber neidisch werden ließ.
Trotzdem war Deeptalk nur drin, wenn wir wirklich high waren.
Ich ging auf Nummer sicher und redete mit niemandem so wirklich. Denken ja eh alle nur an sich und wollen ihren eigenen Shit erzählen.
„Er war süß. Aber er wollte doch tatsächlich ein Date mit mir“, höhnte ich.
„Nein!? Sein ernst“, lachte Marleen.
„Da baut man sich einen Ruf auf und dann merken sie es trotzdem nicht...“, lallte Delia.
„Was für ein Ruf?“, fragte Marleen. „Das ist Überzeugung.“

Mein Lehrer war leider auch von der Sorte, dass er gerne mehr von mir gehabt hätte. Aber das gab es für keinen. Und ehrlich gesagt hatte ich mich nur aus zwei Gründen darauf eingelassen, es öfter mit ihm zu tun.
Erstens: Jedes verdammte Weib auf der Schule fand ihn heiß. Und da sie sich eh alle das Maul zerissen konnte ich ihnen wenigstens die Illusion nehmen, dass sie Chancen hätten. Zweitens: Ich brauchte gute Noten.
„Willst du nicht noch etwas bleiben“, fragte Herr Schmitz.
„Ich hab gleich Mathe. Die Pause geht ja leider nur 20 Minuten.“ Ich zwinkerte ihm zu. Obwohl mir scheiß egal war, ob er die Anspielung, dass er nicht der mit dem größten Durchhaltevermögen war, verstand. Es war mir zwar wichtig, dass ich auf meine Kosten kam, aber naja hier spielte auch das Ego mit.
Ich verzichtete absichtlich darauf, mir die Haare genaustens zu richten. Schließlich sollten die anderen Mädels ordentlich Interpretationsspielraum haben.
Den blicken nach zu Urteil, als ich den Klassenraum betrat, dachte sich tatsächlich jeder seinen Teil dazu und die ersten Nachrichten wurden verschickt. Ich genoss es das Gesprächsthema Nummer 1 zu sein.

Ich pfefferte meinen Rucksack in die Ecke.
„Wie alt bist du?“, rief meine Mam hinter mir her. „Man kann seine Sache auch ordentlich hinlegen. Du machst bald Abitur!“
„Danke Mam, für den Hinweis.“
„Und wie siehst du schon wieder aus?“, spielte sie auf mein Outfit an.
„Deinem Freund gefällt es“, rief ich zurück während ich die Treppe hoch stiefelte.
Mam schnappte nach Luft.
Ihr war wichtig was die Leute dachten. Wie es mir so ging, war ihr hingegen schon lange egal.
Herbert war ihr Aktueller. Eigentlich vergrault sie alle Typen mit ihrer feinen, spießigen Art, aber er blieb. Ich bin mir ziemlich sicher,dass das an mir lag. Er findet mich heiß und macht trotzdem einen auf Daddy. Wenn es darum geht für irgendwas die Erlaubnis zu kriegen, kann ich ihn eher fragen.
Ihm verdankte ich auch, dass ich meinen Zimmerschlüssel noch hatte. So konnte ich wenigstens in Ruhe aus dem Fenster rauchen.
Mein Handy klingelte.
„Hi Delia“, sagte ich.
„Alter war ich gestern besoffen“, jammerte sie drauf los.
„Was ist gestern passiert?“
„Du wurdest philosophisch“, erklärte ich.
„Scheiße... schon wieder? Oh man das passiert mir immer bei Vollabstürzen.“
„Ich weiß.“
„Ich muss wieder auf Gras umsteigen. Davon geht’s mir anschließend nicht so schlecht“, entschloss Delia mal wieder.
„Apropos, kommst du mit zu Hendrik?“, fragte sie.
„Ich wollte heute eigentlich mal ein bisschen Zeit für mich haben“, erklärte ich.
„Bitte du musst mit. Er gibt immer einen viel besseren Kurs, wenn du dabei bist“, fand Delia.
„Als wenn.“
„Doch, er steht mega auf dich“, meinte Delia. „Also zieh dir was knappes an und schwing deinen sexy Arsch hierher.“
„Nein man“, beharrte ich auf meine Meinung.

Immerhin hatte ich eine Jogginghose an. Wenn Delia mich schon zu sich zitierte, dann sollte sie zumindest merken, dass ich mir keine Kleiderordnung aufdrücken ließ.
„Scheiße man, wie siehst du denn aus“, jammerte sie.
Doch bevor ich was erwiedern konnte, schloss sie die Haustür hinter sich und schob mich zurück zum Gartentor, obwohl es in strömen Regnete.
„Mein Dad hat mir Hausarrest erteilt. Also schnell weg bevor er was merkt“, erklärte sie.
Als wir bei Hendrik ankamen, sahen wir aus wie Vogelscheuchen.
Das störte ihn herzlich wenig. Wir chillten bei ihm während er das Gras abwog.
„Man mach nicht diesen“, säuselte Delia. „10 Euro? Seh ich aus wie ein fucking Scheich?“
„Die Zeiten sind hart“, säuselte Hendrik zurück.
Delia deutete mir per Kopfnicken zu, dass ich mal was tun sollte, damit Hendrik seine Meinung änderte.
Ich ignorierte es. Hendrik... das musste nicht sein.
„Hendrik?“ Es klopfte an der Tür.
„Oh man Kyle, jetzt nicht“, schrie Hendrik.
Doch da war die Tür schon auf.
„Ich brauche mal deine Musikbox.“ Ein Kerl, dezent jünger als Hendrik stand in der Tür.
Als er uns sah fuhr er sich unsicher durch seine dunklen, kurzen Haare.
Delia tat es ihm gleich nach. Sie strich lasziv ihr kurzes, blondes Haar zurück.
Es hätte mehr Effekt gehabt, wenn es lang gewesen wäre.
„Wer ist das?“, fragte sie.
„Mein Stiefbruder Kyle“, erläuterte Hendrik. „Alter, verpiss dich man.“
Kyle starrte auf den Haschklumpen auf der Waage und zog eine Braue hoch.
Hendrik schluckte seine Wut herunter und wurde plötzlich sehr nett.
„Hey komm, chill mit uns“, sagte er möglichst freundlich.
„Nein, danke. Muss das sein... Du weißt doch, wenn Dad das erfährt...“
Hendrik wurde wieder wütend.
„Wenn du dein Maul hälst erfährt er nichts. Sei nicht so ein Spießer“, brüllte er.
„Sei nett“, säuselte Delia. „Kyle, willst du nicht bei uns bleiben.“
„N scheiß wird er“, kläffte Hendrik. „Jetzt stör mich nicht. Ich muss in wichtige Verhandlungen treten. Joe was ist dir dieser Johnny hier wert?“, wandte er sich an mich und hob den Joint hoch.
Ich zog eine Braue hoch.
„Delia wollte den.“
„Und den soll sie bekommen. Und du kannst auch einen haben. Ein paar Minuten mit mir allein...“
Hendrik legte den Arm um mich.
„Alter, lass sie“, mischte sich Kyle ein.
„Was bist du denn noch hier“, wurde Hendrik wieder wütend.
Ich schob Hendriks Arm bei Seite.
„Danke, aber machs dir lieber selbst“, sagte ich. „Sonst merkt noch wer, dass es wirklich nur ein paar Minuten sind. Obwohl du dich damit ja auch gerade selbst verplappert hast.“
„Für dich mache ich besonders lange.“ Er drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Benimm dich doch mal“, mischte sich sein Stiefbruder wieder ein.
„Danke Kleiner, aber ich kann auf mich selbst aufpassen“, pflaumte ich ihn an.
Abwehrend hob Kyle die Hände.
Hendrik warf ihm die Musikbox zu und Kyle verschwand.
„Der war süß“, seufzte Delia.
„Die Jungfrau lässt euch doch eh nicht ran“, grinste Hendrik hämisch.
„Sicher“, grinste Delia.
„Joe? Lass wir uns das gefallen?“
„Was soll das, der ist doch noch nicht mal volljährig“, erwiderte ich.
„Süße 17. Ladies, was sagt ihr?“ Hendriks grinsen war nun grausam. Er hob den Join.
„Machen wir eine Wette!“
Delias Augen leuchteten.
„Was ist mit dir?“, wandte sich Hendrik an mich. „Oder traust du dich nicht. Du wirst wohl ganz zahm, wenn dich wer verteidigt...“
Ich setzte jetzt auch ich ein diabolisches Grinsen auf.
„Denkst du....“

Ich wurde also geschickt um für die Anderen das Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Und vielleicht einen Abstecher zu Kyle zu machen. Das erübrigte sich dann aber weil der gerade in der Küche vor der Anrichte, mit dem Rücken zu mir stand und bei einem mir unbekannten Rocklied mit summte und wippte. Ich sah mir das einen Moment amysiert an. Als der Refrain kam dreht sich Kyle mit Schwung um. Ich glaube es sollte ein Tanzmove sein, aber er erstarrte in der Bewegung als er mich sah.
„Kein Grund zur Sorge“, grinste ich. „Das war süß.“ Ich holte ein Glas aus dem Schrank und schloss die Tür wieder.
Kyle wollte beschämt die Flucht ergreifen.
„Welche Band ist das?“, fragte ich also schnell.
„Palaye Royale“, sagte er tonlos.
„Die sind gut“, gab ich zu. Kyle zog eine Braue hoch.
„Du siehst nicht so aus, als wäre das deine Musik“, fand er.
„Nach was für Musik sehe ich denn aus“, meinte ich unschuldig.
„Nach der Musik die mein Bruder hört. So Gangsterrap und so...“, gab er zögerlich zu.
„Du solltest uns nicht alle über einen kamm scheren“, neckte ich ihn fröhlich.
Er zuckte nur die Schultern. Für einen Moment hatte ich zweifel, dass ich ihn rumkriegen könnte. Er wirkte nett und wie aus einer anderen Welt, denn bei ihm schien es sich wirklich nicht darum zu drehen mich möglichst schnell aufzureißen. Er war nicht gerade Selbstbewusst, hatte ich den Eindruck, aber im Gegensatz zu den Kerlen mit denen ich so rumhing, tat er wenigstens auch nicht so als hätte er welches.
Doch dann setzte ich wieder mein kokettes Grinsen auf. Als würde ich so schnell aufgeben. Und als würde ich mich von so jemandem zurückweisen lassen.
„Da muss ich doch Glatt die Musikboxen zurück klauen um die Band auch zu hören.“
„Ich brauche die eigentlich noch“, meinte er vorsichtig.
„Chill, das war nur so daher gesagt. Was dagegen, wenn ich dann bei dir mit höre?“, drückte ich aufs Gaspedal.
„Ich wollte eigentlich einer Freundin NoLicense vorspielen“, erklärte er.
„Du hast Besuch?“, fragte ich argwöhnisch.
„Nein übers Internet. Aber meine Boxen vom PC sind scheiße.“
„Schick ihr doch einfach den Song“, meinte ich skeptisch.
„Das ist kein Song. NoLicense ist unsere Band. Und wir wollen noch nicht, dass jemand die komplette Datei hat. Ich kenne Fine nur aus dem Internet, da weis ich nicht wie weit ich ihr vertrauen kann“, erzählte Kyle.
„Du hast eine Band?“, fragte ich interessiert.
„Ja, ich bin Keyboarder“, zuckte er die Schultern.
„Von mir aus komm mit“, meinte er dann.

Vom Bildschirm aus starrte mich ein hübsches Mädchen an. Soweit ich es beurteilen konnte war sie klein. Besser erkennen konnte ich, dass sie blond war, lockig und ungeschminkt. Keine Ballkönigin, eher das Mädchen von neben an. Aber eben süß.
„Hey Fine...“, begrüßte Kyle sie. „Was dagegen wenn...“ Er sah mich fragend an.
„Ich heiße Johanna. Aber alle nennen mich Joe“, ergänzte ich.
„Wenn Johanna mithört“, führte er fort.
„Ja ok“, meinte Fine. Es klang freundlich aber es schwang ein gereizter unterton mit.
Der schien Kyle auch nicht zu entgehen.
„Sie ist eine Freundin von meinem Bruder“, fügte er erklärend hinzu.
„Ja man. Hendrik und Delia sind gerade voll am Kiffen. Dann labern die nur blödsinn. Das will ich mir gerade nicht geben.“
„Ok.“ Fine klang beruhigt.
Kyle spielte die Musik ab. Es begann mit einer traurigen Klaviermusik und wurde dann etwas rockiger.
„Wie ist der Text“, erkundigte sich Fine.
„Ich sing doch jetzt nicht“, meinte Kyle schüchtern.
„Ach bitte, nur den Refrain“, bat sie.
„Also ich fände es cool“, gab ich meinen Senf dazu.
Kyle sah verwundert aus, wartete dann einen kleinen Moment und begann dann leise den Text zu singen: „Du wolltest mich, und das Spiel begann. Und jetzt leidest du darunter, dass ich dich nicht leiden kann. Nun sende ich dich in die Hölle herunter, damit du siehst, wie es unter deines Gleichen ist.“
„Wow“, fand Fine.
Ich nickte anerkennend.
„Hey das war gut. Und du bist nur Keyboarder?“
„Normalerweise singt Chang immer. Bei ihm klingt es rockiger. Bei mir klingt es leider immer nach Ballade“, meinte er.
„Wieso leider?“, brachte sich Fine schnell wieder ein.
Kyle zuckte nur die Schultern.
„Wer hat sich den Text ausgedacht“, fragte ich. Ich muss sagen ich hab mich da angesprochen gefühlt, aber ich denke nicht, dass Kyle was ahnt, geschweige denn, sich das eben ausgedacht hat.
„Auch Chang. Nachdem Luise so einen Mist abgezogen hat, schreibt er eher sowas.“
„Das war gut“, gab ich zu.
„Danke“, meinte Kyle emotionslos.
„Finde ich auch“, schaltete sich Fine ein.
Bei ihr brachte Kyle ein schüchternes Lächeln über die Lippen.
Aha, da ging also was... Naja wie heisst es so schön? Das ist ein Hindernis, aber kein Grund.
„Joe“, rief Delia vom Flur aus.
„Wo bleibst du?“
Ich zog einen Fluntsch. Erst die Wette machen und einem dann die Tour vermasseln... Freunde...
„Ich bin dann mal wieder weg“, seufzte ich. Fine sah erleichtert aus.
„Okay“, sagte Kyle nur.
Ich ging zu Delia hinaus.
„Wo ist unser Bier?“, jappste sie, mit verschleiertem Blick.
„Ich hole es“, meinte ich und schickte sie schnell wieder hoch zu Hendrik. Nicht, dass sie noch laut fragte wie es denn gelaufen sei.
Das tat sie dann als ich samt Bier auch in Hendriks Zimmer war und die Tür hinter mir verschlossen hatte.
„Ganz gut“, meinte ich.
„Er hat mir ein Lied von seiner Band vorgespielt.“
Hendrik rollte mit den Augen. „Hat er dir von dem Auftritt erzählt?“
„Nein“, sagte ich irritiert.
„Komisch. Eigentlich redet er seit Wochen von nichts anderem.“
„Ne, er hat die meiste Zeit mit dieser Fine gesprochen“, erklärte ich.
„Ach ja, seine Internetfreundin“, meinte Hendrik.
„Da geht doch was“, sagte ich vorwurfsvoll.
„Ach was. Die kennen sich jetzt bestimmt schon ein halbes Jahr und haben sich noch nie Life gesehen. Sie lässt ihn voll zappeln. Angeblich kommt sie zu seinem Konzert. Aber ich glaub da noch nicht dran.“
„Alter, das hättest du mir sagen müssen“, warf ich ihm vor.
„Ist das etwa zu schwer für dich?“, höhnte Hendrik.
„Natürlich nicht“, meinte ich eingeschnappt.
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