Die Gießkanne mit der rosa Schleife und der Zahl "27"

GedichtPoesie, Schmerz/Trost / P12
07.10.2019
07.10.2019
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Ich lief für zwei Wochen immer nur diese eine
Straße entlang und jedes Mal heftete sich mein Blick auf die Anreihung der Häuser die sich zu meiner Rechten befanden
Ich musste jedes Mal dahingucken, weil die wirklich schön waren.
Jedes Haus trug seine eigene Farbe.
Es waren alles Pastellfarben.
Aber da gab es ein Haus, das mir besonders gefiel.
Ein strahlender Pastellton zwischen grün und blau ummantelt die Hauswand.
Die Fenster waren weiß umrahmt sowie der Türrahmen.
Zunächst aber konnte ich keine Hausnummer sehen, bis ich sie entdeckte.
Eine graue Gießkanne hang über der Haustür, baumelte bei jeder kleinen Windböe und klackerte ab und zu gegen die Tür.
Eine rosa Schleife ist um den Henkel gebunden und im selben Ton ist die Zahle 27 auf die Gießkanne gemalt worden.
Meine Mundwinkel zucken und ich denke- In so einem Haus möchte ich später auch wohnen.
Es sieht so fröhlich und einladen aus - . Ich schaute an mir herunter und betrachte meine Kleidung. Ein gelbes Latzkleid und ein buntes gestreiftes Poloshirt schmiegten sich an meinen Körper. Ein fröhliches Outfit. Mein Blick glitt erneut zum Haus.
Ein fröhliches Haus.

Urplötzlich stirbt mein Lächeln im Gesicht und fühlte mich ertappt, der Glanz aus meinen Augen schwand und ich ballte die Fäuste.
Denn hier stand ich, umhüllt von einer Fassade die das Auge trügen sollte.
Eine Fassade die Fröhlichkeit ausstrahlte und direkt mir gegenüber steht eine weitere Fassade.
Eine Fassade mit einem unbekannten Inhalt.
Ich sah wieder auf die niedliche kleine Gießkanne und stellte mir vor, wer diese wohl aufgehangen hat.
Wer wohl in diesem Haus lebte.
Das Haus ist so schön und sieht so freundlich aus, aber was verbirgt sich im Inneren?
Vielleicht waren die Wände dort pechschwarz und der Boden alt und abgenutzt mit Löchern. Vielleicht hätte man im Schlafzimmer sogar einen Schrank mit ganz vielen Masken drin gefunden.
Masken die alle ein aufgemaltes Lächeln haben.
Masken, deren Münder fest verschlossen sind.
Ich blinzle und versuche weiterzugehen, nach vorne zu blicken, aber ich kann ihn nicht abwenden.
Meinen Blick.
Es ist, als würde ich mich selbst anstarren. Eine Fassade in fröhlichen Farben bemalt mit niedlichen Accessoires, aber was sich wirklich hinter der Tür verbirgt wissen nicht viele.
Das Bild der verzierten Gießkanne brennt sich mir unter die Netzhaut bis ich es schaffe nach vorne zu blicken und meinen Alltag lebe und ich alles andere Versuche zu ignorieren.
Aber ich kann die Gießkanne, die über der Haustür hing, bei jeder kleinen Windböe baumelte und ab und zu gegen die Tür klackerte, nicht vergessen.
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