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Die Flamme des Drachen

von Rubi
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18
Bloom Valtor
09.10.2019
26.07.2020
27
75.799
13
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Dieses Kapitel
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13.07.2020 3.335
 
Mit flatterndem Herzen stand Bloom neben der Landebahn. Draconis stand schweigend neben ihr. Gemeinsam warteten sie auf seinen Piloten, bis er den Privatjet richtig ausgerichtet hatte.
Mr. Hagen war mit dem neuen Konzept ihrer fusionierten Ideen mehr als zufrieden und hatte zu einer Besichtigung des Geländes eingeladen. Natürlich hatten Bloom und Draconis dieses Angebot angenommen. Reisen würden sie mit Draconis Jet.
„Da er ihn nun mal hatte“, hatte er einfach die Schultern gezuckt. Und dieses Mal war es Bloom nicht arrogant, sondern einfach als eine Tatsache erschienen. Er hatte nicht prahlen wollen, sondern einfach nur gesagt, was wahr war. Er hatte nun mal einen Privatjet. Warum sollten sie ihn dann nicht nutzen?
Dieser Erkenntnis hatte Bloom mehr als nervös gemacht und ließ ihr Herz auch jetzt unkontrolliert zittern. Wann hatte sie begonnen ihn mit anderen Augen zu sehen? Und warum wurde sie so verflucht nervös, wenn sie bei ihm war?
Seit dem Abend, an dem sie diese verhängnisvollen Gedanken hatte, hatte sie sich nicht mehr entspannen können, wenn er im selben Raum war. Zumindest nicht anfänglich. Irgendwann zog sie seine ruhige Stimme aber in ihren Bann und Bloom schaltete ab, genoss die Zeit.
Mit ihm.
Ein aufgeregter Satz ging durch ihren Magen, als sie dies dachte. Innerlich verfluchte sie sich selbst. Woher kamen auf einmal diese Gefühle?! Reichte es für ihre Libido etwa schon aus, dass er sich um sie gekümmert hatte und seine arrogante Schale ablegte? War sie wirklich so … leichtgläubig? Oder lag es daran, dass er es ganz selbstverständlich, ohne auf sie herabzusehen, oder ihr das Gefühl zu geben, verhätschelt zu werden, getan hatte? Wie konnte man sich um jemand Fremdes so selbstverständlich kümmern, als wäre es das Normalste von der Welt?! Ihr Blick huschte über den Jet. Sie waren so verschieden, wie zwei kleine Welten …
„Ich denke, wir können“, riss Draconis Stimme sie aus ihren Gedanken. Blinzelnd schaute sie zu ihm und er nickte mit dem Kinn zu der ausgeklappten Treppe und der offenen Tür. Gentleman, wie er war, ließ er sie vorgehen. Staunend betrat Bloom diese kleine Welt. Der Flieger war innen dunkel gehalten und mit hellen und modernen Möbeln bestückt. Zwei Sessel standen sich gegenüber, ein geräumiger Tisch dazwischen. Auf der anderen Seite dieser Sitzecke befand sich ein keines Sofa, auf dem eine Decke und Kissen lagen, eine Minibar und ein großer Fernseher. Bloom konnte sich richtig vorstellen, wie Draconis auf dem Sofa saß, einen Scotsch in der Hand und die Nachrichten anschaute.
„Schick“, sah Bloom sich genötigt irgendwie darauf zu reagieren, als er ihr in den Jet folgte. Seine Antwort bestand aus einem nichtssagenden Brummen. Es konnte Zustimmung und Ablehnung in einem sein. Ihr Blick huschte zu ihm. Konnte es sein, dass es ihm unangenehm war, wenn jemand über seinen Reichtum redete? Zwar tat er immer so selbstverständlich, aber … auch damals, als sie sein Büro gelobt hatte, hatte er nur gemein „Es ist ausreichend.“ War dies seine unbeholfene Art das Thema zu wechseln?
Das flatternde Gefühl in Blooms Brust kehrte wieder. Schnell setzte sie sich in einen der Sessel und versuchte seinem Blick aus dem Weg zu gehen. Aus irgendeinen Grund hatte Bloom das Gefühl, dass seine Augen ständig auf ihr zu liegen schienen. Und das seit dem Abend, an dem er eingeschlafen war und sie ihm die Decke umlegte. War das zu viel gewesen? Aber der Raum war groß und die Luft kühlte schnell aus. Besonders, wenn man sich nicht bewegte. Zumal sie auch mal etwas für ihn hatte tun wollen. Immerhin hatte Draconis sich mehr als einmal um sie gekümmert. Und Bloom hatte nur mit einem simplen Dank antworten können.
Es schien ihr als Antwort einfach nicht fair.
Zumal sie ihn nicht einfach so da hatte sitzen lassen können. Irgendetwas in ihr hatte sich strickt dagegen gesträubt. Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als das Flugzeug auf einmal startete. Dabei begegnete sie seinem schmunzelnden Blick.
„Flugangst?“, fragte er leise, während er sich die Krawatte aus dem Kragen zog. Kopfschüttelnd verneinte sie und war auf einmal sehr von seinen Händen abgelenkt, die nun auch noch begannen, die obersten Knöpfe des schwarzen Hemdes zu öffnen.
„Der Flug wird ziemlich lange dauern. Vielleicht sollten wir das Konzept noch mal kurz durchsprechen“, ging er nicht weiter darauf ein. Bei seiner Wortwahl stahl sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Hatte da jemand Angst etwas vergessen zu haben? Das wollte so gar nicht zu ihm passen.
„Sicher“, nickte sie dennoch und holte ihren PC hervor. Gemeinsam gingen sie noch einmal alles durch. Mr. Hagen hatte sie beauftragt ein Sicherheitssystem für einen gigantischen Schulkomplex zu erstellen. Auf diese Schule würden unglaublich reiche Schüler gehen und die brillantesten Köpfe dieser Zeit würden dort lehren und lernen. Zumal die geplante Bibliothek einige der wertvollsten Schriften der Erde aufbewahren würde, die aus Mr. Hagens Privatsammlung stammten.
Es war ein Mammutprojekt, welches sie gemeinsam in Rekordzeit gestemmt hatten. Immerhin mussten mehrere Hektar Grundstück und dutzende Gebäude gesichert werden. Da war es nicht nur mit Kameras und Bewegungsmeldern am Eingang getan.
„Ich denke, wir haben alles“, meinte Bloom nach einer Stunde und klappte ihren PC zu. Nickend stimmte Draconis ihr zu und schaltete sein Gerät ebenfalls aus. Sie verfielen in Schweigen.
Es war nicht unangenehm, dennoch wünschte Bloom sich eine Ablenkung herbei. Es war auf einmal beklemmend nichts weiter, als das Rascheln der Kleidung oder das Rattern der Motoren zu hören. Nach einer Weile beschloss sie einfach aus dem Fenster zu schauen. Dort sah man die Wolken dahinsegeln. Bald wurde das aber auch ehre langweilig. Der Flug würde noch eine ganze Weile dauern … würde ihnen kein Gesprächsthema einfallen, wäre er gefühlt noch länger.
„Also … Sie lesen Jane Eyre?“, fragte sie das erste, was ihr einfiel. Dieses Buch hatte sie zumindest in seinem Regal gesehen, als sie es begutachtet hatte, als er den Drucker auf ihrem PC installierte. Diese Begebenheit schien ihr schon Jahre zurückzuliegen.
Bei ihrer Frage schaute er überrascht zu ihr und verzog dann das Gesicht.
„Warum darf man als Mann dieses Buch nicht lesen?“, fragte er dann leise, mit einem Schmunzeln in der Stimme.
„Verboten ist es nicht, aber eher … untypisch“, erwiderte Bloom das Lächeln. Mal wieder fielen ihr die kleinen Lachfältchen um seine Augen auf. Sie ließen ihn charmanter und weltgewandter wirken. Ihr Magen machte einen Satz und schnell senkte Bloom wieder den Blick.
„Was ich mir wahrlich nicht erklären kann. Zugegeben, ist das Werk eher auf die Perspektive der Frau ausgelegt, doch das heißt noch lange nicht, dass nur diese es lesen sollte.“
Und so entstand ein kleines Fachsimpeln über Bücher, die sie kannten oder von denen sie sich erzählten. Tatsächlich schienen sie einen sehr ähnlichen Literaturgeschmack zu haben. Eigentlich einmal quer durch alle Genre. Fasziniert war sie nur, als sie den zweiten Teil ihres Lieblingsthrillers in seinem Regal hatte stehen sehen. Es gab nichts Besseres, als einen guten, düsteren Thriller am Abend. Draconis war ihr nie wie jemand erschienen, der sich für solche Literatur oder gar Fantasiebücher interessieren würde. Und doch war ihr die Reihe von dem berühmten Geralt von Riva sofort ins Auge gestochen. Ihre Gedanken driftete ab. Seine ruhige und gleichmäßige Stimme lullte sie langsam, aber sich ein. Erst ein leichtes Ruckeln ließ sie erschrocken auffahren, aus ihrem unbemerkten Schlummer erwachen. Und plötzlich waren seine Augen ihren ganz nahe. Draconis war unbemerkt zu ihr getreten und hatte sich über sie gebeugt. Fasziniert blickte Bloom in diese hellen Tiefen, bis sie merkte, wie ihre Wangen anfingen zu brennen und das Stolpern ihres Herzens besorgniserregend wurde. Als sie den Blick senkte, erkannte sie, was er vorhatte. Er wollte sie zudecken. Ein Schmunzeln stahl sich auf ihre Lippen, verrutschte aber, als sie sah und merkte, dass sie beim Aufwachen nach seinem Arm gegriffen hatte, um sich der Turbulenzen wegen, irgendwo festzuhalten. Schnell zog Bloom die Hand fort, das Prickeln auf ihren Wagen wurde stärker.  Auf einmal konnte sie ihm nicht mehr in die Augen sehen und sie nahm seine Nähe intensiver wahr.
Just in diesem Augenblick richtete er sich auf und schmunzelte.
„So charmant hat mir noch niemand gesagt, dass ich langweile“, schüttelte er belustigt den Kopf. Verwirrt runzelte Bloom die Stirn. Nun brannte ihr gesamtes Gesicht. Sie war mitten in seiner Ausführung eingeschlafen.
„So war das nicht … ich … ich wollte nicht ...“
Lachend winkte er ab und nahm wieder ihr gegenüber Platz.
„Schon gut. So ein Flug kann schon einschläfernd sein, Sie haben mein vollstes Verständnis.“
Erneut wollte sich Schweigen zwischen ihnen breit machen. Verlegen strich Bloom über die Decke, die er über sie hatte ausbreiten wollen.
„Wird das nun zur gegenseitigen Gewohnheit?“, sprach sie leise, um die Stille zu füllen.
„Es scheint fast so“, lächelte Draconis sanft. Blooms Herz sprang mal wieder wild in ihrer Brust umher.
„Danke, Mr ...“ Nein, der Nachname wollte nicht mehr passen. Auf einmal schien er ihr zu … unpersönlich. Was absoluter Quatsch war. Sie waren hier, um einen Auftrag zu erledigen. Mehr nicht. Nur, weil  Bloom ihre Gefühle nicht im Griff hatte, durfte sie noch lange nicht die gesellschaftlichen Standards untergraben. Da er es bestimmt nicht verstehen würde …
„Valtor, bitte“, ließen seine Worte ihre Scham vergessen und zu ihm aufsehen. Ein unsicherer Ausdruck lag in seinen Augen. Auf einmal war die Luft um sie herum voller Anspannung.
„Danke, … Valtor“, murmelte Bloom leise. Obwohl sie vor nur wenigen Sekunden das Bedürfnis gehabt hatte, ihn beim Namen zu nennen, war es nun ein sonderbares Gefühl, ihn tatsächlich auszusprechen.
„Und … Bloom, dann ...“, konnte sie ihn nicht ansehen.
„Es ist mir eine Ehre“, nahm Dra … Valtor die Anspannung einfach so von ihr. Vorsichtig begegnete sie seinem Blick, der voller Freude zu sein schien. Verwirrt fuhr Bloom damit fort, wieder aus dem Fenster zu sehen. Die Spannung in der Luft beruhigte sich wieder. Nur ihr dummes Herz sprang noch immer wild in ihrer Brust umher.



Es war früher Abend, als sie endlich landeten. Genüsslich streckte Valtor die Beine aus, als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Schweigend holten Fuo … Bloom und er ihr Gepäck, bevor sie sich zu einem Taxistand aufmachten. Tatsächlich fiel es Valtor schwerer, als gedacht, sie beim Vornamen zu nennen. Dabei war es ursprünglich seine Idee gewesen. Während des Fluges war sie noch zweimal eingeschlafen. Schmunzelnd hatte Valtor es zur Kenntnis genommen, aber keinen weiteren Versuch gestartet, sie zuzudecken. Dadurch würde er sie nur erneut wecken. Und sie schien den Schlaf zu brauchen.
Immerhin stand heute Abend noch ein Treffen mit Hagen an.
„Hotel?“, fragte er sie, als sie ein Taxi fanden und sich gesetzt hatten. Seufzend nickte sie nur. Bloom hatte zwar abgestritten, an Flugangst zu leiden, doch das Fliegen schien ihr mehr auszumachen, als ihr vielleicht bewusst war. Manchmal vertrug der Körper die Veränderung der Schwerkraft nicht. So schien es auch bei ihr zu sein.  In einvernehmlicher Stille fuhren sie zum Hotel. Dort checkten sie gemeinsam ein und fuhren zusammen im Aufzug.
Der Tag der Gala kam Valtor wieder in den Sinn. Vor allem, da sich die große Eingangshalle und die Aufzüge sehr glichen. Ein leises Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen. Hätte ihm zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt, dass er einmal in trauter Zweisamkeit mit Bloom reisen würde, hätte er ihm nicht geglaubt. Und doch war es nun genau so. Das Leben war voller Überraschungen.
„Treffen wir uns um halb Acht an der Rezeption? Dann können wir gemeinsam ins Restaurant gehen?“, wandte sich Bloom an ihn. Noch immer war er versucht ihren Nachnamen zu denken. Diese Umstellung war überraschend frustrierend. Dabei bedeutete es ihm viel, dass sie ihm diese Intimität gewährte. Auch diese simple Frage, ob sie gemeinsam zu Hagen gehen wollten, ließ das warme Gefühl wieder in ihm aufsteigen.
„Gerne“, nickte er schlicht und versuchte das Gefühl wieder in Schach zu bringen. Zum Glück schien Bloom müde genug zu sein, dass sie nichts bemerkte. Mit wenigen Worten verabschiedeten sie sich und Valtor stand alsbald allein in seinem Hotelzimmer. Dieses war standartmäßig mit einem kleinen Eingangsbereich, einem großen Wohnzimmer und einem seperatem Schlagzimmer mit Bad ausgestattet. Alles war in hellen Tönen gehalten und wirkte einladend. Aber auch etwas fremd, steril fast. Seufzend räumte er seinen Koffer in das Schlafzimmer und ließ sich dort voll angekleidet auf das Bett fallen. Sein Blick hing an der Decke.
Sie kamen sich näher, das war nicht zu leugnen. Im Flieger hatten sie ein richtiges Gespräch zustande gebracht, sie hatten sich über ihre Interessen und Hobbys ausgetauscht, waren vollkommen freundschaftlich miteinander umgegangen. Wie hätte er ihr nicht das Du anbieten können? Nur machte dieser simple Wandel, so schwer er ihm auch zu fallen schien, einen gewaltigen Unterschied aus. Im Nachhinein bereute er es und verachtete sich sofort dafür. Ja, er wollte dieses warme Gefühl in seiner Brust nicht zulassen, aber … es war unfair sie deswegen von sich zu stoßen. Gerade jetzt, wo sie ihren ungerechtfertigten Hass auf ihn zu überwinden schien.
Seufzend zog Valtor sich ein Kissen über das Gesicht.
Seine Gedanken kreisten wild umher. Bis er ein leises Klopfen hörte. Desorientiert setzte er sich auf, schüttelte den Kopf. Es klopfte erneut. Etwas lauter nun. Wer konnte das sein?
Schlaftrunken tapste er zur Tür. Und sah sich einer besorgt dreinblickenden Bloom gegenüber.
„Ist alles klar? Es ist schon viertel vor acht ...“, meinte diese und musterte ihn erstaunt. Erst jetzt fiel Valtor auf, dass sie sich für das Abendessen mit Hagen fertig gemacht hatte. Sie trug ein schwarzes Kleid, das ihr bis zu den Knien reichte und eng anlag. Dazu einen durchscheinenden Schal, den sie sich um die Schultern geschlungen hatten. Auch dieses Hotel war eines der besten und nobelsten. Es war also nicht verwunderlich, dass Bloom sich so herausgeputzt hatte.
Erst jetzt, wo er sie so sah und die Worte langsam zu ihm durchdrangen, wurde ihm klar, was passiert war. Er war … eingeschlafen. Unbemerkt und viel zu lange. Fluchend starrte er auf seine Uhr. Sie hatten noch zehn Minuten.
„Gib mir fünf Minuten!“, wandte er sich an Bloom, bevor er eilig zurück ins Schlafzimmer eilte. Die Zimmertür hatte er beabsichtigt offen gelassen. Sie sollte im Wohnbereich auf ihn warten, wenn sie wollte. Es erschien ihm unhöflich sie einfach vor der geschlossenen Tür seines Zimmers warten zu lassen.
In Windeseile warf Valtor seinen Koffer auf das Bett, kramte ein frisches Hemd und Hose heraus, schlüpfte schnell in beides, während er sich die Haare kämmte und im Nacken zusammen band. Eigentlich hatte er noch duschen wollen … das konnte er nun vergessen. Im Bad putzte er sich nur schnell über die Zähne, schnappte sich seine Schuhe und das Sakko, hängte sich die Krawatte um den Hals und war nach drei Minuten wieder im Wohnbereich. Dort stand Bloom am Fenster und sah hinaus. Zuerst war sie verwundert, dass er so schnell fertig war, dann grinste sie leicht, als sie seine hektische Gestalt betrachtete, die sich gleichzeitig Sakko und Schuhe anziehen wollte.
„Bin gleich fertig“, grummelte er dabei verärgert über sich selbst. Wie hatte ihm das nur passieren können? Eigentlich war er davon ausgegangen, dass sich Bloom noch mal hinlegen würde und am ehesten Gefahr lief, zu spät zu kommen. Aber doch niemals er!
„Nur die Ruhe“, winkte sie ab und kam auf ihn zu, als er seine Schuhe endlich geschlossen hatte und das Sakko richtete. Gerade war er dabei die Haare darunter hervorzuziehen, als sie ihn erreicht hatte. Überrascht stellte er fest, dass sie ganz nah war. Unsicher verfolgte er mit den Augen, wie sie die Hände hob und … anfing seine Krawatte zu richten. Diese hatte er nur hektisch gebunden und gar nicht weiter darauf geachtet.
„Eingeschlafen?“, fragte sie dabei ganz locker und entspannt, als wäre es das normalste von der Welt, dass sie ihm beim Anziehen half. Valtors Herz setzte bei dieser Geste einen Schlag aus. Nur, um im nächsten Moment doppelt so schnell weiter zu schlagen. Sein Magen machte einen Satz ins Bodenlose und er fühlte genau, wie sich seine Wangen erwärmten.
„Ja, ich glaube … schon“, gestand er leise.
Was sie zum Lachen brachte.
„Du glaubst? Bist du dir etwa nicht sicher?“, scherzte sie, zog die Krawatte fest. Valtor merkte den leichten Druck auf seinem Hals genau und hielt reflexartig den Atem an. Kurz begegneten sich ihre Augen. Auf einmal weiteten sich ihre und sie trat einen schnellen Schritt zurück.
Das warme Gefühl in ihm wurde eiskalt und schmerzte, als sie sich so schnell zurückzog. Anscheinend hatte sie instinktiv gehandelt und gar nicht bemerkt, was sie tat.
„Gehen wir“, wollte er schon aus der Tür treten, als sie ihn zurückhielt.
„Schlüssel? Geldbeutel?“, fragte sie nur schmunzelnd. Fluchend hechtete Valtor noch mal ins Schlafzimmer zurück und marschierte dann eilig zur Tür, hielt sie ihr auf.
„Jetzt aber“, murmelte er dabei gepresst.



Es war schon zu lustig. Wie verpeilt Valtor auf einmal war. Dabei hatte Bloom einen kleinen Schock erlitten, als er die Tür geöffnet hatte. Sie hatte ihn nie anders, als perfekt gesehen. Perfektes Verhalten, perfekte Kleidung, perfekte Haare, perfekte Mimik.
Als er ihr nun aber mit zerzausten Haaren, zerknittertem Hemd und zerknautschtem Gesicht öffnete, hatte sie einen Moment gebraucht, bis sie begriff, was das bedeutete. Das Lachen hatte Bloom sich schmerzlich verkneifen müssen. Vor allem, da er total geschockt war.
Anscheinend hatte er wirklich nicht bemerkt, wie er eingeschlafen war. Sie hatte eine Viertelstunde in der Lobby auf in gewartet. Als der sonst so überpünktliche Mann dann noch immer nicht aufgetaucht war, hatte sie begonnen sich Sorgen zu machen und hatte ihn gesucht.
Tatsächlich hatte sich ein verräterisch warmes Gefühl in sie geschlichen, als sie ihn so zerzaust und alles andere, als perfekt gesehen hatte. Noch während sie am Fenster in seinem Zimmer stand und sich versuchte einzureden, dass dies keine Zuneigung welcher Art auch immer war, war er schon wieder aus dem Schlafzimmer gewuselt und hatte versucht all seine Kleider auf einmal anzuziehen. Instinktiv hatte sie ihm dabei helfen wollen, hatte die schiefe Krawatte gerichtet, ohne dass es ihr bewusst gewesen war. Erst, als sie seinem neugierigen Blick begegnete, war ihr bewusst geworden, was sie tat.
Schnell hatte Bloom sich wieder zurückgezogen und Abstand zwischen sich gebracht. Sowohl körperlich, als auch emotional. War sie noch zu retten? Mit ihm zu arbeiten, ihn beim Vornamen zu nennen, war das eine. Aber in seinen persönlichen Bereich einzudringen, ihn zu berühren … das war etwas ganz, GANZ Anderes. Und doch konnte Bloom es nicht bereuen. Ihr war der Geruch seines Aftershaves leicht in die Nase gestiegen, hatte sich mit seinem aufregenden Eigengeruch verbunden und sie abgelenkt. Bloom hatte gar nicht darüber nachgedacht. Zwar bereute sie es nicht, aber sie schämte sich, so leichtfertig gehandelt zu haben. Zwar schien er nichts dagegen zu haben, doch es war ihr unangenehm. Vor allem, da ihr Herz seit diesem Moment viel zu schnell schlug.
Erleichtert trat sie aus dem Aufzug, als sie die Etage der Lobby erreichten. Hier war mehr Platz, hier stand sie nicht Seite an Seite mit ihm und musste sich über ihre, für ihn bestimmt vollkommen bedeutungslose Tat, den Kopf zerbrechen.
Angespannt schaute Valtor auf die Uhr, Bloom sah, wie er ärgerlich die Brauen zusammenzog.
„Meinetwegen kommen wir wohl zu spät“, meinte er zerknirscht. Lachend winkte Bloom ab.
„Schon gut, lass uns gehen“, übernahm sie die Führung. Es schien ihm wirklich mehr als unangenehm zu sein, dass er eingeschlafen war. Was Bloom irgendwie süß fand. Diese Reaktion machte ihn menschlicher. Weniger perfekt, brachte ihn näher an sie heran.
Bei diesen Gedanken unterbrach Bloom sich selbst kopfschüttelnd. Nein, so durfte sie nicht denken. Er war nur ein Kollege, mehr nicht. Sie würde mit ihm zusammenarbeiten und das wäre es dann. In ein paar Wochen würden sie schon wieder getrennte Wege gehen. Ganz einfach.
Nur das warme Gefühl in ihr wollte diese Einfachheit nicht so recht erkennen.



***
Hallo!
Da bin ich wieder. Habe ja auch lange genug auf mich warten lassen. ^^‘‘
Aber jetzt geht es wieder weiter. Wie gewohnt erscheint hier alle drei Tage ein neues Kapitel. Dabei nähern wir uns dem Ende mit großen Schritten. Noch ungefähr 4 Kapitel und einen Epilog haben wir vor uns. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr den Rest des Weges zusammen mit mir beschreiten würdet. ^^

Über Feedback, Meinungen und Kritik würde ich mich sehr freuen. Ein einfaches Hallo ist natürlich auch gerne gesehen. :)

LG
Rubi
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