Die Geschichte von Rin Ishida

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Izuku Midoriya Katsuki Bakugo OC (Own Charakter) Shoto Todoroki Shouta Aizawa
09.10.2019
11.10.2019
3
6510
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In dieser Geschichte bediene ich mich lediglich der Charakteren und einigen Aspekten der Welt wie sie in der ersten Staffel von "My hero academia" zu sehen ist. Die Charakterdynamik bleibt bestehen und es wird nicht out of character geschrieben, dennoch lasse ich mir die Freiheit eine eigene Geschichte zu erzählen, ungeachtet des Handlungsstrangs des Originals.

~






Ich glaube, was mich immer am besten beschrieben hat, war mein Lachen.
Seit ich denken kann, habe ich für mein Leben gern gelacht.
Damals hatte ich auch noch keinen Grund zu weinen.
Worüber sollte ich auch weinen?

Meine Kindheit war unbeschwert. Obwohl, unbeschwert ist ein wenig zu viel.
Meine Eltern sagten immer, ich hätte ungewöhnlich selten geweint.
Bei der Geburt weinte ich natürlich, und auch bei Verletzungen musste ich einige Male die Tränen zurückhalten.
Doch viel habe ich im Rückblick wirklich nicht geweint, zumindest soweit ich mich erinnern kann.

Es ist schon recht eigenartig, wenn die eigenen Eltern einem so etwas sagen.
Als wäre ein lachendes Kind etwas Abnormales.

In einer Welt voll einzigartiger und realitätsferner Fähigkeiten, sollte man meinen, ein selten weinendes Kind sei kein Phänomen über das es sich zu reden lohnt.

Doch was ist Unbeschwertheit?
Ich glaube schon, dass man meine Kindheit als solche beschreiben könnte.
Zumindest bis zu meinem vierten Lebensjahr.


Ein ganz normaler Tag im Kindergarten.
Mein Vater setzte mich wie immer auf seinem Weg zur Arbeit ab.
Meine Mutter hatte mir ihre selbstgemachten Pfannkuchen zum Frühstück eingepackt.
Die mit Sirup, die immer an den Fingern kleben, wenn du sie mit den Händen isst.
Wenn ich mich so daran zurückerinnere, vermisse ich diese Zeit.
Es war einfach… unbeschwert.

Ich weiß noch genau, wie eifersüchtig der kleine Junge am anderen Ende des Tisches zu mir herübergeschaut hat.
Er war eine Waise, so erklärten es uns die Erzieher des Kindergartens, von einer staatlichen Einrichtung, zur Integration in die gesellschaftlichen Strukturen auf unsere Tagesstätte geschickt.

Doch welches Kind verstand eine solch komplexe Vergangenheit?
Er hatte also keine Familie.
Zu dieser Zeit hatte ich noch kein Verständnis für einen solchen Verlust.
Seinen Namen habe ich vergessen.

„Gib mir das!“ schrie er aufgebracht und griff wütend nach meinen Haaren.
Ich keuchte auf und mein Kopf ruckte bei der Wucht seines Griffes schmerzhaft hinterher.
„Ich will so einen! Gib mir das!“ verlangte er erneut und zog fester an meinen Locken.
Heftig schüttelte ich den Kopf.
Meine Mutter machte mir diese Pfannkuchen nur sehr selten.
Wie sollte sie auch, wenn sie wie mein Vater einer Arbeit nachzugehen hatte?

Damals konnte ich seinen Zorn nicht verstehen.
Eltern waren eine Selbstverständlichkeit für mich.
Hätte er mich gefragt hätte ich ihm einen gegeben…
Doch meine Mutter brachte mir bei, das auch andere höflich zu fragen hatten.
Wie konnte ich also die Lehren meiner Mutter unverteidigt lassen, wo es doch ihre Pfannkuchen waren?
Heute weiß ich von der Banalität der Situation… zwei einfache Kinder die sich um Essen stritten.
Was also war so ungewöhnlich?

Ich begann zu weinen.
Ich weiß noch genau, wie die Wut und die Verzweiflung meinen Körper ergriffen und schließlich in einer kindlichen Geste der Tränen aus mir herausbrachen.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich es noch nicht, doch dieser Moment würde mich Zeit meines Lebens verfolgen… und nie wieder loslassen.

Den Schrei des kleinen Jungen nahm ich nur entfernt wahr, ebenso wie das schockierte Rufen unserer Betreuer.

Vor meinem inneren Auge sah ich zwei erwachsene Menschen, einen Mann und eine Frau.
Beide schrien, laut und schmerzerfüllt. Es erschallte gemeinsam mit dem qualvollen Schrei des Jungen.
Sie waren in einem brennenden Gebäude gefangen und wurden von den lodernden Flammen dessen erfasst.

Als Kind erkannte ich die Ähnlichkeit der beiden Menschen zu dem Jungen noch nicht.
Ich kann noch heute die Schmerzen des Jungen fühlen.
Sie ergriffen meinen gesamten Körper, während ich in die grausame Vergangenheit des armen Jungen gehüllt wurde, wie eine Kerze die allein in einer tiefschwarzen Dunkelheit flackerte.
Seine Schmerzen, seine Gefühle, seine Angst.
All das hielt mich gefangen wie ein Kerker, ohne Hoffnung auf Entkommen.

„Rin!“ hörte ich eine Betreuerin schreien, doch ich konnte nicht reagieren.
Ich war wie gelähmt.
„Rin, hör auf!“
Mein ganzer Leib zitterte, mein Atem stockte und meine Augen tränten doch ich konnte nicht wegsehen.
Es war wie ein Zwang, als würde eine Hand meinen Kopf gewaltsam festhalten, und mich meine Lider nicht schließen lassen.

Wie in einem flackernden Licht konnte ich die Umrisse des Jungen vor mir unscharf erkennen.
Er lag vor mir, weinend und schreiend, während auch er den Blick nicht abwenden konnte.

Ich hatte angst.
Mein kindliches Verständnis konnte diese Situation nicht ergreifen, ich verstand nicht was dort geschah.

Plötzlich traf mich ein harter Schlag und ich fiel keuchend zu Boden.
Meine Sicht war wieder klar, bis auf die Tränen die meine Augen weiter trübten.
Ich zitterte noch immer, meinen Kopf langsam und ängstlich hebend.
Vor mir stand eine unserer Erzieherinnen, die Augen in Schock geweitet und ihre Hand zum erneuten Schlag ausgeholt.

Auch sie zitterte.

Meine Augen wanderten hinab zu dem Jungen vor dem sie beschützend stand.
Ich sah zu wie sein kleiner Leib sich mit seinem Atem ruckartig auf und ab bewegte.
Seine schreckensgeweiteten Augen spiegelten das Leid und die Qual wieder, die er soeben erfuhr.

Auch wenn ich es zu dieser Zeit noch nicht vollends verstand, so kann ich mich noch an das Gefühl der Schuld erinnern.
Ich denke, dass ich bereits damals eine Ahnung hatte, was dieses Ereignis auslöste.

Dabei hab ich immer so gern gelacht…

Der Junge wurde ins Krankenhaus gebracht, und man rief meine Eltern an, ebenso wie die Polizei.
Vorsatz wurde mir nicht vorgeworfen… immerhin war ich gerade mal vier Jahre alt.
Doch meine Eltern bürgten für mich, sie waren sich sicher dass die Ärzte mehr über meinen Zustand berichten könnten.

Und das konnten sie auch.
Wie alle Fähigkeiten in unserer Gesellschaft haben sich meine im Alter zwischen vier und sechs Jahren entwickelt.

Meinen Eltern wurde erklärt, dass meine Fähigkeit sich auf psychologischer und illusionärer Ebene manifestierten und, bei einem Moment einer emotionalen Instabilität, den Gegenüber mit seinen größten Ängsten und schlimmsten Erinnerungen konfrontierten, die dem Anwender dieser Fähigkeit ebenfalls dargestellt werden.

Kurz: Ich konnte die Menschen Albträume sehen lassen.
Und nicht nur das, ich konnte es sie fühlen lassen.

Keine angenehme Fähigkeit für eine gewöhnliche Vierjährige.

Wir gingen wieder nachhause, dieses Mal war es anders.
Mein Vater hatte mich nicht wie immer auf seine Schultern genommen.
Und meine Mutter gab mir auch keinen Kuss auf die Stirn.

Es war einfach still und… bedrückend.

Als wir ankamen, stieg ich aus dem Auto aus und nahm wie gewohnt die Hand meines Vaters, doch statt der willkommenen Umarmung seiner großen, schwieligen Hand, spürte ich ein leichtes Zucken…

Damals war es mir noch nicht klar, doch heute weiß ich… er hatte sich erschreckt.
Hatte ich ihm angst gemacht? Seine eigene Tochter?
Dieser Gedanke schmerzt mich noch immer.

Auch nach dem Zucken nahm er meine Hand nicht in seine.
Er öffnete mir nur die Tür zu unserem Zuhause, und ich ging wortlos und leicht verwirrt hinein.

Meine Eltern benahmen sich von da an recht zurückhaltend.
Ich wurde trauriger, obwohl ich weiter versuchte meine Eltern zum lachen zu bringen, sei es durch Bilder oder einen selbstgebackenen Sandkuchen, den ich ihnen zum Essen vorsetzte.
Und auch wenn sie es ehrlich versuchten, so blieben ihre Blicke distanziert und in einer gewissen Weise… traurig.


Ich weiß noch, wie sie sagten, ich solle keinem Menschen mehr direkt in die Augen sehen.
Sogar ihnen nicht.
Das war auch etwas sehr eigenartiges, was ich von meinen Eltern zu hören bekam.
Vielleicht, dachte ich damals, war auch einfach ich so… eigenartig.

Ich habe ihnen nie von den Albträumen erzählt, die von dem Tag an begannen mich heimzusuchen.
Das es mit meiner Fähigkeit zusammenhing, hätte ich im nachhinein auch damals bereits erahnen können.
Ihre Zeichen der Zuneigung wurden mit den Monaten immer seltener.
Hier und da ein Tätscheln meines Kopfes oder die Berührung meiner Hand, doch weiter gingen sie nicht.

Ich durfte nicht mehr in den Kindergarten, und Besucher empfingen wir auch nur noch selten.
Falls meine Eltern ihre Freunde oder meine Großeltern erwarteten, schickten sie mich auf mein Zimmer, wo ich mit Buntstiften an der Wand kritzelte oder mit meinen Figuren spielte.

Trotz dieser Veränderung wusste ich, dass meine Eltern mich liebten.
Sie haben es wirklich versucht… und auch ich habe mich angestrengt ihnen die Angst zu nehmen.

Doch im Nachhinein erkenne ich, dass es ihnen wohl doch sehr schwer gefallen ist, mit meiner Fähigkeit umzugehen.
Ich erinnere mich an das laute Streiten meiner Eltern, das ich von meinem Zimmer aus hörte.
Das verzweifelte Weinen meiner Mutter und das verärgerte Brüllen meines Vaters.
Viele Dinge die sie damals sagten habe ich bereits vor langem vergessen.
Doch ein Satz blieb in meiner Erinnerung hängen.
„Sie ist eine Gefahr.“


Einige Monate später geschah es wieder.
Ich hatte meiner Mutter ein Bild gemalt und wollte es ihr gerade in meinem ganzen Stolz präsentieren, als ich stolperte und mir das Knie aufschlug.

Von ihrem mütterlichen Instinkt getrieben, eilte meine Mutter sofort an meine Seite und versuchte mich zu trösten.
Doch in meinem kindlichen Leid blickte ich ihr in die Augen.
Ich spürte wie ihre Angst die Überhand nahm, und plötzlich… stieß sie mich von sich.
Meine eigene Mutter.

Schnell bedeckte sie ihre Augen und drehte sich weinend von mir weg, das schwere Schluchzen ließ ihre Schultern beben.

Mein Knie schmerzte noch immer, doch diese Geste schmerzte noch viel mehr.
Im nachhinein war ich froh, meiner Mutter nicht ihre schlimmsten Albträume offenbart zu haben.
Doch als Kind fühlte ich mich zum ersten Mal ungeliebt.

Ich weiß noch wie sie immer wieder eine Entschuldigung schluchzte, noch immer ihren bebenden Rücken zu mir gekehrt.
Ich hingegen blieb still, auch mein Weinen war verstummt.
Leise stand ich auf, ging wortlos auf mein Zimmer und verließ es den restlichen Tag nicht mehr.
Das Gefühl ihrer Hand wie sie mich von sich stieß, brennt noch heute auf meiner Haut wie eine Narbe.

Am selben Abend konnte ich von meinem Zimmer aus hören, wie meine Mutter meinem Vater die Situation beschrieb.
Auch das Beben ihrer Stimme, wie angsterfüllt sie klang, würde ich mein restliches Leben nicht mehr vergessen.

Am nächsten Tag wurde ich von meinem Vater geweckt.
Er hatte mir ein Tuch um die Augen gelegt und bat mich den Kopf zu heben, um es hinter meinem Kopf festzubinden.
In meiner Schlaftrunkenheit stellte ich keine Fragen, und folgte seiner Bitte mit einem stillen Gähnen.
Dann schlang er die Arme um mich und drückte mich fest gegen seine warme Brust, während er mich vorsichtig aus meinem Bett hob.

Mit einem wohlig warmen Gefühl im Bauch, schlief ich lächelnd wieder ein, in den Armen meines Vaters.

Ich wusste nicht, dass das die letzte Berührung mit meinen geliebten Eltern sein würde…
Woher sollte ich auch ahnen, dass diese Fähigkeit mein Leben so verändern würde?
Immerhin war ich noch ein Kind.
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