Der Höllenhund von Baskerville (SPN/Sherlock)

von Muecke49
CrossoverKrimi, Mystery / P16
08.10.2019
14.01.2020
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36.187
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Dieses Kapitel
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26.11.2019 2.012
 
Langsam wird es ernst. :) Heute schließen wir zu Kapitel 1 auf. Vielen lieben Dank fürs lautstarke Mitfiebern an meine Strahlefrau, Nuxe, thea, Kalea, Spock, Lady Serenity und Fiver.
Hallo auch an die neuen Favos. *froi*

Und jetzt viel Spaß mit dem neuen Kapitel. :)) *euch Tee und Brownies hierlässt*

LG Mücke

Kapitel 8

Major Barrymore war alles andere als erfreut, Sherlock wiederzusehen. Ein Befehl von ganz oben zwang ihn zur Kooperation, aber er ließ keinen Zweifel daran aufkommen, was er von diesem Befehl hielt. Dean hielt sich im Hintergrund und überließ es Sherlock zu antworten. Dieser war es ja auch gewesen, der diesen Deal ausgehandelt hatte. Doch er hörte sehr aufmerksam zu und als er dem Detektiv aus dem Raum folgte, war er nicht mehr ganz so optimistisch, dass sie hier etwas gefährlicheres als mutierte Kaninchen oder Affen finden würden. Der Spott des Majors, bezüglich eines vom Militär versteckt gehaltenen Monster, hatte in seinen Ohren echt geklungen und war nicht nur vorgeschoben.

Dean schloss zu seinem Begleiter auf, der einen Überwachungsraum als Ziel anstrebte. Sherlock hatte ihm seinen Plan erklärt und Dean hatte dafür gesorgt, dass Sam noch einen Kaffee getrunken hatte, bevor sie aufgebrochen waren. Mit Milch und ganz wichtig – Zucker. Sherlock hatte für selbiges bei John gesorgt. „Eine Droge hinterlässt keine gigantischen Pfotenabdrücke im Moor. Es ist nicht der Zucker“, warf Dean ein und erhielt einen genervten Blick für seinen, wie er fand, durchaus berechtigten Einwurf.

„Es muss eine Droge sein. Kein genetischer Cocktail aus der uns bekannten Tierwelt könnte so ein Tier hervorbringen, wie ich es gesehen habe. Ergo muss es eine Droge gewesen sein. Ich habe den Hund so gesehen, wie mein Verstand erwartet hat ihn zu sehen“, erklärte Sherlock verbissen.

Dean beschloss dazu lieber nichts zu sagen, weil er schon ahnte, sein Einwand, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gab – und darüber und drunter – die alles übertrafen, was der Verstand sich ausdenken konnte, sowieso nicht gehört wurde. Vermutlich würde Sherlock die Existenz eines Höllenhundes sogar dann noch leugnen, wenn dieser ihn auf der Brust stehend an den Boden pinnte und ins Gesicht sabberte. Wie sein Bruder teilte er immer mehr die Überzeugung, dass sie es hier mit etwas anderem zu tun hatten. Er hatte also keinen Grund, Sherlock über die wahre Natur der Welt aufzuklären, in welcher dieser lebte. Er gönnte es anderen Menschen, wenn ihnen dieses Wissen nicht den Nachtschlaf raubte. Es reichte, wenn es den Jägern so ging.

Sie erreichten einen Überwachungsraum, von dem aus sie das Labor, in welches Sherlock die anderen beiden geschickt hatte, perfekt überwachen konnten. Sie hatten ebenso Zugriff auf die Beleuchtung, das Lautsprechersystem und die Türkontrolle. Sprich alles, was Sherlock für seine kleine Scharade nötig hielt. Seiner Theorie nach sollten Sam und John, von den Drogen beeinflusst in einer Stresssituation, garniert mit ein wenig auditiver Unterstützung, glauben ein Monster zu sehen. Dean wünschte ihm schon jetzt viel Erfolg bei dem Versuch Sam mit ein bisschen Nebel, ausfallendem Licht und unheimlichen Lauten in Angst zu versetzen. Der einzige Grund, warum er überhaupt dieser verrückten Sache zugestimmt hatte war der, das er felsenfest davon überzeugt war es würde rein gar nichts passieren. Wohingegen Sherlock felsenfest überzeugt war, dass es funktionierte.

Was bedeutete, der Detektiv nahm es in Kauf, dass er seinen Partner für ein Experiment unter Drogen setzte und er ihm dann den Schock seines Lebens verpassen würde. Ein Stück weit konnte Dean es sogar nachvollziehen, auch er hatte schon äußerst fragwürdige und verwerfliche Dinge getan, um sein Ziel zu erreichen. Aber vor Sam zog er dann doch in der Regel eine Grenze. Sherlock tat dies nicht. Und Dean wusste nicht, ob es ihn beeindrucken oder abstoßen sollte, dass der Detektiv so agierte. Es hätte ihn eindeutig abgestoßen, wenn er sich sicher wäre, dass Sherlock dies auch machen würde, wenn er glauben würde, dass er Johns Leben damit in Gefahr bringen würde. Aber was das anging, so glaubte er etwas anderes zu erkennen. Womöglich hing es mit Sherlocks Antwort auf eine Frage zusammen, die er dem Briten gestellt hatte, als dieser ihm seinen Plan erklärt hatte.

„Warum weihen Sie mich ein?“, hatte Dean gefragt, nachdem Sherlock seine Ausführungen beendet hatte und ihn mit diesem erwartungsvollen Blick ansah, als könnte er es kaum erwarten loszulegen und die beiden Männer unter Drogen zu setzen.

Das Leuchten verschwand und Dean fühlte sich auf eine Art gemustert, welche ihn dazu brachte das Kreuz durchzustrecken und seinen Körper anzuspannen, ganz so, wie man es in Erwartung eines Angriffs tat. Zu seiner Verwunderung ließ genau das Sherlock zufrieden lächeln.

„Deswegen“, sagte Sherlock und da Dean immer noch nicht verstand, fuhr er nun wieder in diesem ergebenen Tonfall fort den er immer hatte, wenn er anderen das erklären musste, was doch eigentlich auf der Hand lag. „Weil Ihre erste Reaktion immer Kampf und Angriff ist. Sie sind kein Kopfmensch und Sie sind auch kein Soldat, wenn Sie auch vermutlich ähnlich ausgebildet wurden. Aber Sie sind tödlich, Dean. Sie unter Drogen zu setzen und dann in Johns Nähe, oder die anderer Menschen zu lassen, wäre unverantwortlich.“

„Und deswegen setzen Sie lieber ihren eigenen Partner unter Drogen?“ Dean konnte es nicht fassen, kämpfte aber gleichzeitig mit dem Bedürfnis zu lachen.

„John ist mir bestens vertraut. Seine Reaktionen auf dieses Experiment liefern mir die sichersten Daten. So wie Ihnen zweifellos die Reaktionen ihres Bruders vertraut sein werden. Es war also die logische Wahl. Außerdem hätte John einem solchen Experiment niemals zugestimmt, egal wen ich als Versuchsperson gewählt hatte“, räumte Sherlock widerwillig ein.

„Hat John auch das Kleingedruckte gelesen, bevor er mit ihnen diese Beziehung eingegangen ist?“ Dean schüttelte mit einem fassungslosen Grinsen den Kopf. Scheinbar fürchtete Sherlock sich nicht davor, dass John ihn verlassen könnte, sollte er je davon erfahren.

Die Braue des Briten wanderte ein gutes Stück höher. „Beziehung?“

„Na, Sie und John sind doch ...“ Dean brach ab, da ihm jetzt auch aufging, dass Sherlock schon bei seiner Nachfrage genau gewusst hatte, welche Art Beziehung sein Gegenüber meinte. „Der Wirt hat so was gesagt“, verteidigte Dean seine Annahme.

Der nichtssagende Ausdruck von Sherlock änderte sich nicht. „Kein Paar. John ist nicht schwul.“

Dean entging nicht, dass sein Gegenüber damit nur für seinen Mitbewohner sprach. „Und Sie sind?“, fragte er aus einem Impuls heraus. Erneut wurde er mit einem langen Blick gemustert, der andere womöglich verunsichert hätte, doch Dean war nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen.

„Mit meiner Arbeit verheiratet.“ Der kühle Ausdruck taute etwas auf, als Sherlocks Lippen sich zu einem kleinen Lächeln verzogen. Zu seiner Überraschung nickte Dean verstehend und gab ein „Geht mir genauso“ zurück. Bei den ganzen Frauengeschichten, die der Amerikaner hatte, hatte Sherlock etwas anderes erwartet. Doch scheinbar waren die wirklich nicht mehr als Zerstreuung und nicht die Suche nach „der Richtigen“.

„Nun, wo das geklärt ist – zurück an die Arbeit“, bestimmte Sherlock zufrieden.

Toll, Sherlock hielt ihn also für einen unkontrollierbaren Berserker, oder etwas in der Art. Es zeigte ihm aber auch, dass Sherlock auf seine eigene verschrobene Weise durchaus auf Johns Sicherheit achtete und auf ihn aufpasste. Der Brite war schwer zu durchschauen und noch schwerer zu verstehen. Gemeinsam beobachteten sie über die Monitore wie Sam und John anfingen das Labor zu erkunden. Das Personal war angewiesen worden den Raum zu verlassen und mittlerweile waren die beiden dort allein. Die Türen waren verriegelt und Sherlock steigerte nach und nach den Gruselfaktor, indem er die Beleuchtung dämpfte und dann anfing unheimliche Geräusche einzuspielen.

John und Sam hatten ihre Taschenlampen gezückt. Die Bedingung für das Betreten der Anlage war keine Waffen gewesen. Nur Dean hatte gewusst, dass dies Sherlocks Bedingung gewesen war und warum er darauf bestanden hatte. Tatsächlich hatte Dean darauf geachtet, dass sein Bruder keine Pistole bei sich trug. Da er kein Teil des Experiments war, hatte er ohne Sherlocks Wissen dessen Regel ignoriert. Er trug sowohl den Revolver als auch das Dämonenmesser bei sich. Für alle Fälle.

John war offensichtlich niemand, der sich durch ein leeres Labor und gedämpftes Licht bereits in Angst und Schrecken versetzen ließ. Wie Sam bewegte er sich wachsam und vorsichtig vorwärts, aber keineswegs panisch. In dem Labor befanden sich einige Käfige, manche durch Tücher abgedeckt. Manche davon waren nicht leer und als die Männer darüber stolperten, erschraken sie auch für Sherlock und Dean sichtbar. Die eingespielten Geräusche sorgten für zusätzliche Unruhe. Dean musste zugeben, dort unten in dem Labor fühlte sich das alles vermutlich überaus echt und bedrohlich an, während er sehen konnte, dass Sherlock wie ein Puppenspieler in Wahrheit die Strippen zog. Und das auf eine überaus effektive Art und Weise. John und Sam hatten sich derweil in einem der Käfige verschanzt und Sherlock wollte gerade Johns Handy anrufen, als das Licht in dem Labor komplett ausfiel. Über den Lautsprecher hörte er verblüffte und erschrockene Ausrufe – dann Stille. „Sherlock, was soll das?“, zischte Dean und nahm den Blick keine Sekunde vom dunklen Monitor, weswegen ihm auch nicht auffiel, dass der Detektiv es ihm gleich tat und die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst hatte.

„Das war ich nicht“, schnappte Sherlock zurück und versuchte es erneut mit dem Schalter, welcher das Labor in taghelles Licht tauchen sollte. Endlich flammte das Licht auf, doch der Käfig, in welchem die beiden Männer Schutz gesucht hatten, war nun leer.

"Ohhh, nein, nein. Nein. Das kann nicht sein", murmelte der hochgewachsene Mann eher verärgert denn beunruhigt in sich rein.

"Was kann nicht sein?", schnappte der zweite Mann, welcher den ersten sogar noch knapp überragte, schneidend.

"Sie sind weg. Ich habe sie verloren", wurde er genervt informiert, wobei der Sprecher mit zusammengekniffenen Augen die Bilder auf mehreren Überwachungsmonitoren anstarrte.

"Verloren? Sam ist doch kein verdammtes Paar Schlüssel. Wie konnten Sie ihn verlieren!?"
Grünes Feuer traf auf blaues Eis.

Dean Winchester und William Sherlock Scott Holmes maßen sich mit Blicken, bis sie zeitgleich nach ihren Handys griffen. Dean um die Nummer von seinem Bruder zu wählen. Sherlock um ein weiteres, fragendes "John?" in das Gerät zu bellen.

Beide erhielten sie keine Antwort.

"Ich versteh das nicht. Wie konnten alle Kameras in dem Labor gleichzeitig ausfallen?", fragte Sherlock und starrte dabei auf den leeren Käfig, in dem sich eben noch sein Kollege und Sam Winchester befunden hatten.

Auch Dean starte auf den Fleck, wo er seinen Bruder und John Watson zuletzt gesehen hatte. "Wir müssen sie finden, Holmes."

~ ~

Sam konnte es gar nicht so recht glauben, wie schnell sich die Dinge gerade radikal zum Schlechteren gewendet hatten. Angefangen damit, dass John und er plötzlich in diesem Labor eingeschlossen waren, die Beleuchtung auf Notstrom geschaltet und sie von der Außenwelt abgeschnitten waren. Dann die Erkenntnis, dass scheinbar eines dieser Tiere aus seinem Käfig entkommen war. Und nein, das klang nicht wie ein Kaninchen. Weder Sherlock noch sein Bruder gingen an ihre Handys, also beschlossen John und er, sich fürs Erste in einen der Käfige zu flüchten, bis jemand ihre missliche Lage bemerken und sie daraus befreien würde. Er hatte ja noch nicht mal sein Messer dabei, um sich zur Wehr zu setzen und der Rundgang durchs Labor hatte ihm schon gezeigt, dass sich dort nichts befand, was er als Waffe hätte einsetzen können oder wollen. Also abwarten. Dann war es schlagartig so dunkel, dass er nicht mal mehr John neben sich ausmachen konnte, lediglich fühlte er die Bewegung neben sich. Er wollte etwas sagen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken, als der Boden unter ihren Füßen wegkippte und sich das ekelhafte Gefühl eines freien Falls breit machte.

Mit einem dumpfen Ächzen schlug er auf einem harten Untergrund auf und ein ganz ähnlicher Laut knapp neben ihm verriet, dass der Doktor das gleiche Schicksal erlitten hatte. Vorsichtig versuchte Sam seine Glieder zu bewegen und machte eine schnelle Bestandsaufnahme. Zwar schmerzte es gewaltig, doch er war in der Lage aufzustehen. Keine Brüche, nur ein paar Prellungen.

Dr. John Hamish Watson und Sam Winchester standen zeitgleich auf. Einander gegenüber stehend tauschten sie einen verblüfften Blick, nur um sich dann gänzlich synchron zu der Person umzudrehen, die sie just in dem Moment mit einem smarten "Hallo, Jungs" begrüßte.
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