having the blues

von Skillz
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Bang Chan
08.10.2019
19.10.2020
42
151.260
19
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52 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
08.10.2019 1.079
 
❥ Meine Playlist zur Fanfiktion:  ̶̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶̶ ̶̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶̶ ̶ ̶̶ ̶̶ ̶̶ ̶̶̶ ̶̶̶ ̶̶ ̶ ̶̶
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Kalt.

Die Fliesen unter seinen nackten Füßen waren kalt. Die Hände klammerten sich verzweifelt am Rand des Waschbeckens fest. Daraus resultierend wurden die Knöchel weiß. Noch weißer als seine blasse Haut, die ganz verschwitzt war.

Die dunklen Haarsträhnen hingen ihm in die Stirn und verdeckten fast seine Augen. Krampfhaft hatte er diese auf den Streifen Papier geheftet, der immer weiter das Waschbecken hinab rutschte.

Unfassbar schnell schlug sein Herz, ließ alles rebellieren, krampfen, schmerzen. Es war kaum zu beschreiben, wie schlimm die überfordernde Empfindung war.

Sie war ein Tohuwabohu aus Angst, Zorn, Verzweiflung und Enttäuschung. Vor allem Angst. Er hatte Angst vor dem, was käme, wenn er realisieren würde, was er da vor sich sah.

Schwer schluckte er und spürte, wie die ersten Tränen in seinen Augen brannten.

Nein, Weinen war schrecklich. Weinen würde alles real machen und dann könnte er wirklich nicht mehr normal weiterleben.

Dann wäre es vorbei mit allem Schönem, was er sich aufgebaut hatte. Seine Hobbies, sein Ruf, einfach fucking alles.

Der Gedanke allein war so destruktiv und zerfraß sein Gehirn von innen, dass es ihm Kopfschmerzen bescherte. Ätzende Kopfschmerzen, die wie Parasiten alles in ihm aushöhlen wollten. Die letzte Kraft, die er hatte, nutzte er, um sich nach vorne zu lehnen und sich im Spiegel zu betrachten.

Seine Augen waren weit aufgerissen vor Schreck und die Schweißperlen liefen ihm langsam die Schläfe entlang über die Wange hinunter bis zum Kieferknochen. Vorsichtig wischte er darüber und schloss kurzzeitig die Augen.

Das ruhige Atmen half auch nichts. Seine Lunge wollte daran zerspringen und ihn elendig sterben lassen, falls er innerlich nicht schon einfach tot war.

Kalt.

Es war so kalt.

Zitternd atmete er ein weiteres Mal aus und griff nach dem verdammten Streifen. Es war so eine bescheuerte Idee gewesen, sich zu denken, dass er den Test einfach einmal schnell kaufen könnte, wenn er schon im Drogerie-Markt war.

Er war sich so sicher gewesen, das Ergebnis zu kennen. Beziehungsweise hatte er eine deutliche Tendenz, was ihm auch jeder Einzelne bestätigt hatte. Jeder glaubte zu meinen, dass er wusste, wer er war.

Doch wie konnten sie das noch behaupten, wenn er es scheinbar nicht einmal selbst wusste?

,,Oh, natürlich bist du ein Alpha!”

,,Jeder weiß, wer du bist. Das hast du schon so oft bewiesen.”

,,Du hast die Qualitäten eines Alphas, ohne Zweifel!”


Und hier stand Chan nun und hielt den Teststreifen, den er vorhin bei seinem Toilettengang verwendet hatte. Ein kleiner, aber so bedeutender Test bestätigte, dass er und alle um ihn herum sich geirrt hatten.

Es gab drei verschiedene Farben, die der Streifen haben konnte.

Rot für Alpha.

Grün für Beta.

Und Blau für Omega.

Vor Wut warf Chan den Mülleimer um und war kurz davor den Test zu zerknüllen. Aber die Information, die er hielt, war zu wertvoll. Und diese wegzuwerfen, würde nichts an ihm verändern.

Der blaue Streifen ließ sich nämlich nicht löschen. Auch wenn Chan ihn nicht mehr ansehen müsste, war er an und für sich noch immer präsent.

Er lehnte sich gegen die Badezimmertür und fing an, zu schluchzen, bevor er sich daran hinabgleiten ließ. Er zog die Beine an und vergrub das Gesicht zwischen den Knien, hielt noch immer den Test zwischen Zeige- und Mittelfinger, während er die Kälte nun an seinem ganzen Körper spürte.

Sein Leben, wie er es bis jetzt gekannt hatte, war offiziell vorbei. Da er zur Zeit spürte, dass er deutlich mehr an Stimmungsschwankungen litt, war er sich sicher, dass sein Hormonhaushalt einen Rückwärtssalto veranstaltete. Es würde also nicht lange dauern, bis er das Tattoo hätte. Bei seinem größten Pech könnte es an einer offensichtlichen Stelle wie der Hand oder dem Hals auftauchen.

Sollte das passieren, dann wäre er bereit, sich aus dem Fenster zu werfen.

,,Fuck, okay, beruhig’ dich.” Seine Stimme hallte unangenehm von den Wänden wieder, was eine Gänsehaut über seine Arme jagte.

Wackelig stand er auf und zog sein verschwitztes T-Shirt aus. Vielleicht erst einmal ein Bad, um seine Nerven zu beruhigen. Zwar könnte er nicht die Sorgen von sich waschen, aber er war gerade bis auf jeden einzelnen Zentimeter angespannt. Er musste sich erst einmal sortieren.

Daraufhin zog sich Chan komplett aus und betrachtete seinen Körper im Spiegel.

Sah denn so ein Omega aus?

Omegas waren zierlich und zart gebaut. Chan war vielleicht schlank, aber definiert und vor allem stark und kräftig für sein Alter. Niemals könnte er …

Er erschauderte bei dem Gedanken und verschränkte die Arme, wobei er sich leicht krümmte. Plötzlich war es furchtbar, sich selbst anzusehen und er glaubte, immer mehr Makel zu erkennen.

Makel, die dafür sorgten, dass er nun mal doch kein Alpha war.

Leise schniefend wischte er sich die letzten Tränen fort und begann damit, Wasser in die Badewanne ein zu lassen.

Zum Glück war er wenigstens alleine. So hatte niemand seinen Ausbruch mitbekommen. Daher hätte er noch ein wenig Zeit, sich in Selbstmitleid zu ertränken und daran zu ersticken, dafür, dass er nicht der war, für den ihn alle hielten.

Langsam glitt Chan ins heiße Wasser, woraufhin er zischte, aber anschließend einen sich entspannenden Laut von sich gab. Sein Kopf lehnte am Rand und er starrte an die Decke.

Was würde passieren? Was würde sich alles ändern? Was täte er denn nun?

Er schloss die  Augen und runzelte die Stirn. Möglicherweise könnte er auch den Rest seines Lebens verschweigen, was sein zweites Geschlecht war. Denn egal, welche Rolle ihm zugeteilt wurde: Chan wollte weiterhin für das kämpfen, was ihm wichtig war.

Doch er könnte das eher schwierig, wenn ihn alle aus dem Nichts mit anderen Augen ansähen. Das wäre kaum zu ertragen.

,,Ich will nicht”, flüsterte er und setzte sich auf. Gemächlich wusch er seinen Körper und starrte dabei ins Wasser.

Er hatte keine Seife oder Duschgel hinein gekippt, daher blickte ihm eine verschwommene Reflektion zurück. Sie war verzerrt, genauso wie er sich gerade fühlte.

Verzerrt, verbogen, verflucht.

Während er sein Spiegelbild so ansah, wurde der Frust immer größer und setzte sich zu einem riesigen Klotz in seinem Körper.

Chan versprach sich in diesem Moment etwas. Und zwar, dass niemand von diesem Geheimnis erfahren dürfte.

Seine Augen wurden zu Schlitzen.

,,Tja, dann sind es wohl nur noch du und ich.”
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