Hornträger – Schicksal der gehörnten Kinder

von Kazuka
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16 Slash
Drachen Elben & Elfen Fabeltiere & mythologische Geschöpfe
06.10.2019
10.11.2019
20
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Hallihallo :)
Hier melde ich mich mal wieder mit einem neuen Kapitel
Ich hoffe natürlich, dass euch die Geschichte immer noch gut gefällt und
vielleicht lasst ihr mir ja bei diesem Kapitel etwas Rückmeldung da
Würde mich jedenfalls sehr freuen<3

Ich bin momentan viel am rumwerkeln und planen und habe
vorgestern einen Onlineshop eröffnet.
Ist also etwas Werbung ;)
Ich stelle neben meiner richtigen Arbeit als Erzieherin auch noch Makramee-Schmuck
her und vielleicht möchte der ein oder andere mal bei meiner Seite vorbei schauen

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19. Filyna (3)


Filyna schloss ihre gesamte Gemeinde mit ins Gebet ein, als sie den heiligen Baum berührte. Sie hatte ihre Augen dabei geschlossen und hoffte fest daran, dass dieser Albtraum ein Ende haben würde. Sie wartete und wartete, doch Finn kam nicht mehr zurück. Sofort bekam sie es mit der Angst zu tun.. vielleicht waren diese Männer doch noch nicht fort und hatten ihn.. weiter wollte sie nicht denken. Mit wackeligen Beinen stand sie auf und lief durch den grünen Hain, zu den Treppenstufen des Rathauses. Als sie weiter lief, stockte sie kurz. Ihr Magen begann sich zu drehen und unglaubliche Übelkeit stieg in ihr auf. Beim Anblick des kleines toten Mädchens musste sich Filyna übergeben und ihr zitternder Leib fühlte sich noch schwächer an als zuvor. „Mavi..“, flüsterte Filyna voller Trauer in der Stimme. Sie war nur fünf Jahre alt geworden und musste solch ein Schicksal erleiden. „Ich kann.. ich kann dich nicht so liegen lassen..“, murmelte sie und packte das kleine Bündel, um sie zum Hain zu tragen. Vor dem Gebetsbaum legte sie den zierlichen Körper ab und schloss ihre leeren Augen. „Geleite sie..“, betete sie noch und ging erneut den Weg nach unten. Jede Stufe und jeder Blick zog sie noch mehr in die Dunkelheit herab. So viele tote Menschen und sie kannte jeden einzelnen davon. „Ich kann doch nicht.. alle zum Hain bringen.“, redete sie mit sich selbst und doch nahm die das nächste Kind und drückte es an ihren Oberkörper. Sein dünner Leib fühlte sich bei der Berührung kalt an. Sie lief die Stufen erneut nach oben und legte Zavian neben Mavi. „Bitte.. geleite sie.“, hauchte sie auch dieses Mal und starrte in den Himmel hinauf. Die volle Baumkrone verweigerte ihr ein wenig die Sicht. Mit müden Armen pflückte sie die Blätter des heiligen Baumes und ließ sie behutsam in ihre Manteltaschen sinken.

Bei ihrem Weg nach unten, legte sie bei jedem der Toten zwei Blätter auf deren Augen. Sie sollten der Göttin Liliel so nahe wie möglich sein. Auch ihr nahm es den Schmerz, auch wenn es sich nur für einen kurzen Moment so anfühlte. Wieder schossen ihr die Bilder dieser grausamen Männer in den Kopf.. sie spürte regelrecht wie sie berührt wurde.. wie sein Atem gestunken hatte, als er sie küsste. „Filyna, da bist du! Was machst du da?“, hörte sie plötzlich und fuhr herum. Finn stand am Wegesrand und hatte sich scheinbar umgezogen und gewaschen. Für einen kurzen Augenblick sah er aus wie früher, doch seine Augen verrieten Filyna, dass nichts mehr wie damals sein konnte. „Ich weiß es nicht.. ich möchte, dass ihre Seelen den richtigen Pfad finden..“, flüsterte Filyna und konnte ihre Tränen nicht mehr zurück halten. „Kannst du es bei meiner Familie auch machen?“, fragte Finn leise. „Ja.. natürlich.“, hauchte sie und folgte ihm zu seinem Haus. Der Weg kostete das Mädchen einiges an Überwindung, denn der Anblick dieser vielen Menschen tauchte sie in tiefe Traurigkeit. Mit jedem Schritt wurde sie wackliger auf den Beinen und ihre Augen wurden leerer.. sie verloren ihr wunderschönes Grün, wie die herunterfallenden Blätter im Herbst. „Hier entlang..“, murmelte Finn und ging den schmalen Pfad voraus. Die Eingangstüre wurde beschädigt.. zwei Fenster waren eingeschlagen. Das war das erste, was Filyna in die Augen fiel. Als sie hineintrat, wich sie sofort wieder nach draußen und schnappte nach Luft. Sie hatte nur einen kurzen Moment hineingesehen, doch dies hatte ihr schon gereicht.

Unsicher blickte sie zu Finn hinüber, der ebenfalls nicht wagte einzutreten. „Das.. das haben diese Männer getan?“, fragte Filyna entsetzt. Finns gesamte Familie wurde abgeschlachtet, wie Vieh. So viel Blut hatte das Mädchen noch nie in einem Raum gesehen. Sie war sich noch nicht einmal sicher, ob sie die Augen der Toten mit Blättern bedecken konnte, so verzerrt waren ihre Gesichter. Erneut sah sie zu Finn hinüber, der starr auf den Boden blickte. Seine angespannten Fäuste zitterten und Filyna wusste, dass er sich Vorwürfe machte. Er hätte sie vielleicht retten oder ihnen solch einen grausamen Tod ersparen können. Sie musste das jetzt tun, für ihn. Langsam bewegte sie sich in das Haus und kniete sich neben die geschundenen Körper. Behutsam legte sie die Blätter auf die Gesichter seiner Eltern, obwohl ihre Schädel beinahe zweigeteilt wurden. „Geleite sie.. sie alle.“, flüsterte sie und stützte sich ab, um wieder aufzustehen. Es gelang ihr bloß nicht.. sie sackte wieder zusammen. All ihre Kraft hatte sie verlassen, denn dieser Schmerz und diese Angst die an diesem Ort lag, zog sie mit in den Abgrund. Sie bemerkte es zunächst nicht, doch Finn hatte sich still neben sie gesetzt. Er legte seinen Kopf in ihren Schoß und und begann bitterlich zu weinen. Sie zuckte erst zusammen, doch dann legte sie ihre Hand behutsam auf seinen Rücken. Sie schloss selbst ihre Augen, um den Bildern in diesem Raum zu entkommen und dachte an ihre kleine Schwester. Sie hatte bestimmt Angst und war völlig verunsichert. Filyna wollte sie einfach nur in ihre Arme schließen und ihr sagen, dass alles gut werden würde.. das war ihr einziger Wunsch. Nun, da sie nicht mit Milina sprechen konnte, sagte sie es zu der Person, die da war. „Alles wird wieder gut..“, hauchte sie leise und allmählich hörte das Schluchzen wieder auf.

Als sich Finn wieder aufrichten wollte, wischte er sich die Tränen mit seinem Ärmel ab. „Tut mir leid..“, murmelte er und stand auf, ohne jedoch noch einmal seine Familie anzusehen. Filyna folgte ihm schweigend und sie machten sich auf den Weg. Finn kannte einige der Tunnel und hatte sich die dementsprechenden Karten zusammen gesucht. „Der Eingang ist hinten an der Bibliothek.“, sprach er und deutete auf das Häuschen, welches eigentlich einmal der Glanz des Dorfes war. Nun waren die Wände mit Blut bespritzt und die Türe war auch hier eingeschlagen geworden. Filyna versucht all das Schreckliche einfach auszublenden, sonst würde sie hier niemals weg kommen. Sie schloss ihre Augen und betrat den hinteren Eingang des Gebäudes. Sie ließ alles hinter sich und ließ los... all den Schmerz. Als sie ihre Lider wieder öffnete starrte sie in einen dunklen Gang. Tatsächlich war sie noch nie hier gewesen. Finn hatte die Tür mit einem rostigen Schlüssel aufgesperrt und eine Lampe angezündet. „Wo werden wir da raus kommen?“, fragte Filyna neugierig. „Ich denke auf dem halben Weg zum nächsten Dorf. Wenn die anderen einen erfahrenden Arbeiter dabei hatten, könnte ich mir vorstellen, dass sie ebenfalls so gelaufen sind.“, überlegte Finn nur und ging voraus.

Filyna folgte ihm mit unsicherer Miene. Sie schwiegen eine ganze Weile, doch langsam fühlte sich Filyna etwas unwohl dabei. „Sprich mit mir..“, murmelte sie leise und lief etwas schneller, um dichter bei ihm zu sein. „.. was willst du denn hören?“, fragte er ebenfalls mit gedämpfter Stimme. „Weiß nicht.“, gestand Filyna müde. „Willst du dich eine Weile ausruhen?“, fragte er daraufhin und blieb stehen. Seine Augen betrachteten das Mädchen besorgt, was Filyna selbst durch die schlechten Lichtverhältnisse erkennen konnte. Dabei war er es doch, der seine gesamte Familie verloren hatte. Sie hatte immerhin noch Hoffnung, dass ihre Schwester noch am Leben war. Die junge Priesterin wusste nicht warum, doch erneut stiegen ihr die Tränen in die Augen. Sie nickte kaum merklich und lehnte sich gegen die erdige Wand. „Gut.. dann lass uns etwas schlafen.“, schlug er vor und packte eine dünne Decke aus seinem Rucksack aus. Behutsam breitete er diese auf den Boden aus und legte sich hin. „Sieht nicht sehr bequem aus..“, schmunzelte Filyna, als sie ihn beobachtete. „Ach.. ich bemerkte da gar keinen Unterschied zu meinem Bett.“, grinste er, doch dieses Grinsen verschwand augenblicklich wieder. Er schien an sein Zuhause zu denken. Filyna kniete sich nieder und legte sich zu ihm. Ihre Tasche nutze sie als Kissen und Finn schenkte ihr ein wenig Wärme, auch wenn er sie nicht einmal berührte. Neben ihm zu liegen, in diesem Tunnel fühlte sich so unwirklich an. Wenn all diese schrecklichen Taten nicht geschehen wären, wäre diese Verbindung wohl nie zustande gekommen. Nun war er der Einzige, dem Filyna vertrauen konnte. „Schlaf gut..“, murmelte sie und schlief wenige Herzschläge später ein.
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