Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Reclaim

von Elixier
GeschichteSci-Fi / P18
OC (Own Character)
09.10.2019
03.09.2020
5
11.790
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.10.2019 2.249
 
Herzlich willkommen zu dieser kleinen Geschichte. Ich hoffe dass sie euch gefallen wird und wünsche euch viel Spaß beim Lesen.



Mission




Die Schotten meines Quartiers öffneten sich und ich warf einen flüchtigen Blick auf den Hereinkommenden. Mit zwei kurzen Schritten trat er ein und sagte: „Bruder Sergeant. Verzeiht mir dass ich einfach so eindringe… Ihr habt nicht auf mein Klopfen reagiert.“ Ich schnaubte nur und stand langsam auf. Bruder Kaskor war noch sehr jung im Vergleich zu mir. Ich hatte bereits das Gefühl von ihm vernommen, das er mit einem Befehl zu mir gekommen war. Noch hatte er zu viel Respekt mir gegenüber, um das Gespräch einfach mit dem anzufangen, was er mir mitzuteilen hatte. Er stand in voller Rüstung vor mir, ich hatte meine erst vor vier Stunden abgelegt. Sie sah so blank und unbenutzt aus, wie es kaum eine andere derzeit innerhalb des Ordens tat.

„Was gibt es?“, fragte ich und versuchte die Tatsache zu ignorieren, dass ich sein Klopfen tatsächlich nicht wahrgenommen hatte. „Nun.. der Captain will euch sprechen. Offenbar hat er eine Aufgabe für euch.“ Mit einem Brummen machte ich klar, dass ich dem Aufruf Folge leisten würde. „Gut. Ich werde mich auf den Weg machen, sobald ich wieder in Rüstung bin.“ Er nickte verhalten und drehte sich auf der Stelle um. Bevor er aus der Tür hinaus trat, die sich zischen vor ihm öffnete, bemerkte ich. „Bruder Kaskor.“ Er blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich langsam um. „Ja Sergeant?“ Ich atmete einmal tief durch. Seine Augen versuchten regungslos zu bleiben, verrieten aber trotzdem dass er eine Mahnung erwartete.

„Das nächste Mal, wenn Captain Nuvem euch dazu verdammt eine Nachricht zu bringen, dann könnt ihr auch einen Ordensdiener senden. Ihr seid nicht sein Laufbursche. Verstanden?“, fragte ich ihn und er nickte mit einem zurückgehaltenen Lächeln. „Ja Bruder Sergeant.“ Ich nickte ihm ebenfalls zu und er verließ den Raum. Ich konnte seine Schritte hören, die ihn verrieten, während er den langen Gang hinunter stapfte. Für einige Augenblicke starrte ich an die Decke meines Quartiers und betrachtete die stählerne Oberfläche. Ich ballte meine Hände zu Fäusten und lockerte sie wieder. Eigentlich hatte ich noch für einige Stunden allein sein wollen und meinen letzten Trainingskampf Revue passieren lassen, aber es sollte wohl nicht sein. Ich drückte den Knopf neben meiner Schlafstelle, der mich mit der Zentrale der Ordensdiener verband und befahl: „Ich will meine Rüstung anlegen. Drei von euch werden genügen.“ Es rauschte für einen Moment und dann kam als Antwort: „Verstanden. Wir sind sofort bei euch.“

Ich nahm den Finger von dem Knopf und setzte mich auf mein Bett. Ein Astartes konnte in nahezu jedweder Position Schlaf finden, aber da sich das Ganze im Liegen schlichtweg angenehmer gestaltete, besaß jeder Bruder seinen eigenen Ruheplatz, auch wenn dieser aus nicht mehr als einer einfachen Stahlplatte bestand, die etwa dreimal so dick war wie mein Daumen. Die Herzschläge unserer einfachen, menschlichen Bediensteten kündigten sie lange bevor sie an meine Tür klopften an. Bevor der Leitende Diener seine Hand heben konnte, bat ich sie herein und ich musterte sie für eine Hand voll Sekunden. Die alle trugen die grauen, einfachen Roben, mit ihren schwarzen Kettengürteln und dem silbernen Amulett, das in jede Robe an der Stelle des Herzens eingewoben war. Ein älterer Mann, den ich schon oft gesehen hatte führte sie an. Ein jüngerer Mann und eine noch jüngere Frau begleiteten ihn. Ich deutete auf meine Rüstung, die neben mir auf ihrem Ständer wartete. „Anlegen und segnen.“, klärte ich und sie auf und machte einige Schritte auf den Ständer zu.

„Keine Säuberung mein Herr?“, fragte der Anführer und ich schüttelte den Kopf. Es war unnötig ihnen davon zu erzählen, dass mein letzter Trainingskampf sich schnell zu einer Schmach für meinen Partner entwickelt hatte. Er hatte nicht einen nennenswerten Treffer landen können. Nicht das ich ihm das wirklich unter die Nase rieb. Es war nicht so, als hätte ich es anders erwartet. Die Drei finden an, die Rüstung Teil für Teil an meinen Körper zu setzten. Mein Carapax nahm sie problemlos an und ich versuchte so still wie ich konnte zu halten. Natürlich konnte ich auch selbst meine Rüstung anlegen, aber das dauerte länger, als wenn drei unserer Diener sich gleichzeitig dieser Aufgabe widmeten. Das Gewicht der schweren Schulterstücke löste jedes Mal ein Gefühl der zusätzlichen Sicherheit in mir aus. Es war so, als ob mein Körper wusste, dass er ohne die Rüstung nur halb so gut auf dem Schlachtfeld wirken konnte. Ich wollte, wenn ich meinem Captain gegenübertrat, mein Gesicht zeigen und sah auf um der Dienerin, die im Begriff war mir den Helm aufzusetzen mitzuteilen, dass sie ihn mir einfach geben konnte. Erschrocken zuckte sie zusammen und ließ ihn polternd auf den Boden fallen.

Ich sah sie an und wartete einen Atemzug. „Heb ihn auf.“, befahl ich, bemüht nicht bedrohlicher zu klingen als nötig. Sie griff nach meinem Helm und legte ihn zitternd in meine ausgestreckte Hand. Sie konnte ihren Blick nicht von meinem Lösen und ich erhob mich aus meiner knienden Position. Die hatten ihre Aufgabe vervollständigt. „Diener.“, sagte ich und er wusste sofort dass er gemeint war. „Mein Herr?“, fragte der Älteste der Drei und trat in mein Blickfeld. Die Wut über den Fehler seiner Untergebenen, konnte er gerade so verbergen. Seine Stimme sagte aber jedem Zuhörer, dass in seinem Inneren sich gerade ein Wirbelsturm formte. Ich sah ihn an und riet ihm: „Mein Helm ist dazu gedacht große Kräfte daran zu hindern mich kampfunfähig zu machen. Es würde mich doch sehr wundern, wenn ein Sturz aus weniger als anderthalb Metern Höhe ihn beschädigen würde.“ Er neigte sein Haupt und die beiden anderen taten es ihm gleich. „Ich verstehe. Keine Reparatur. Wie ihr bereits befohlen habt.“ Ich nickte und sah auf die Dienerin.

Es fiel mir schwer zu schätzen, wie als sie sein mochte. Das Zittern hatte zugenommen. „Seht von einer Bestrafung ab. Ihre Scham mich mit ihrem Dienst enttäuscht zu haben, wird Strafe genug sein. Und… wenn ich zurückkehre, dann wird sie meine Rüstung im Alleingang reinigen. Das wird sie an ihre Schmach erinnern.“, erklärte ich dem obersten Diener. Er sah mich für einen Moment mit leicht geöffnetem Mund an, dann schloss er ihn und neigte wieder seinen Kopf. Ich verließ den Raum, ohne noch auf die Reaktion der Dienerin zu warten. Güte wäre hier fehl am Platz gewesen. Gerecht war es trotzdem gewesen und das war alles was zählte. Ich war froh, dass mein Quartier nicht weit von der Zentrale der Kompanie entfernt war. Auf meinem Weg lauschte ich unterbewusst dem Dröhnen der Triebwerke. Die Maschine des Schiffs lief geruhsam und gleichmäßig. Wir waren in keiner Eile, das konnte ich fühlen. Ohne aufgehalten zu werden, dauerte es nur in etwa fünf Minuten, bevor ich mich schon in Sichtweite des Sammlungspunkts wiederfand.

„Bruder Sergeant.“, erklang neben mir die kratzende Stimme unseres Techmarines. Bruder Hivat machte zwei Schritte in meine Richtung und ich nickte ihm in Anerkennung seines Ranges und seiner Fähigkeiten zu. Hivat selbst senkte die Glieder seines Servoharness in einer Geste des Willkommens „Hat euch der Captain ebenfalls zu sich gerufen?“, fragte ich und sein rasselnder Atem klang in meinem Gehör, als ob er das Innere seiner Lungen mit einem Eisenschwamm bürsten würde. „Das hat er… tut eure neue Verbesserung ihren Dienst, so wie ihr es von ihr erwartet?“, fragte er zurück und ich rotierte mit meiner linken Hand. In seiner typischen Verhaltensweise, war er mehr an der Performance seines Schaffens interessiert, als an dem was unser Captain uns mitzuteilen hatte. Die Vergangenheit hatte ihm gelehrt, das eine zuvor noch als passend empfundene Verbesserung, schneller als man es für möglich hielt obsolet wurde. Was meine Hand anging, überschätzte er die Wirkung des Zahns der Zeit jedoch. Der Vorteil den es mit sich brachte, sie so oft ich wollte um 360 Grad drehen zu können, konnte man schwer unterschätzen. Mit Hivats neuem Modell, vollbrachte ich eine komplette Drehung schneller, als jedes organische Material es mir jemals erlaubt hätte, sofern es mich dazu überhaupt befähigt hätte.

Ich lächelte und antwortete: „Dein Werk ist die reine Verwirklichung des Willens des Omnissiah Bruder. Es besteht kein Zweifel das du ihn mit deinem Dienst ehrst.“ Hivat musste seinen Helm nicht absetzen um mich wissen zu lassen, dass ihn diese Antwort glücklich machte. Er war ein einfacher Krieger, begabt, aber nicht weniger bescheiden. „Lass uns den Captain nicht länger warten lassen. Er wird nicht länger warten wollen als nötig.“, beendete ich die Konversation und mein Bruder Techmarine stimmte überein. Wir traten vor die Eingangstür zum Sammlungspunkt und dass schwere Schott teilte sich vor uns beiden. Es war fast doppelt so dick wie wir breit waren, und ließ jeden der durch es schritt erahnen, wie wichtig das war was sich dahinter befand. Am Ende des 250 Meter langen Platzes befand sich der Eingang zu unserem Librarius und in einigen Metern Abstand vor dem Eingang, konnten wir Nuvem entdecken. Er trug keinen Helm, genau wie ich und starrte auf die Schrift die das Tor zum Librarius überspannte. Hivat und ich waren noch 15 Meter entfernt, als er sich umdrehte und uns mit einigen kurzen Schritten entgegen kam.

„Bruder Techmarine Hivat, ich danke euch das ihr meiner Bitte zu kommen so schnell nachgekommen seid. Bruder Sergeant Jonar, auch ihr seid hier, gut. Dann kann ich euch sofort im Detail verraten warum ich nach euch habe schicken lassen.“, begann er und ich lauschte seinem Bericht. Obwohl Nuvem nicht meine erste Wahl zum Captain der dritten Kompanie gewesen wäre, hielt ich ihm zu Gute, das er direkt und ohne große Umschweife die Aufgaben anging, die unserer Kompanie zufielen. Unter den älteren Brüdern, wurde er hin und wieder als etwas harsch und unüberlegt gehandelt, aber solch ein Verhalten konnte ich ihm in meiner Erinnerung nicht zuschreiben. Ab und an erwies er sich als etwas ungeduldig, gerade mit denen die frisch in die Kompanie aufstiegen, aber er war gerade mal seit 130 Jahren an der Spitze der Dritten. Es würde ihm noch genügend Zeit bleiben zu lernen und sich zu verbessern. Zumal die Alternativen zu ihm sich bis heute auch nicht als vielversprechender erwiesen hatten.

„Wir haben vor sechs Stunden eine Nachricht erhalten. Sie kam direkt von der Ordenszentrale. Es gibt eine Entwicklung im Calixis Sektor, die wir genauer untersuchen sollen. Eine Forschungsstation hat Kontakt mit der imperialen Zentrale Port Wander verloren und bis jetzt sind alle Versuche den Kontakt wieder aufzunehmen gescheitert. Die Station sollte dort alle fünfzehn Tage Meldung machen. Vor 75 Tagen hat sie sich zum letzten Mal gemeldet. Da unklar ist, warum der Kontakt abgebrochen ist, eine Fehlfunktion der dort genutzten Systeme unwahrscheinlich ist und der Raum in diesen Gefilden für seine unzähligen Gefahren bekannt ist, geht man auf Port Wander davon aus, das sie einem Angriff zum Opfer gefallen ist.“, erklärte er und ich dachte nach. Der Calixis Sektor als solcher wurde von vielen, als eine der unbeständigsten Gegenden in der Galaxis beschrieben, selbst unter uns Astartes war er kein unbekannter Boden für Auseinandersetzungen. Schlechtigkeit und Böses brüteten in ihm. Das Chaos und Verräter fanden reichlich Nahrung und Plätze an denen sie nisten und sich in aller Ruhe vermehren konnten.

„Wer kontrolliert diese Station? Was lässt die Verantwortlichen auf Port Wander vermuten, dass es keine Fehlfunktion ist?“, fragte Hivat und Nuvem sah ihn direkt an. „Weil die Station gerade mal 360 Jahre alt ist und mit äußerster Vorsicht errichtet worden und mit überdurchschnittlicher Sorgfalt konstruiert worden ist. Das Adeptus Munitorum ist für die Station verantwortlich. Wir haben keine genauen Angaben darüber erhalten, was das Munitorum dort genau erforscht, oder was der Grund für die Existenz dieser Station ist, zu beachten ist aber, das wir vor einer halben Stunde Bestätigung vom Mars erhalten haben, das sich auch Personal des Mechanicus auf der Station befindet.“, antwortete er und ich konnte die Unruhe sehen, die in Hivat aufgebahrte. Als Techmarine fühlte er sich den Zielen des Mechanicus natürlich genauso verpflichtet wie denen unseres Ordens. Es mochte sogar stimmen, dass er die Bediensteten des Omnissiah als wichtiger erachtete, als unsere eigenen. Ich bemerkte das sich ein weiterer unserer Brüder sich uns von hinten näherte.

Ich drehte mich langsam um und war überrascht Bruder Tegnar zu sehen. Der oberste Apothecary unserer Kompanie war selten unter den anderen Ordensbrüdern zu sehen. Er verbrachte mehr Zeit damit unsere Gensaat zu prüfen und neue Aspiranten zu überwachen. Wie ich trug er keinen Helm. Seine Augen wanderten von mir, über Hivat, bis zu unserem Captain. „Kann ich davon ausgehen, dass ihr alles bisherigen Details mitbekommen habt?“, fragte Nuvem und Tegnar nickte verhalten. „Das könnt ihr. Allerdings kann ich eure Entscheidung mit Teil dieser Untersuchung werden zu lassen nicht ganz nachvollziehen Captain. Geht ihr davon aus das wir Verluste erleiden werden?“ Nuvem senkte seine Stimme kaum, aber für einen Astartes war es gerade so bemerkbar. „Über 500 Soldaten des Astra Militarum sind auf der Station untergebracht. Da sie nicht mal einen Notruf abgesetzt haben, müssen sie sehr schnell überrannt worden sein. Jeder einzelne dieser Soldaten wurde als Veteran beschrieben. Wir können also nicht ausschließen, dass wir uns sehr starkem Wiederstand gegenüber sehen.“ Tegnar verstand und auch Hivat und ich begriffen. Weder das Munitorum noch das Mechanicus ging von Überlebenden aus. Es ging also im Grunde nur darum, wer diesen Angriff ausgeführt hatte.



Ich hoffe dass euch dieses erste Kapitel gefallen hat und ich danke euch allen für eure Aufmerksamkeit. Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir eure Verbesserungsvorschläge mitteilen würdet. Vielen Dank für euer Interesse und ich vielleicht kann ich euch ja auch beim nächsten Kapitel wieder begrüßen.

HG Elixier
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast