Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Flamme des Drachen

von Rubi
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18
Bloom Valtor
09.10.2019
26.07.2020
27
75.799
13
Alle Kapitel
83 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.07.2020 3.482
 
Als Valtor aus seinem tiefen Schlaf erwachte, hörte er leise Stimmen.
„Sie schlafen, wir sollten gehen“, murmelte eine weibliche Stimme leise. Verschlafen begann er sich zu rühren, wollte sich mit der Hand die Haare aus dem Gesicht streichen, doch etwas hielt ihn davon ab.
„Warte, lass mich nur kurz ein Bild machen. Das muss ich einfach festhalten“, erklang eine gedämpfte, männliche Stimme. Bild? Was für ein Bild? Endlich die Augen öffnend, machte Valtor Anstalten, sich im Bett aufzusetzen. Nur wurden ihm just in diesem Moment zweierlei Dinge bewusst. Erstens: Die Schmerzmittel hatten aufgehört zu wirken und zweitens: Es war eine schlanke Hand, die ihn davon abhielt, seinen gesunden Arm zu bewegen. Verwirrt blickte Valtor auf die Hand, die mit seiner verschränkt war. Sein Blick wanderte den Arm empor, bis er auf einem roten Schopf zum Liegen kam. Bloom saß neben ihm, hatte ihre Hand fest mit seiner verschränkt und war anscheinend eingeschlafen. Denn ihr Kopf lag abgewandt auf der Matratze neben seinem Arm.
„Toll, jetzt hast du sie geweckt“, durchdrang erneut die männliche und nun definitiv enttäuschte Stimme die Stille. Valtor sah auf und musste sich ein Lächeln verkneifen, das seinen Rippen bestimmt nicht gutgetan hätte. Dort standen Icy und Kiko. Letzterer war gerade dabei sein Handy unverrichteter Dinge wieder einzupacken.
„Valtor!“, eilte Icy sofort auf ihn zu, blieb aber kurz vor ihm stehen, musterte seine bandagierte Gestalt unsicher.
„Wenn du mir jetzt um den Hals fällst, bringst du mich wahrscheinlich um“, lächelte er schief.
„Und ich wecke deine kleine Aufpasserin“, nickte Icy. Sie hatte Tränen in den Augen. Gerne hätte Valtor die Hand ausgestreckt und nach ihrer gegriffen. Nur wurde diese ebenfalls von seiner kleinen Aufpasserin in Beschlag genommen.
„Mir geht es gut“, versuchte er sie zu beruhigen.
„Klar, das sagst du immer“, schüttelte Icy den Kopf und kämpfte nun sichtlich darum, nicht zu weinen.
„Hast du Tritanus gar nicht mitgebracht?“, versuchte Valtor sie abzulenken und schaffte es tatsächlich  mit einigem Ächzen, sich etwas aufzurichten.
Kopfschüttelnd wischte Icy sich die Tränen aus den Augen.
„Warum das denn? Ihm würde es bestimmt gefallen, mich so wehrlos ihr rumliegen zu sehen. Das wäre die Gelegenheit sich für meine ganzen Spitznamen  zu revanchieren“, brachte er Icy schlussendlich doch leise zum Lachen.
„Du bist so ein Idiot! Kannst du dir überhaupt vorstellen, was ich mir für Sorgen gemacht habe?!“
Betreten blickte Valtor zur Seite. „Ich kann es mir vorstellen“, meinte er dann leise. Seine Augen ruhten wieder auf Bloom, die trotz des ganzen Geredes nicht aufwachte.
„Geht es ihr gut?“, fragte er leise. Nun war es ihr Assistent, der das Wort ergriff.
„Es geht ihr den Umständen entsprechend. Eigentlich sollte sie noch im Bett liegen und schlafen. Die Beruhigungsmittel sind noch nicht ganz abgebaut. Deswegen wird sie wohl auch noch eine Weile schlafen“, meinte dieser leise, trat ebenfalls etwas näher.
Verwirrt runzelte Valtor die Stirn. „Beruhigungsmittel?“
Es war Icy, die nickte.
„Ja, Bloom hat sich fürchterlich aufgeregt, als du angefahren wurdest. Sie wollte dir nicht mehr von der Seite weichen, sich nicht behandeln lassen. Deswegen haben die Ärzte sie erstmal ruhig gestellt. Zwar hat sie nur Schürfwunden und ein paar blaue Flecke, aber eigentlich gehört sie noch ins Bett.“
Valtor musterte den zusammengesunkenen Rotschopf neben sich. Was machte sie dann hier?
„Sie hat sich selbst entlassen, kaum, dass sie wach war“, erklärte ihr Assistent. Fassungslos hob Valtor den Blick.
„Sie hat was?!“
Seufzend bestätigte Icy die Worte des Assistenten.
„Bloom war sehr aufgebracht. Wir sind zwar eben erst gekommen, doch da hat sie auch schon hier geschlafen. Die Schwester hat gesagt, dass sie sich weigert, zu gehen. Sie lässt nicht mal deine Hand los“, schmunzelte die Silberhaarige leicht.
„Das habe ich bemerkt“, lächelte Valtor leicht. Sie wich ihm also nicht von der Seite? Das warme Gefühl in ihm wurde so stark wie noch nie. Unendliche Wärme erfüllte jede Faser seines Körpers. Es ging ihr gut, sie war in Sicherheit. Und sie sorgte sich um ihn. Vielleicht waren seine Gefühle nicht so hoffnungslos, wie er glaubte.
„Was ist passiert?“, durchbrach Icy irgendwann die Stille. Sie und Blooms Assistent hatten sich Stühle geschnappt und sich dem Bett gegenüber hingesetzt. Seufzend lehnte Valtor sich tiefer in die Kissen.
„Darkar. Er hat Bloom gestalkt. Gestern … es war doch gestern? Auf jeden Fall hat er erneut angerufen. Das schien keine Seltenheit gewesen zu sein“, begann er und wurde von dem Assistenten unterbrochen.
„Bei weitem nicht. Der Kerl hat täglich mindestens zehnmal angerufen. Und immer hatte er irgendwelche komischen Fragen, die überhaupt keinen Sinn ergaben, oder die man schon dutzende Male erklärt hatte.“
Valtor nickte. Dabei schoss ein feiner Schmerz durch seinen Brustkorb.
„Ja … aber dieses Mal hat er sie direkt auf dem Handy angerufen. Es war ihre private Nummer. Ich habe nicht alles mitbekommen, aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sie aussah. Er hat sie bedrängt, sie zu einem Treffen genötigt. Er wusste, wo sie war, mit wem sie zusammen war und was sie tat. Der Kerl wusste alles.“ Kurz verlor Valtor sich in diesen Erinnerungen. Zu diesem Zeitpunkt hätte ihm schon klar sein müssen, dass es ernster war, als sie dachten. Er hätte mehr auf der Hut sein müssen.
„Ich habe gestern noch meinen Anwalt kontaktiert, damit er den Kerl mal durchleuchtet.“
Icy nickte, holte eine Akte aus der Tasche. „Ich weiß, heute Morgen kamen diese Unterlagen. Ich habe mich sofort mit Kiko auf den Weg gemacht. Tecna hatte ihn informiert, dass sie sich in deinem Auftrag das Telefonbuch ansehen wollte. Wir haben beide entschlossen zu euch zu kommen.“
Valtor nickte. Deswegen waren sie so schnell hier gewesen.
„Ich habe mir die Akte angesehen … Darkar ist ein Psycho. Er war besessen von Bloom. Dein Anwalt hat ein paar Informationen über ihn eingeholt und einen Detektiv arrangiert. In kürzester Zeit haben sie herausgefunden, dass er auf jeder Veranstaltung war, die Bloom besuchte. Er war immer da, hat sie beobachtete. Auch auf der Spendengala vor ein paar Wochen … er war da, Valtor.“
Der bedeutungsschwere Blick Icys sagte mehr, als tausend Worte.
„Er hat mir den Vieren der Black-Cirlce-Organisation gesprochen, oder?“
Icy nickte nur schwach.
„Oh ja. Die Polizei hat ihn sofort ausfindig gemacht. Er hat versucht mit seinem demolierten Wagen zu fliehen, kam aber nicht weit. Eins muss ich ihm lassen, dumm ist er nicht. Er hat sofort einen Deal vorgeschlagen. Er sagt der Polizei alles, was er über die Black-Circle-Orgainsiation weiß und dafür bekommt er Strafmilderung.“
Verächtlich schnaubte Valtor auf, bereute es aber sofort, als er vor Schmerzen keine Luft mehr bekam.
„Soll ich die Schwester holen?“, sprang Icy sofort erschrocken aus. Keuchend schüttelte Valtor den Kopf.
„Es geht schon, lass nur“, sagte er leise, schaute zu der noch immer schlafenden Bloom. Icy verstand sofort und setzte sich mit einem leisen Lächeln wieder hin.
„Was bedeutet Strafmilderung in seinem Fall?“
Nun war es Kiko, der verächtlich schnaubte.
„Nicht viel. Der Kerl wird des Stalkings, des versuchten Mordes mit Fahrerflucht angeklagt. Und dazu kommt jetzt noch der Drogendeal mit dem „schwarzen Kreis““, malte Kiko Gänsefüßchen in die Luft.
„Da kommt er nicht mehr heil raus. Auch diese vier Ganoven werden ihr Fett wegbekommen. Mittlerweile haben sich viele Menschen gemeldet, die ebenfalls von ihren Drogendeals in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Wenn wir Glück haben, sehen wir die fünf für den Rest ihres Lebens nur noch im Streifenprint.“
Ja, wenn sie Glück hatten … Valtor würde auf jeden Fall alles dafür tun, dass es so kommen würde. Und, dass Bloom eine gewaltige Abfindung, beziehungsweise Schmerzensgeld bekam. Alles Geld der Welt wäre nicht genug für das, was ihr dieser Kerl angetan hatte. Doch Valtor würde dafür sorgen, dass es angemessen wäre.
„Aber warum wollte er sie töten?“, fragte Valtor voller Unverständnis nach. Immerhin wäre so Darkars „Opfer“ für immer verschwunden. Das ergab doch keinen Sinn.
„Anscheinend hat er mitbekommen, oder viel mehr geglaubt, dass sie und du … eine Beziehung habt. Und, dass sie sich deswegen so sträubte, sich mit ihm einzulassen, oder auch nur auf seine abartigen Angebote einzugehen. Es war eine Kurzschlussreaktion, nehme ich an“, zuckte Icy die Schultern.
Natürlich. Das Telefonat, in dem Valtor dazwischen geplappert hatte. Vor Schreck weiteten sich seine Augen und das Piepen der Maschine neben ihm hielt kurz inne.
Es war seine Schuld. ER war an all dem hier schuld. Weil er sich eingemischt hatte, weil er versucht hatte sie zu beschützen.
„Es ist meine Schuld“, murmelte er leise, wiederholte die Worte lauter, als Icy und Kiko ihn verständnislos ansahen.
„Ich habe dazwischengerufen, als er sie gestern anrief. Ich habe gesehen, wie schlecht es ihr durch dieses Telefonat ging und wollte es so unterbrechen … deswegen dachte er, wir wären zusammen, deswegen ist er so ausgerastet … weil ich ihn dazu gebracht habe ...“
Icy und Kiko erwiderten seinen Blick. Es war schließlich der Assistent, der sich zuerst aus der Starre löste.
„So würde ich das nicht sehen. Darkar war krank. Seine Anrufe wurden immer aufdringlicher, sein Verhalten immer aggressiver. Es wäre so oder so etwas geschehen. Schon allein, weil er euch nachgereist ist. Hier, in England, wäre etwas geschehen. Wir können froh sein, dass es „nur“ ein Unfall war, der für alle Seiten mehr oder weniger glimpflich ausgegangen ist. Immerhin gibt es keine Tote … Hätten wir ihn aber einfach weitermachen lassen … vielleicht wäre Bloom morgen nicht mehr in ihrem Zimmer gewesen.“
Valtors Augen weiteten sich erneut.
Vielleicht hätte Darakr sie entführt. Vielleicht war er in der Nacht sogar schon in ihrem Zimmer gewesen und nur von der Tatsache, dass sie bei Valtor auf dem Sofa eingeschlafen war, von seinem schrecklichen Plan abgehalten worden. Fassungslos wollte Valtor sich über das Gesicht fahren, wurde abermals von Blooms warmer Hand gestoppt.
Das durfte doch alles nicht wahr sein! Wie konnte man nur so ein krankes Schwein sein?!
Schweigen herrschte im Raum, bis es Bloom war, die unerwartet die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie gab kleine Laute von sich, die stark nach einem Albtraum klangen.
„Hey“, murmelte Valtor sanft, drückte ihre Hand beruhigend. Kurz erwiderte sie den Druck, dann seufzte sie schwer und schien weiterzuschlafen.
„Also das war süß“, kommentierte ihr Assistent mit einem aufrichtigen Lächeln. Auch Icy konnte dem nur zustimmen.
„Sag es ihr“, riet sie ihm und erhob sich auf einmal. Verwirrt blickte Valtor zu ihr.
„Was soll ich ihr sagen?“
Seufzend scheuchte sie auch Kiko aus seinem Stuhl, stellte beide Sitzgelegenheiten wieder dort hin, wo sie hingehörten und näherte sich der Tür.
„Na, dass du sie liebst“, zwinkerte die Silberhaarige frech. Bevor Valtor auch nur irgendwie auf diese Aufforderung reagieren konnte, reagiere schon Kiko an seiner Stelle.
„WAS?! Echt?!“, schaute er zwischen ihm und seiner schlafenden Chefin hin und her.
„Oh, das will ich sehen!“, freute er sich dann sichtlich, was Valtor zu einem herzlichen Lachen brachte, dass ihm die Rippen gleich noch mal zu brechen schien.
„Nein, das willst du nicht, raus hier!“, scheuchte Icy den Assistenten zur Tür.
„Aber warum denn nicht?! Nur, weil du in deiner Ehe keinen Spaß mehr hast, kannst du ihn doch wenigstens den anderen gönnen!“, nörgelte der Mann, ließ sich aber aus dem Raum schieben.
„ICH habe in meiner Ehe sehr viel Spaß, vielen Dank auch!“, hörte Valtor Icy leise grollen, bevor die Tür hinter den beiden zuschlug. Kopfschüttelnd lag er in seinem Bett und starrte an die Decke. Konnte der Tag noch verrückter werden?
Seine Augen wanderten zu Bloom. Noch immer schlief sie friedlich neben ihm. Das Herz ging ihm auf, bei diesem Anblick. Vielleicht … hatte Icy ja recht. Wenn nicht jetzt, wann dann? Noch einmal würde er sich ganz sicher nicht anfahren lassen, damit es zu einer weiteren Gelegenheit kommen würde.



Bloom wachte auf, als sie eine sachte Berührung an ihrer Hand fühlte. Es war ein sanftes Streichen über ihren Handrücken. Murrend rührte sie sich kurz, blieb dann aber liegen. Sie war so müde. Ein erneutes Streichen, ließ sie sich mehr bewegen. Erst jetzt wurde ihr die Position bewusst, in der sie sich befand. Scheinbar schlief sie vorne über gebeugt auf etwas Weichem. Was … wie konnte das denn sein?
Schlagartig kamen die Erinnerungen zurück und sie schreckte auf. Tatsächlich. Es war kein Traum gewesen. Sie befand sich tatsächlich im Krankenhaus. Und Valtor, Valtor war tatsächlich … ihre Augen wanderten seine Gestalt empor, weiteten sich vor Schreck, als sie seinem blauen Blick begegnete. Sofort war sie auf den Beinen, hatte seine Hand losgelassen und sie vor dem Gesicht zusammengeschlagen. Er war wach. Und ihm ging es gut.
Er war am Leben!
Tränen sammelten sich in ihren Augen, liefen über, bevor sie es verhindern konnte. Hektisch wollte sie sich abwenden, ihre Tränen verbergen. Doch das ließ er nicht zu. Schnell griff seine Hand nach ihrer, hielt sie wieder fest. Dabei entwich ihm ein schmerzerfülltes Ächzen.
„Nein, bleib bei mir“, wisperte er leise. Seine Stimme klang so rau, so … kaputt. Die Tränen flossen immer weiter.
„Hast du gedacht, ich sterbe und du wirst mich endlich los, oder warum weinst du, wenn du mich wach siehst?“, scherzte er mit gebrochener Stimme. Fassungslos starrte sie ihn an und weinte nur noch mehr. So sah er sie also? Dass sie ihm nur das Schlechteste wünschte?
Warum sollte er sie auch anders sehen? Sie hatte sich ihm ja nie anders gegenüber verhalten. Ein unfassbarer Schmerz erschien in ihrer Brust, dass Bloom gar nicht wusste, wohin damit. Mit Leichtigkeit konnte sie seinem losen Griff entkommen. Er war so kraftlos, dass er sie nicht mal festhalten konnte … mit schnellen Schritten war sie bei der Tür.
Sie hielt das nicht aus. Sie hielt das einfach nicht aus! Wie konnte sie nur so … so dumm sein?! Er HASSTE sie. Weil er dachte, dass sie es noch tat.
„Halt, nein! Warte, ich … argh!“
Schockiert drehte Bloom sich um, als sie ihn stöhnen hörte. Halb hinge er aus dem Bett, halb war er im Inbegriff, zu fallen. Anscheinend hatte er sie aufhalten wollen, war dabei aber von seinen gebrochenen Rippen und Schlüsselbein aufgehalten worden.
Sofort war Bloom wieder bei ihm, half ihm behutsam, sich wieder in die Kissen zurückzulegen. Überraschend fest legte sich seine gesunde Hand um ihren Arm, zogen sie zu sich.
Bloom war so überrascht, dass sie aus ihrer über ihn gebeugte Haltung gerissen wurde und fast auf ihm landete. Gerade so konnte sie sich noch auf der Matratze abstützen. Dennoch waren ihre Gesichter sich nun ganz nah. Ihr langes Haar verbarg ihrer beider Gesichter vor der Welt, schaffte einen kleinen Raum nur für sie zwei. Eine letzte Träne zitterte an ihrer Wimper, fiel schlussendlich und zerplatzte auf seiner Wange, rollte daran hinab.
„Das war ein grausamer Scherz. Es tut mir leid“, wisperte er leise. Noch immer klang seine Stimme so rau, dass es ihr das Herz brach. Neue Tränen sammelten sich in ihren Augen.
„Ich dachte, du wärst tot ...“, flüsterte sie zittrig.
Seine freie Hand löste sich von ihrem Arm, wanderte langsam durch ihr Haar zu ihrem Gesicht, strich ihr behutsam die Tränen von den Wangen.
„Ich weiß“, sagte er nur leise. „Aber das bin ich nicht. Ich lebe.“
Bloom nickte, konnte dem Drang, sich der Berührung entgegenzustrecken nicht verwehren. Leise lächelte er.
„Und wie es scheint, bin ich auch verlobt.“
Kurz setzte Blooms Herz einen Schlag aus, dann wollte sie sich ruckartig von ihm lösen. Doch abermals ließ er dies nicht  zu, hielt sie sanft fest. Bloom wagte nicht, sich zu wehren aus Angst, sie würde ihm neue Schmerzen zufügen.
„Ich … sie hätte mir doch nichts gesagt … ich gehöre nicht zur Familie, aber … ich habe mir solche Sogen gemacht … ich … ich“.
Kopfschüttelnd strich er ihr über die Wange.
„Alles gut“, versicherte Valtor dann mit einem Schmunzeln.
Bloom war sich bewusst, dass sie noch immer über ihn gebeugt dastand, die Unterarme auf der Matratze abgestützt, die Haare um ihrer beider Gesichter ausgebreitet. Sie waren sich so nah, dass … sie ihn hätte küssen können. Reflexartig senkte sich ihr Blick auf seine Lippen. Was diese sofort dazu brachte, sich belustigt zu verziehen.
„Warum bist du hier, Bloom? Du bist verletzt, hast dich dennoch selbst entlassen … wenn ich könnte, würde ich aus diesem verfluchten Bett aufstehen, dich über die Schulter werfen und an das nächste Bett binden, das ich finde. Warum bist du immer so unvernünftig?“, seufzte er leise.
Bloom wandte verlegen den Blick ab.
„Du musst besser auf dich achten, ich mache  mir Sorgen“, murmelte er leise. Bloom merkte, dass er ihren Blick suchte, schaffte es aber nicht, ihn anzusehen.
„Ich mache mir auch Sorgen“, sagte sie irgendwann leise. Die Gefühle in ihrer Brust waren ein totales
Durcheinander. „Wie konntest du  mich zur Seite stoßen und dich in aller Seelenruhe überfahren lassen?! Hast du mal daran gedacht, wie ich mich dabei gefühlt habe?! Du hattest mehr Glück, als Verstand, verdammt. Wie hätte ich das denn überstehen sollen, wenn du gestorben wärst? Meinetwegen?!“
Neue Tränen sammelten sich in ihren Augen. Dieses Mal erlaubte sie ihm nicht, diese wegzuwischen.
„Ich meine es ernst! Wüsste ich nicht, wie viele Knochen du dir dabei gebrochen hast, würde ich dich quer durch das Krankenhaus jagen, um endlich mal etwas Verstand in diese Hohlfrucht zu prügeln, die du Kopf nennst!“
Lachend zuckte er unter ihr zusammen. Zwar fühlte sie sich schuldig, da ihr dummer Spruch ihn zum Lachen brachte, was seine Rippen wieder schmerzen ließ, andererseits musste aber auch sie allein bei der Vorstellung selbst lachen.
Schnell wurden sie wieder ernst.
„Und wie hätte ich weiterleben sollen, wenn ich einfach tatenlos dabei zugeschaut hätte, wie du überfahren wirst?“, fragte er leise. Bloom wusste keine Antwort. In ihrem Kopf war auf einmal eine vollkommene Leere.
Er war am Leben und es ging ihm gut. Er war noch bei ihr.
Noch immer lag seine Hand an ihrer Wange. Bloom wollte sich zurückziehen. Die Nähe wurde ihr wieder schmerzlich bewusst, ihr Herz wollte vor lauter Wärme und flatternden Gefühlen schier zerspringen. Zumal ihr Rücken die gebeugte Haltung langsam aber sicher zu boykottieren begann. Weit kam sie allerdings nicht. Gerade mal ein paar Zentimeter hatte sie sich entfernt, den Blick beschämt abgewandt. Als die Hand an ihrer Wange nicht hinabsank, sondern stattdessen zu ihrem Hinterkopf wanderte und sie sanft, aber bestimmt nach unten zog. Erschrocken ließ Bloom es einfach geschehen. Nun lag sie halb auf ihm, den Kopf an seiner Schulter, die Nasenspitze stieß an seinen Hals.
„Bleib bei mir“, wisperte er leise. Bloom ächzte kurz, als sie mit dem Fuß nach dem Stuhl angelte, um sich zu setzten und so ihren armen Rücken etwas zu entlasten. Als Valtor dies mitbekam, ließ er sie kurz los, zog sie dann aber sofort wieder an sich. Verwirrt und mit brennendem Gesicht, welches er zum Glück nicht sehen konnte, lag Bloom einfach da. Sie spürte jedes Heben und Senken seiner Brust, bekam undeutlich das sachte Pochen seines Herzens mit. Zuerst war sie aufgewühlt, dann besorgt, immerhin hatte er sich die Rippen und das Schlüsselbein gebrochen. Doch seine Hand lag noch immer auf ihrem Hinterkopf. Als sie etwas am Haar berührte, schielte Bloom nach oben. Er hatte die Augen geschlossen und das Kinn auf ihren Scheitel gelegt.
Ihr Herz machte einen Satz.
„Warum?“, fragte sie leise, vergrub die Nase an seinem Hals, als er Anstalten machte, fragend zu ihr hinabzusehen.
„Warum soll ich bleiben?“, fragte sie kaum hörbar. Ein Gedanke hatte sich in ihren Kopf geschlichen, welcher ihr Herz zum Rasen brachte und sie ganz unsicher wurde.
Lange schwieg er. Entsetzlich lange. Bloom hielt es kaum aus. Dabei strich seine Hand auf ihrem Hinterkopf immer wieder durch ihr Haar. Sie blieben einfach in dieser Stelle liegen, bis er bereit war, ihr zu antworten.
„Weil ich dich brauche“, murmelte er irgendwann leise. Als Bloom fragend den Kopf hob, ihm fest in die blauen Augen schaute, lächelte er. Es war ein gleichzeitig trauriges, wie unsicheres Lächeln.
„Weil ich dich liebe.“
Diese einfachen Worte lösten so viel in ihr aus. Ihr Herz  machte einen Satz, während ihr Magen ins Bodenlose sackte. Bloom wurde gleichzeitig heiß und kalt, ihre Gedanken spielten verrückt. Nun war sie es, die lange schwieg. Solange sogar, dass er unsicher den Blick abwandte, sich auf die Lippe biss und anscheinend bereute, dass er diese Worte ausgesprochen hatte.
Als Bloom wieder zu einer Reaktion fähig war, war es eine ganz simple. Sie beugte sich weiter vor, begegnete seinem überraschten Blick.
Bevor sie ihre Lippen auf seine legte. Zuerst ganz leicht, vorsichtig. Sie wollte ihm nicht erneut wehtun. Doch als seine Hand, die noch immer in ihrem Haar steckte, fester zugriff, gewährte Bloom sich, auch den Kuss zu intensivieren. Es war schließlich er, der in abbrechen musste. Schwer atmend verblieben sie Nase an Nase.
„Also, wenn ich das gewusst hätte“, setzte Valtor schmunzelnd an. Seine Augen strahlten mit tausend Sternen. „Dann hätte ich es dir schon viel früher gesagt“, murmelte er, bevor er ihren Kopf ein weiteres Mal zu sich herabzog, um sie erneut zu küssen.



***
Ein Happy End! Man will es ja nicht glauben, dass ich dazu auf dieser Plattform noch mal fähig bin. ^^ Am Sonntag gibt es noch den Epilog, dann ist diese FF offiziell vorbei. :‘(

Über Feedback würde ich mich wie immer sehr freuen.

LG
Rubi
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast