Graf Duckula  /  Vladimir Duckula 1

von Joahar
GeschichteMystery, Übernatürlich / P12
Dr. von Gänseklein Emma Graf Duckula Igor
07.10.2019
21.12.2019
6
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07.10.2019 5.060
 
Graf Duckula, Igor, Emma, Dr. von Gänseklein  gehört Cosgrove Hall (Brian Cosgrove und Mark Hall).
Nick Knight  gehört James D. Parriot, Barney Cohen deutscher Titel der Serie "Nick Knight- der Vampir Cop" engl. Titel "Forever Knight" (Glen Warren Productions Paragon Entertainment bzw, Columbia Picture Television Distribution/ Columbia Tri/Star Distribution)

Vladimir Duckula, und Frank Janssen sind meine Erfindung.

Ich will mit diesen Geschichten keinerlei Rechte Verletzten und auch kein Geld verdienen.





Die Rückkehr des Verlorenen

Gegenwart 1996
Vladimir's Erzählung Anno 1905 - 1908

Er beobachtete die vorbeiziehende Landschaft, während er aus dem Autofenster blickte. Er hatte nicht geglaubt, diese eines Tages nochmal wiederzusehen. Es war alles so lange her. So lange in der Vergangenheit.
Vladimir Duckula lehnte sich in seinem Kindersitz zurück und schloss die Augen. Es war nicht einfach, seine Gedanken zu ordnen. Freude, Aufregung, etwas Trauer und Angst wechselten sich in seinem lnneren laufend ab.
Freude und Aufregung, weil er es kaum fassen konnte, nach 90 Jahren wieder nach Hause zu kommen.
Trauer, weil er nun ein anderes Leben, was er so viele Jahre gelebt hatte und die ihn schließlich geprägt hatten, hinter sich lassen musste.
Angst, weil er nicht wußte, was ihn erwarten würde. Würde man ihn wirklich aufnehmen? Anerkennen, was aus ihm geworden war? Alles war fraglich.
"Bist du dir wirklich sicher, Vladimir?" Diese Worte rissen die kleine Vampir-Ente aus ihren Gedanken.
Er öffnete ein Auge, sein gesundes Auge. "lch bin mir sicher, Frank."
"Aber...?"
"Frei geboren, Frank. Ich kann nicht ewig bei euch bleiben. Ich möchte nicht wie ein altes Möbelstück von Generation zu Generation vererbt werden."
Während sie sprachen, fuhren sie durch ein kleines Dorf. Vladimir duckte sich noch tiefer, er wollte von keinem Dorfbewohner gesehen werden. Seinem Zieh-Bruder zuliebe nicht.
Die Dorfbewohner wären sicher nicht begeistert, wenn diese mitbekämen, dass man lhnen einen weiteren Duckula brachte.
Auf halbem Weg zur Burg bat Vladimir Duckula Frank anzuhalten und ihn aussteigen zu lassen.
"Es ist besser, wenn du mich alleine gehen lässt. Nur zu deiner Sicherheit."
Das Auto wurde angehalten. "Aber es ist doch Tag. Was soll schon passieren?"
Vladimir, der ausstieg, lächelte Frank an. "Wir haben Dienerschaft. Und die ist nicht ohne."Damit ging er zum Kofferraum und öffnete diesen.
Er holte einen Koffer heraus, einen kleinen Geigenkasten und einen Rucksack, der er sich gleich umlegte.
Frank kam aus dem Auto raus. Vladimir spürte, dass diesem schwer ums Herz war. Wie ihm selbst auch. Immerhin kannten sie sich, seit er noch ein Baby war - als Frank ein Baby war.
"Wenn es schiefgehen sollte..."
Vladimir lächelte, wenn auch etwas schmerzhaft. "...dann melde ich mich bei dir, wie abgemacht, und du holst mich wieder ab."
Frank, der sehr viel größer war, nahm Vladimir zu sich hoch und drückte ihn an sich.
Die Vampir-Ente wehrte sich dagegen, wenn auch nur mässig und scherzhaft. "Komm, lass gut sein. Ich werde mich so oder so bei euch melden. Wie sollte ich euch denn je vergessen?"
Er wurde wieder abgesetzt. "Viel Glück, Floh." meinte Frank zu ihm.
Vladimir kniff ein Auge noch weiter zu. Dieser Spitzname sollte ihn wohl sein ganzes Leben begleiten. "Danke, ich kann es gebrauchen. Und grüße bitte Anke, Jutta und Rolf  und die Kinder von mir. Sage ihnen nochmal, dass ich sie Liebe."

Er sah schließlich zu, wie das Auto wegfuhr. Vladimir schnappte sich den Koffer und den Geigenkasten und machte sich auf den Weg zum Schloss hinauf. Mit jedem Schritt, dem er dem Schloss näher kam, klopfte sein Herz heftiger in der Brust.
Schließlich stand er vor dem Tor. Vorsichtig drückte er auf den Klingelknopf. "Also, so etwas hatten wir früher nicht." Augenblicklichen machte er einen riesigen Satz nach hinten, es war immer sicherer vom Eingang einen Sicherheitsabstand zu halten. Soviel wußte er noch.

Doch wider Erwarten krachte die Eingangstür nicht aus den Angeln, sondern wurde vorsichtig geöffnet und das Gesicht eines alten Geiers kam hervor.
"Sie wünschen? Wir kaufen nichts!"
Über Vladimir's Gesicht trat ein breites Lächeln. "lch möchte nichts verkaufen, lgor."
Einen Moment herrschte verwirrte Stille. "We sind Sie, Sir?"
"Nun, ich weiß es ist schon eine Ewigkeit her, aber ich habe es nicht früher nach Hause geschafft. Entschuldige bitte, lgor."
"Nach...nach Hause?" lgor, der alte Geier-Butler, stotterte. "Das kann nicht sein! Das kann einfach nicht sein! Nach all den Jahren!" Seine Augen weiteten sich.
Vladimir's Grinsen wurde noch breiter. "Doch es kann, lgor. Oder kennst du noch eine Vampir-Ente, die am hellichten Tag durch die Gegend laufen kann?"
"VLADIMIR?!"
Vladimir nickte.
"Wir dachten alle, lhr seit tot! Sie waren noch so jung! Oh, Sir! Sie ahnen nicht, wie glücklich Sie einen alten Butler machen! Endlich Hoffnung für das Haus Duckula!"
Vladimir runzelte die Stirn. "Wie meinst du das?"
Im gleichen Moment hörte Vladimir vom lnneren im Schloss einen Aufschrei und wie jemand wegrannte.
Neugierig versuchte Vladimir etwas zu erkennen, doch ein großes Huhn versperrte ihm die Sicht.
"Wie können Sie nur den kleinen Duckyputz so aufregen! Wie..." Emma blieb stehen und starrte Vladimir an. "Unser Küken!"
Von dem Rest bekam Vladimir nichts mit, nur dass er kurz darauf hochgehoben wurde und nach Luft schnappen musste, weil er Angst hatte erdrückt zu werden.
"Lass ihn runter!" hörte er die strenge Stimme lgors.
Vladimir schnappte nach Luft als er wieder unten war und hielt sich an einem Mauerstein fest.
"Sieh ihn dir an!" knurrte lgor die riesige Henne an. "Er ist schon lange kein Küken mehr! Er ist ein richtiger Vampir geworden!" Die Stimme änderte sich in reine Begeisterung.
"Emma! Ein RICHTIGER Vampir!"
Vladimir schüttelte sich. Wovon redete lgor? Er verstand überhaupt nichts.
"Darf ich vielleicht erstmal reinkommen?" keuchte er.
"Oh...selbstverständlich!" entschuldigte sich lgor und ergriff Vladimir's Koffer und Geigenkasten.
"lgor? Was sollte das mit 'ein richtiger Vampir'?" fragte er, als er schließlich ins Schloss eintrat. "lst Mein Vater doch nicht wieder zurück?"
Igor seufzte schwer. "Oh doch doch, Junger Herr! Aber...es ist..." Er schüttelte den Kopf. " Es ist einfach...oh vergeben Sie mir. Ich habe es nicht mit Absicht gemacht! Aber dieses dumme alte Huhn!
Vladimir verstand immer weniger, so blickte er lgor fragend an.
"lch weiß nicht wie ich es lhnen sagen soll, Junger Herr. Aber meine ganze Hoffnung liegt nun auf lhnen."
"Wie...wieso? Ich meine, du weißt, dass ich kein richtiger Vampir bin. Ich bin ein Bastard-Vampir."
Igor seufzte. "Ja...aber..."
Vladimir hielt an und hielt lgor am Jackett fest. "Raus mit der Sprache! Was ist passiert?"
"lch...ich kann darüber nicht reden...diese Schande..."
"Duckyputz ist ein Vegetarier musst du wissen." flötete fröhlich Emmas Stimme hinter ihnen. Vladimir fuhr herum und blickte sie an. "Duckyputz? Mein Vater?"
"Oh, so nennt nur Emma ihn. Er ist nicht lhr Vater, sondern vielmehr...lhr Bruder." erklärte lgor kläglich.
"Und...er ist Vegetarier?" wiederholte Vladimir Emmas Worte.
Igors Stimme klang erbärmlich, als er antwortete. "Ja, Sir. Leider. Es ist eine Schande. Und ich bedauere das Missgeschick zutiefst."
Über Vladimir's Gesicht lief ein Ausdruck, der so anders war, als der Butler es erwartet hatte. "Das...das ist ja...WUNDERBAR!"
Igor schien dies überhört zu haben. "Ich hoffe doch, Sie können ihn zu einem richtigen Vampire machen?"
"lch werde mich schwer hüten."
"OH, wieso willst du denn einen schweren Hut haben?" fragte Emma.
"Nein, Emma! Ich meinte damit, ich werde dies auf keinen Fall tun!" knurrte Vladimir leise.
Igors Blick war von Entsetzen geprägt.

Schließlich seufzte Vladimir. "Kann ich meinen Va...meinen Bruder kennenlernen?"
"Gewiss, Sir! Gewiss!" erwiderte lgor.
"Und wo ist er?" Vladimir schaute sich um und versuchte sich dabei zu orientieren. Alles wirkte so fremd und das lag nicht nur daran, dass er nun eine andere Perspektive hatte weil er gewachsen war seit damals.
"Er wird wohl in seinem Zimmer sein." entgegnete lgor. "Unter seiner Bettdecke."
Vladimir drehte sich um und sah den Butler fragend an.
"Das macht er immer so." erklärte lgor.
Vladimir seufzte tief auf. Er fragte sich, wer von ihnen beiden eigentlich mehr Angst verspürt hatte.
"Gut, lgor. Dann führe mich bitte zu seinem Zimmer. Ich möchte gerne mit ihm reden." Er überlegte. Sollte er es alleine tun oder mit der Dienerschaft zusammen? Er beschloß, dass es wohl besser wäre, wenn sie dabei waren.
Igor und Emma führten ihn in ein Zimmer mit einem großen Himmelbett. Man sah allerdings nichts darin, außer einer verbeulten Bettdecke die zitterte.
"Geh weg!" kam es unter der Decke hervor.

Vladimir blieb stehen. "Nein, dass werde ich nicht tun! Jedenfalls nicht so! Ich möchte, dass du mir eine Chance gibst!" erwiderte er fest.
"Eine Chance mich zu beißen!" kam es schrill unter der Bettdecke.
"Wie kommst du denn darauf?" fragte Vladimir?
"Du bist ein Vampir!"
"Ja...das heißt Nein. Nicht wirklich."
Einen Momentlang hörte das Zittern auf. "Was bist du dann? Du hast spitze Zähne!"
"lch bin aber kein 100% Vampir. Ich bin ein Bastard-Vampir. Halb Vampir, halb Sterblich." Vladimir's Stimme war ruhig und freundlich. "lch denke, ich sollte mich dir erst einmal vorstellen. Du weißt doch gar nicht, wer ich bin. Und ich weiß nicht, wer du bist.
" lch bin Graf Duckula!" kam es unter der Bettdecke vor.
"lch weiß...du warst schließlich mal mein Vater."
Wieder Stille. Dann wurde die Stimme unter der Bettdecke strenger. "lgor...ich weiß nichts davon!"
"Nein, Sir, und ich bedauere es sehr, dass..."
Vladimir gab lgor einen Wink, dass er nicht weiter sprechen sollte. Er setzte sich vorsichtig auf das Bett, bedacht darauf nicht zu Nahe zu kommen.
"Es wundert mich nicht, dass dir niemand von mir erzählt hat. Aber ich denke, es ist wohl eher meine Schuld, als lgors oder Emmas. Deshalb gib mir die Gelegenheit mich zu erklären. Damals, es war so um das Jahr 1818, traf mein Vater...unser Vater...eine Ente aus Bürgerlichem Haus. Welche..." Vladimir zögerte. "...aus welchem verwirrten Grund auch immer, sich in ihn verliebte. Aus dieser Beziehung ist ein Ei entstanden. Kurz darauf machte mein Vater...unser Vater...sie zu einem Vampir. Hätte er es vorher gemacht, wäre es nie zu dieser Geburt gekommen. Aus diesem Ei nun entschlüpfte ich."
"lgor!" knurrte es unter der Bettdecke wieder hervor. "Du hast mir immer gesagt, dass es keine Gräfin gäbe!"
Vladimir sah Igor kurz an. "Sie lebte nicht lange. Es war nur eine sehr kurze Zeit. Sie wurde von Von Gänseklein getötet als ich noch sehr jung war."
"Von Gänseklein!" kam es unter der Decke hervor. Zum ersten Mal konnte man den Ansatz eines gelben Schnabels erkennen.
"Und warum hat mir NIEMAND von diesem Sohn erzählt?"
Vladimir seufzte. Er sah Igor und Emma an. "Lass uns langsam erzählen. Erstmal von mir." Er wandte sich an die Dienerschaft.
"Meine Erinnerungen sind sehr schwach. Das müsst ihr machen."
"Oh, er war so süß!" kam es von Emma. "So ein kleines Küken!"
"Und er hatte so wunderbare Zähne!" erwiderte lgor begeistert von seinen Erinnerungen. "Er sah seinem Vater so ähnlich! Er war ein richtiger kleiner Vampir! Das Haus Duckula war total aus dem Häuschen. Alle kamen sie um den Kleinen zu sehen! Sie müssen wissen, Mylord, so eine Geburt ist unter Vampiren eine Sensation! Die ganze Verwandtschaft war anwesend! Seine Mutter starb kurz darauf...es war nur eine kurze Zeit gewesen."
Vladimir überlegte. Er, versuchte sich vergeblich an seine Mutter zu erinnern.
" lch kann mich nur an meinen Vater erinnern. Er war...ich habe ihn bewundert." Heute musste er darüber schmunzeln.
" Oh ja, das haben Sie, Sir! Und wie Sie ihn bewundert haben! Als auch dieser starb, wurden sie zu einem richtigen kleinen Biest!"
Oh ja." bestätigte Emma. "Frech und ungezogen."
"lch hab viel Hoffnung auf Sie gesetzt." erwiderte lgor. "Aber dann eines Tages waren Sie einfach weg."
"Weg? Weg?" kam es unter der Decke hervor und noch mehr vom Schnabel kam zum Vorschein. Vladimir bemerkte, dass dieser keine Eckzähne hatte. "Wie das?"
Vladimir schloss die Augen. Es tat weh sich daran zu erinnern.
"lch...ich wollte mir von niemandem was sagen lassen. Und ich war der festen Überzeugung, dass ich mit dem Reisemechanismus des Schlosses genauso gut zurecht kommen würde wie mein Vater. Ich hatte es ja bei ihm oft genug gesehen. War nicht schwer. Igor verbot es mir zwar, aber ich dachte mir, dass er mir nichts zu befehlen hatte. Ich wollte reisen."
"Kann ich verstehen." kam es wieder unter der Decke hervor.
Vladimir holte tief Luft. "Um ungestört zu sein, musste ich die Dienerschaft weglocken. Also dachte ich mir einen Trick aus, um ihnen vorzumachen ich wäre runter ins Dorf gegangen. Mir war klar, dass man Angst um mich hätte und mich da raus wollen würde, damit mich niemand tötete. Als sie alle weg waren, schickte ich das Schloss nach Australien."
"Australien! Also da waren Sie!" rief lgor empört aus. "Als das Schloss zurück kam, waren Sie nicht mehr da."
Vladimir nickte. "lch kam zu spät. Es war schon weg, als ich meinen Ausflug ins fremde Land getan hatte."
"Das ist mir auch schon öfters passiert." kam es wieder unter der Decke hervor. Diesmal konnte Vladimir schon seine Augen erkennen.
"Oh ja, Mylord." erwiderte lgor. "Aber Sie waren nicht alleine. Und Vladimir war noch sehr klein und sehr jung. Er war gerademal 87 Jahre alt."
"87 Jahre!" Das klang nicht überzeugend, dass dies wenig wäre.
"10 Menschenjahre gleich 1 Vampirjahr bei einem Bastard-Vampir. Ich war damals also auf dem Stand eines 8,7 Jahre alten Kindes."
Kurzes Überlegen. "Ja. Das ist noch sehr klein. Und was geschah dann?" Es klang schon neugieriger.

Vladimir überlegte, während er den Rucksack ablegte. Er hatte auf dem Bett des Grafen einen kleinen Teddybären gesehen. Er öffnete seinen Rucksack und holte einen Teddybären heraus. Einen gehäkelten Teddybären. Igor
stoehnte bei dem Anblick. Doch Vladimir spürte einen neugierigen Blick unter der Bettdecke, der seine Handlung genau verfolgte.

"Was soll ich erzählen?" begann er schließlich. "Für mich war dies der Anfang meiner langen Reise. Eine Zeit, in der mir gehörig 'der Kopf gewaschen wurde'."
"Wer hat ihn dir denn gewaschen?" fragte Emma.
"Das Leben." antwortete Vladimir. "Und die anderen Vampire, die ich traf."
"Oh, ich hoffe sie haben ihn gut gewaschen."
"Emma!" Sei still!" tönte es unter der Decke hervor. Der Schnabel trat noch weiter hinaus." lch will wissen, wie es weiter ging."
Vladimir drehte sich nicht zu ihm um, sondern sprach nachdenklich weiter.
"lch irrte die ersten paar Tage herum, bis ich in eine große Stadt kam. Sidney..."

*

Er erinnerte sich daran, wie verzweifelt er gewesen war und nach lgor und Emma gerufen hatte. Wie der Durst in ihn immer größer wurde. Bis er in dieser Stadt angekommen war und sich vollkommen erschöpft zwischen Mülltonnen versteckt hatte. Erschöpft vor Hunger und Angst sich zusammengerollt hatte.
Er war noch zu klein. Er konnte nicht jagen, er hatte es noch nicht richtig gelernt. Seine Jagdversuche auf Ratten waren alle erfolglos verlaufen. Hier war alle so groß und fremd.
Vor Erschöpfung war er schließlich eingeschlafen. Er wusste nicht, wie es weitergehen sollte.
Dann mitten in der Nacht hörte er eine Stimme, welche zu ihm sprach.
Vladimir öffnete vorsichtig die Augen und witterte in die Nacht hinaus. Da war jemand, der genauso war wie er. Jedenfalls fast genauso.
"Wen haben wir denn da?"
Eine Hand griff nach ihm. Vladimir fing etwas an zu knurren, es klang aber schwach und müde. "Du brauchst keine Angst zu haben."
Dann zog man ihn aus seinem Versteck heraus.
Jemand, der im Schatten war, hielt sich über ihn, etwa zum Straßenlicht zu. "Wer bist du denn?" fragte die freundliche Stimme.
"Vl...Vladimir." antwortete er schüchtern.
Er sah in das Gesicht eines jüngeren Mannes. Sah sein Lächeln. Es war ein Vampir, er konnte seine Eckzähne erkennen. Ob er ihm diese zeigte, um ihn zu beruhigen?
"Mein Name ist Nick. Und du bist eine Vampir-Ente? Welch ein seltenes Exemplar." Er wurde gemustert. "Hast du Durst? Hunger?"
"Und wie." erwiderte Vladimir schwach.
Während der andere Vampir ihn mit nach Hause nahm, fragte er Vladimir weiter aus. Er fragte ihn wie er hierher gekommen wäre, er hätte nicht gewusst, dass es hier Vampir-Enten gab.
Vladimir erzählte ihm vom Schloss und seiner Familie.
"Du bist ein Duckula?" fragte der andere.
Vladimir nickte. Er war müde und schloss die Augen, während er sich in die Arme des Fremden kuschelte.
Er hörte etwas, was klang wie "DAS hat mir gerade noch gefehlt."
"Aber du bist nicht Graf Duckula?"
Vladimir schüttelte den Kopf. Dann schlief er ein.
Er erwachte erst wieder, als er die Wärme eines Bettes spürte und eine Stimme vernahm, die ihm was zu trinken anbot. Was er dankend annahm. Danach schlief er, dieses Mal gesättigt, wieder ein.

*


"Sie sind von einem Vampir gefunden worden?" fragte lgor und weckte damit Vladimir aus seinen Gedanken.
"Ja."
"Da haben Sie aber großes Glück gehabt."
Vladimir nickte versonnen. "Ja...und bitte, lgor, nenn mich einfach 'Vladimir'. Ich bin es nicht gewohnt anders angesprochen zu werden."
"Aber Sie sind der Junge Herr! Entstammen eines großen Hauses! Einer langen Reihe adliger Vampir-Enten!" protestierte lgor.
"Und wenn schon." Vladimir zuckte mit den Schultern. "Der Name bringt einem nicht unbedingt Glück."
Unter der Decke seufzte es. "Wem sagst du das."
Das Gesicht trat noch weiter hervor, die Neugierde war größer als die Angst.
"Und wer war der andere Vampir?"
"Er nannte sich Nick, aber eigentlich hieß er Nicolas de Barabant. Mich nannte er meistens 'Floh'."
"Warum Floh?" Die Decke kippte zurück. Jetzt konnte Vladimir zum ersten Mal das Gesicht des Grafen sehen. Sie sahen sich sehr ähnlich.
Vladimir sah ihn an und schmunzelte. "Weil ich klein war, ein Blutsauger...und wie Nick meinte nervend. Wir ein Floh eben."
Jetzt vernahm Vladimir ein leises Kichern.
"Und ich hoffe, er hat lhnen beigebracht ein richtiger Vampir zu sein." lgors Stimme klang voller lnbrunst und Überzeugung.
"Sicher, sonst säße ich jetzt nicht hier. Er hat mich alles gelehrt was man wissen muss um zu überleben. Vor allem seine Sinne zu gebrauchen und unauffällig zu sein."
Vladimir musterte lgor bei den Worten genau, weil er wußte dass es genau das Gegenteil war zu dem er immer geraten hatte.
"Man sollte keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Niemand darf Verdacht schöpfen. Zurückhaltend sein."
Igor schnaufte verächtlich.
"Immerhin" warf Vladimir ein. "stammte er aus dem Jahre 1228 - und es war immer noch sein erstes Leben als Vampir. Was man von meiner Familie nicht behaupten kann. Ich denke, in meiner Familie ist so manches schief gelaufen."
"Oh ja." stimmte Graf Duckula zu. "Einiges."

Der Graf betrachtete nun Vladimir. Diese Vampir-Ente sah ihm wirklich ähnlich, bis auf die Eckzähne. Die gleichen schwarzen Haare, nur standen diese strubbelig in alle Richtungen ab. Mit einem kleinen Wirbel an der Stirn. Vergeblich hatte man versucht, irgendwelche Ordnung in die Frisur zu bringen. Das rechte Auge war fast verschlossen, aber man konnte erkennen, dass dies aus einer alten Verletzung stammte. Über seinem Schnabel prangte ein tiefer Kratzer.
Er sah irgendwie verwegen aus. Aber irgendwie wirkte er keinesfalls bedrohlich.

Vladimir hingegen sah vor sich hin. In Erinnerungen versunken.

*


Er sah sich selbst, wie er mitten am Tag aufwachte und aus seinem dunklen Versteckt krabbelte. Woher sollte der andere Vampir auch wissen, dass Sonnenlicht ihm nichts ausmachte? Er sah sich in dem Raum um. Da war nicht viel, mit dem er hätte was anfangen können. Mit einiger Mühe sprang Vladimir an die Türklinke und drückte sie herunter, um sich weiter umzusehen. Die Räume waren alle sehr leer. Aber er fand doch etwas, mit dem er sich beschäftigen konnte. Er nahm sich einen Stapel Blätter und einen Stift und fing dann an zu malen.
Mit viel Nachsicht und Fantasie konnte man das Schloss Duckula daraus erkennen.
Nachdem er damit fertig war, kletterte Vladimir zum Fenster hoch und sah hinaus.
Er sah die Welt bei Tageslicht an. Reckte seinen Kopf um die Sonne zu sehen. Es erschien ihm merkwürdig, dass dies die gleiche Sonne war, welche über sein Zuhause schien, welche seinen Vater getötet hatte.
Ihm machte es nichts aus. Man hatte ihm gesagt, es lag daran, dass er ein "Bastard" war. Er konnte sich nicht viel unter diesem Ausdruck vorstellen. Außer, dass dies wohl etwas ganz besonderes sein müsste.
Irgendwann rollte er sich unter dem Fensterbrett zusammen und schlief ein.

Vladimir konnte sich daran erinnern, wie Nick ihm diese Welt zeigte und erklärte. Es war schon etwas anders, wenn man völlig fremd und alleine war, oder jemanden hatte, der ihm diese erklärte.
Vladimirs junge Kraft ließ ihn oft wie wild durch die Gegend laufen. Er sprang auf Tischen herum, untersuchte was auf ihnen stand und brachte den älteren Vampir bald zur Verzweiflung.
"Und wie geht es so mit dem Kleinen?" Sie waren in einer Art Bar, welche von einem weiblichen Vampir geführt wurde.
Nick stöhnte. "lch glaube einen Sack Flöhe zu hüten ist einfacher, als diesen einen Floh."
"Er ist ein Kind, Nick. Du musst ihn beschäftigen."
Also ging es mit der kleinen Vampir-Ente an den Strand. Nachts, wenn kaum einer da war.
Vladimir erinnerte sich daran, wie er über den Strand gelaufen ist, ins Wasser, alles untersuchte was er finden konnte. Irgendetwas hinterher jagen wollte - und immer wieder zurück gerufen wurde. "FLOH! Vladimir lass das bleiben!" "Komm her!" Und so weiter.
Einmal wollte Vladimir jemandem hinterher jagen, um ihn zu beißen. Nick war aber schneller und hielt ihn am Kragen fest. "FLOH!" Seine Stimme war streng geworden und ließ keinen Widerspruch zu. "lch glaube, ich muss dir eine Menge beibringen!"
Außerdem kaufte Nick dem Kleinen Spielzeug. Einen Ball, Bauklötze, Buntstifte. Eines Nachts, als sie den Ball mit an den Strand nahmen, fing Nick an mit ihm zusammen mit dem Ball zu spielen. Und dabei vernahm Vladimir etwas neues bei Nick. Während sie über den Strand, preschten, den Ball durch das Wasser jagten. Herzhaftes Lachen.
Nach diesem Spiel hob Nick Vladimir über seinen Kopf hoch. "Floh. Kleiner Floh."
Ein weiteres Lachen entrang Nick, als er zusah, wie die kleine Vampir-Ente eifrig mit einem mitgebrachten Jo-Jo spielte. Zu eifrig, denn mit einemmal wickelte sich die Schnur um seinen Schnabel. Der Anblick war für ihn einfach zu komisch. Vor allem der Blick des Mini-Vampirs dabei.

*


Während Vladimir von seinen Erinnerungen erzählte, kroch Graf Duckula immer weiter aus seinem Versteck heraus, bis er schließlich offen auf seinem Bett saß und Vladimir zuhörte.
Vladimir registrierte es zwar, reagierte darauf aber nicht, sondern redete weiter.
"Wenn ich traurig wurde, nahm Nick mich zu sich und begann mir Geschichten zu erzählen."
"Haben Sie denn nicht versucht, wieder zurück zu kommen?" fragte lgor.
"Oh doch, eigentlich habe ich ständig daran gedacht. Deswegen war ich auch oft traurig. Nur Nick erklärte mir, dass ich es alleine nie schaffen würde. Und außerdem war die Zeit dazu ungünstig."
"Warum ungünstig?" Die Frage kam dieses Mal hinter Vladimir, von dem Grafen.
"ln den Jahren standen Japan und China im Krieg, wir mussten uns einen sicheren Weg suchen. In lernte in der Zeit viele Vampire kennen, auch dass sie sich längst organisiert hatten."
Igor lachte.
Vladimir schüttelte den Kopf. "Ich denke nicht, dass wir beide das gleiche meinen. Ich meinte, dass es welche gab, die Pässe fälschten. Die dafür sorgten, dass sie alle paar Jahre eine neue ldentität annehmen konnten ohne aufzufallen."
"Warum?" Wieder kam es von Graf Duckula.
Vladimir schnaltzte mit der Zunge. "Um die Lebenserwartung zu erhöhen ist es günstig, immer wieder weiter zu ziehen. Man bleibt an einem Ort, bis es den Sterblichen auffällt dass man nicht älter wird. Dann zieht man weg - und nimmt eine neue ldentität an unter neuem Namen. Unauffällig sein eben. Und deswegen gab es welche, die sich darauf spezialisiert haben. Man bekommt von ihnen einen neuen Pass, einen neuen Namen und eine neue Vergangenheit, mit gefälschtem Schulabschluss, gefälschter Ausbildung...
was man eben so braucht."
Graf Duckulas Augen wurden bei diesen Worten immer größer.
Igor befürchtete schon das Schlimmste.
Vladimir schien dies zu spüren, erst jetzt drehte er sich zu dem Grafen um." Stell es dir bloß nicht so einfach vor. Ich weiß, wovon ich rede. Außerdem machen sie es nicht umsonst."

Vladimir schloss die Augen. "Ich würde jetzt gerne eine Pause machen, das erzählen strengt an."
Was Graf Duckulas Gastfreundschaft hervor rief. "Wie konnte ich nur so unhöflich sein. Darf ich dir was anbieten? Was haben wir da, lgor?" lm nächsten Moment stockte er und schlug sich gegen den Kopf. "Was habe ich da gerade gesagt?"
Doch man ignorierte seine Frage.
Auf lgors Gesicht zeigte sich ein breites Grinsen. "Oh, wir haben da ein paar wunderbare Jahrgänge im Keller."
"Wenn es denn sein muss..." Vladimirs Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, ein Seufzen. So leise, dass nur der Graf es hören konnte, weil dieser ihm am nächsten war.
Vladimir war zu erschöpft für einen Widerspruch, er würde lgor beibringen müssen, dass er im Laufe der Jahre andere Möglichkeiten zur Ernährung gefunden hatte. Und wenn er die Ratten im Keller jagte.

Später in der Küche musterte Graf Duckula den Ankömmling genauer. Es gab noch zwei Unterschiede zwischen den beiden. Vladimirs linke Hand war von einer Bisswunde durchlöchert. Woher er diese hatte wollte er lieber nicht fragen. Und er hatte richtige Bürzelfedern. Was er nicht besaß. Da er sie nicht hatte, musste es wohl eine Erbschaft seiner Mutter sein.
Der entschiedenste Unterschied aber war - Vladimir war kein Vegetarier!

Einige Stunden später, in Anbetracht seines Zimmers, entrang Vladimir ein zweiter tiefer Seufzer. Igor hatte sein Gepäck hierher bringen lassen. Mitten im Raum stand ein Sarg.
Warum hatte er nicht daran gedacht, es gleich zu sagen? Er schlief schon seit Jahrzehnten nicht mehr in einem solchen. Seit er vom Schloss aufgebrochen war um genau zu sein.
Und Vladimir hatte nicht die Absicht, mit der Angewohnheit wieder anzufangen.
Müde blickte er ihn an. Dann zuckte er mit den Schultern. Es würde auch reichen, wenn er sich ein paar Decken suchte um eine gemütliche Schlafkuhle daraus zu machen.
Also brach Vladimir auf, um Decken zu suchen.

Graf Duckula wachte erschrocken auf. Es kamen unheimliche Geräusche von den Fluren, schleifende Geräusche. Als ob jemand sich abmühte, Decken durch die Gegend zu schleppen.
"Emma! Igor!" Es war mehr ein Flüstern als ein Rufen. "Da ist etwas! Emma? Igor?"
Das Geräusch hörte auf.
Als keine Reaktion kam, nahm Graf Duckula seinen ganzen Mut zusammen, um selber nachzusehen. "Alles muss man hier alleine machen!" schimpfte er.
Das Geräusch war tatsächlich nicht mehr zu hören. Stattdessen vernahm er jetzt ein leises Schluchzen aus einem der Zimmer.
Vorsichtig öffnete der Graf die Tür.

Inmitten einiger Decken saß dieser Vampir, der mit ihm verwandt sein sollte, eng verwandt. Starrte vor sich hin und wischte sich imm wieder Tränen ab. So etwas hatte Graf Duckula noch nie bei einem Vampir gesehen - außer bei sich selbst. Sofort kam Mitgefühl in ihm auf.
"Alles in Ordnung, Vladimir?" Er trat auf ihn zu.
Vladimir nickte. "Ja. Es ist nur...ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages wieder hierher komme. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll."
Graf Duckula setzte sich neben ihn und legte einen Arm um Vladimirs Schulter. Er sagte nichts.
"Es ist überwältigend...und doch vermisse ich meine Pflegeeltern. Und mein Zuhause dort."
"Du kannst sie doch hierher einladen. Das Schloss ist groß genug."
Vladimir schüttelte den Kopf. "Nein, das geht nicht mehr. Sie sind vor kurzem verstorben. Ich habe bei ihrem Sohn gelebt. Aber da wollte ich nicht mehr bleiben."
"Und warum nicht?"
"Weil ich dort nicht hingehöre. Ansonsten wird man wie ein altes Möbelstück von Generation zu Generation vererbt."
Graf Duckula wies auf die Decken. Woraufhin Vladimir unweigerlich lachen musste. "Ich schlafe nicht gern in einem Sarg. Das ist so unbequem."
"Da bin ich ganz deiner Meinung!" stimmte Duckula zu. Er überlegte und hoffte, nicht zu bereuen was er nun sagte, aber es kam aus tiefstem Herzen.
"Komm mit. Bei mir ist Platz genug für uns beide."
Er stand auf und ging zur Tür. Vladimir sah ihn fragend an. Schließlich stand er auf und nahm das Angebot an.
Graf Duckula blickte ihn an. "Na, hoffentlich bereue ich das nicht." Er schluckte. "Meine große Klappe. Er ist immer noch ein Vampir. Aber er ist auch mein Sohn...mein Bruder. Das macht einen ganz wirr im Kopf."
Kurz darauf lagen sie nebeneinander im Bett Dieses Mal erzählte der Graf von sich und Vladimir hörte aufmerksam zu. Er erzählte fast bis zum Morgengrauen. Als die Dienerschaft eintrat, schliefen beide Duckulas tief und fest.
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