Too Much Love Will Kill You

SongficDrama, Romanze / P12 Slash
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Harry Potter
10.10.2019
10.10.2019
1
6850
10
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Songfic zu Too Much Love Will Kill You von Queen / Brian May


Disclaimer:

Die Lyrics zu "Too Much Love Will Kill You" gehören Dr. Brian May von Queen, sowie Frank Lumers und Elisabeth Lamers.

Die Idee zu dieser Geschichte ist von mir, während die handelnden Personen leider noch immer J.K. Rowling gehören. Ich habe sie mir mal wieder ausgeliehen, gebe sie aber nach Gebrauch wohlbehalten zurück und verdiene natürlich wie immer keinen Cent damit.

Erklärungen zum Song:

Der Song wurde ca. 1988 geschrieben und sollte ursprünglich auf dem 1989 veröffentlichten Queen-Album "The Miracle" erscheinen, was wegen Rechtsstreitigkeiten auf Grund der Entscheidung der Band, alle Songs nicht mehr von Einzelpersonen sondern nur noch von Queen geschrieben auszuweisen unterblieb. Nach Freddie Mercurys Tod arrangierte May eine Solo-Version, die er 1992 beim Freddie Mercury Tribute Concert aufführte und die im selben Jahr auf seinem Soloalbum "Back to the Light" sowie auch als Single veröffentlicht wurde. Eine Version dieses 1989 aufgenommenen Songs mit Mercury am Gesang wurde dann noch 1995 auf dem Queen-Album "Made in Heaven" veröffentlicht und erschien 1996 auch nochmals als Single der Band. Entgegen dem häufigen Irrtum, wegen der Erstaufführung beim Tribute-Konzert wäre der Song als Tribut an Freddie Mercury geschrieben worden spiegelt er vielmehr das Scheitern von Mays erster Ehe, die Anziehungskraft seiner zukünftigen Frau und seine Situation während dieser Zeit wieder. (Quelle: Wikipedia)

Ich habe aus oben genannten Gründen auch die von Brian May gesungene Version verlinkt, weil sie sehr viel besser zu meiner Geschichte passt. Man merkt, dass sich May hier seinen erlebten Schmerz von der Seele singt. Umso erfreulicher, dass er und seine zweite Frau bis heute ein Paar sind.

Link zum Song:

Too Much Love Will Kill You




Mit gemischten Gefühlen durchschritt Harry Potter auf dem Bahnhof Kings Cross den Durchgang zwischen den Gleisen 9 und 10, um auf das Gleis 9 3/4 zu gelangen. Er schob den Kofferwagen, auf dem sich die Sachen seiner Söhne James und Albus befanden. Seine Frau Ginny folgte mit einem weiteren Wagen, der Lilys Koffer und den Eulenkäfig mit ihrer Schleiereule enthielt. Lily fuhr zum ersten Mal nach Hogwarts und war dementsprechend aufgeregt. Sie wartete bereits neben dem Hogwarts-Express vor Freude hüpfend zwischen ihren Brüdern auf ihre Eltern.

"Schnell, schnell, bringt die Sachen rüber zum Einladen. Onkel Ron und Tante Hermione stehen schon da drüben mit Rose und Hugo", gab Lily eindeutige Anweisungen.

Harry grinste. Zu sehr erinnerte ihn Lily sowohl an Ginny, als auch an Molly. Die Professoren in Hogwarts würden ihre helle Freude an seiner Tochter haben. Und er und Ginny nun stoische Ruhe zu Hause. Nachdenklich stellte er den Kofferwagen hinter der Einladelinie ab und wandte sich um, um mit Ginny wieder zurück zu den Kindern zu gehen. James und Albus schienen ihre Schwester gerade zu ärgern, denn sie boxte erst James und dann Albus gegen die Schulter, ehe sie ihre Brüder einfach stehen ließ, um zu Familie Weasley-Granger zu rennen. Das bekam Harry aber nur noch am Rande mit, denn sein Herz setzte für einen Schlag aus, als er IHN erblickte, um dann umso heftiger weiterzuschlagen.

Unweit der palavernden Weasley-Meute, zu der sich Lily nun auch gesellt hatte, stand Draco Malfoy mit seiner Ex-Frau und seinem Sohn. Scorpius war in Albus' Jahrgang und da die beiden, für beide Familien gleichermaßen überraschend, in Ravenclaw einsortiert worden waren auch im selben Haus. Ironischerweise freundeten sich die beiden schon auf der Hinfahrt nach Hogwarts an, was eventuell die Einsortierung im selben Haus begünstigte, da der Hut ja bekanntlich bestechlich war. Im Schlafsaal standen ihre Betten selbstverständlich nebeneinander und bereits in ihren ersten Weihnachtsferien waren sie die dicksten Freunde. Was dazu führte, dass auch ihre Eltern miteinander zu tun bekamen, denn man wollte sich ja in den Ferien besuchen. Und da begann es.

Als Harry und Ginny bei ihrer Familie ankamen ließ er seinen Blick ganz selbstverständlich zu den Malfoys wandern und grüßte freundlich.

"Hallo Astoria, ... Draco. Die Ferien gut rumgebracht?"

Seine Stimme blieb fest, obwohl es in seinem Inneren tobte. Er bemerkte erleichtert, dass sich Ginny zu Astoria gesellte, um einige Worte mit ihr zu wechseln. Obwohl Astoria schon seit Jahren von Draco geschieden war, war sie in Scorpius' Leben sehr präsent, auch wenn Scorpius weiterhin auf Malfoy Manor lebte. Das gute Verhältnis zwischen den Geschiedenen führte dazu, dass Albus Scorpius auch mal bei dessen Mutter besuchte, so dass sie auch mit Astoria Kontakt bekamen. Und gerade Ginny verstand sich ziemlich gut mit Dracos Ex-Frau. Daher konnte Harry nun gefahrlos auf Draco zusteuern, um ihm die Hand zu schütteln.

"Hi Harry, es waren schöne Ferien", erwiderte dieser, "und sie waren viel zu schnell wieder vorbei. Es tut weh, den Jungen jetzt wieder für Monate nach Hogwarts zu schicken. Ich werde ihn vermissen."

Harry spürte die Wärme, die Dracos Hand in seiner ausstrahlte, hätte sie so gerne länger gehalten, aber er musste den Schein wahren. Also ließ er los und fixierte nur weiter Dracos graue Augen, in denen er so viel mehr lesen konnte, als das alle anderen um ihn herum vermochten. Denn nur er wusste, was Draco mit seinen Worten auch noch ausdrücken wollte.

"Ja, da hast du recht, es tut weh. Jetzt auch noch Lily. Jetzt wird es ruhig zu Hause."

Beide lächelten verhalten, wandten sich aber dann den Kindern und schließlich Ron zu, der alle zusammenscheuchte, um sie in den Hogwarts-Express zu bugsieren, denn der erste Pfiff war wohl schon erfolgt. Den hatte Harry direkt überhört.

Ginny verabschiedete sich bereits von James und Albus, so dass Harry Draco kurz zunickte, um zu Lily zu gehen. Er umarmte seine Tochter fest und drückte ihr rechts und links einen Kuss auf die Wange.

"Mach's gut meine Süße. Du wirst es lieben auf Hogwarts. Ich wünsche dir alles Gute und ... ärgere die Professoren nicht zu sehr. Du weißt ja, ... Neville, also Professor Longbottom, hat ein Auge auf dich."

"Daaaaad, ich komm schon klar. Und schlimmer als James oder Albus bin ich sicher nicht. Man darf sich nur nicht erwischen lassen", monierte sie, untermalt von einem schelmischen Grinsen.

Harry versuchte wütend zu schauen, aber er schaffte es nicht. Vielmehr grinste er zurück und drückte Lily nochmals an sich.

"Mach' Gryffindor alle Ehre. Ich bin ganz sicher, dass du dorthin kommst."

Lily wand sich mit einem überzeugten "Auf jeden Fall" aus seiner Umarmung und schaute ihn entschuldigend an.

"Langt jetzt, Dad ... hab dich auch lieb", flüsterte sie ihm ins Ohr. "Muss los ..., bis Weihnachten."

Und weg war sie, folgte Rose und Hugo in den Zug. Harry blieb gerade noch Zeit, seine Söhne kurz zu umarmen, ehe sie mit Scorpius und einigen anderen Ravenclaws und Gryffindors ebenfalls ins Abteil stiegen.

Das Schließen der Türen, der letzte Pfiff des Schaffners, das Winken aus den Fenstern und das Abfahren des Zuges rauschten an Harry vorbei. Ebenso die Verabschiedung der Erwachsenen, die nun alle ihren diversen Arbeitsplätzen zustrebten, entweder den Durchgang zum Muggel-Bahnhof wieder durchschreitend oder direkt vom Gleis apparierend, wie Hermione und Ron in eine Seitengasse des Ministeriums oder Ginny in die Nähe des Tagespropheten. Draco und seine Frau disapparierten bereits, während Harry sich von den anderen verabschiedete und am Ende stand er alleine auf dem Gleis. Doch er war unabhängig, musste erst in zwei Tagen wieder im Stadion aufschlagen, um das Training der Quidditch-Nationalmannschaft zu leiten.

Nachdem er seine aktive Quidditch-Laufbahn, erst bei den Montrose Magpies, dann in der britischen Nationalmannschaft, verletzungsbedingt beenden musste, wechselte er quasi nahtlos als Co-Trainer in den Betreuungskader des Nationalteams. Vor einem Jahr löste er dann den Trainer ab, der in den wohlverdienten Ruhestand ging. So war er nach wie vor oft weg von zu Hause. Insbesondere bei den sich über viele Wochen erstreckenden Europa- und Weltmeisterschaften war er oft getrennt von seiner Familie und gerade das letzte Jahr, sein erstes als Erster Trainer, hatte viel von ihm abverlangt. Sowohl beruflich als auch privat. Dementsprechend fühlte er sich zerrissen und verloren, da er mit all den sich neu auftuenden Problemen auf sich allein gestellt war.


I'm just the pieces of the man I used to be
Too many bitter tears are raining down on me
I'm far away from home and I've been facing this alone
For much too long, ooh



Auch jetzt fühlte er sich wieder schrecklich aufgewühlt und unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Heiße Tränen rannen seine Wangen hinab. Die Begegnung mit Draco hatte ihm zugesetzt. Vor allem, sich davon nichts anmerken zu lassen war unendlich schwer. Seufzend setzte er sich auf die einzige Bank auf dem Gleis und starrte in die Ferne, wo gerade seine drei Kinder hin entschwunden waren.

Wie war das alles nur passiert? Wie hatte es soweit kommen können? Fast sehnte er die Zeit herbei, als es einzig allein darum ging, Voldemort zu bekämpfen. Da wusste er, was von ihm verlangt wurde und was ihn erwartete. Aber jetzt, als vermeintlich erwachsener Mann stand er vor den Scherben seines Lebens. So fühlte es sich jedenfalls an. Niemand hatte ihn vorgewarnt, dass das Erwachsen werden auch mit fast vierzig noch nicht vorbei war und welche Kämpfe damit verbunden sein konnten. Auch er führte wieder einen Kampf, der aber diesmal weit schlimmer war, denn er kämpfte gegen sich selbst, gegen seine eigenen Gefühle. Aber was hätte er anders machen können? Wo hätte er sich anders entscheiden müssen? Was war sein größter Fehler gewesen? Seine Gedanken rasten, so dass er kaum imstande war herauszufiltern, was er falsch gemacht hatte.


I feel like no one ever told the truth to me
About growing up and what a struggle it would be
In my tangled state of mind, I've been looking back to find
Where I went wrong



Er liebte seine Familie. Er liebte seine Kinder über alles und er liebte Ginny. Das dachte er zumindest bis zu einem bestimmten Zeitpunkt voller Überzeugung. Er war glücklich und zufrieden gewesen. Und er liebte natürlich das Quidditch. Er empfand es nach wie vor als absolut richtige Entscheidung, sich nach dem Krieg nicht auf Kingsleys Vorschlag einzulassen, ohne Hogwarts-Abschluss gleich die Ausbildung zum Auror zu beginnen. Warum erwarteten bloß alles, dass er tatsächlich noch immer Auror werden wollte, nach allem was er erlebt hatte? Er hatte genug gehabt von Krieg und Verbrechen, von Todessern und der Jagd nach ihnen. Daher ging er mit Hermione und Ginny wieder nach Hogwarts, um sein siebtes Schuljahr nachzuholen. Wie so viele andere, die der Krieg um den Abschluss gebracht hatte. Nur Ron nahm Kingsleys Angebot an und begann die angebotene Ausbildung zum Auror.

Harry indes wurde noch während seines letzten Schuljahres von einem Talentscout der Montrose Magpies angesprochen und wurde direkt nach seinem Abschluss deren neuer Sucher. Da Ginny sich als Jägerin bei den Hollyhead Harpies beworben hatte und auch genommen wurde, hatten sie zumindest während der Saison ein recht unstetes Leben. Aber nach und nach legte sich die Hektik etwas und irgendwann war Ginny plötzlich schwanger gewesen. Es wurde geheiratet und Ginny legte eine längere Quidditch-Pause ein. Zwischen den Kindern konnte sie sich zwar immer wieder für kurze Zeit in die Mannschaft einfügen, aber nach Lilys Geburt funktionierte das nicht mehr, da es mit drei Kindern einfach nicht zu schaffen war. Allerdings blieb sie dem Quidditch verbunden, indem sie als Sportreporterin für den Tagespropheten den Mannschaften hinterherreiste, um Interviews zu machen und Spiele zu kommentieren.

So machte jeder sein Ding. Harry spielte erst für die Magpies und wechselte dann in die Nationalmannschaft, Ginny arbeitete für den Tagespropheten. Die Kinderbetreuung teilten sie so gut es ging zwischen sich auf oder fragten Molly um Mithilfe. War das alles ein Fehler gewesen? Vertrug sich eine internationale Quidditch-Karriere überhaupt mit dem Wunsch, eine Familie zu haben? War er, oder waren sie gar beide zu oft unterwegs gewesen? Hatten sie sich da schon voneinander entfernt? Hatte er zu wenig Zeit für seine Familie, seine Frau und auch für seine Kinder gehabt? Aber er hatte dieses Leben geliebt, wieso sollte es dann falsch gewesen sein? Schließlich hatte er seine Familie so oft es ging mit auf Reisen genommen, damit sich die Zeit des Getrenntseins etwas reduzierte.

Etwas entspannter wurde alles, als die Kinder in die nach dem Krieg neu eingerichtete Vorschule für Zaubererkinder gingen. Dann kam James nach Hogwarts und ein Jahr später auch Albus. Bis dahin war doch alles gut gewesen. Harry hatte sich glücklich gefühlt und nichts von dem angezweifelt, was ihm seit Kriegsende widerfahren war. Bis Albus sich ausgerechnet mit Scorpius Malfoy anfreundete. War das der Fehler im System gewesen?

Hätte er Albus verbieten sollen, sich ernsthaft mit dem Sohn seines ehemaligen Erzfeindes anzufreuden? Er hätte das vielleicht geschafft, wenn er lange genug auf ihn eingeredet hätte, es ihm gar verboten hätte. Aber hätte er das gewollt? Harrys erster Einwand auf Albus' Bitte, den jungen Malfoy zu sich einladen zu dürfen war, dass er sich in der Schule nie mit Scorpius' Vater verstanden, sie sich regelrecht bekriegt hatten und der Slytherin ihm auch nie einen Grund gegeben hätte, ihn zu mögen. Im Gegenteil.

Albus wischte dieses Argument mit einem einzigen Satz vom Tisch.

"Darum hat Scorps Dad dich auch nicht verraten als ihr in Malfoy Manor gefangen ward und darum hast du ihn dann auch aus dem Dämonsfeuer gezogen, ihm danach nochmal das Leben gerettet und vor dem Gamot zu seinen Gusten ausgesagt, weil ihr euch abgrundtief hasst. Komische Logik, Dad."

Dabei grinste Albus etwas verkniffen, da er sich wohl der Provokation bewusst war und nicht sicher, ob er damit nicht zu weit gegangen war.

Harry verfluchte damals seine und auch Hermiones und Rons Ehrlichkeit, ihren Kindern vieles, zumindesit alles Wichtige über den Krieg und die Schlacht erzählt zu haben, damit sie keinen Fehlinformationen aufsaßen. Und diese vier Tatsachen über Draco Malfoy gehörten zweifelsohne dazu. Nach dem Krieg hatte er ihn dann nicht mehr gesehen, bis er erfuhr, dass der ehemalige Slytherin nach wiederholtem Abschlussjahr und Ausbildung in Frankreich wieder nach England zurückgekehrt sei und in der Tränkeforschungsabteilung des St. Mungos arbeitete. Doch sie liefen sich nie über den Weg, so dass sich an Harrys Meinung über Draco nicht wirklich viel geändert hatte.

Nun sollte er Malfoy nach so vielen Jahren wieder begegnen, weil ihre Söhne sich angefreundet hatten. War das Schicksal? Harry blieb also nichts anderes übrig, als Albus' kindlichen Rat anzunehmen, die Vergangenheit abzuhaken und sich einfach mit Scorpius' Vater zu vertragen, denn schließlich würde man sich ja jetzt öfter sehen.

Er liebte Albus dafür und er liebte auch James, obwohl der die Malfoys ganz offensichtlich nicht leiden konnte und das auch offen zeigte und er liebte Lily, die, sobald Harry zu Hause war eine Papatochter wurde, obwohl sie sonst meist ihrer Mutter am Rockzipfel hing. Und er liebte Ginny, die seit seinem zweiten Hogwartsjahr eine stetige Konstante für ihn darstellte, deren Leben er gerettet hatte und die irgendwann ganz selbstverständlich zu seiner großen Liebe geworden war. Allerdings sollte es noch eine größere Liebe in seinem Leben geben und die stand in Albus' ersten Weihnachtsferien plötzlich vor seiner Haustür.

Schon als er in Dracos Augen blickte, die ihn plötzlich so anders anschauten, amüsiert und voller Erwartung, begannen zum eigenen Entsetzen die Schmetterlinge in seinem Bauch zu fliegen. Der Händedruck, warm und kräftig, und Dracos Begrüßung, offenherzig und hoffnungsvoll, taten ein Übriges. Harry war sich bis dahin nie bewusst gewesen, dass er auch auf Männer stand, denn mit Ginny hatte er eigentlich nie das Gefühl gehabt etwas zu vermissen. Auch hatte kein Mann, dem er während seiner Quidditch-Karriere begegnet war diese Gefühle in ihm ausgelöst. Aber Draco, dem er schon in Hogwarts eine gewisse Obsession entgegenbrachte, hatte es geschafft. Und er sendete unbewusst eindeutige Signale aus, die Harry sagten "ich finde dich attraktiv", "ich will dich besser kennenlernen", "ich mag dich". Es dauerte nicht lange, bis sie sich auch heimlich trafen, was durch die häufige Abwesenheit Harrys von zu Hause noch begünstigt wurde, denn Draco erschien irgendwann immer dort, wo Harrys Team gerade spielte. Und schließlich musste sich Harry eingestehen, dass er in Draco verliebt war. Und das war mehr, als er ertragen konnte.


Too much love will kill you if you can't make up your mind
Torn between the lover and the love you leave behind
You're headed for disaster, 'cause you never read the signs
Too much love will kill you every time


Er führte jetzt schon fast anderthalb Jahre dieses Doppelleben und es machte sich seit geraumer Zeit auch in seinem Familienleben bemerkbar. Er war nicht mehr der Harry, der damals mit Ginny vor den Traualtar getreten war. Er hatte die ihr versprochene Treue gebrochen und das lastete schwer auf seinem Gewissen. Trotzdem konnte er nicht von Draco lassen, denn er liebte ihn, sah in ihm sein Gegenstück, das ihn erst richtig vervollständigte. Draco ging es ebenso und er harmonierte auf eine Weise mit Harry, die der mit Ginny niemals würde erleben können. Harry haderte sehr damit, denn eigentlich hatte er geschworen, seiner Frau ein glückliches Leben zu ermöglichen. Doch nun sah er zunehmend Gewitterwolken über dem Hause Potter aufziehen. Ginny und er stritten sich immer öfter, sie entfernten sich immer weiter voneinander und seit einigen Monaten hatten sie auch keinen Sex mehr.

Es war Ginny anzusehen, dass sie unglücklich war. Aber was sollte Harry tun? Würde er sich für Ginny entscheiden, würden Draco und letztendlich auch er selbst leiden. Eine Entscheidung für Draco, ganz offiziell, würde die Scheidung von Ginny nach sich ziehen und ihr unendlich wehtun und auch den Kindern die intakte Familie nehmen. Und so wie es momentan lief konnte es auch nicht weitergehen, denn diese Situation machte sie ebenfalls unglücklich.

Egal was er tun würde, er würde verlieren. Entweder seine Familie oder seine große Liebe. Dabei liebte er sie doch alle miteinander. Manchmal fragte er sich, was wohl Ginny an seiner Stelle tun würde. Eine Antwort darauf fand er natürlich nicht. Er wusste nur, dass er selbst unfähig war sich zu entscheiden ...


I'm just the shadow of the man I used to be
And it seems like there's no way out of this for me
I used to bring you sunshine, now all I ever do
Is bring you down, ooh

How would it be if you were standing in my shoes?
Can't you see that it's impossible to choose?
No, there's no making sense of it
Every way I go, I'm bound to lose, ooh



Vier Monate später saß er wieder auf dieser Bank am Gleis 9 3/4. Es war Januar, eisig kalt und gerade war der Hogwarts-Express abgefahren, um seine Kinder nach den Weihnachtsferien wieder in die Schule zu bringen. Harry war heimlich, unter einem Zauber verborgen hier gewesen, um Ginny dabei zu beobachten, wie sie James, Albus und Lily zum Zug brachte. Ja, Ginny war alleine hier gewesen, da sie Harrys Anwesenheit derzeit nicht ertrug. An Halloween war nämlich die Bombe geplatzt. Wieder einmal hatte dieser besondere Tag sein Leben einschneidend verändert.

Zwei Wochen vor Halloween war er mit der Nationalmannschaft zu einem Freundschaftsspiel in Bulgarien gewesen, wo Draco bereits auf ihn wartete. Unglücklicherweise war ausgerechnet Viktor Krum der gegnerische Trainer. Viktor, der schon seit Jahren mit Hermione Briefkontakt hatte. Rein freundschaftlich und relativ regelmäßig. Und er war es wohl, der Draco und ihn in einer eindeutigen Situation beobachtet hatte. In seinem nächsten Brief an Hermione hatte er dann wohl eine Andeutung gemacht, die diese dazu bewog, Harry die Pistole auf die Brust zu setzen. Denn dass zwischen Harry und Ginny rein gar nichts mehr stimmte war ihr und Ron auch schon aufgefallen. Aber Harry hatte es immer abgestritten, obwohl Ginny sich regelmäßig bei ihrer Schwägerin ausheulte.

Beim Halloweenempfang des Ministeriums eskalierte schließlich die Situation. An diesem Abend konnte es Harry nicht lassen, sich fast den ganzen Abend mit Draco zu unterhalten, der als neuer Leiter der Abteilung zur Erforschung und Genehmigung von Heiltränken im St. Mungos nun ebenfalls zum Kreis derer gehörte, die jedes Jahr zu diesem Ball eingeladen wurden. Als Harry gerade mal nicht mit Draco zusammenstand kam Hermione auf ihn zu und zerrte ihn in eine stille Ecke, um ihm die Frage an den Kopf zu werfen, wie lange er Ginny noch an der Nase rumzuführen gedenke. Ein Streit entstand, in dem Harry sich dermaßen in Widersprüchen verwickelte, dass er am Ende kleinlaut zugeben musste, dass er seit längerem eine Affäre mit Draco hatte. Dummerweise stand in diesem Moment Ginny nicht weit, da sie Harry gesucht und leider im ungünstigsten Moment gefunden hatte. Sie disapparierte sofort und Harry folgte ihr auf dem Fuße, in der Hoffnung sie zu Hause vorzufinden. Dem war auch so. Allerdings packte Ginny bereits ihre Koffer.

Der Streit der dann folgte war ziemlich unschön. Ginny rastete verständlicherweise und auch zu Recht völlig aus, schrie und tobte, während ein Kleidungsstück nach dem anderen in ihren Koffern landete. Harry versuchte vergeblich, sich zu entschuldigen, ihr Verständnis zu erbitten. Er spürte, wie ihm mehr und mehr die Felle davonschwammen. Er fühlte sich schwach und ausgebrannt. Trotzdem flehte er Ginny immer wieder an, was diese nur noch mehr auf die Palme brachte.

"Harry, hör auf, vor mir zu Kreuze zu kriechen. Das steht dir nicht. Du hast seit anderthalb Jahren ein Verhältnis mit Malfoy. Ganz davon abgesehen, dass du anscheinend neuerdings auch was für Männer übrig hast ... ausgerechnet Malfoy musste es sein? Der Vater vom besten Freund deines Sohnes? Und du hast nicht einmal auch nur ansatzweise das Bedürfnis verspürt, mit mir darüber zu reden? Dass da etwas nicht stimmt zwischen uns? Dass es eigentlich vorbei ist, weil du dich in jemand anderen verliebt hast?"

"Aber ich liebe dich doch, Ginny. Dich und die Kinder. Wie konnte ich da einfach alles aufgeben", warf Harry ein.

Ginny schnaubte abfällig.

"So groß kann die Liebe zu mir ja nicht mehr sein wenn du nicht von ihm lassen kannst. Über anderhalb Jahre, ... Harry. Belüg' dich doch nicht selbst und halte mich bitte nicht für dumm. Glaub' ja nicht, dass ich so ahnungslos bin wie du denkst. Den Verdacht, dass da jemand anderes ist, den habe ich schon seit längerem. Aber man verdrängt die Dinge gern wenn man eigentlich zufrieden ist mit seinem Leben. Allerdings war ich das in letzter Zeit nicht mehr. Und ich wusste nicht, wie ich dich noch erreichen sollte ... du warst schon so schrecklich weit weg von mir."

Harrys Hals war wie zugeschnürt. Er sah sein Leben in Scherben und konnte nichts dagegen tun.

"Wie ich jetzt erkennen muss, kann ich dich eigentlich gar nicht mehr erreichen, denn mir fehlt anscheinend etwas Entscheidendes zwischen den Beinen", spuckte sie ihm abfällig entgegen.

Gequält schloss Harry die Augen.

"Das hat damit nichts zu tun, Ginny. Nicht wirklich. Es ist anders, natürlich ist es anders. Aber Draco ist vor allem ein Mensch, bei dem ich das Gefühl habe, dass er ein Teil von mir ist. Er vervollständigt mich einfach. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll."

"Spar dir das. Schwulen Sex kann ich dir nun mal nicht bieten."

Jetzt sammelte sich zunehmend Wut in Harry, da Ginny die tiefen Gefühle, die er und Draco füreinander empfanden nur aufs Körperliche reduzierte und in den Schmutz zog. Einerseits verstand er sie vollkommen, aber andererseits fühlte er sich auch verletzt.

"Ginny, hör auf, es so in den Dreck zu ziehen. Ich habe bisher immer gedacht, du seist meine große Liebe. Und das habe ich viele Jahre auch ernsthaft und aufrichtig so empfunden. Aber dann haben sich die Gefühle wohl ... verändert, denn Draco hat mich zu meiner eigenen Überraschung völlig überrumpelt. Es ist ganz einfach zwischen uns passiert. Das macht die Liebe zu dir nicht schlechter. Nur anders."

Ginny schaute ihn plötzlich unendlich traurig an. Man konnte förmlich sehen, wie ihre anfängliche Wut in sich zusammenfiel, als habe die Erkenntnis, gegen Draco keine Chance zu haben ihr sämtliche Energie genommen.

"Nun, dann ist ja alles geklärt. Du kannst nicht davon ausgehen, dass wir jetzt noch verheiratet bleiben können. Selbst wenn du noch wolltest, ich kann und will jetzt nicht mehr zurück. Es ist aus. Du liebst Draco offensichtlich mehr als mich, anders oder vielleicht war es ja auch nie diese Art von Liebe zwischen uns, sondern nur Freundschaft mit gewissen Vorzügen. Keine Ahnung. Wir kennen uns schon so lange. Vielleicht hat der Krieg uns übersehen lassen, dass unserer Beziehung etwas fehlt. Wenn es mit ihm so richtig für dich ist, dann bekenne dich auch zu ihm. Ich jedenfalls kann nicht mehr mit einem Mann zusammenbleiben, für den ich nicht die Eine, die Einzige bin ... auch wenn wir drei gemeinsame Kinder haben. Ich eigne mich nicht für die zweite Geige ..."

Das war es also gewesen, das Ende seiner Ehe mit Ginny. Und es fühlte sich einfach nur schrecklich an.

Der Schmerz saß tief, obwohl ihm klar war, dass er selbst für dieses Desaster verantwortlich war. Aber da waren auch die tiefen Gefühle für Draco, der ihm zwar seine Schuldgefühle nicht nehmen konnte, ihm aber auf eine erstaunlich empathische Weise den Rücken stärkte. Kein böses Wort über Ginny verließ seine Lippen und er bestärkte Harry immer wieder darin, um seine Kinder zu kämpfen und ihnen ein besserer Vater zu werden, als er es bisher gewesen war. Die wenige Zeit, die er auf Grund seines Berufes und deren Aufenthalt in Hogwarts mit seinen Kindern hatte sollte umso intensiver sein. Harry liebte Draco dafür umso mehr ... und doch blieb da der Schmerz, als Ehemann und Vater versagt zu haben.

Yes, too much love will kill you
Just as sure as none at all
It'll drain the power that's in you
Make you plead and scream and crawl
And the pain will make you crazy, you're the victim of your crime
Too much love will kill you every time

Monate später, es war wieder der 1. September, stand Harry ganz öffentlich mit seinen Kindern auf dem Gleis, um sie nach Hogwarts zu verabschieden. Diesmal er allein, ohne Ginny. Es war viel passiert seit Jahresbeginn.

Ginny hatte bereits kurz nach Halloween die Scheidung eingereicht und war vorübergehend wieder im Fuchsbau eingezogen. Harry entschied sich daraufhin für Godric's Hollow als festen und ersten Wohnsitz. Sein zweiter Wohnsitz wurde Dracos Loft in London, das dieser neben seiner Wohnung im Manor auch noch hatte und wo Harry nun ebenso viel Zeit verbrachte wie Draco in Godric's Hollow. Den Grimmauldplace veräußerte er, um Ginny von dem Erlös eine Eigentumswohnung in London zu kaufen, in die sie im Januar einzog. Ihre Finanzen konnten sie einvernehmlich regeln. Ginny wurde großzügig abgefunden und Harry zahlte für die Kinder mehr, als er müsste. Ginny verdiente zudem beim Tagespropheten sehr gut und verzichtete daher auf Ehegattenunterhalt. Die Wohnung und ein beträchtlicher Teil von Harrys Vermögen ermöglichten ihr in Zukunft ein sorgenfreies Leben und Harry rechnete es ihr hoch an, dass sie aus ihrer Scheidung keine Schlammschlacht gemacht hatte.

Ihn selbst plagte nach wie vor das schlechte Gewissen, weshalb er auf alle finanziellen Forderungen eingegangen war. Nur bei den Kindern hatte er keine Zugeständnisse gemacht. Er bestand auf das gemeinsame Sorgerecht und regelmäßiges Besuchsrecht. Und da Draco sich während der ganzen Scheidungsphase diskret im Hintergrund hielt und insbesondere zu Albus und Lily ein gutes Verhältnis entwickelt hatte, war es auch kein Problem dies durchzusetzen. Ginny lenkte ein, was auch sicherlich Hermiones Zuspruch zu verdanken war und so wurde im Juli an einem kurzfristig anberaumten Termin still und heimlich die Scheidung vollzogen. Obwohl man versuchte, alles im Privaten zu halten blieben Schlagzeilen natürlich nicht aus und es wurde Harry von der Öffentlichkeit ziemlich übel genommen, dass er so lange zweigleisig gefahren war.

Der Tag der Scheidung war schrecklich für Harry. Er ließ ihn mit dem Gefühl zurück, sein ganzes Leben mit Ginny wäre eine einzige Lüge gewesen. Als hätte er sich die ganze Zeit etwas vorgemacht, nur um seinem größten Wunsch eine Familie zu haben, entsprechen zu können. Es war manchmal vorgekommen in den letzten Monaten, besonders wenn er alleine war und nachts wach lag, dass er dem Gedanken nachhing, alles dafür tun zu wollen, dass es wieder so werden würde wie früher. Ganz theatralisch und zudem völlig idiotisch sein Leben geben oder zumindest seine Seele verkaufen zu wollen, nur um wieder seine heile Familie zurückzubekommen. Aber das waren dann doch nur flüchtige Momente, denn recht schnell hatte er Draco wieder vor Augen, den er liebte und von dem er geliebt wurde und ihm wurde klar, dass es nie wieder so werden würde wie es einmal war.

Draco war jetzt seine Welt, die er liebte und nicht mehr missen mochte. Und dazu gehörten auch die Kinder ... James, Albus, Lily und natürlich auch Scorpius, der seinerseits bereits einen Narren an Harry gefressen hatte. Er war die längste Zeit seines Lebens mit getrennten Eltern aufgewachsen und war es daher gewöhnt. Nun den Vater seines besten Freundes an der Seite seines Vaters zu sehen fand er mächtig cool und er störte sich nicht im geringsten an der Tatsache, dass Harry keine Frau war. Das färbte auch auf Albus und Lily ab. Nur James schoss quer.

Ginny und Astoria, als Mütter der Kinder, waren ebenfalls noch Teil ihres Lebens, aber hauptsächlich für die Kinder und bei den Vätern nicht mehr so präsent. Bei Draco war dies alles schon seit Jahren Realität, denn seine Scheidung erfolgte schon lange bevor Scorpius nach Hogwarts kam. So konnte Draco Harry versichern, dass es besser wurde mit der Zeit. Dieses Gefühl, versagt zu haben, Schuld auf sich geladen zu haben. Es wich irgendwann der Erkenntnis, dass es eben manchmal einfach nicht mehr passt. Erst recht wenn man jemandem begegnet, bei dem man merkt, dass dies die eine Person ist, die einen erst richtig vervollständigt. Harry war für Draco diese Person und umgekehrt war es genauso. Das wusste Harry inzwischen ganz sicher.

Die letzten Monate bestätigten ihm, dass es richtig gewesen war diesen Schritt zu tun. Trotzdem war es noch immer schmerzhaft an Ginny zu denken. Da war noch immer Liebe für sie in Harry. Umso unverständlicher war da die Tatsache, dass es gerade das war, was ihm so wehtat. Es wäre sicher einfacher für ihn gewesen, wenn er nichts mehr für sie empfunden hätte. Aber so war es das zu viel an Liebe, was ihn fast umbrachte. Aber er stellte sich dem Gefühl und mit Dracos Unterstützung wurde es mit jedem Tag erträglicher.

Nun stand er hier auf dem Gleis 9 3/4 und winkte erneut den Kindern hinterher. Lily begann ihr zweites Jahr, Albus und Scorpius das vierte und James das fünfte. Draco stand neben ihm, da Ginny sich bereits vor drei Woche von den Kindern verabschiedet hatte, nachdem die mehrere Wochen bei ihrer Mutter verbracht hatten. Die letzten Ferienwochen waren dann für Harry und Draco reserviert gewesen. Erst zwei Wochen Badeurlaub auf Teneriffa, dann eine Woche zu Hause in Godric's Hollow. Es war ein schöne Zeit gewesen, auch wenn James sich nach wie vor sehr schwer tat, den neuen Partner an der Seite seines Vaters zu akzeptieren. Er war nach wie vor launisch und mürrisch und ignorierte Draco weitestgehend. Albus indes hatte mit Scorpius seinen besten Freund an seiner Seite, weswegen er der Situation auch etwas Gutes abgewinnen konnte. Und Lily freute sich einfach wenn ihr Papa glücklich war. Da sie zudem Draco ziemlich cool fand, da stand sie Scorpius' Obsession für Harry in nichts nach, war es mit ihr am einfachsten.

Harry hatte keine Ahnung ob es jemals ein entspanntes Verhältnis zwischen James und Draco geben würde oder welche Auswirkungen die Trennung und der neue Partner an seiner Seite für ihn und seine Familie noch haben würden, ob sein Gefühlsleben sich jemals beruhigen würde oder ob er die Schuldgefühle jemals würde ablegen können. Auch wenn sich inzwischen eine gewisse Normalität eingestellt hatte wurde sein neues Glück immer wieder von dunklen Schatten beeinträchtigt.

Yeah, too much love will kill you
It'll make your life a lie
Yes, too much love will kill you and you won't understand why
You'd give your life, you'd sell your soul
But here it comes again
Too much love will kill you
In the end
In the end


"Macht sich da schon wieder einer unnötige Gedanken über Schuld und Sühne?"

Dracos warme Hand auf seinem Rücken und die leisen Worte, die dieser ihm ins Ohr flüsterte holten Harry aus seinen Gedanken. Er senkte den Arm, mit dem er noch gewunken hatte, obwohl der Zug schon nicht mehr zu sehen war. Nachdenklich wandte er sich zu seinem Freund, der ihn mit besorgtem Blick anschaute. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, dass Hermione, die mit Ron etwas weiter weg stand, ihm ein verhaltenes Lächeln schenkte und kurz die Hand hob, ehe sie ihrem Mann folgte, der Harry nur mürrisch gemustert hatte, ehe er sich wegdrehte und ging, ohne Draco auch nur eines Blickes zu würdigen. Harry lächelte traurig zurück, hob ebenfalls kurz die Hand und schaute seinen besten Freunden hinterher wie sie das Gleis verließen.

Noch so ein Problem mit dem Harry haderte. Sein bester Freund hatte sich zurückgezogen und den Kontakt abgebrochen. Blut war wohl doch dicker als Wasser. Hermione allerdings hielt nach einer intensiven, ehrlichen und sehr emotionalen Aussprache wieder zu Harry und ließ sich da auch nicht von ihrem Mann beeinflussen. Auch wenn sie mit Ginny befreundet war behandelte sie die Sache eher pragmatisch. Sie prophezeite Harry auch, dass Ron sich schon wieder einkriegen würde. Zumindest was seine Freundschaft zu Harry betraf. Ob er Draco jemals an Harrys Seite akzeptieren würde stand in den Sternen. Wirkliche Freunde würden sie wahrscheinlich nie werden. Aber da beide hervorragende Schachspieler waren sah Hermione zumindest einen Punkt, wo sich die beiden in der Mitte treffen konnten. Damit sie wieder alle gemeinsam etwas miteinander würden unternehmen können. Irgendwann in der Zukunft.

"Harry! ... Du grübelst schon wieder. Das ist nicht gesund. Der Urlaub war doch okay. Wir hatten Spaß, die Kinder hatten Spaß und jetzt sind sie wieder in Hogwarts",

Harry schluckte.

"Es ist wegen James. Er ist so verstockt und wenig kooperativ wenn es um dich geht. Und Ron. Er schneidet mich und dich ignoriert er völlig."

Ein ruhiges Lächeln erschien auf Dracos Miene.

"Weaselby konnte mich noch nie leiden, das weißt du doch und alles was mich davon abhält, ihn zu verfluchen ist, dass Granger ihn liebt. Also muss ja doch etwas in ihm stecken, was ihn auszeichnet".

Einzig Dracos vermitztes Lächeln hielt Harry davon ab, seinen Freund dafür zu rügen, dass er mal wieder den alten Schimpfnamen für Ron benutzt hatte. Draco neckte ihn und das hob etwas seine Stimmung.

"Ich liebe Ron auch. Aber er nimmt es mir übel, dass ich dich mehr und anders liebe als Ginny. Das ist unfair. Warum kann er es nicht einfach akzeptieren, dass ich Ginny nicht mehr als Partnerin liebe, sondern du jetzt derjenige bist?"

"Ron liebt seine Schwester ... und dich liebt er auch. Er muss ihr gerecht werden, ebenso wie dir. Du ziehst eben gerade den Kürzeren. Aber das wird schon wieder. Wenn er Ginny seine Anteilnahme genügend demonstriert hat, dann wird er schon wieder auf dich zukommen, du wirst sehen ..."

Harry nickte zaghaft.

"Mag sein, aber ehrlich gesagt macht mir das mit James mehr Sorgen."

Dracos Hand rutschte jetzt nach oben zu Harrys rechter Schulter, drückte etwas zu und zog Harry etwas näher.

"Harry, sein Verhalten ist doch normal. Er ist der Älteste, schon auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Er denkt schon viel mehr über alles nach und hat wohl beschlossen, mich abzulehnen. Vielleicht sieht er sich auch gezwungen besonders heftig für seine Mutter Partei zu ergreifen, weil Albus und Lily ganz gut mit mir klarkommen. Ich werde damit leben müssen und mich gleichzeitig immer wieder darum bemühen, dass er sich irgendwann vielleicht doch anders entscheidet. Aber da er keinen Scorpius hat, der es ihm leichter macht und kein Papakind ist, so wie deine Tochter, rechne ich vorerst nicht damit. Ich kann das akzeptieren. Vielleicht glätten sich ja auch die Wogen irgendwann, gerade während ihrer Zeit in Hogwarts. Lassen wir es einfach auf uns zukommen."

Ein warmes Glücksgefühl durchströmte Harry, als er sich frontal zu Draco drehte, ihn bei den Händen nahm und zu sich zog. Auch wenn sein Leben eine Wendung genommen hatte, die ihm emotional viel abverlangt, ihm Schmerz und viele schlaflose Nächte bereitet hatte, die sein Leben vollkommen umgekrempelt und in eine neue Richtung gesteuert hatte ... trotz all dem war er inzwischen sehr glücklich.

"Du weißt hoffentlich wie sehr ich dich liebe!", flüsterte er seinem Freund ins Ohr. Eine Antwort erwartete er nicht, denn er sah es in Dracos Augen.

Der emotionsgelandene Kuss, den ihm Draco dann gab veranlasste ihn dazu, schnellstens von hier zu verschwinden und so disapparierte Harry mit seinem Partner nach Hause, ... in sein neues ... ihr gemeinsames Leben ...
Review schreiben