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Die Gefallenen I - Die Entdeckung

GeschichteDrama, Sci-Fi / P18 Slash
OC (Own Character)
08.10.2019
07.11.2019
5
8.151
 
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08.10.2019 864
 
Kapitel 1

Wir schreiben das Ende des 41. Jahrtausends. Krieg überzieht die Galaxis. Das Imperium der Menschheit herrscht über den Grossteil des bekannten Universums, doch wird es von allen Seiten bedroht. Riesige Armeen der zerstörerischen Mächte des Chaos marschieren in das Reich ein, während alle Arten von Aliens, Xenos genannt, die Menschheit sowohl von innen als auch von aussen belagern. Die Zeiten sind finster und der Untergang von Vernunft und Kultur steht kurz bevor. Doch selbst in dieser scheinbar hoffnungslosen Ära gibt es Mächte, die das Schicksal der Galaxie vielleicht noch retten könnten, wenn es nicht schon längst zu spät ist…

«Nein, das ist unmöglich…»
«Ich fürchte, leider nicht.»
«Woher willst du das so genau wissen?»
«Meine Informationen beruhen auf vertrauenswürdigen Quellen.»
Sie stand von dem Tisch, an dem die Sprechenden sassen, auf und entfernte sich ein paar Schritte. «Und woher willst du wissen, dass es wirklich Elian ist?»
«Weil meine Quellen sich sicher sind.»
«Natürlich, natürlich, deine Quellen. Und wer sind diese Quellen? Bespitzelst du etwa dein eigenes Volk?»
«Tu nicht so, als täten es die Menschen anders», kommentierte die sitzende Person unbeeindruckt. «Du kommst aus einem ebenso strengen Regime, und zudem aus einem viel Blutigeren.»
Sie öffnete den Mund, schloss ihn jedoch wieder, da sie auf diese Wahrheit nichts erwidern konnte. Wortlos und mit verschränkten Armen blickte sie durch das Glas vor ihr.
Ihr Gast stand lautlos auf und trat neben die Frau. Sein schwarzes Gewand fiel hinter ihm auf den Boden. Er war von grosser und schlanker Statur, wie es für sein Volk üblich war. Die spitzen Ohren waren allerdings eines der Merkmale, welches sie von den Menschen unterschieden.
«Glaube mir», fing er mit trauriger Miene an, den Blick in die Ferne gerichtet. «Ich habe es erst geglaubt, als ich selbst seinen Schicksalsfaden erforscht habe.»
Keiras Miene blieb ausdruckslos und nur ihre Augen liessen ihre Gefühle erahnen. «Das wird ihm das Herz brechen.» Ein kaum merkliches Seufzen entfuhr ihrem Mund. «Er … liebt ihn.»
«Ich weiss», flüsterte Isandran leise.
Keira blickte auf die Lichter der Stadt hinaus. Der Essbereich wurde durch eine lange Fensterwand geprägt, die selbst in der Dunkelheit einen prächtigen Ausblick auf die Metropole Lyriana bot. Nur eine Lampe, die über dem Tisch hing, erleuchtete den Raum, in der sie sich befanden. Tausende Lichter brannten aus Türmen und Gebäuden der Stadt bis zu einer Linie, welche das Lichtermeer von der Finsternis trennte; die Stadtmauern zum Schutz der Bewohner dieses Ortes.
«Wir wollen beide nur das Beste für Niklas, das weisst du», brach Isandran leise die Stille, nachdem er ebenfalls die Nachtszenerie begutachtet hatte.
«Ich weiss», meinte Keira. «Ich hatte nur gehofft, dass ihm das Grauen dieser Zeit erspart werden würde. Immerhin hier an diesem Ort.»
«Selbst wir sind nicht vor dem Fluch unseres eigenen Volkes sicher», seufzte der Aeldari entrüstet. «Und deshalb ist es unabdingbar, dass er sich von Elian trennt, bevor es zu spät ist», fuhr Isandran entschlossener fort.
«Gibt es keinen anderen Weg?», fragte Keira, obwohl sie die Antwort bereits wusste. «Es war schwer genug für ihn, überhaupt Kontakte zu finden, vaterlos und als …», sie pausierte, um die richtigen Worte zu finden.
«Er ist weder Mensch noch Aeldari und nun hat er jemanden gefunden, den er liebt und der ihn zurückliebt, wie er ist. Jedenfalls glaubt er noch daran. Können wir nicht versuchen, Elian aus diesem Kult zu befreien?»
Isandran schüttelte betrübt den Kopf. «Ich weiss, du willst deinem Sohn ein schönes Leben schenken, aber das Risiko ist zu gross. Der Rat ist bereits aufgebracht, dass ich die Festnahme dieser Kinder herausgezögert habe. Elian und seine Freunde könnten uns täuschen oder selbst einen neuen Kult ausheben. Das können wir uns in unserer Lage nicht leisten.»
Keira nickte.
«Es gibt einen guten Grund, warum wir hier so sicher sind», fuhr der Aeldari unaufgefordert fort, als bedürfe es weiterer Argumente. «Wir halten uns an unsere neue Lebensweise. Jene, die sie brechen, nehmen wir in Gewahrsam, damit sie keinen weiteren Schaden anrichten können. Sonst wäre es nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses kleine Paradis zu einer Hölle werden würde.»
«Belehre mich nicht über die Gefahren der Kulte», zischte die Frau leise, aber ernst. «Ich habe ihre Gelüste kennengelernt. Und die Gefahren der Galaxie ebenso.»
Bilder schwebten vor den Augen Keiras. Erinnerungen, Geschichten, Legenden... «Ich habe die Hölle der Galaxis bereits gesehen», fügte sie hinzu, jedoch mehr zu sich selbst sprechend als mit Isandran. «Und ich habe gehofft, Niklas davor bewahren zu können.»
Der Aeldari legte sanft eine Hand auf die Schulter der Frau. «Bitte sprich mit ihm. Ich hätte die Verhaftung nicht hinausgezögert, wenn ihr mir nicht am Herzen läget. Aber tu’ es bitte schnell, denn es bleibt nicht mehr viel Zeit.»
Keira nickte leicht, den Blick nach wie vor auf die Lichter der Stadt gerichtet.
«Wirst du mit ihm sprechen?», fragte Isandran erneut.
«Das werde ich», sagte sie schliesslich, sah den Aeldari kurz an und wandte sich wieder der Szenerie vor sich zu.
«Danke», flüsterte Isandran und senkte den Kopf zum Abschied. Dann verliess er lautlos den Raum.

Keira war allein. Allein mit ihrer Vergangenheit. Mit Blut… Feuer… Tod. Eine Träne rann ihr über die Wange, auf der eine schwarze Tattoovierung prangte. Es war ein zweiköpfiger Adler.
 
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