Remus Lupin und der Gefangene in meiner Hütte

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
07.10.2019
07.12.2019
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An diesem Abend machte sich Remus ein wenig früher auf den Weg zur heulenden Hütte, damit er Sirius von dem gescheiterten Gespräch mit Snape erzählen konnte. Kaum hatte er seine Ausführungen beendet, war Sirius auch schon vom Bett aufgesprungen, auf dem sie nebeneinander gesessen hatten.

„Dieses Aas! Da kommst du zu ihm, kriechst auf Knien – was übrigens völlig unter deiner Würde ist – und er lässt den arroganten Todesser raushängen! Dumbledore sollte ihn feuern! Das ist ja sowas von unverantwortlich!“

Remus musste schmunzeln. Das Wort unverantwortlich aus Sirius Mund zu hören, war mehr als nur ein wenig komisch. Aber er wurde schnell wieder ernst.

„Was soll ich denn jetzt machen? Ich kriege schon Panikattacken, wenn ich nur in die Nähe meines Klassenraums komme, weil ich denke, dass das Thema gleich wieder aufkommt. Ich fühle mich permanent beobachtet und kann keinen Tagespropheten aufschlagen, ohne dass ich damit rechne, eine Enthüllungsstory über mich zu finden.“

Sirius grinste schief. „Da gäbe es in der Tat so einiges zu enthüllen, mein pelziger, schwuler, auf ausgebrochene Massenmörder abfahrender Freund.“

Remus verschluckte sich und hustete. „Ich fahr nicht auf dich ab. Also, ich meine… ach Merlin, Sirius! Du weißt genau so gut wie ich, dass das mit uns eine ganz schlechte Idee ist. Es ist besser, wir lassen dieses Thema endlich hinter uns. Damit gehen wir einfach zu viele Risiken ein. Und stell dir vor, was Harry sagen würde, wenn er das mit uns wüsste. Die letzte Vollmondnacht war schön und alles, aber… Pass auf, ich mag dich wirklich und ich möchte Teil deines Lebens sein, aber es ist besser, wenn wir einfach nur Freunde sind, okay?“

Sirius starrte ihn ungläubig an.

„Das meinst du jetzt nicht ernst! Ich meine, ich weiß, dass dein verficktes Verantwortungsbewusstsein schon immer alles ausgebremst hat, was Spaß macht, aber das kannst du mir nicht antun! Ist das der Grund, warum du mir in den letzten Tagen so ausgewichen bist und so motiviert warst, Pläne zu schmieden? Machst du Schluss mit mir, Remus?? Echt jetzt?“

Remus schüttelte den Kopf. „Wer hat gesagt, dass wir überhaupt zusammen waren? Nur weil ich mich in einem schwachen Moment habe hinreißen lassen, dich zu küssen, heißt das doch nicht, dass wir zusammen sind!“ Er sah, wie Sirius seine Augen zusammenkniff, die verdächtig schimmerten. „Es ist einfach zu riskant! Wir müssen uns auf so viele andere Dinge konzentrieren! Auf Peter, auf Harry, darauf, dass du nicht von Dementoren gefangen wirst und jetzt auch noch darauf, dass nicht bald alle wissen, was ich bin!“ Er war ebenfalls aufgestanden und machte einen Schritt auf Sirius zu. „Ich will dir doch nicht wehtun, Tatze. Es sind nur gerade so viele Dinge in meinem Kopf, vor denen ich Angst habe. Herrgott, unser Leben steht auf dem Spiel, da müssen wir einfach mal Prioritäten setzen und dürfen uns nicht ablenken lassen.“ Er hob den Arm, um Sirius eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen, doch der drehte sich weg.

„Aber was hat das Leben dann noch für einen Sinn, wenn ich nicht mit dem Menschen zusammen sein kann, den ich liebe?“

Sirius hatte leise gesprochen und doch schien es Remus, als würde das letzte Wort durch den Raum hallen wie ein Glockenschlag. Sein Herz setze einen Moment aus und fing dann an, deutlich schneller wieder zu schlagen. Auf einmal traf ihn die Wucht des Augenblicks mit voller Kraft. Die Erinnerungen an früher, die er in seinen Träumen immer nur flüchtig wahrgenommen hatte, waren nun klar und greifbar. Und über diese Erinnerungen legte sich ein noch viel stärkeres Gefühl, dass ihn bis in die Haarspitzen durchströmte.

„Meinst du… meinst du das ernst, was du grade gesagt hast?“ flüsterte er.

Sirius drehte sich wieder zu ihm und sein Blick war zugleich sanft und entschlossen.

„Natürlich meine ich das ernst, du dämlicher Werwolf! Wann habe ich jemals schon mal etwas nicht ernst gemeint?“

Remus war sich sicher, dass es im Laufe seines Lebens bereits unzählbar viele Situationen gegeben hatte, wo Sirius etwas nicht ernst gemeint hatte, doch mit solchen Kleinigkeiten würde er sich jetzt nicht aufhalten. Seine mühsam aufgebaute Resolution und der Entschluss, Sirius auf freundschaftlicher Distanz zu halten, bröckelten zusehends. Er schluckte mehrmals, bevor er sich in der Lage fühlte, erneut etwas zu sagen. Sirius hatte ihn währenddessen halb trotzig und halb besorgt gemustert.

„Nun, also… unter diesen Umständen… fahre ich vielleicht doch auf dich ab.“ Er strich sich mit der Hand über sein Gesicht, um das merkwürdige und überdimensionierte Grinsen zu verdecken, das sich nun darauf ausbreitete. Das wogende Gefühl des Glücks, dass ihn bei Sirius letzten Worten durchströmt hatte, war weiterhin da und schwappte in ihm umher. Sosehr er auch versucht hatte, es vor sich selbst zu leugnen, ihm war klar, dass er Sirius ebenfalls liebte. Schon immer geliebt hatte und vermutlich auch immer lieben würde. Und dass die letzten zwölf Jahre nichts daran geändert hatten, egal wie zerschmettert sein Herz zwischendurch gewesen war. Jetzt war es wieder ganz und es schlug so heftig in seiner Brust, dass er sich sicher war, dass man es hören konnte.

Auf Sirius Gesicht war nun Erleichterung zu lesen, auch wenn er versuchte, das mit einem selbstgefälligen Grinsen zu überdecken. Er überwand den Abstand zwischen ihnen mit zwei schnellen Schritten und legte beide Hände an Remus Wangen. Remus ließ seine Hand von seinem Mund sinken und erlaubte dem dämlichen Grinsen, sein Gegenüber anzustrahlen. Auch Sirius Mundwinkel zuckten verdächtig.

„Oh Moony, du fruchtbarer, wundervoller, dämlicher Wahnsinniger! Endlich hast du es auch gemerkt!“

Remus wollte gerade anmerken, dass Sirius in Zukunft bitte dringend an seinen Komplimenten arbeiten solle, als dieser die letzten Zentimeter zwischen ihnen überwand und ihn stürmisch küsste.

Bald waren es nicht nur ihre Lippen, die sich berührten. Hände hatten ihren Weg in Haare, auf Rücken und an Hintern gefunden und bald bildeten ihre Körper ein undurchdringliches Gliedmaßen-Knäul, wodurch sie gezwungen waren, sich irgendwann auf das Bett fallen zu lassen, das glücklicherweise in Reichweite stand. Noch immer mussten sie beide eigentlich bis über beide Ohren grinsen, was das Küssen irgendwie schwierig machte, aber es gelang ihnen. Doch als Sirius gerade begann, die Knöpfe an Remus Hemd zu öffnen, fiel diesem wieder ein, warum er eigentlich in erster Linie hergekommen war, und er erstarrte unter Sirius flinken Fingern. Dem fiel der plötzliche Stimmungswechsel auf und er blickte fragend zu ihm hoch.

„Hey Moons, was ist denn? Geht’s dir zu schnell, soll ich aufhören, hab ich dir wehgetan?“

Remus zog eine Grimasse. Sirius Sorge war wirklich rührend, aber auch ein wenig überzogen.

„Nein es ist nur – wir haben gar nicht zu Ende über alles geredet, was gerade im Schloss und mit Snape los ist. Das ist mir nur grade wieder eingefallen und ich würde wirklich gerne wissen, was ich jetzt tun soll. So ein verdammtes Schlamassel.“ Er kraulte Sirius Kopf, der sich auf Höhe seiner Brust befand, und schaute zerknirscht. „Sorry, ich wollte die Stimmung nicht zerstören. Ich muss mir jetzt nur wirklich was einfallen lassen.“

Sirius seufzte tief, doch machte keine Anstalten Remus zum Weitermachen zu drängen. Er ließ sein Kinn auf Remus Brust sinken und machte es sich halb auf ihm liegend bequem. Er begann, kleine Muster mit seinem Finger auf Remus Kleidung zu zeichnen, während dieser weiter seinen Kopf kraulte.

„Du hast Recht, Moony. Es hat ja alles keinen Zweck, wenn du dich im Schloss nicht mehr sicher fühlen kannst. Aber Snape würde sich nicht über Dumbledores direkte Anweisungen hinwegsetzen. Das traue ich diesem Feigling definitiv nicht zu. Vermutlich hast du gar nichts zu befürchten.“

„Aber er muss sich ja nicht mal über direkte Anweisungen hinwegsetzen. Auch wenn er selbst nie den Satz ‚Remus Lupin ist ein beschissener Werwolf‘ in den Mund nimmt, wird er andere Leute früher oder später mit der Nase darauf stoßen, was ich bin. Einfach, indem er unauffällige Hinweise streut und neugierige Menschen auf die richtige Spur bringt. Hermine Granger zum Beispiel hat es sich schon zusammengereimt. Ein Glück hält ihre Wertschätzung meiner Lehrkompetenz sie davon ab, mich zu verraten. Aber sie wird nicht die einzige sein, die früher oder später darauf kommt. Und ich kann nicht einfach tatenlos warten.“ Er hatte sich in Rage geredet, sein Gesicht brannte und er hatte sich auf die Ellenbogen hochgestützt, sodass Sirius Kinn sich nun schmerzhaft in seinen Brustkorb bohrte, da dieser keine Anstalten machte, sich von ihm herunterzubewegen.

„Dann musst du selber aktiv werden. Sag allen, was Sache ist. Aber sag ihnen auch, dass du durch den Wolfsbanntrank für niemanden eine Gefahr darstellst. Dumbledore steht hinter dir, das wird die meisten Eltern beruhigen.“ Nun rappelte sich auch Sirius hoch und strich beruhigend über Remus Kopf. „Wenn du selber an die Öffentlichkeit gehst, nimmst du ihnen ihre schärfste Waffe. Wenn du kein Geheimnis mehr hast, kann Snape dich nicht damit erpressen.“

„Das Problem ist bloß, dass das ja nicht mal mein einziges Geheimnis ist. Was ist, wenn ich es allen erzähle und es mir total um die Ohren fliegt? Wenn es einen Aufschrei gibt und die Eltern ihre Kinder von der Schule nehmen? Wenn sie sich dann erst recht fragen, was ich wohl für ein zwielichtiger Typ bin und ob nicht doch etwas an den Gerüchten dran ist, dass ich Massenmördern helfe, ins Schloss zu kommen? Weißt du eigentlich, wer in der Schulaufsichtsbehörde sitzt? Lucius Malfoy! Und der wird mich lynchen, sobald ich ihm Gelegenheit dazu biete. Nein, ich muss ihnen zuvor kommen und die Schule verlassen. Es hat doch alles keinen Sinn. Ich gehe zu Dumbledore und reiche meine Kündigung ein. Alles andere ist zu gefährlich.“

Sirius murmelte etwas, das verdächtig nach „Und sowas schimpft sich Gryffindor“ klang, doch letztendlich nickte er. „Tu, was du nicht lassen kannst. Aber versprich mir, dass du solange mit mir in dieser Hütte bleibst, bis wir Wurmschwanz gefangen haben, okay?“

Remus schlug sich die Hand vor den Kopf und stöhnte. „Fuck, den gibt’s ja auch noch. Als hätten wir nicht schon genug Probleme. Klar, ich verspreche es. Aber dann müssen wir hier wenigstens noch einen zweiten Raum als Arbeitszimmer einrichten, sonst gehen wir uns auf Dauer noch an die Gurgel.“

Sirius wirkte, als fände er diese Vorstellung eigentlich ganz reizvoll, nickte dann aber und versprach, sich in den nächsten Tagen damit zu befassen.

Remus, der die Kündigung lieber gleich hinter sich bringen wollte, sammelte seine Sachen zusammen und wollte sich schon auf den Weg in den Tunnel machen, als er sich noch einmal umdrehte und zu Sirius zurück ging, der sich auf dem Bett ausgestreckt hatte. Er ließ sich auf die Bettkante sinken und beugte sich zu Sirius hinunter, der ihm sofort entgegenkam. Ihre Lippen berührten sich in einem zurückhaltenden Kuss, der viel zu schnell wieder vorbei war.

„Danke fürs Zuhören, Tatze.“

„Dafür nicht, Moons. Viel Glück und schlaf gut.“
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