Der Höllenhund von Baskerville (SPN/Sherlock)

von Muecke49
CrossoverKrimi, Mystery / P16
08.10.2019
14.01.2020
13
36.187
19
Alle Kapitel
108 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
19.11.2019 1.997
 
Ein ganz liebes Dankeschön an Nuxe, Kalea, thea, Lady serenity, Jodis, meine Strahlefrau und Fiver.

Das Beantworten der Reviews kann die Woche etwas dauern. Private Termine und Krankheit bremsen mich an der Stelle etwas aus. I

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel.

LG Mücke

Kapitel 7

Es war tatsächlich erstaunlich, denn egal ob man Johns Worte in seinem Blog las oder ob man sie hörte, sie bewirkten immer, dass man ein anderes Bild von Sherlock Holmes bekam, als dieser es einem in Natura vermittelte. „Sie haben sich gegenseitig gerettet. So etwas verbindet, ich versteh das.“

Mit einem langen Blick maß John sein Gegenüber und kam zu dem Schluss, dass dieser es womöglich tatsächlich verstand. „Wir sind kein Paar, falls sie das denken. Ich weiß, Sie haben den Wirt gehört. Ich habe es mir nur abgewöhnt zu widersprechen. Es glaubt mir sowieso keiner.“ Humorvoll zuckte John die Achseln und Sam kam nicht umhin ebenfalls zu grinsen. Er mochte den Briten, mit seiner ruhigen, unaufgeregten Art. „Was ist mit Ihnen? Ihr Bruder scheint mir zuweilen auch ...“ John suchte noch nach einem passenden Wort, dass keine allzu große Beleidigung sein würde.

„Eine Dramaqueen zu sein?“, ergänzte Sam grinsend.

„Anstrengend war eher das Wort, das mir vorschwebte. Aber ja, warum jagen Sie mit Ihrem Bruder irgendwelchen Dingen nach, versuchen Menschenleben zu retten, statt ein Leben zu führen, dass Sie nicht in den ständigen Konflikt mit der Polizei oder dem FBI führt? Ich habe den Eindruck, Sam, Sie hätten durchaus das Potential dazu, mehr zu erreichen.“

Jetzt war es an Sam zu seufzen und er wich kurz Johns Blick aus. „Weil es das Richtige ist, John. Und weil es wichtig ist, dass es jemand tut. Denn es gibt da draußen niemand anderen, so wie es niemand anderen gibt, der das tun kann, was Sie und Sherlock tun.“ Denn es stimmte, Sherlocks Fähigkeiten waren auf ihre Art einzigartig und befähigten ihn zu etwas, was sonst niemand anderer konnte. Bei ihm und seinem Bruder war es ähnlich. Es gab viele Jäger da draußen. Aber kein anderer Jäger hatte ihr Know How, ihre Erfahrung und ihre Ausbildung. Und doch war es nicht das, was sie so erfolgreich machte. Allen voran war es die Tatsache, wie sie als Team agierten. Das sie den anderen blind kannten, sich ohne Worte verstanden und intuitiv wussten, wie der andere tickte. So etwas konnte man nicht antrainieren oder erlernen. Es war da, oder es war nicht da. Er und Dean hatten es und Sam zweifelte nicht daran, dass es bei dem britischen Ermittlerduo ebenso war. Und womöglich war es genau das, weswegen die Leute dem Irrtum erlagen und mehr in deren Freundschaft interpretierten.

„Dean hat mich quasi großgezogen. Unser Vater war viel unterwegs. Und er kam nur schlecht mit dem Tod unserer Mutter klar. Bis zu seinem Tod jagte er fanatisch ihrem Mörder nach und schleifte Dean und mich dabei quer durch die USA. Als ich älter wurde, habe ich mit den beiden gebrochen, bin an die Uni gegangen, hab Jura studiert und wollte ein normales Leben führen. Aber es gibt Dinge, vor denen kann man nicht fliehen und so holte mich alles wieder ein. Dean, er hat mich niemals aufgegeben. Mich nie im Stich gelassen. Egal wie schlimm es auch war, egal wie … schlimm ich auch war. Niemals. Er ist mein Bruder. Ich lasse ihn ebenso wenig im Stich. Und er kann das hier nicht alleine machen.“

„Verstehe“, sagte John leise und es war wirklich so. Er verstand nun mehr als gut. Sam wandte den Kopf von ihm ab und lenkte damit Johns Aufmerksamkeit auf die Straße, wo sich Sherlock näherte und sie nun ebenfalls erblickte. Kurz stoppte er, scheinbar überrascht, doch dann kam er zielstrebig näher.

„Ich lass sie dann mal allein“, sagte Sam und trat eilig den Rückzug an. Er passierte Sherlock und nickte ihm lediglich knapp zu, wobei es offen blieb, ob das überhaupt registriert wurde.

Sherlock war früh an diesem Morgen bei Henry gewesen. Er hatte nahezu die ganze Nacht über die Frage gegrübelt, wie er gesehen haben konnte, was er nun mal gesehen hatte, wenn dies doch gleichzeitig nicht möglich war. Es musste einfach eine andere Erklärung geben als die, dass es real gewesen war. Und tatsächlich war ihm noch eine andere Möglichkeit eingefallen. Er hätte früher darauf kommen sollen, schließlich waren ihm Drogen nicht gänzlich unbekannt. Und er hatte einen Master in Chemie. Ein Blick auf die von Sam Winchester geklauten Listen hatte ihm gezeigt, dass es in Baskerville durchaus Substanzen gab, die eine solche Reaktion hervorrufen konnten. Doch wie wurden die Drogen den Leuten untergejubelt?

Auch dazu hatte er bald eine Theorie und genau aus dem Grund überfiel er bereits in aller Frühe Henry, der sichtbar verwirrt über seinen Besuch war, dessen Sinn sich zumindest seinem Klienten nicht erschloss. Sherlock dagegen rauschte bereits kurz darauf wieder von dannen, ohne überhaupt das Angebot Kaffee zu kochen wirklich umgesetzt zu haben. Lächerlich, als ob er zu Besuch käme, um jemanden einen Kaffee zu kochen. In seiner Manteltasche verbarg sich das, worum es ihm wirklich gegangen war. Zucker. Bei den Amerikanern konnte er es schlecht überprüfen, doch was John und ihn anging, konnte er mit Sicherheit sagen, dass sie die identischen Dinge getrunken und gegessen hatten. Bis auf die Kleinigkeit, dass Sherlock Zucker in seinen Kaffee gab und John nicht. Dean trank seinen Kaffee ebenfalls schwarz, bei Sam konnte er es nicht sagen. Henry benutzte auch Zucker und sie hatten beide den Hound gesehen. Er stolperte immer noch darüber, dass Henry dieses Wort so merkwürdig aussprach. Zu Fuß stapfte er durch den um diese Uhrzeit immer noch nahezu menschenleeren Ort. Sein Magen zog sich ein klein wenig zusammen, als er unvermittelt John mit Sam auf dem Friedhof sah. Sein Freund war ernsthaft verärgert und hatte es ihn spüren lassen. Seit dem gestrigen Abend war John äußerst kurz angebunden und sprach nur das Allernötigste mit ihm. Seine Worte hatten John verletzt, das wusste er nur zu gut. Bei den meisten Menschen kümmerte es ihn nicht, ob er sie mit seinen Worten verletzte. Wenn sie die Wahrheit nicht ertrugen, dann war das nicht sein Problem. Gestern jedoch, hatte er einen Fehler gemacht. Er war es schlicht und ergreifend nicht gewohnt, einen Freund zu haben. Nicht einen und das quasi seit Kind auf. Mehr als Johns Reaktion, machte ihm der Fakt, wie unkomfortabel sich diese Reaktion für ihn anfühlte, klar, dass er eben doch zumindest einen Freund hatte. Und diesen wollte er nicht verlieren. Also musste er das hier irgendwie wieder geraderücken, denn er konnte nicht arbeiten, solange dies weiter zwischen ihnen stand.

Sein Versuch John milde zu stimmen, indem er auf das einging, was er ihm am gestrigen Abend schon hatte sagen wollen, schlug fehl. Scheinbar war der geheimnisvolle Morsecode kein Geheimnis mehr und John hatte ihn entschlüsselt. Sein kleiner Scherz konnte das Eis ebenfalls nicht brechen. Nun gut, er hatte eigentlich gehofft das hier ohne Kniefall hinzukriegen, doch John schien verärgert wie selten zuvor. Also versuchte er es damit, dass er John erklärte, was ihn am gestrigen Abend so aus der Bahn geworfen hatte und tatsächlich schien sein Freund ihm zuzuhören. Nur um sich dann erneut von ihm abzuwenden, mit dem Hinweis, dass er ja dann etwas gefunden hätte, dass ihn beschäftigt.

Also doch der Kniefall. Er sprach nie gern über solche Dinge. Der Blick hinter die Fassade, den er eigentlich lieber verwehrte. Selbst John. Oder auch gerade John. Nur war er bei dem Doktor damit nicht so erfolgreich, wie beim Rest der Menschheit und womöglich war John gerade deswegen zu dem geworden, was er jetzt auch laut aussprach. „Hör mal, was ich da gesagt habe John, dass meine ich wirklich ernst. Ich habe keine Freunde. Ich habe nur einen.“ Einen langen Moment sahen sie sich nur an und auch wenn John sich nur mit einem überaus knappen „Schön“ erneut von ihm abwandte, um den schmalen Weg zurück zum Gasthof entlang zu stapfen, konnte Sherlock den Unterschied sehen. Nicht länger verärgert, nur noch verstimmte Resignation darüber, dass er ein weiteres Mal Sherlock seine schroffe Art vergab. Just in dem Moment kam Sherlock ein Gedankenblitz und das nur dank John und dessen Morsecode. Endlich hatte er eine mögliche Erklärung für die eine Sache, die ihn überhaupt dazu bewogen hatte, den Fall anzunehmen. Überschäumend vor Begeisterung rannte er John hinterher, überholte ihn und lobte dabei dessen Fähigkeiten als Lichtleiter überschwänglich. Er meinte das Kompliment ernst, auch wenn John ihn zur Vorsicht mahnte, weil seine Komplimente doch häufiger die Neigung hatten wie eine Beleidigung zu klingen. Er wandelte gerade auf dem schmalen Grat, wo John es noch als Kompliment sah.

Henrys Sprechweise hatte ihn dazu gebracht, die fünf Buchstaben immer als ein Wort zu sehen. Doch was, wenn sie wie Johns Morsecode einzeln standen und gar kein echtes Wort bilden sollten? H.O.U.N.D.? Er musste nur noch herausfinden, wofür sie dann standen. Vorher galt es jedoch seine Theorie zu bestätigen und dafür waren extreme Maßnahmen erforderlich: Ein Anruf bei seinem Bruder. John verschwand ins Innere des Gasthofs und Sherlock beendete das Telefonat, mit der Zusage, dass er sich für vierundzwanzig Stunden frei auf Baskerville bewegen konnte. Er wollte sich gerade auf die Suche nach John machen, als Dean ins Freie trat und damit Sherlocks Pläne änderte.

Ohne sich mit umständlichen Grüßen aufzuhalten schloss er zu dem Amerikaner auf. „Und, sind sie mit Ihren Ermittlungen weitergekommen?“

Dean zuckte die Schultern. „Wie man will. Ich hab Henrys Therapeutin kennengelernt und versucht bei ihr weiterzukommen.“

„Hatten sie Erfolg?“

Tatsächlich sah Dean enttäuscht aus. „Sie glaubt an ein verdrängtes Kindheitstrauma.“

„Sonst keine weiteren Erfolge?“, fragte Sherlock lässig.

Im ersten Moment glaubte Dean sich verhört zu haben, doch ein Blick in Sherlocks Gesicht zeigte ihm, dass er keineswegs falsch verstanden hatte. Er grinste anzüglich und schnitt dann eine Grimasse. „Sam ist eben ins Zimmer geplatzt. Sie waren beide nicht davon angetan. Die Frau ist gegangen und ich hielt es für gesünder, das Feld für eine Weile zu räumen.“

„Ihr Verlust mag mein Gewinn sein. Ich habe eine Theorie, die ich gerne bestätigen würde. Helfen Sie mir dabei?“ Sofort schaltete der Mann vor Sherlock um und sah ihn nun erwartungsvoll und konzentriert an. Damit hatte er gerechnet, die Amerikaner waren Profis und er hatte keine Hemmungen, sich das zunutze zu machen.

~ ~

Wenig später waren sie zu viert erneut nach Baskerville unterwegs. Diesmal gelangten sie ohne Tricks und Täuschung in die Anlage. Sherlocks Bruder sei Dank. John wusste nicht, was Mycroft sich hatte im Gegenzug dafür versprechen lassen. Aber er war sich sicher, dass der ältere Holmes es nicht umsonst getan hatte. Sherlock hatte sich seinem Freund gegenüber nur sehr vage ausgedrückt, warum er zurück in die Anlage wollte. Wie schon beim letzten Mal parkte Sherlock das Fahrzeug und verkündete, dass er mit Major Barrymore sprechen müsste. „Dean begleitet mich, während du dir mit Sam die Labore ansiehst. Fangt bei Stapletons Labor an. Und seid vorsichtig, es könnte gefährlich werden.“

Johns Blick drückte Überraschung über die von Sherlock gewählte Einteilung aus. Normalerweise war Sherlock kein Freund von neuen Menschen und noch weniger schätzte er es, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dabei machte es durchaus Sinn, dass sie sich derart aufsplitteten. So konnten sie ihrer beider Know How am effektivsten kombinieren. Das der Briten und das der Amerikaner.

Sam schien sich bei dem Gedanken, Dean mit Sherlock allein zu lassen, auch nicht wohl zu fühlen. Die beiden waren einander bisher nicht gerade sehr grün gewesen, doch was sollte schon schief gehen? Sie waren diesmal ganz offiziell hier und durften sich überall aufhalten und sich alles ansehen. Der Winchester ging nicht davon aus, dass sich ein Höllenhund im Keller der Anlage befand. Es war unmöglich ein solches Wesen für längere Zeit gefangen zu halten. Auch wenn er immer mehr Zweifel daran hatte, dass die Jäger hier finden würden, was sie brauchten, so interessierte es ihn dennoch brennend, was hinter dieser Anlage und dem Monster von Dewers Hollow steckte. So folgte er John, der bereits den Weg zu dem Labor von seinem ersten Besuch kannte.
Review schreiben