Tigerkralle

von Maja Lito
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
07.10.2019
02.07.2020
37
74.062
38
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Dieses Kapitel
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07.10.2019 2.046
 
Ihr Lieben,

schön, dass ihr euch zu dieser Story "verirrt" habt ;)

Ich hoffe, sie gefällt euch und ich würde mich natürlich über Rückmeldungen aller Art sehr freuen!

Mein Dank geht an dieser Stelle an Tatu und Calydea, die sich hier das betalesen geteilt haben. Vielen, vielen Dank!

Und was eigentlich klar sein sollte: Die Rechte der Story liegen bei mir und Kopieren/Veröffentlichen etc. ist ausdrücklich untersagt.

Nun aber viel Spaß und liebe Grüße
Maja

**********

Sarah

„Ach du großer Gott, der Prinz ist da…“
Kayla verzieht das Gesicht und deutet auf einen Tisch, der ziemlich zentral in der riesigen Kantine unseres Colleges steht. Da, wo die richtig beliebten Studenten sitzen. Und obwohl ich es eigentlich nicht will, folgt mein Blick ihrem Zeichen und ich entdecke einen jungen Mann, den ich noch nie gesehen habe. Na ja, jung ist wohl eher falsch, wenn ich die meisten anderen um ihn herum ansehe, dann ist das ganz eindeutig schon ein Mann. Er sieht sich interessiert um, unsere Blicke streifen sich, er hebt eine Augenbraue und grinst lässig, was mich dazu veranlasst, sofort weg zu sehen.
Ich lasse meinen Blick ebenfalls durch die Kantine schweifen und muss feststellen, dass es niemanden im Raum gibt, der besser aussieht, als dieser Typ, den Kayla den Prinzen nennt. Und ich ahne, was ich nun tun muss. Drei Monate habe ich es geschafft, dem aus dem Weg zu gehen, aber nun ist es so weit. Ich ergebe mich und sehe Kayla an, obwohl ich weiß, dass ich damit ein Tor öffne, das ich bestimmt nicht wieder schließen kann.
„Wer ist das? Und wieso Prinz?“
Ich finde, ich habe mich an meinem neuen College sehr gut eingelebt und bisher konnte ich dem Tratsch größtenteils aus dem Weg gehen. Auf beiden Seiten, weder habe ich darüber groß etwas gehört, noch wurde ich selbst zum Klatschanlass, obwohl ich die Neue war oder bin. Und das ist an unserem College tatsächlich gar nicht so einfach, denn anders, als an anderen Universitäten, sind bei uns keine vierhundert Studenten eingeschrieben. Es ist also sehr klein und die Aufnahmekriterien sind hart, mal davon abgesehen, dass das Studiengeld im oberen Bereich liegt.
Ich habe in Kayla eine neue Freundin gefunden, ich habe ganz gute Noten, es läuft also wirklich nicht schlecht. Und ganz ehrlich, ich stehe einfach überhaupt nicht auf diesen Klatsch und habe ihn deshalb vermieden, obwohl Kayla ganz heiß darauf ist, ihn mir zu erzählen. Und nun muss ich wohl damit klarkommen. Ich glaube nicht, dass ich sie jetzt noch stoppen kann.

„Ryan. Ging bis vor zwei Jahren hier aufs College und hat dann seinen Abschluss gemacht. Er war der Star des Footballteams, natürlich Quarterback, er war ein Professorenliebling und so weiter. Er war einfach der Prinz hier und das haben nicht nur alle anderen gedacht, er hat sich auch selbst dafür gehalten. Ziemlich arrogant und das ist wahrscheinlich das Problem, er sah schon immer so unglaublich gut aus.“
„Und was hat er nach dem College gemacht? Noch ein wenig an einer anderen Universität herumgegammelt und sich noch weiter auf dem Geld seiner Eltern ausgeruht?“
Ich darf das sagen, finde ich. Denn anders, als bei vielen meiner Mitstudenten liegt mein Hauptaugenmerk eben nicht auf dem Geld meiner Eltern. Weder ist es mir wichtig, teure Designerklamotten zu tragen, noch fahre ich ein brandneues Auto. Ich versuche, mir so viel wie möglich selbst zu erarbeiten. Nur die Schulgebühren übernehmen meine Eltern, weil ich mir die einfach nicht leisten könnte. Was mein persönliches Vergnügen angeht, versuche ich immer, alles durch Nebenjobs zu finanzieren. Weshalb ich mir ganz dringend wieder einen suchen sollte, das habe ich wirklich schleifen lassen, seitdem ich herzog.
„Nein, ganz im Gegenteil. Er hat seine Eltern verloren, ist hiergeblieben, hat das Geschäft seines Vaters übernommen und kümmert sich um seinen kleinen Bruder. War zwischendurch aber mal vier Monate weg, es heißt, er hätte in der Zeit im Knast gesessen, aber das ist nie bestätigt worden. Würde aber passen, finde ich.“
„Und was macht er nun hier? Weißt du, ob sein Besuch einen Grund hat?“
Ich sehe noch einmal hin und ich sehe, wie er lacht, wobei er sehr sexy Grübchen bekommt. Er klopft einem riesigen Typen auf die Schulter, den ich nach längerem Überlegen dem Schwimmteam unseres Colleges zuordnen kann, ich glaube, Michael oder so ähnlich.
„Das macht er schon ab und an mal. Er hat ja noch Verbindungen hier, kennt alle Professoren und so. Und nicht zuletzt geht ja sein Bruder hier noch aufs College und seine Freundin. Lara. Aber das konntest du dir ja sicher denken.“

Kayla zuckt mit den Schultern, in meinen Augen ein ziemlich armseliger Versuch, zu kaschieren, dass sie ziemlich neidisch ist, weil sie nicht dazugehört, zu diesem erlesenen Kreis. Ohne vorher von Ryan gewusst zu haben, hätte ich Larissa wohl die Prinzessin unseres Colleges genannt. Sie sieht unglaublich gut aus, sie ist unglaublich beliebt, sie ist Sprecherin der größten Studentenverbindung und sie ist ebenfalls im Schwimmteam der Schule.

„Und er besucht sie manchmal?“
Ich sehe noch einmal hin, versuche, das so gut wie möglich zu kaschieren und verstehe selbst nicht, warum. Ryan ist ein Schönling, wie er im Buche steht, aber da ist noch etwas anderes. Unter der Oberfläche spüre ich plötzlich etwas viel Raueres und vielleicht stimmt Kaylas Gerücht, dass er schon mal Ärger mit der Polizei hatte, ja doch. Ich finde ihn nicht interessant, weil er so gut aussieht, sondern weil jede seiner Bewegungen Selbstbewusstsein ausstrahlt. Ein Selbstbewusstsein, dass ich auch gern hätte, wahrscheinlich ist es das.
„Na ja, hat nicht jedes College dieses eine Vorzeigepaar? Na gut, normalerweise gehen sie in den gleichen Jahrgang, aber ansonsten? Sie waren natürlich das Königspaar seines Abschlussballs und sie werden sicher auch das Königspaar ihres Abschlussballs werden. Er soll in dem Geschäft seines Daddys wirklich erfolgreich sein. Sie wird vielleicht noch weiter studieren, wahrscheinlich aber eher nicht. Dann heiraten sie, bekommen die statistischen 2 Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die natürlich perfekt aussehen werden und nur gute Noten bringen, in allen Schulteams die Nummer eins sind. Lara wird Elternsprecherin und bei jedem Kuchenverkauf und allen anderen Aktivitäten ganz weit vorn sein und sie werden bei jedem Ehemaligentreffen die Stars sein, reich, schön und beliebt. Wie im Märchen. Verstehst du, was ich meine?“

Ich verstehe auf jeden Fall, dass Kayla ziemlich neidisch ist. Und so richtig glaube ich die Geschichte nicht. Da ist etwas an der Art, wie Lara Ryan ansieht. Manchmal sogar leicht amüsiert. Es ist auch die Art, wie er mit den Menschen um sich herum spricht. Nein, irgendwie passt da etwas nicht zu dem, was Kayla erzählt. Allerdings werde ich es wohl nie herausfinden. Was auch nicht schlimm ist. Zeit, Kayla mal ein bisschen zu verunsichern, vielleicht ist die Geschichtsstunde dann ja bald vorbei.
„Kann es sein, dass du gern eine Einladung zu der Party da drüben am Tisch hättest?“
Kayla läuft rot an, bevor sie den Kopf schüttelt.
„Nein. Zu perfekt, zu abgedreht und ich glaube, das wären mir zu viele Verbindlichkeiten. Aber andererseits… hätte es schon was. Sie sind scheinbar eine eingeschworene Gemeinschaft, offensichtlich in allem gut, was sie anfassen und unglaublich beliebt. Sie müssen sich niemals Gedanken darum machen, woher sie eine Einladung zu den angesagten Partys bekommen, die fliegen ihnen zu. Obwohl es irgendwie merkwürdig ist, wie selten man sie wirklich mal auf einer Party sieht. Das ist ein fester Freundeskreis und meistens bleiben sie offensichtlich lieber unter sich. Ist wirklich selten, dass sie eine Einladung wirklich annehmen. Und sie scheinen alle gut Geld zu haben. Ich meine, noch mehr, als die meisten anderen Studenten hier ohnehin schon haben. Ryan hat natürlich geerbt, aber auch Laras Eltern scheinen Geld wie Heu zu haben, sieh dir doch an, was für Klamotten sie trägt und was für ein Auto sie fährt. Das macht mich dann schon ein bisschen neidisch. Und das sollte es dich auch machen, immerhin gehört Jonathan auch zu dem erlesenen Kreis, auch wenn er gerade nicht da ist.“

„Jonathan?“
Ich kann nicht verhindern, dass jetzt ich ein wenig rot werde. Bevor Ryan hier auftauchte, war Jonathan in meinen Augen der interessanteste Typ weit und breit. Das Problem? Das scheinen so gut wie alle anderen weiblichen Wesen hier auch zu denken. Und nicht nur das, merkwürdigerweise scheint Jonathan sich für keine einzige davon zu interessieren. Er ist ohnehin ein wenig komisch, denke ich. Er trägt immer lange Klamotten, sogar im Sommer hat er immer lange Ärmel an. Es ging schon das Gerücht herum, dass er sich selbst verletzt und diese Verletzungen verstecken will, deshalb die langen Ärmel. Aber das glaube ich irgendwie nicht. Er hat dieses Gerücht einfach weggelächelt und ist zu allen gleichbleibend freundlich. Obwohl er eine Jahrgangsstufe unter Lara ist, sitzt er meistens an ihrem Tisch, was mich bisher gewundert hat, nun aber natürlich nicht mehr. Er ist immer höflich, er hat ein umwerfendes Lächeln und auch so niedliche Grübchen, wie Ryan. Dabei wirkt er aber schüchterner, ist nicht so präsent. Und umwerfend. Ja, ich schwärme, auch wenn ich weiß, dass Jonathan für mich unerreichbar ist. Aber das macht nichts, ich sehe ihn einfach gern an.
„Jonathan ist Ryans kleiner Bruder.“
Alles klar, deshalb haben sie beide dieses Aussehen und diese niedlichen Grübchen. Die Eltern der beiden scheinen eine ziemlich gute Genmischung produziert zu haben.
„Spannend, aber ich glaube, mehr muss ich gar nicht wissen. Na komm, der Unterricht fängt gleich wieder an und wir sollten uns auf den Weg machen.“
Kayla grinst mich breit an.
„Schon klar, du willst nur dem Thema Jonathan aus dem Weg gehen. Das merke ich doch. Lass dir gesagt sein, so niedlich er auch ist, er ist irgendwie merkwürdig und ran kommst du an ihn eh nicht.“
„Ich will gar nicht an ihn rankommen. Aber ich kann ihn trotzdem gern ansehen, richtig?“
„Natürlich kannst du das. Das tun ja nun mal alle, wenn Ryan nicht gerade zur Stelle ist, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Siehst du das? Das fand ich schon immer eher daneben, wie sie sich in der Öffentlichkeit abknutschen.“

Kayla schafft es, ich sehe doch noch einmal hin und tatsächlich küssen sich Lara und Ryan innig. Er hat seine Hand auf ihren Hinterkopf gelegt und…
„Sag mal, sind die beiden verlobt? Er trägt einen Ring.“
Was ungewöhnlich ist, ich kenne sonst keinen Mann, der einen Ring trägt, von einem Ehering mal absehen. Dass die beiden verheiratet sind, glaube ich dann aber doch nicht, dafür sind sie doch eindeutig noch zu jung. Und Kayla verdreht die Augen.
„Das ist auch so eine Sache für sich. Als er seinen Abschluss feierte, gab es großes Tamtam und in dem Zusammenhang hat er Lara einen Ring präsentiert, der bedeuten soll, dass sie für immer zusammenbleiben, blub, blub. Vor allen Leuten, hier in der Kantine, an seinem letzten Tag vor der Diplomverleihung und dem Ball abends. Es war ein großes Schauspiel, das wird zumindest erzählt, ich war ja nicht dabei, er ging in dem Jahr ab, bevor ich hier anfing. Die Hälfte der Mädchen hatte wohl Tränen in den Augen, weil sie das Ganze ach so romantisch fanden. In diesem Zusammenhang hat er sich auch einen Ring angesteckt. Letztlich war es wahrscheinlich eine tolle Bühnenshow, nicht viel mehr. Aber seitdem trägt er diesen Ring.“
Ich nicke nur noch und stehe auf, signalisiere Kayla, dass ich erstmal genug habe und mache mich auf den Weg zu meinem nächsten Kurs. Kayla dreht in eine andere Richtung ab, wir haben nicht unbedingt die gleichen Kurse. Kennengelernt haben wir uns nur, weil wir beide solche Sportnieten sind und das der einzige Unterricht ist, den wir gemeinsam haben. Leider kann man hier nicht um den Sport herumkommen, das ist eine Pflichtveranstaltung für jeden Studenten, da legt das College sehr viel Wert drauf. Schon an meinem ersten Tag saßen wir beide nach dem Sport gemeinsam in der Umkleide und haben uns darüber beklagt, wie unfair es ist, dass man Sport nicht abwählen kann.
Wir brauchen nichts weiter zu sagen, weil wir gleichzeitig Kursende haben und ich Kayla, wie meistens, nach Hause fahren werde. Sie teilt sich ein Auto mit ihrem Bruder und der Deal bei den beiden ist ganz klar. Er kann das Auto meistens tagsüber haben, dafür gehört es abends ihr. Ich finde, sie hat einen guten Deal gemacht, zumal ich sie ja meistens fahren kann, sie wohnt nur ein paar Blocks entfernt.
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