Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ein verpasster Anruf...

von DaiTaire
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Enjolras Grantaire
07.10.2019
07.10.2019
1
1.370
4
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
07.10.2019 1.370
 
Ein bisschen länger als die kleinen Sachen davor.
Here we go again.

][][][][][][][][][][][[][][

Er versuchte sich zu konzentrieren. Das Buch in seinen Händen, war eines jener, die er schon lange gelesen haben wollte. Die Couch, auf der er saß war bequem, die Wohnung warm und doch schien sich sein Verstand nicht beruhigen zu wollen. Wie immer, wenn er sich mit Grantaire gestritten hatte.
Es hätte keine Überraschung sein sollen. Beide waren in dieser Woche gestresst gewesen, was ihr Gedanken getrübt hatte. Alles, was es gebraucht hatte, war ein kleiner Funke, und sie schrien sich an. Es wurden verletzende Dinge gesagt und es endete damit, dass Grantaire aus ihrer Wohnung stürmte und einen wütenden Enjolras zurückließ.
Jetzt, ungefähr eine Stunde später, hatte sich die Flammen des Zorns beruhigt und sind Traurigkeit, sowie Schuldgefühlen gewichen. Grantaire hatte ihn verletzt, ja, aber auch er hatte es ihm gleich getan. Er seufzte. Sie gaben ein miserables Paar ab.
Enjolras Telefon klingelte. Er musste eigentlich nicht einmal auf den Bildschirm schauen, um zu wissen, dass es Grantaire war. Er blickte kurz auf das Bild, was Grantaire ihm für sich eingespeichert hatte. Er wandte sich wieder dem Buch zu. Er war ein Mann mit Stolz und außerdem verdiente sein Freund auch ein bisschen Strafe.
Das Klingeln hörte kaum für eine Sekunde auf, bevor es wieder begann. Enjolras seufzte erneut. Vielleicht sollte er es auf "stumm" stellen. Wie er Grantaire kannte, würde dieser solange anrufen bis er abhob. Sein alberner, wütender, störrischer, absolut  liebenswerter Freund. Nicht dieses Mal, Liebling. Er würde noch nicht nachgeben. Grantaire war nicht der einzige Sturkopf in ihrer Beziehung. Enjolras  grinste vor sich hin und bemerkte nicht wie sein Telefon verstummte.
Ungefähr zwanzig Minuten später stand er auf, um sich Tee zu holen. Als er sich wieder niederließ, richteten sich seine Augen auf sein vergessenes Handy. Das Licht blinkte und zeigt ihm damit an, dass er eine neu Benachrichtigung erhalten hatte. Er griff mit einer Hand danach, die andere hier noch immer seine Tasse fest.
Eine Voicemail.
Von Grantaire.
Das war eine Premiere. Enjolras würde lügen, wenn er behauptete, er wäre nicht überrascht. Normalerweise rief er so lange an, bis der Andere abhebt. Wenn dies nach achtzehn Anrufen nicht geschah, so schrieb er, bis er eine Reaktion erhielt. Er hinterließ dabei jedoch nie eine Voicemail. Die Tatsache, dass er nun eine hinterlassen hatte, war beunruhigend.
Enjolras öffnete sie schnell und hielt sich das Telefon an sein Ohr. Es war eine unangenehmer Knoten in seinem Bauch. Es gab einen Moment der Stille, als er ein schweres Atmen vernahm, welches ihn zusammenfahren ließ.
Jemand keuchte und atmete schwer, als wäre dieser kilometerweit gelaufen.
"Hey, Apollo.", kratzte eine Stimme, welche er Grantaire zuordnete. Er klang aufgewühlt, jedoch auch müde. Enjolras hielt das Telefon fester.
" Du hast nicht abgenommen, du Bastard. Ich verstehe warum, aber trotzdem. Ich wollte mit dir reden-" Der Satz wurde abgebrochen. Der Blonde hörte einen dumpfen Schlag, wie als ob etwas, oder eher einer fiel, gefolgt von einem Stöhnen. Er spürte, wie das Blut in seinen Adern gefror.
"Ich musste mit dir reden. Enjolras." Grantaires Stimme wurde leiser. Es war so viel Liebe in diesem einzelnen Wort geflossen.
"Enjolras, es tut mir so leid. Es tut mir so leid für den Scheiß den ich gesagt habe, für den Schmerz, den  ich dir zugefügt habe. Ich meinte kein Wort davon. Ich war so dumm. Und ich liebe dich. Ich liebe dich so verdammt sehr. Ich- Du musst das wissen."
Inzwischen hatte Enjolras seinen Tee abgestellt und hielt sein Telefon mit beiden Händen fest, um es so nah wie möglich an sein Ohr zu drücken. Er hört jeden Atemzug seines Geliebten zu. Der Atem des Anderen schnappt zunehmend, als erreichte nicht genug Sauerstoff seine Lunge.
"Ich- Ich weiß dass du dir Sorgen machen wirst, wenn du das hier abhörst. Das tut mir auch leid. Und. Gott. Ich- Es tut mir so leid zu sagen, dass diese Sorge nicht unbegründet ist."
Enjolras ließ fast sein Telefon fallen. Fast. Er sprang auf, zog seine Schuhe halb an und ringte mit seinem Mantel, während er schon aus der Tür stürzte.
"Ich schätze, ich schulde dir eine Erklärung, was?", gluckste Grantaire, während Enjolras am liebsten geschrien hätte.
"Ich- Ich bin in die übliche Bar gegangen. Weißt du, wie ein Idiot, der versucht seine Probleme zu ertränken. Es war eine schlechte Idee. So schlecht. Wenn ich nicht betrunken gewesen wäre, hätte ich nicht…" Erneut verstummte die Stimme. Da merkte Enjolras, dass sein Freund weinte. Er beschleunigte seinen Schritt. Gott sei Dank, wusste er wo die "übliche" Bar war, doch die letzten Worte des Mannes erschreckten ihn. Sein Verstand füllte sich mit schrecklichen Möglichkeiten, eine schlimmer wie die andere. Zum Glück fuhr Grantaire nach ein paar Atemzüge fort.
"Es gab einen Kampf. In der Bar. Ich weiß nicht einmal, warum es wirklich ging. Ich wollte mich nicht einmischen. Sie fing aber an, andere zu stören und zu schubsen. Ich wollte sie nur aufhalten. Sie schienen so betrunken zu sein, dass es kein Problem war. Ich hätte es können sollen! Es schien nicht gefährlich zu sein." Wieder hielt Grantaire inne, um zu Atem zu kommen, und Enjolras war für eine Sekunde beinah erleichtert.
Vielleicht hatte Grantaire sich nur verschätzt und wurde nur ein bisschen verprügelt, aber klang er so schwach, zu schwach um dieser Hoffnung nachzugehen. Er rannte mittlerweile, getrieben von Angst, die sein Herzschlag beschleunigte.
"Aber dann hat einer von ihnen ein Messer gezogen." Enjolras ließ sein Handy fallen, animierte sich jedoch sofort dazu ist aufzuheben und bedankte sich bei jeder höheren Macht, dass es nicht kaputt war. Seine Hände zitterten. Alles ergab plötzlich einen Sinn. Das Keuchen, der dumpfe Knall, das Stöhnen; Jedes schmerzhafte Geräusch ergab einen Sinn. Es machte Sinn, eine Voicemail hinterlassen und er hasste es. Er hätte gerne geschrien, geweint, aber er hatte keine Zeit. Er sprintete.
"Ich glaube, du hast es bereits erraten, nicht wahr? Du warst schon immer der Schlauere." Ein weiteres kichern, obwohl dies kürzer und schwächer war, eher wie ein einfacher Atemzug, der auf das zärtliche Lachen hinwies.
"Aber ja. Er hat mich erwischt. Ich habe es geschafft, mich in eine nahe gelegene Gasse zu schleppen, aber... Es ist schlimm Enj. Es ist verdammt schlimm. Schätze ich hatte heute abend Boussets Glück, huh?" Ein schwacher Versuch, ein Witz zu machen, aber Grantaire lachte trotzdem. Enjolras hätte auch gelächelt, wenn da nicht der schwache Husten gewesen wäre, in den sich das Lachen verwandelt hatte.
"Scheiße.", murmelte Grantaire. Enjolras wischte sich wütend über die Augen und versuchte zu sehen, wohin er ging. Das sollte nicht passieren. Nicht jetzt, niemals, nicht ihnen.
"Enjolras? Ich liebe dich, in Ordnung? Und es tut mir leid. Weißt du, ich glaube an dich, auch wenn du unglaublich bist." Enjolras könnte das Lächeln in Grantaires Stimme hören.
"Wenn jemand die Welt verändern kann, bist du es, sei aber vorsichtig, 'kay? Vor allem jetzt, wo ich nicht da bin, um es für dich zu sein. Sei nicht rücksichtslos. Vergiss nicht zu essen und zu trinken. Überarbeite dich nicht, vergiss nicht, ab und zu eine Pause zu machen. Sag- Sag allen, dass ich sie liebe und sie vermissen werde. Distanziere oder isoliert dich nicht. Und-" Grantaire unterbrach seine Rede. Seine Stimme wurde immer leiser, so das Enjolras kaum seine letzten Worte hörte. Die Angst, die sein Herz und Geist ergriff half nicht.
"Vergiss mich nicht. Ich liebe dich, Enjolras." Mit diesen letzten geflüsterten Worten verstummte Grantaire und in dieser Stille hörte Enjolras das Dröhnen von Sirenen.
Mit einem letzten Sprint erreichte er die Gasse, auf welcher er gesteuert hatte. Diese war voll mit Polizisten und einem Krankenwagen, aber Enjolras bemerkt dies kaum, als er sich vorstieß, selbst als sie  versuchten, ihn zurückzuhalten. Versucht ihn davon abzuhalten, die Gestalt an der Wand zu sehen.
Leblos; Kopf, bedeckt mit einem Mopp tintenschwarzer Locken, hing zur Seite; Der dunkelgrüne Mantel, der kaum den roten Fleck bedeckte, der einst ein schönes weißes Hemd war.
Grantaires Telefon war noch immer in seiner Hand.
Und schließlich schrie Enjolras.

][][][][][][][][][][][[][][

Review? (。•ﻌ•。)
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast