Please Play The Drums

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Denki Kaminari Eijiro Kirishima Katsuki Bakugo Kyoka Jiro Mina Ashido Shoto Todoroki
10.10.2019
17.10.2019
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BNHA lässt mich nicht los! Ich muss einfach wieder was dazu schreiben und ich bin gespannt, ob es euch gefällt - diesmal versuche ich mich an einem Pairing, das mir noch neu ist. Ich habe noch nie aus Todorokis Perspektive geschrieben und ich weiß nicht, ob ich das gut hinbekomme, aber ich wollte es mal ausprobieren.
Der Titel könnte sich noch ändern...

Ich liebe den Arc rund um das Kulturfestival im Manga und die Idee zu einer FF geisterte mir schon länger im Kopf herum, wenn auch nicht in dieser Konstellation.
Bin gespannt, auf eure Meinungen!!

Und jetzt genug der Rederei, hier kommt das erste Kapitel!

Disclaimer: Die Figuren gehören mir nicht (leider), ich leihe mir sie nur und habe meinen Spaß mit ihnen!

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Eins-zwei-drei-vier

BÄM!

Er hatte mich. Einfach so. Nach dem ersten Klang.

Diese ungeheure Präsenz, diese einzigartige Ausstrahlung. Und trotz seines aggressiven Auftretens und dem harten Schlagen der Bass Drum und der Becken, war da dieser sanfte Unterton, den er nicht ganz überdecken konnte. Ich erkannte eine Verletzlichkeit in seinem Spiel, die garantiert nicht ans Licht kommen sollte. Die er hinter seinem aufbrausenden Verhalten versteckte. Diese Widersprüche in ihm faszinierten mich und jetzt schlugen sie mir so wild und ungezügelt entgegen, dass ich den Atem anhielt.

Ein Sturm prasselte auf mich ein, während er mit geschlossenen Augen und gefletschten Zähnen das Schlaginstrument malträtierte. Mein Herz hatte schon längst den Takt dieses Stücks angenommen, das er so leidenschaftlich zum besten gab.
Obwohl er keine Gitarre, Keyboard oder Gesang begleitete, konnte ich beinahe eine Melodie dazu hören, konnte sie spüren. Es fühlte sich schön und traurig zugleich an.

Seine blonden Stachelhaare wippten zum Takt. Er war außerordentlich gut. Brillant. Einzigartig.

Doch das war noch lang nicht alles, was ich ihn ihm sah. Auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht deuten konnte.

Dieser Augenblick sollte alles verändern. Unsere Band, unser Leben, ihn und mich. Für immer.

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„Du meinst echt, das ist eine gute Idee?“
Izuku blickte immer noch skeptisch drein als ich das erste Plakat mit Klebeband an einer Laterne befestigte. Jetzt war es sowieso zu spät, also warum noch weiter drüber nachgrübeln?
„Wir haben nur noch diese eine Chance. Es muss klappen!“, nahm mir Eijiro die Antwort ab. Dabei grinste er so breit, dass seine scharfen Zähne durchblitzten.

Izuku seufzte resigniert und fuhr sich nachdenklich durch die grüne Wuschelmähne.
„Es will einfach nicht in meinen Kopf. Warum will unser neuer Rektor keine Band mehr? Das muss doch einen Grund haben! Und dann auch noch das Verbot, nach einem neuen Drummer zu suchen auf dem schwarzen Brett...“
Ich zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich hatte er generell etwas gegen Musik. Wer wusste schon, warum. Komischer Kauz eben.

Neben mir schnappte sich die pinkhaarige Mina wütend ein paar der Blätter plus Klebeband und stapfte davon. Aber nicht ohne vorher schnaubend festzustellen: „Der wird Schuld sein, dass wir diesen Förderpreis nicht gewinnen!“
Kyoka und Denki folgten ihr mit traurigen Mienen. Ich konnte ihre deprimierte Stimmung vollkommen verstehen, doch wir sollten uns davon nicht zu sehr runterziehen lassen.

Wir hatten noch zwei Monate bis zur ersten Vorauswahl. Immerhin hatten wir die meisten Stimmen bei der Qualifikation bekommen, was schon ein riesiger Erfolg gewesen war. Was hatten wir uns gefreut! Die Feier danach war all den Schweiß und die Tränen bei den Proben wert gewesen! Selbst mein Vater hatte meine ausgelassene Stimmung nicht trüben können als er mir gedroht hatte, mir die Musik zu verbieten, wenn meine Noten weiter darunter leiden würden. Dabei hatte ich nur einmal eine B statt A bekommen, was für ein Weltuntergang!

Es war das erste Mal, dass ich solch eine Hochstimmung gespürt hatte und ich hatte sie mit meinen Bandkollegen teilen können, die im letzten halben Jahr zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden waren. Dieses Schülerprojekt war wirklich die beste Entscheidung gewesen, die ich hätte machen können!
Doch kurz danach der tiefe Fall. Dass unser neuer Schulleiter ein Arschloch war, damit hatte man ja noch rechnen können, aber dass Shinso uns verlassen würde, damit kamen wir einfach nicht klar. Er hatte uns hängen lassen und das nahmen wir ihm mehr als übel. Egal welchen Grund es gab - den er uns natürlich nicht genannt hatte - seinetwegen stand nun alles auf der Kippe. Und weil unsere Schule das Projekt nicht mehr weiter unterstützte, sogar gegen uns arbeitete. Wenigstens hatte er uns sein Schlagzeug im Proberaum gelassen. Das befand sich übrigens bei Kyoka im Keller. Ihre Eltern hatten selbst früher eine Band gegründet und waren begeistert gewesen als sie von dem Projekt ihrer Tochter erfahren hatten. Sie hatte echt tolle Eltern. Manchmal beneidete ich sie...

Die Situation war wirklich deprimierend, aber ich weigerte mich aufzugeben. Deshalb waren wir jetzt hier und verbrachten unsere Freizeit damit, ‚Schlagzeuger gesucht!‘-Blätter an Ampeln, Laternen und Litfaßsäulen aufzuhängen. Es würde zwar seltsam werden, Jemand total Fremden und vielleicht sogar viel Älteren oder Jüngeren willkommen zu heißen, aber wenn er oder sie was drauf hatte, warum nicht? Ich würde fast alles dafür geben, diesen Preis zu gewinnen! Ein Plattenvertrag, vielleicht direkt nach dem Abi einfach abhauen, das klang gar nicht mehr so sehr nach einem Traum, der immer in unerreichbarer Ferne lag. Jetzt sah ich das Ziel quasi vor mir. Und ja, ich konnte nicht leugnen, dass ich mich wieder nach dieser Euphorie sehnte, die mich so überwältigt hatte. Nach der Bühne, dem Scheinwerferlicht, dem Applaus des Publikums und diesem Einswerden mit der Band, mit dem Rhythmus und sich einfach fallen zu lassen. In meinem Leben, wo es sonst nur viel Kälte und Wut gab, kam dieses Gefühl dem Paradies gleich. Einmal davon gekostet, wollte ich mehr.

„Es wird sich Jemand Gutes melden. Und dann werden wir es denen zeigen.“ Vielleicht redete ich nicht nur den anderen gut zu, vielleicht musste ich auch mich selbst weiter überzeugen, sonst würde ich durchdrehen. Es MUSSTE einfach klappen!

„Shoto“, kam es von rechts. Izuku ließ ein Paar Flugblätter in seiner Umhängetasche verschwinden. Ich war so froh, dass er hier war, dass er uns unterstützte. Tenya hatte es als Klassensprecher auch versucht, hatte Unterschriften gesammelt und wurde damit beim Rektor empfangen. Doch Aizawa hatte ihn sofort wieder weggeschickt, ohne jede Begründung, hatte sich nicht umstimmen lassen und blieb bei seiner Entscheidung, das Bandprojekt lahmzulegen. Er ließ uns nicht einmal mehr die Instrumente der Schule für die Proben verwenden. Wir hatten echt Glück, dass wir unsere eigenen Instrumente hatten und in Kykoas Keller unterkommen konnten! Es hätte so einfach werden können, einen neuen Schlagzeuger zu finden, aber in der Schule und auch in unmittelbarer Nähe war uns die Suche verboten worden.

Izuku nestelte noch an seiner Tasche herum. Der Grünhaarige war sowas wie unser Maskottchen geworden, war bei jeder unserer Proben anwesend, obwohl er selbst kein Instrument spielen konnte, wurde aber unser größter Fan und übernahm ein bisschen die Promotion. Beim letzten kleinen Konzert hatte er sogar T-Shirts drucken lassen. Und die haben echt gut ausgesehen! Izuku war eben etwas ganz Besonderes. Mein allererster Freund auf der Schule. Er hatte meine kalte Maske durchschaut gehabt, bevor ich mich dieser überhaupt bewusst geworden war. Er hatte mich gerettet, mehr als einmal. Ich hatte ihm so viel zu verdanken. Hoffentlich konnte ich mich irgendwann bei ihm revanchieren!
„Ich bin so ungeduldig! Es soll sich jetzt schon Jemand melden! Uns läuft die Zeit davon!“
Ich hab vergessen zu erwähnen, dass er auch noch die eingehenden Bewerbungen organisiert und uns vorstellen wird. Mit Foto, Steckbrief und allem drum und dran. Er war einfach ein Wahnsinns-Organisationstalent. Ohne ihn wären wir nicht einmal halb so weit. Manchmal neckten wir ihn mit dem Manager Titel, aber davon wollte er nichts wissen.
„Ja, ich weiß. Es muss schnell gehen. Es muss einfach.“
Damit verabschiedeten wir uns, um in unseren Stadtteilen noch mehr Flugblätter aufzuhängen.

Es dauerte noch ein paar Tage. Wie oft erkundigten wir uns bei Izuku, ob sich schon Jemand gemeldet hatte, wie oft wurden wir mit einem missmutigen Blick enttäuscht. Später mussten wir ihn nur noch anschauen, um zu wissen, dass es nichts Neues gab. Unsere Laune sank noch mehr in den Keller. Ich lernte wieder mehr, was mein mieser  Vater schnaubend zur Kenntnis nahm („Geht doch! Vielleicht wird ja aus dir doch noch was!“), versuchte mich damit von meinen Zweifeln abzulenken.  Es durfte nicht zu Ende sein. Es hatte doch noch gar nicht richtig angefangen! Wir hatten nur kurz diese Luft des Bühnenauftritts geschnuppert. Wir wollten so viel mehr und ich wusste, dass wir auch das Zeug dazu hatten!

Doch dann klingelte eines Mittwochmorgens im Englischunterricht Izukus Telefon. Herr Yamada schaute verdutzt drein als der grüne Wuschelkopf hektisch in seiner Tasche kramte, immerhin ließ er sich sonst nichts zu Schulden kommen. Es war untypisch für Izuku, Regeln zu brechen.
Hoffnung keimte in mir auf. Und anscheinend nicht nur in mir. Es kam Leben in Mina, Kyoka, Eijiro und Denki. Wir starrten Izuku erwartungsvoll an. Dieser warf mir ein hoffnungsvolles Lächeln aus seinen grünen Augen zu und wand sich dann an den erstarrten Yamada.
„Entschuldigung! Ich muss da rangehen! Ist wichtig!“ Und schon war er aus dem Klassenraum gestürmt. Unser Lehrer schaute ihm noch einen Moment hinterher, fuhr dann aber einfach mit dem Unterricht fort als sei nichts gewesen. Bei mir war es das aber mit der Konzentration. War das nun wirklich ein Interessent oder vielleicht doch nur die Bank oder so? Ich trommelte auf meinem Tisch herum, konnte nicht mehr still sitzen.

Kurz darauf kam Izuku zurück, murmelte nochmal ein paar Entschuldigungen und nahm wieder neben mir Platz. Er zwinkerte vielversprechend und ich war auf einmal innerlich so aufgeregt, konnte es gar nicht abwarten, was er uns zu sagen hatte. Die Minuten zogen sich von dort an wie Kaugummi.

Nach dem lang ersehnten Klingeln hingen wir natürlich alle an Izukus Lippen und er blickte ganz verlegen drein, bevor er mal wieder in seinen nicht vorhanden Bart zu murmeln begann.
„Also, der Erste hat schon mal Interesse, hat das Plakat an der Shinkaku Straße entdeckt. Das ist ja mitten in der Stadt. Vielleicht sollten noch mehr-“
„Mensch, Izuku!“, unterbrach ihn Kyoka ungehalten. „Jetzt spann' uns doch nicht so auf die Folter! Klang er nett? Schickt er dir seine Daten?“
Izuku strahlte und alle taten es ihm gleich, bis auf ich. Ich war einfach zu angespannt. Strahlen war einfach nichts für mich.
„Ja, ein junger Mann! Etwas jünger als wir! Er schickt mir alles per Mail!“
„Hurra!!!“ Mina, Eijiro und Denki führten einen Freudentanz auf, als hätten wir ihn schon aufgenommen, Kyoka und ich nickten zufrieden. Vielleicht war es eben doch eine gute Idee gewesen mit den Flyern!

Am Ende des Schultages hatte Izuku insgesamt drei Anfragen, davon ein Frau Mitte zwanzig, der junge Mann von heute Morgen und noch eine kryptische Anfrage per SMS, die Izuku nicht so ganz deuten konnte.
„Hat der jetzt Interesse oder nicht?“, war sein Gedanke als er sie laut vorlas: „Oi, was spielt ihr denn so für Mukke? Für Schnulzen könnt ihr euch wen anders suchen. Ich spiele nur den kranken schnellen Scheiß. Und wehe ihr steht mir im Weg rum!“
Uns fielen beinahe die Augen aus dem Gesicht.
„Was soll denn der Mist?! Voll unmännlich!“, gab Eijiro schnaubend von sich. „Voll unverschämt! Den würde ich nicht mal einladen! Vorgestellt hat der sich auch nicht!“
„Scheint ja echt Bock auf uns zu haben“, sagte Denki skeptisch. Sie hatten Recht. Und trotzdem amüsierte mich seine Anfrage. Sie war so erfrischend anders als das normale Bla Bla. Doch wenn er diese Attitüde auch bei den Proben zeigte, würden wir uns ganz sicher nicht grün werden.

Auf einmal vibrierte (er hatte den Ton nun ausgeschaltet) Izukus Handy erneut. Wir steckten die Köpfe zusammen.
„Gib' mir die Adresse von eurem Proberaum. Dann zeige ich euch persönlich, was ich drauf hab.“
„Okay, das war direkt. Was sagt ihr, Leute?“
„Ich weiß nicht so recht.“
„ Klingt nach einem arroganten Pisser.“ Die Band war offensichtlich überhaupt nicht begeistert, aber zum Glück war ich sowas wie der Bandleader. Jetzt war das mal für etwas gut.
„Vielleicht lassen wir ihn einfach heute Abend vorbei schauen? Motiviert scheint er ja schon zu sein.“
Fünf Augenpaare starrten mich entgeistert an.
„Echt jetzt, Shoto? DU stimmst für ihn?“ Mina zog die Augenbrauen nach oben. „Warum?“
„Irgendwie ist er lustig.“
Meine Freunde wechselten einen unsicheren Blick.
„Du hast echt einen seltsamen Humor“, lachte Eijiro. „Aber gut, angucken kann man ihn sich ja mal. Bin gespannt, ob du danach immer noch so denkst.“
Und so kam es, dass wir diesem Kerl eine Einladung schickten – heute Abend um 19 Uhr sollte er in unserem Proberaum auftauchen. Wir alle waren sehr gespannt und ich fragte mich, ob ich diese Entscheidung doch noch bereuen würde.

Wir versammelten uns etwas früher im Proberaum. Der Raum war vielleicht  fünf Quadratmeter groß, hatte eine niedrige Decke und eine schalldichte, schwere Tür. Wir knubbelten uns etwas mit den zwei E-Gitarren, Bass, Mikrofon, Schlagzeug und Keyboard, aber wir mochten es so und selbstverständlich waren Wände und Boden mit rotem Teppich verkleidet – wie es sein musste. Langsam wurde es aber ganz schön kalt da drin. Es war Anfang Oktober und wir hatten keine Heizung. Unsere Handys zeigten kühle acht Grad an. Wir schlotterten alle ein wenig in unseren Jacken und beschlossen uns mit ein paar Songs warm zu machen. Izuku war ausnahmsweise nicht anwesend, da eine Verabredung mit seiner Mutter anstand. Wie jeden Mittwoch.

Denki stimmte seinen Bass noch etwas nach, Mina entstaubte noch ihr Keyboard, Kyoka und Eijiro standen schon bereit mit ihren Gitarren und ich regulierte noch die Lautstärke des Mikrofons. Dann ging es los! Es war für mich die schönste Freizeitbeschäftigung, die es gab! Schon der erste Ton vibrierte durch meinen ganzen Körper, erfüllte ihn mit Leichtigkeit und Wärme. Nur mit Musik fühlte ich mich lebendig. Nichts anderes zählte. Ich liebte diese Band, dieses Kollektiv, das sich im letzten halben Jahr Schritt für Schritt weiter entwickelt hatte. Wir spielten aus Leidenschaft, gaben stets alles. Es war wie ein Rausch.

Ich packte fest das Mikrofon und wollte gerade für den Einsatz Luft holen als er plötzlich in der Tür stand. Rubinrote Pupillen trafen auf meine. Mein Herz stolperte. Ich schob es auf den Schreck. Immerhin war er etwas früher dran als verabredet.
Da ich meinen Einsatz verpasst hatte, stoppten nun auch meine Freunde, wirbelten herum und entdeckten nun auch den blonden, ziemlich mies gelaunten jungen Mann in der Tür. Er war ungefähr drei Jahre älter als wir, trug ein weißes Shirt, schwarze Lederjacke und zerrissene Jeans. Er hätte gut aussehend sein können, wenn er nicht so finster dreingeblickt hätte.

„Hallo!“, meldete sich direkt der Rothaarige Eijiro eifrig zu Wort und legte seine Gitarre zur Seite, um den Neuankömmling zu begrüßen. Die anderen starrten ihn neugierig an.
„Das klang gar nicht so Scheiße.“
Seine Stimme war tief, fast ein Knurren und seine Worte waren alles andere als nett. Selbst Eijiro schien es die Sprache verschlagen zu haben, denn er erstarrte einfach vor ihm, mit ausgestreckter Hand.
Der Blonde ließ den Rothaarigen einfach links liegen und nahm die Drums in Beschlag. Aus seinem Rucksack holte er eilig seine eigenen Stöcke.
„Hey!“, rief nun Denki, sichtlich aufgebracht.
„Wie wäre es mal mit einem 'Hallo' und 'mein Name ist‘?“ Kyoka stand neben ihm, kopfschüttelnd. Die Kopfhörer, die sie immer um den Hals trug, raschelten.

Der Fremde hielt kurz inne, aber nur um uns vernichtende Blicke zuzuwerfen. Er zögerte, schien innerlich mit irgendwas zu kämpfen, gab aber schließlich nach.
„Katsuki Bakugou. Ich spiele seit meiner Kindheit die verdammten Drums, habe zwischendurch aufgehört, das wird sich aber jetzt ändern.“ Er klang schroff, doch nicht mehr so feindselig wie vorhin.
Ich nickte verstehend. Vielleicht versuchte er nur seine eigene Unsicherheit mit Aggressivität zu überspielen. So etwas ähnliches kannte ich ja von mir selbst. Wenn auch in eine ganz andere Richtung.
„Gut, Katsuki. Die Trommeln gehören dir.“
Er musterte mich abschätzig, gab nur ein „Tz“ von sich und fing an mit den Stöcken abzuzählen.

Eins-zwei-drei-vier
BÄM!
Er hatte mich. Einfach so. Nach dem ersten Schlag. Diese ungeheure Präsenz, diese einzigartige Ausstrahlung. Und trotz seines aggressiven Auftretens und dem lauten Schlagen der Bassdrum und der Trommeln, war da dieser sanfte Unterton, den er nicht ganz überdecken konnte.
Ich erkannte eine Verletzlichkeit in seinem Spiel, die garantiert nicht ans Licht kommen sollte. Die er hinter seinem aufbrausenden Verhalten versteckte. Diese Widersprüche in ihm faszinierten mich und jetzt schlugen sie mir so wild und ungezügelt entgegen, dass ich den Atem anhielt.

Ein Sturm prasselte auf mich ein, während er mit geschlossenen Augen und gefletschten Zähnen das Schlaginstrument malträtierte. Mein Herz hatte schon längst den Takt dieses Stücks angenommen, das er so leidenschaftlich zum besten gab.
Obwohl er keine Gitarre, Keyboard oder Gesang begleitete, konnte ich beinahe eine Melodie dazu hören, konnte sie spüren. Es fühlte sich schön und traurig zugleich an.
Seine blonden Stachelhaare wippten zum Takt. Er war außerordentlich gut. Brillant. Einzigartig.

Den anderen ging es ähnlich. Allen klappten die Kinnladen herunter, sie starrten ungläubig den Blonden an, der da das genialste Schlagzeugspiel ever zum besten gab. Ich lächelte in mich hinein. Da hatte mich mein Gefühl doch nicht getäuscht.
„Das ist es“, flüsterte Mina neben mir und tippelte ganz nervös von einem Fuß auf den anderen.
„Damit könnten wir es wirklich schaffen!“, dachte Eijiro ihre Gedanken zu Ende. Dann wanderten alle Augenpaare zu mir, die von Katsuki eingeschlossen. Dieser brach mit dem letzten Schlag ab und verzog den Mund zu einem fiesen Lächeln, offenbar mehr als zufrieden mit sich.
Wir mussten auf jeden Fall an seiner Einstellung arbeiten, doch wir konnten ihn unmöglich gehen lassen. Dafür war er zu gut. Die anderen Bewerber brauchten wir uns eigentlich gar nicht mehr anzuhören. Leider wusste er das ganz das genauso gut wie wir und er würde das ausnutzen wollen. Trotzdem. Ich wollte mich dieser Herausforderung stellen.

Entschlossen nickte ich, bewahrte meine kühle Fassade. Die würde ich jetzt erstmal beibehalten müssen, vielleicht würde ich ihn mit dieser Gleichgültigkeit im Zaum halten können. Das fiel mir sonst im Alltag nicht so schwer. Meine Klassenkameraden kannten mich kaum anders, aber wenn es um die Musik ging, ließ ich mich manchmal doch etwas zu sehr gehen.
„Was soll diese Fresse, Halb-und-halb-Bastard?!“
Moment - hatte er mich gerade wirklich...?!
Ich biss die Zähne zusammen. Solche Beleidigungen hörte man nicht jeden Tag. Vor allem keine kreativen. Hatte er mich wirklich auf meine zwei Haar- und Augenfarben reduziert?
Eijiro begann zu lachen. Wir sahen ihn nur entgeistert an.
„Sorry, Leute!“, rief er erstickt. „Aber irgendwie ist das komisch!“ Schon der Zweite, der ihn lustig fand. Wurde ja immer besser.
Denki fasste sich an die Stirn, durchwühlte seine dunkelblonden Haare.
„Bist du sicher, Shoto? Wollen wir uns keinen anderen Bewerber vorher anhören?“
„Absolut.“
Katsuki knirschte genervt mit den Zähnen. Er war es wohl nicht gewohnt, nicht sofort mit begeisterten Jubelrufen empfangen zu werden. Gut so! Diese Genugtuung würde ich ihm in Zukunft weiterhin verwehren. Das könnte spaßig werden.
„Na dann, willkommen in der Band 'Plus Ultra', Katsuki!“
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