Happy Birthday, Reed!

von Ririchiyo
KurzgeschichteAllgemein / P6
Gavin Reed RK900
07.10.2019
07.10.2019
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Happy Birthday, Reed!


„Was ist das?“, Reed verzieht das Gesicht, und sieht auf das kleine Päckchen auf seinem Schreibtisch. „Und was soll ich damit?“
Er hebt es auf, betrachtet es kurz, und lässt es dann unsanft  wieder auf den Tisch fallen, bevor er den Blick hebt, und zu seinem – unfreiwilligen – Partner auf der anderen Seite seines Tisches sieht.
Der Android legt leicht den Kopf schief, sieht auf das Päckchen, und dann zu dem Menschen zurück. „Ich war der Auffassung, dass Menschen zu Geburtstagen mit Geschenken rechnen“, sagt Nines, als wäre das nur eine weitere logische Schlussfolgerung. Was es nicht ist. Wirklich nicht. Nicht … so! Sie kennen sich nicht. Sie verstehen sich nicht einmal! Wie kommt Nines auf den Gedanken, dass es eine gute Idee wäre, ihm irgendetwas zu schenken? Egal was es ist. Vermutlich ohnehin nichts gutes. Es ist Nines!
Reed schnaubt, setzt sich, und ignoriert das Päckchen sehr bewusst.
„Liege ich falsch?“, wird er irgendwann angesprochen. Gott, er hasst diese Maschinen. Wirklich. Und Leute, die seinen Geburtstag feiern wollen. Es gibt einen Grund, warum er-
Er sieht auf. „Woher kennst du meinen Geburtstag überhaupt?!“
„Oh.“ Nines schweigt für einen Moment. Wenn er gerade irgendeine Information verarbeitet oder abruft, dann- „Ich bin nicht sicher.“ Das … ist allerdings überraschend. „Ich weiß es einfach.“
Was genau genommen übersetzt heißt, dass- Reed schnaubt. Jetzt hat er noch viel weniger Lust auf diesen Tag. Wie kommt sein Bruder überhaupt dazu, irgendwelche Androiden mit diesen Informationen zu füttern?!
„Lassen wir das Thema“, murmelt er.
„Wenn es Sie glücklicher machen würde, dann könnte ich auch-“
„Reden wir nicht weiter darüber!“, meint Reed noch einmal, diesmal mit etwas mehr Nachdruck. Er hat wirklich kein Interesse. Er will sich nicht damit beschäftigen. Ganz und gar nicht. Er will es am liebsten nicht einmal wissen. Und er will, dass sein Bruder sich verdammt noch mal aus seinem Leben raushält!
„Natürlich, wie Sie wünschen“, meint Nines irgendwann, greift über den Tisch, und nimmt das Päckchen an sich. Reed hat sofort das Gefühl, wieder besser Atmen zu können.
„Danke“, sagt er, bevor er sich irgendwie davon abhalten kann, und für einen Moment hat er wieder das Gefühl, von der Stille erdrückt zu werden. Aus den Augenwinkeln sieht er Nines nicken. Höflich wie immer. Verständnisvoll wie immer. Kann man es verständnisvoll nennen, wenn der Androide überhaupt nichts versteht, und einfach immer davon ausgeht, dass alles schon seine Richtigkeit haben wird? Vielleicht nicht. Er wendet sich wieder seinem Computer und seiner Arbeit zu. Jetzt ist ohnehin nicht der richtige Zeitpunkt, über all das nachzudenken.

„Wenn-“ Reed hält in der Bewegung inne, als sein Partner wieder zu sprechen beginnt. „-es nur eine kleine Aufmerksamkeit zur Feier des Abschlusses dieses Falls wäre, wäre es dann in Ordnung?“
Er sieht auf, und starrt zu Nines hinüber. Schließlich seufzt er, und zuckt mit den Schultern. „Meinetwegen. Solange es keine Geburtstage sind, soll es mir recht sein.“
„Verstehe.“ Nines stellt das kleine Päckchen wieder auf Reeds Schreibtisch, und bringt dabei sogar ein halbwegs realistisches Lächeln zustande. „Dann gehen Sie davon aus, dass es kein Geburtstagsgeschenk ist, sondern der gleiche Tag nur zufällig zustande kommt.“
Eine Weile zögert Reed noch, dann nickt er. „Einverstanden.“ Er greift nach der Verpackung. Solange es keine Sache zum Geburtstag ist, wird er es schon überleben …
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