Blut und Eisen

GeschichteRomanze, Fantasy / P16 Slash
Jungkook V
08.10.2019
11.11.2019
33
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I still wonder wonder

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I want to make you mine

(V – Scenery, 2018)



Ich konnte Park Jimin schon auf den ersten Blick nicht ausstehen.

Ich wusste nicht, was es war. Seine pinken, perfekt gestylten Haare? Sein gefaktes Zahnpasta-Lächeln? Jetzt mal ehrlich, das konnte doch nicht echt sein?

Dass er seinen Mund nicht halten konnte und einfach viel zu viel Stuss laberte?

Oder war es einfach, dass Yoongi – mein Kumpel Yoongi – sich nur mit ihm unterhielt und dabei, hallo, ganz vergaß, dass ich auch noch da war?

„Komm doch mit“, hatte Yoongi gesagt. „Ich treff mich nur noch schnell mit einem neuen Kumpel. Der wird dir sicher gefallen.“

Haha. Guter Witz. Ich lachte ja schon.

Mit einem bösen Blick versuchte ich diesen Jimin zu vertreiben. Man hatte mir einmal gesagt, ich würde mich als Geisterjäger gut machen. Mein Todesblick würde selbst bösartigste Untote in Schockstarre versetzen. Aber bei Jimin – da war alle Mühe vergeblich. Er lachte nur. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast glauben, der Kerl lachte mich aus!

Dabei kannten wir uns doch kaum. Abgesehen davon, dass wir uns hassten.

„Toll, dass ihr euch so gut versteht“, sagte Yoongi. Bei ihm konnte man sich nie sicher sein, ob er das ernst meinte oder ob wieder einmal sein berühmt-berüchtigter Sarkasmus durchkam.

„Kommt ihr noch mit?“, fragte Jimin, für meinen Geschmack viel zu gut gelaunt. „Ich fühle es in meinen Knochen. Ich muss heute unbedingt noch in den Club und Tanzen gehen. Ihr kommt doch auch? Keine Widerrede!“

Ich stöhnte. Jetzt wusste ich, was mich an dem Knaben störte. Er war eines dieser arroganten, hoffnungslos verwöhnten High-Society-Einzelkinder, die sich einbildeten, immer alles und jeden bekommen zu müssen. Und zwar sofort.

Das heißt, ich hoffte mal, dass er Einzelkind war. Für seine ungeborenen, sicher zu bemitleidenden Geschwister hoffte ich das.

Und das Schlimmste von allem war: Er glaubte, er würde auch meinen Yoongi bekommen! Also, nicht, dass Yoongi mein best Kumpel wäre oder so etwas. Als ob ich einen best Kumpel hätte, also wirklich. Ich doch nicht. Über so etwas stehe ich drüber. Aber ich hatte doch gehofft, dass es ein schöner Abend werden würde mit Yoongi. So oft hatten wir das noch nicht gemacht, seitdem wir angefangen hatten, miteinander zu arbeiten. War das wirklich erst ein halbes Jahr her, dass ich Min Yoongi kennengelernt hatte? Unglaublich, wie schnell die Zeit verging!

Ich mochte Yoongi. Ich hätte es wirklich schlimmer treffen können. Es gab Schlimmeres als Min Yoongi als Partner.

Doch das war gewesen, bevor eben dieser Min Yoongi aus dem Nichts Park Jimin anschleppte.

„Das nächste Mal, Yoongi“, sagte Jimin auch noch, „da treffen wir dann meine Freunde!“

Ich seufzte. Das war es wohl gewesen. Mit einem schönen Abend. Einem schönen Job. Einem schönen Leben.

In diesem Moment brummte mein Telefon. Schnell überflog ich die Nachricht. Es war die Arbeit.

„Das tut mir jetzt aber leid“, sagte ich in meinem traurigsten Tonfall. „Aber wie es aussieht, werden wir dich hier wohl verlassen müssen, Jimin. Die Arbeit ruft…“



„Sie haben das Recht zu schweigen“, brüllte Yoongi. „Alles, was Sie sagen, kann und wird gegen Sie verwendet werden.“

Ich machte da kürzeren Prozess, schlug dem Schwein, das gedacht hatte, es könnte mitten in der Nacht eine Tankstelle ausrauben und dabei auch noch ein kleines Mädchen als Geisel nehmen, noch einmal in den Bauch und ließ dann die Handschellen klicken. Der würde uns nicht mehr entkommen.

Alles in allem war das doch ein viel besserer Abend geworden als gedacht! Und das Beste von allem: Kein Park Jimin weit und breit!

Eines Tages würde ich noch einmal mit Yoongi reden müssen. Dieser Jimin konnte doch nicht sein Ernst sein, oder? Wie konnte er nur auf die Idee kommen, ich würde mich mit so einem vertragen? Was fand er überhaupt an diesem eingebildeten Idioten?

Niemals war ich eifersüchtig auf Park Jimin. Niemals hatte ich gleich am nächsten Morgen versucht, seine Frisur, die so aussah, als wäre er direkt aus dem Bett aufgestanden, nachzumachen. Niemals fragte ich mich, wie er es geschafft hatte, nach nur ein paar Tagen viel dicker mit Yoongi zu sein als ich nach einem halben Jahr.

Äußerlich war alles wie immer. Ich schlug Yoongi immer noch auf die Schulter, fester als nötig, als ich am Morgen in unser Arbeitszimmer im Polizeirevier kam. Yoongi sprang immer noch auf und boxte mir in den Bauch. Mehr konnte er auch nicht – der Gute war fast einen Kopf kleiner als ich! Aber drahtig war er. Wenn es hart auf hart kam, hätte ich keine Chance gegen ihn, und das wusste er.

Aber zum Glück konnte ich mich auf Yoongi verlassen. Er nahm es mir nicht übel, dass er zwar fast drei Jahre älter war als ich, aber im Rang unter mir stand und auch immer unter mir stehen würde.

Er war ein begnadeter Polizist. Er war schnell und roch die Gefahr – mehr, als ich das wohl jemals könnte. Und doch hatte ich ihm ein kleines, aber entscheidendes Stück Papier voraus. Ich hatte vor einem halben Jahr frisch die Polizeischule hinter mich gebracht und hatte endlich den Kommissarrang erreicht. Genau wie mein Vater und meine Großmutter.

Yoongi dagegen hielt nicht viel von Schule. Ich hatte sein Abschlusszeugnis gesehen. Er hatte es mir gezeigt. Sagen wir so: Ich musste mir keine Gedanken machen, dass Yoongi mir jemals meinen Job streitig machen würde.

Aber vielleicht passten wir deshalb so perfekt zusammen. Yoongi war der Mann fürs Grobe. Immer einen spitzen Spruch auf den Lippen, immer unschuldig schauend, als ob er keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte – und dann, wenn niemand aufpasste, schlug er zu.

Und ich. Auf den ersten Blick viel klobiger und tollpatschiger als der zierliche Yoongi. Aber nicht nur einmal hatte ich uns beide schon aus einer brenzligen Situation befreit, einfach indem ich den hitzköpfigen Yoongi erst einmal bremste und lieber abwartete.

Ja, man könnte wohl sagen, wir passten zusammen. Der ewig quasselnde Yoongi – und ich. Es war gut so, wie es war. Wenn man mich fragte: So konnte es bleiben.



„Wie immer haben Sie Ihren Auftrag hervorragend ausgeführt“, brüllte uns Ban Hyun Suk an. Ban Boss, so nannte ihn das ganze Revier, brüllte immer. Vermutlich brüllte er auch, wenn er seiner Frau Liebesschwüre ins Ohr flüsterte.

Ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Ich fragte mich, was unser oberster Boss wohl heute von uns wollte. Hoffentlich einmal etwas wirklich Herausforderndes. Ich hatte keine Lust, den ganzen Tag irgendwelchen Kleinkriminellen hinterherzujagen. Dafür war ich nicht Kommissar bei der Kriminalpolizei geworden. Taschendieben hinterherzujagen – das konnte jeder. Meine Großmutter würde sich im Grab herumdrehen, wüsste sie, was ich den ganzen Tag trieb.

Ich sah Yoongi an, der neben mir saß und nur die Augen verdrehte. Ich wusste, dass auch er auf einen großen Fall hoffte. Zu lange hatten wir uns mit Nebensächlichkeiten wie diesem Tankstellenüberfall gestern herumärgern müssen.

Mich reizten viel mehr die wirklich großen Fische. Jeden Abend, wenn ich die Millionen Lichter Seouls um mich herum sah, spürte ich es in meinem Blut. Ich war dazu geschaffen, jedes einzelne der finsteren Geheimnisse unserer Stadt aufzudecken. Das war das Kim-Blut. Dazu waren wir geboren. Die Verbrecher aufzuspüren, und die größten von ihnen zuerst, das war unser Schicksal.

Yoongi hätte mich nur ausgelacht, hätte ich so etwas laut gesagt. Seine Mutter war Verkäuferin in einem Tante-Emma-Laden, und er war nur Polizist geworden, weil er sich so den Wehrdienst ersparte. Aber bei all seinem spöttischen Äußeren wusste ich doch, dass er, auch wenn er es nicht zugeben würde, sofort Feuer und Flamme wäre, wären wir endlich einmal einem wirklich großen Fisch auf der Spur.

So ertappten wir uns, wie wir uns anlachten, als Ban Boss endlich mit der Sprache herausrückte.

„Es ist ein merkwürdiger Fall, den ich Ihnen anvertrauen will. Wir wissen selbst nicht genau, wie wir es anpacken sollen. Aber bei Ihnen beiden liegt das doch sicher in den besten Händen.“

Wir nickten eifrig, hofften, dass Ban Boss uns nicht einfach nur irgendeinen Müll andrehte, den niemand sonst bearbeiten wollte. Wir waren hier immerhin die Elite-Einheit der Kriminalpolizei, Mann!

„Vor ein paar Wochen ist ein unbekannter Toter aus dem Han-River gezogen worden“, sagte Ban Boss. „Zuerst dachten alle, nichts Besonderes.“

Wir nickten. Das war die traurige Wahrheit, die Schattenseite des wirtschaftlichen Aufschwungs unseres schönen Landes. Es gab zu viele junge Leute, die dem Druck der Arbeitswelt nicht gewachsen waren und Erleichterung in den Drogen suchten. Natürlich war das streng illegal. Die Kollegen von Rausch und Sitte waren landesweit bekannt als die schärfsten Hunde zwischen Jeju und Pyöngyang.

Und doch zogen wir jede Woche ein paar Drogenleichen wie diese aus dem Fluss. Es war traurig. Aber es war die Wahrheit.

Was wollte Ban Boss dann von uns?

„Er sah blass aus“, erklärte unser oberster Chef. „Krank und schwach – und nicht einfach nur abhängig. Wir wurden aufmerksam und ließen eine genaue Autopsie machen. Doch die Kollegen von der Pathologie konnten nichts feststellen.“

„Keine Fremdeinwirkung, heißt das“, vermutete ich.

„Nicht nur keine Fremdeinwirkung – gar nichts“, sagte Ban Boss. „Der Mann hatte keine Drogen genommen. Er ist nicht geschlagen oder erschossen worden. Es scheint, als ob er einfach von der Brücke gefallen ist.“

„Und dann ist er ertrunken“, folgerte ich. „Kommt zwar nicht oft vor, aber so etwas passiert.“

„Das ist das Verrückte“, sagte Ban. „Er ist noch nicht einmal ertrunken. Kein einziger Tropfen Wasser in der Lunge. Der Mann war tot, als er von der Brücke gefallen ist.“

„Also doch Fremdeinwirkung“, folgerte ich, und Yoongi nickte.

„Und wir haben keine Ahnung, wie es passiert ist“, erklärte Ban.

Das war wirklich merkwürdig.

Doch Yoongi war, wie so oft, schon einen gedanklichen Schritt weiter.

„Wieso gerade heute?“, fragte er. „Sie haben gesagt, dieser Todesfall war schon vor zwei Wochen.“

Da griff Ban Boss vor sich auf seinen Schreibtisch und reichte uns eine Akte. Das Foto, das gleich oben lag, zeigte eine junge Frau. Sie war leblos und sah merkwürdig blass aus. Ihre Haare waren noch nass. „Han-River“, stand daneben. Und darunter das heutige Datum.

Wer immer der merkwürdige Täter gewesen war – er hatte wieder zugeschlagen.

„Sie wollen also von uns, dass wir einen Geist finden“, fasste Yoongi zusammen, wie immer treffend auf den Punkt. „Man sieht ihn nicht, er hinterlässt keinerlei Spuren – und doch sterben die Menschen um ihn herum wie die Fliegen.“

Na dann – herzlichen Glückwunsch.
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