Der Höllenhund von Baskerville (SPN/Sherlock)

von Muecke49
CrossoverKrimi, Mystery / P16
08.10.2019
03.12.2019
9
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Awww Leute, ihr seid echt der Hammer. *strahl*
Danke an Spock, nuxe, thea, kalea, lula-chan, Fiver und meine Strahlefrau!

Bei dem Kapitel heute bin ich mächtig auf euer Feedback gespannt. *hibbel*  Ich wünsch euch viel Spaß und passend zur Jahreszeit gibt es Tee, heiße Schokolade und Gebäck.

Liebe Grüße Mücke

Kapitel 9

Während John sich umdrehte und den Mann vor sich stumm in Augenschein nahm, knurrte Sam ein wenig freundlich klingendes „Crowley.“ Obwohl dem Amerikaner die Knochen bestimmt nicht weniger schmerzten als John, war dieser unverkennbar kampfbereit und automatisch übernahm John diese Haltung für sich, auch wenn der Mann vor ihnen ihm gerade nicht sonderlich gefährlich erschien. Gut gekleidet, in einen Anzug und Mantel, sah er eher wie ein Geschäftsmann aus. Doch aus der Vergangenheit wusste John, dass der Schein zuweilen trog.

„Was machst du hier?“, fragte Sam.

Obwohl der Amerikaner Crowley locker um einen Kopf überragte und ihm wohl auch sonst allein an Muskelmasse weit überlegen war, wirkte der Mann keineswegs eingeschüchtert von dem knurrigen Tonfall.

„Moose, Moose, Moose. Dachten du und dein Bruder wirklich, ihr könntet diesen kleinen Ausflug nach England machen, ohne das es mir auffällt? Wenn dein Bruder sich freiwillig in ein Flugzeug setzt, dann muss es etwas Großes sein. Und siehe da, ich hatte Recht.“

„Wir machen nur Urlaub. Besuchen ein paar Freunde.“ Sam nickte in Johns Richtung, der zu seiner Erleichterung nicht widersprach. Das Crowley ihm nicht ein Wort glaubte, war nicht überraschend. Doch das spielte keine Rolle. Der Dämon durfte nur niemals erfahren, warum sie wirklich hier waren. Das sie hinter einem Höllenhund her waren, war bestimmt auch Crowley klar. Aber das Warum …sie mussten unter allen Umständen vermeiden, dass ihm klar wurde, warum die Jäger plötzlich Jagd auf eines von seinen Haustieren machten.

Crowley schüttelte den Kopf und Sam konnte sehen, wie die Wut in dem anderen langsam aufstieg.“BLÖDSINN!“, brüllte der bis dahin so beherrschte Mann, wobei Röte seinen Hals hinaufstieg und die Adern hervortreten ließ. Crowley hob scheinbar beiläufig die Hand. Die Wirkung war spektakulär und sorgte dafür, dass John sich kurzfristig fragte, ob er beim Fallen bewusstlos geworden war und immer noch träumte. Denn der Winchester wurde wie von Geisterhand zurückgeworfen, prallte gegen die nächste Wand und blieb dort kleben, wie eine Fliege am Fliegenfänger. So wie er das Gesicht verzog, war das schmerzhaft gewesen und seine Bemühungen sich von der Wand zu lösen waren vergebens. Crowely ignorierte John vollkommen und fixierte den Amerikaner aus erbost zusammengekniffenen Augen. „Warum.Seid.Ihr.Hier?“, fragte der Dämon erneut laut und vernehmlich und der Tonfall signalisierte, dass Crowley dabei war die Geduld zu verlieren. Etwas, von welcher er sowieso nicht sonderlich viel besaß.

„Etwas streift im Moor herum. Die Leute sagen ein Monster“, gab Sam abgehakt zur Antwort.

John sah die Möglichkeit und ergriff sie. Die Frage, wie es möglich war, dass Sam sich gerade nicht rühren konnte, würde später geklärt werden. Doch gerade jetzt schenkte man ihm keine Beachtung, hielt ihn scheinbar für keine nennenswerte Bedrohung und John war das mehr als Recht. Soweit er sehen konnte, trug der Mann mit dem britischen Zungenschlag keine Waffen bei sich. Ein Ire vielleicht? Auf jeden Fall kein Amerikaner wie Sam und Dean. Ohne einen Laut von sich zu geben warf John sich nach vorn und seitwärts gegen den Mann, hörte noch wie Sam ein erschrockenes „John, nicht!“ rief. Doch da war es schon zu spät. Er fühlte den Mann, gegen welchen er prallte, straucheln und wollte gerade seinen Arm um dessen Hals schlingen, um ihm die Luft abzuschnüren, als dieser eine Hand gegen Johns Oberkörper drückte. Eigentlich nicht fest und nur sehr kurz, aber dennoch wurde er mit einer unglaublichen Energie fortgeschleudert und rutschte über den Boden, bis er zu Sams Füßen stoppte. Er hörte, dass der Fremde Sam ein weiteres Mal hart fragte, warum die Amerikaner hier seien, ganz so, als hätte es Johns Angriff wenige Sekunden zuvor gar nicht gegeben.

„Weil wir sie um Hilfe gebeten haben“, hustete John und rappelte sich mühsam wieder auf, ohne einen Blick auf Sam zu werfen. „Wir sind Kollegen. Wir machen das Selbe in England, wie sie in Amerika. Daher kennen wir sie. Wir hatten es noch nie mit so etwas zu. Also haben wir nach Experten gesucht.“ John hatte keine Ahnung, was genau Sams und Deans Job war, aber er benutzte das, was die beiden bisher erwähnt hatten und bei Henry hatten sie sich als Experten vorgestellt und er hoffte, dass es ihnen beiden nicht das Genick brach, wenn er das jetzt aufgriff.

Crowleys Aufmerksamkeit schwenkte augenblicklich zu dem Briten um, der ihm entschlossen und ohne Angst entgegensah. Okay, das war kein verschreckter, unwissender Mensch. Und er war offensichtlich ein Kämpfer, wenn auch einer, der scheinbar keinen Dämonen erkannte, wenn er vor einem stand. Doch so etwas kam auch bei den besten Jägern vor.

Sams Füße berührten endlich wieder den Boden und er konnte wieder ungehindert Luft holen, was er auch sogleich tat. Er blieb stehen wo er war, sah aber Crowley deutlich angepisst entgegen. Crowley betrachtete John immer noch als versuche er abzuschätzen, ob dieser ihm die Wahrheit sagte. Sam beschloss den selbsternannten King of Hell lieber abzulenken, solange er noch geneigt schien die Lüge zu schlucken. Tief ins sich war er jedoch John dankbar dafür, dass dieser so schnell geschaltet und eine glaubhafte Lüge für die Anwesenheit der Amerikaner kreiert hatte. „Also hatten wir Recht. Das da draußen im Moor ist einer von deinen?“, fragte Sam und spürte ein aufgeregtes Kribbeln, das ihn von Kopf bis Fuß erfasste. Also womöglich doch eine Chance für sie?

„Unterstellst du mir, ich hätte meine Haustiere nicht im Griff? Natürlich ist das keiner der Meinen. Allerdings stimme ich dir zu, dass es dort einige Ähnlichkeiten gibt. Mehr, als durch eine Laune der Natur zu erklären wäre.“ Es war Crowley anzusehen, dass ihm dieser Punkt gar nicht gefiel.

„Diese Leute in dem Labor über uns beschäftigen sich mit Genmanipulation“, warf John ein.

„Ist mir bekannt. Ist sie nicht wunderbar, diese neue Welt? Ich habe für ein paar von ihnen schon einen Platz reserviert.“ Es fehlte nur noch, dass Crowley sich zufrieden die Hände rieb. Oh ja, der Hölle würden schon nicht die Seelen ausgehen.

„Also hast du einen Deal mit diesen Wissenschaftlern? Und das hier ist was?“, fragte Sam und gab sich keine Mühe die Abscheu, die er Crowley entgegenbrachte, zu verbergen.

„Es gibt keinen Deal und diese Menschen da oben haben keine Ahnung davon, was sich noch unter der Anlage befindet. Dieser Teil ist ein Vierteljahrhundert alt. Vor etwa zwanzig Jahren verschwand einer unserer Höllenhunde in England. Eine intensive Suche und einige tote Menschen später wussten wir, dass er sich genau hier befand. Etwas, das die Hölle keineswegs durchgehen lassen konnte. Einige Dämonen wurden ausgeschickt, ein ganzes Team von Wissenschaftlern ausgelöscht, ein Höllenhund befreit und ein paar … Ableger getötet. Ende der Geschichte. Bis jetzt. Doch dann erlebe ich ein Dejavû und komme hier her, um erneut aufzuräumen. Aber das alte Labor ist leer und statt einem Hund finde ich dich, Moose, und dein britisches Anhängsel. Was bedeutet, dein Bruder ist auch nicht weit. Kann es übrigens sein, dass dein Bruder eine Vorliebe für Sidekicks in Mänteln hat? Er marschiert da oben mit einem ganz aufgeregt herum und sucht dich schon.“ Crowleys Lächeln war keineswegs freundlich. „Dean hat immer noch die eine Hälfte der Tafel. Und ihr habt den Propheten. Ein fairer Tausch, wenn ich dafür seinen Bruder behalte, denkst du nicht? Es ist ganz einfach, Dean überlässt mir die Tafel und erhält seinen Bruder. Den Briten gibt es als Bonus dazu, wenn er mir Kevin bringt.“

Verärgert presste Sam die Lippen zusammen, während John nur verwirrte Blicke zwischen den Männern wechseln ließ. Der Jäger wusste, es stand außer Frage, dass sie ihre Hälfte der Tafel herausgaben. Erst recht nicht nach dem, was Kevin darauf gefunden hatte.

„Darauf wird sich Dean niemals einlassen“, knurrte Sam.

„Dann befürchte ich, Sammy, du und dein Freund werden als Hundefutter enden. Ich würde also lieber darauf hoffen, dass dein Bruder schnell zur Vernunft kommt. Bye bye“, verabschiedete Crowley sich mit samtiger Stimme und einem anzüglichen Lächeln. Johns Augen wurden erneut größer, da der Mann nicht etwa davonlief, sondern einfach vor seinen Augen verschwand.

Während John noch wie erstarrt auf die Stelle starrte, wo er Crowley hatte verschwinden sehen, war Sam schon dabei ihre Umgebung zu erkunden. Eine Aufgabe die schnell erfüllt war, da der Raum nicht sonderlich groß war. Sie befanden sich in einer Art Zelle, die eher an ein Tiergehege erinnerte und wenn Sam die Umstände bedachte, dann war es in der Vergangenheit wohl genau das gewesen. Der Ausgang war durch Gitterstäbe versperrt. Dahinter war lediglich ein Gang und gegenüber ein weiteres Gehege zu erkennen. Dort waren die Gitterstäbe verbogen, allerdings war dieser Schaden bereits vor vielen Jahren entstanden und nicht erst kürzlich. Alles wirkte schon lange verlassen und lediglich eine Notbeleuchtung spendete etwas Licht. Vermutlich wurde sie von der Anlage über ihnen gespeist. Ebenso wie die Mechanik mit der Klappe, durch die sie gefallen waren, wohl von hier unten gesteuert werden konnte. Oben schien niemand etwas davon zu ahnen. Die Gerüchte waren also wahr gewesen, es gab geheime Experimente auf Baskerville, nur lagen die gut zwanzig Jahre zurück und ihr Ehrgeiz war den damaligen Wissenschaftlern zum Verhängnis geworden. Doch jetzt gab es wieder einen genmanipulierten Höllenhund Ableger und dieser streifte durch das Moor.

„Wer … Was war das?“, riss Johns Stimme Sam aus seinen Überlegungen. Für einen Moment hatte er den Briten komplett vergessen gehabt. Mit einem frustrierten Laut wendete er sich seinem Mitgefangenen zu. „Ein Dämon“, sagte er bedächtig und behielt John dabei genau im Blick, welcher tatsächlich ruhig blieb, nur ein wenig erbleichte und dann leicht nickte, den Blick nach innen gerichtet.

John hob die rechte Hand, den Zeigefinger emporgestreckt, wobei er mehrfach in die leere Luft deutete und zum Sprechen ansetzte, ohne das ein Ton seine Lippen verließ. Erst im dritten Versuch gelang es ihm ein sinnvolles Wort über die Lippen zu bekommen. „Dämon?“

Sam nickte mit einer solchen Ernsthaftigkeit, dass John nach allem, was er gerade gesehen und gehört hatte, nicht anders konnte, als zu glauben. „Wer zur Hölle sind Sie? Sie und Ihr Bruder? Was machen Sie wirklich hier?“ Ärger schwang in Johns Stimme mit. Er vertraute niemanden leicht und gerade hatte er wohl allen Grund zum Misstrauen, auch wenn Sam offensichtlich keine gemeinsame Sache mit diesem … diesem … Crowley machte. Aber Sherlock war da oben, mit Dean zusammen, und sein Freund hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging.

Es war nicht zu überhören, dass etwas in Johns Stimmung umgeschlagen war, weswegen Sam es vorzog Abstand zu halten. „Wir sind Jäger.“ Er konnte sehen, dass dieses Wort für John keine Erklärung bot, denn dieser hob nur fragend die Brauen, wobei die Augen darunter weiter misstrauisch auf ihn gerichtet blieben. „Wir jagen und töten all die Dinge, welche die meisten Menschen als nicht real abtun oder nur aus Gruselfilmen kennen. Kurz das Übernatürliche.“

„Sie machen Witze? So eine Art Ghostbusters? Zu Euch kommen also Klienten, sagen sie haben da ein Problem und bezahlen Euch dafür, dass ihr deren Poltergeist tötet?“, fragte John und es war ihm anzuhören, dass die Frage reiner Sarkasmus war, doch Sam blieb vollkommen ernst.

„So in der Art. Nur dass wir meistens nicht dafür bezahlt werden.“

Nun, das erinnerte John durchaus an Sherlock, der auch häufig genug ohne Bezahlung arbeitete. Das Geld interessierte ihn nicht, nur die Fälle, welche die Klienten an ihn herantrugen. Ohne John würde er wohl überhaupt kein Geld für seine Arbeit kassieren. „Wer macht so was?“, fragte er reichlich aufgewühlt und wurde sich erst bei Sams Antwort darüber bewusst, dass dies im Augenblick wohl nicht wirklich eine Rolle spielte.

„Nun, ist so eine Art Familienmotto. Menschen retten, das Böse jagen.“ Sam hatte sich mit einem ergebenen Seufzen an der Wand zu Boden gleiten lassen und sah nun von dort sitzend zu John auf, der in ihrem Gefängnis unruhig auf und ab lief, ohne zur Ruhe zu kommen. Der Jäger verfolgte schweigend das hin und her, den Kopf an die Wand hinter sich angelehnt.

„Und jetzt wird dieser Crowley bei Ihrem Bruder und Sherlock auftauchen, richtig? Und wenn Ihr Bruder ihm nicht gibt was er will … was wird dann aus den beiden?“, fragte John, der letztlich doch noch stehen geblieben war und Sam nun ansah. Dabei strahlte quasi jede Pore des Briten Sorge aus.

Es war schon erstaunlich, wie wenig Sorge John seine eigene Situation zu bereiten schien. Immerhin saßen sie in einer Art Gehege fest, konnten jederzeit zur Mahlzeit einer genetischen Abwandlung eines Höllenhunds werden oder Crowley konnte zurückkehren, weil er es sich anders überlegt hatte. Und Johns Gedanken schienen allein um Dean und damit um Sherlock zu kreisen.
„Sherlock wird nichts passieren. Dean ist bei ihm. Er ist der beste Jäger, den diese Welt kennt.“
Zu Sams Überraschung schnaubte John lediglich belustigt.

„Sherlock kann ganz gut auf sich selber aufpassen, dass ist es nicht, worum ich mich sorge“, erklärte John, auch wenn das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Natürlich sorgte er sich auch um Sherlocks Gesundheit und das man ihm Schaden zufügen konnte. Er war nicht unzerstörbar, obwohl er das von sich selber zu glauben schien. Aber Crowley wollte etwas und solange er das nicht hatte glaubte John, dass er den anderen beiden keinen Schaden zufügen würde, zumindest solang die beiden es nicht herausforderten. Doch im Augenblick überwog eine andere Sorge.

„Was dann?“, fragte Sam aufrichtig interessiert und folgte mit seinem Blick John, der seufzend seinem Beispiel folgte und sich nun auch setzte.

„Wie groß ist die Chance, dass Sherlock nicht erkennt, was vor sich geht. Höllenhunde? Dämonen? Ich hab gesehen, was dieser … dieses Ding mit Ihnen gemacht hat, wie er Sie herumgeschleudert und festgehalten hat, ohne Sie zu berühren. Oder seine Kraft, als er mich weggestoßen hat. Und ich kann es immer noch kaum glauben, mein Verstand sagt mir aber, dass ich Ihnen glauben muss.“

Sam erwiderte Johns ernsten Blick und antwortete bedächtig, da er immer noch nicht so ganz verstand, worauf sein Gegenüber hinaus wollte. „Es ist nicht leicht, das zu glauben. Aber den meisten fällt es doch recht einfach, wenn sie Dinge gesehen haben, die anders nicht zu erklären sind. Wir versuchen meist den Menschen ihren Glauben zu lassen, sie schlafen ruhiger, wenn sie nicht wissen, was noch da draußen ist und wir sind auch nicht scharf darauf, in einer Irrenanstalt zu enden. Aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Doch die meisten kommen damit klar.“

John schüttelte den Kopf. „Nicht Sherlock, er ist nicht wie die meisten Menschen, Sam.“ Fragend hob Sam eine Augenbraue und John suchte einen Augenblick stumm nach Worten, bevor er versuchte das zu erklären, was zumindest für ihn ganz klar zu sehen war. Es war schon immer seine Gabe gewesen, Sherlock zu sehen, wo andere nur dieses Konstrukt sahen, welches er die Menschen sehen lassen wollte.

„Sherlock lebt in einer anderen Welt, als wir. Er sieht, hört und begreift so viel mehr. Anderes dagegen, nimmt er nicht mal wahr. Er will es auch gar nicht wahrnehmen, weil er sagt, dass es ihn ablenkt oder behindert oder schlichtweg keinen Nutzen hat. Die Menschen halten ihn deswegen für arrogant, ungehobelt und gleichgültig.“ Johns Miene ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass diese Menschen sein vollstes Verständnis besaßen.

„Und liegen sie damit falsch?“, fragte Sam mit einer Neugier nach, die ihn für eine kleine Weile ihre eigene missliche Lage vergessen ließ.

„Nein. Sie haben vollkommen Recht. Sherlock versteht unsere Welt und vor allem die Menschen darin nur mit Mühe. Emotionen sind für ihn etwas, dass er nur schwer nachvollziehen kann, weil er sich selber von ihnen abschottet. Es ist nicht so, dass er keine hat. Aber mir scheint, wenn er diesen nachgibt, dann führt ihn das auf einen sehr selbstzerstörerischen Pfad, den er versucht zu vermeiden. Sherlock ist ein Mann der Wissenschaft. Wissenschaft verleiht dieser Welt Regeln, an denen er sich festhalten und orientieren kann. Er glaubt nicht an Gott, das Schicksal oder Zufälle. Für ihn ist alles Logik und Mathematik. Darüber definiert er sich. Nimmt man ihm das, er würde jeden Halt verlieren und glauben Sie mir, Sie wollen einen haltlosen Sherlock Holmes nicht auf diese Welt loslassen.“

Tatsächlich konnte Sam Sherlock in dieser Beschreibung wiederfinden und irgendwie auch nachvollziehen, warum es John solche Sorge bereitete, wie sein Partner damit klar käme, sollte er um die wahre Natur der Welt erfahren, in welcher er lebt. „Was glauben Sie, würde dann mit ihm passieren?“

Johns Blick verriet, dass er eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte, was passieren würde. „Wenn Sherlock Holmes ein Problem nicht lösen kann, dann sticht er auf es ein oder schießt auf etwas. Und wenn er dann immer noch keine Lösung findet, dann hilft er mit Drogen nach, weil es seine Denkprozesse beschleunigt. Dann wird aus dem kontrollierten, rationalen Mann, den sie kennengelernt haben, etwas Unberechenbares.“

„Und Sie? Was ist mit Ihnen? Sie haben eben einen Dämon angegriffen und jetzt gilt Ihre einzige Sorge ihrem Partner“, stellte Sam aufrichtig verwundert fest. Lag es daran, dass John Soldat gewesen war, oder wie konnte das sein?

Verwundert kräuselte sich Johns Stirn, doch dann lächelte er verstehend. „Im Gegensatz zu Sherlock glaube ich an einen Gott. Als ich im Krieg in Afghanistan war, habe ich die Hölle gesehen und als ich angeschossen wurde, habe ich zu Gott gebetet, dass er mein Leben retten soll. Ich glaube, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als mit dem reinen Verstand zu erklären sind. Trotzdem gebe ich ihnen Recht, vermutlich würde ich ohne dieses Wissen besser schlafen.“ John konnte das Schaudern nicht verhindern, das seinen Körper durchlief. Dämonen. Und Sam hatte von Deals gesprochen. Höllenhunden. Er musste unbedingt hier raus und zu Sherlock gelangen.
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