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Feind oder Freund | Nightangel Oneshot

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Nightcrawler / Kurt Wagner
09.10.2019
09.10.2019
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Es lag nicht in Kurts Natur, zu kämpfen. Gewalt war keine Lösung! Doch gerade musste er schon zum zweiten Mal in wenigen Tagen kämpfen. Als er gegen Angel in dem Käfig gekämpft hatte, wollte er es genauso wenig, wie jetzt. Allerdings musste Apokalypse besiegt werden. Dass Kurt damit die Welt vor einem Wahnsinnigen retten würde, beruhigte sein Gewissen etwas. Trotzdem wollte er vor allem nicht gegen einen Engel kämpfen. Kurt verehrte diese Wesen. Natürlich wusste er, dass sein Gegenüber ein Mutant und kein Engel war, doch es änderte nichts an seiner Einstellung. Der Mann mit den metallenen Flügeln war für Kurt ein Engel.
Das war auch der Grund für ihn, warum er, nachdem er seine Freunde aus dem abstürzenden Jet gerettet hatte, sich erneut in das Flugzeug teleportierte und Angel am Handgelenk packte, bevor er sich wieder in das Trümmerfeld teleportierte. Doch Angel hatte sich im letzten Moment Kurts Griff entziehen können und nun sah Kurt dabei zu, wie der Jet am Boden zerschellte.
„Kurt!“, wollte Raven ihn aufhalten, als er auf das Flugzeug zu rannte, doch Kurt lief unbeirrt weiter und begann, in den Trümmern nach Angel zu suchen. Wenn er schon kämpfte, dann konnte er im Gegenzug auch versuchen, Leben zu retten; auch wenn seine Freunde sicherlich Hilfe brauchen konnten. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis er Angel gefunden hatte. Dafür dauerte es umso länger, bis Kurt Angel überhaupt von dem ersten schweren Teil des Jets befreit hatte.
Währenddessen kämpfen seine Freunde weiter gegen Apocalypse. Kurt hörte immer wieder Explosionen, doch er murmelte nur zusammenhangslose Worte in seiner Muttersprache. In der Hoffnung, Angel hatte den Absturz des Jets überlebt. Dabei merkte Kurt nicht, dass seine Freunde En Sabah Nur besiegt hatten.
„Kurt“, riss Raven ihn aus den Gedanken. Sie und die anderen standen ein paar Meter entfernt von ihm, „wir müssen los!“
Kurt schüttelte den Kopf, während sein Blick auf Angels Brustkorb – der sich kaum merkbar langsam hob und wieder senkte – fiel. „Ich glaube, er atmet noch.“
Jean kam auf ihn zu und legte zwei Finger an Angels Hals, bevor sie nickte und sich zu Kurt wandte.
Bitte“, sagte er gequält, bevor Jean etwas sagen konnte, „wir können ihn nicht zurücklassen. Es sind schon genug Menschen gestorben.“
Jean musste Kurt Recht geben. Ein Kampf konnte allerdings selten ohne Tote geführt werden. Trotzdem war es nur richtig, so viele Leben wie möglich zu retten – auch, wenn Angel ein Anhänger von Apocalypse war.
„Helft uns, ihn zu befreien“, sagte Jean zu ihren Freunden, bevor diese sich in Bewegung setzten.
Nachdem sie es geschafft hatten, Angel zu befreien und Magneto die Einzelteile des Jets wieder zusammengesetzt hatten, betraten sie es. Während Ororo und Scott die Maschinen hochfuhren, legten Jean und Hank Angel im hinteren Teil des Jets ab und begannen damit, seine stark blutenden Wunden zu versorgen.
Während des Fluges war es stiller als sonst. Normalerweise unterhielt sich Kurt mit Peter, wenn sie flogen, aber jetzt sagte ersterer kein Wort. Stattdessen starrte er auf den bewusstlosen Engel. Er hatte vielleicht nicht einmal gewusst, dass Kurt ihn retten wollte. Er hatte wahrscheinlich gedacht, dass Kurt ihn wieder angreifen wollte. Kurt wollte nicht, dass Angel so über ihn dachte.

Erst als der Jet wieder landete, löste Kurt sich wieder aus seiner Starre. Er war müde – sie alle waren müde. Kurt begleitete Jean und Hank, die Angel zum Krankenzimmer trugen, noch bis sie dort angekommen waren. Er wollte sicher gehen, dass es ihm bald besser gehen würde. Dann verabschiedete er sich von ihnen und suchte sein Zimmer auf. Kurz darauf ließ er sich in sein Bett fallen und schlief augenblicklich ein.

Vom nächsten Tag an besuchte Kurt Warren jeden Tag. Oft saß er abends an seinem Bett und betete dafür, dass er wieder gesund werden würde. Seit das Metall von Angels Haut abblätterte und seine Flügel immer mehr Federn verloren, hatte sich sein Zustand drastisch verschlechtert. Er lag nun schon seit Wochen im Koma. Kurt war allerdings nur bei Angel, wenn niemand anderes bei ihm war; denn er machte sich Vorwürfe. Er hätte Angel retten können, obwohl dieser es war, der genau das verhindert hatte.
Deshalb war Kurt auch umso erleichterter, als es Angel wieder besser ging – bis er schließlich aus dem Koma erwachte. Er musste noch für einige Tage im Krankenzimmer bleiben, doch Kurt besuchte ihn seitdem nicht mehr. Wie würde er auf ihn regieren? Sie hatten zwei Mal gegeneinander gekämpft und wegen Kurt waren Angels Flügel zerfetzt. Er hatte es nicht gewollt, einen Engel zu verletzten.

Nachdem Warren aus dem Koma aufgewacht war, war er nicht sonderlich begeistert gewesen, als er erfuhr, wo er war – in dem Quartier seiner ehemaligen Feinde. Nightcrawler war demnach auch hier und Warren hatte mit ihm noch eine Rechnung offen. Er musste dafür bezahlen, dass er ihm seine Flügel zerfetzt hatte. Wegen Nightcrawler hatte er in den letzten Wochen unerträglich Schmerzen aushalten müssen.
Eigentlich hatte Warren gleich wieder gehen wollen, nachdem er aus dem Koma aufgewacht war, doch Jean und Hank konnten ihn dazu überreden, wenigstens noch so lange zu bleiben, bis es ihm wieder gut ging. Warren war sich sofort sicher gewesen, dass er dann sofort verschwinden würde. Allerdings nicht, ohne sich an Nightcrawler zu rächen. Jeden Tag, an dem er länger in diesem trostlosen Krankenzimmer war, wurde er wütender auf ihn. Hätte Nightcrawler Warren nicht seine Flügel zerfetzt, hätte er sich Apocalypse wahrscheinlich nie angeschlossen – er wäre jetzt frei!

„Kurt“, riss Jean ihn aus den Gedanken, während er ihm Aufenthaltsraum saß und ein Buch las, „kannst du bitte bei Warren vorbeigehen, wenn du nachher zum Trainingsraum gehst und schauen, ob er etwas braucht?“
„Okay“, antwortete Kurt zögernd. Angel hieß also mit richtigem Namen Warren. Bisher hatte Kurt allerdings vermieden, zu ihm zu gehen. Zu groß war seine Angst davor, wie er auf ihn reagieren würde. Bevor Kurt jedoch fortfahren konnte, war Jean schon längst wieder verschwunden. Vielleicht würde es aber auch gar nicht so schlimm werden. Vielleicht war über die Sache schon längst Gras gewachsen.
Trotzdem zögerte Kurt lange, bevor er seine Hand heben konnte, um an Warrens Tür zu klopfen. Was würde passieren, wenn er noch immer wütend auf Kurt war?
„Kurt“, wurde er nun schon zum zweiten Mal aus den Gedanken gerissen. Dieses Mal von Peter, der auf dem Weg zum Trainingsraum war. „Der Tür öffnet sich nicht von alleine.“
„Ja, ich weiß“, entgegnete Kurt sofort nervös und wollte an der Tür anklopfen, doch kurz bevor er sie berührte hielt er erneut inne.
„Was ist los?“, fragte Peter ihn nach wenigen Sekunden irritiert.
Ich – Ich – Ich habe Angst davor, was Warren von mir denkt oder ob er wütend auf mich ist“, stotterte Kurt wahrheitsgemäß. Er durfte nicht lügen.
„Wenn du weiterhin hier draußen stehen bleibst, wirst du es nicht erfahren“, entgegnete Peter, „außerdem – warum ist dir das so wichtig?“
„Weiß ich nicht“, antwortete Kurt nach einer kurzen Stille. So genau wusste er es tatsächlich nicht. Aber konnte er Peter erzählen, dass er den Engel nicht hatte verletzten wollen? Würde er es verstehen? Immerhin war nur er der Ansicht, dass Warren ein Engel war.
„Klopf einfach. So schlimm wird es schon nicht. Falls doch, ich warte hier auf dich“, meinte Peter. Er wusste, dass Kurts Zögern wahrscheinlich etwas mit seinem Glauben zu tun hatte. Peter verstand das zwar nicht, aber er respektierte es, dass Kurt streng gläubig war. Immerhin waren sie beste Freunde. Da unterstützte man sich.
Nach einem leisen Seufzen klopfte Kurt also an Warrens Tür. Obwohl er keine Antwort bekam, öffnete er sie zögernd und trat leise ein.
Da Warren dachte, dass entweder Jean oder Hank das Zimmer betrat, sah er nicht zur Tür, sondern starrte weiter an die Decke. Gleich würde einer von ihnen ihm wieder die gleichen Fragen wie immer stellen: Wie geht es dir? Hast du noch Schmerzen? Brauchst du etwas?
„Ich soll dich –“, setzte Kurt zögernd an.
Warren schreckte augenblicklich auf und unterbrach Nightcrawler damit. Er würde diese Stimme – diesen Akzent – überall erkennen. Die blaue Ratte hatte gerade sein Zimmer betreten und endlich hatte Warren eine Gelegenheit, sich an ihm zu rächen. Er sprang von seinem Bett auf und ging mit bedrohlichen Schritten auf Nightcrawler zu.
„Du wirst dafür bezahlen, was du mir angetan hast“, fauchte er.
Kurts Instinkt, sich woanders hinzuteleportieren, fiel aus. Obwohl er in den letzten Wochen damit gerechnet hatte, dass Warren so auf ihn reagieren würde, war es etwas ganz anderes in dieser Situation zu sein. Erst als die Kralle von Warrens Flügel auf ihn zuraste, sprang Kurt einen Schritt zurück. Er schrie vor Schreck kurz auf.
Sofort stürmte Peter in das Zimmer und fuhr Warren an: „Hör auf!“
Mit wenigen Schritten stand er zwischen Kurt und Warren und sah letzteren wütend an. „Was soll das? Ist das der Dank dafür, dass Kurt dir das Leben gerettet hat?“
Warren zischte. „Nachdem er es zerstört hat.“
„Es tut mir Leid“, gab Kurt kleinlaut von sich, „du hast selbst gesagt, dass wir gegeneinander kämpfen müssen.“
Warren zischte erneut. „Lass mich einfach in Ruhe!“
„Brauchst –“, setzte Kurt an und ging zögerlich wieder auf die Tür zu.
„Nein“, unterbrach Warren ihn und klang bei Weitem nicht mehr so wütend wie vorher. Nachdem Kurt und der andere das Zimmer verlassen hatten, ließ Warren sich auf sein Bett sinken. Von seiner Wut war plötzlich nichts mehr übrig.
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