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Haru

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Zauberer & Hexen
06.10.2019
17.10.2019
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Kapitel 8

Sezuna machte eine wegwerfende Handbewegung, nahm sich dann aber doch zögerlich einen Keks. "Dann beschreib mir doch einfach was du fühlst, während du die Kekse schweben lässt", bat sie.

„Hmm ...", fing er an und nahm sich einen weiteren Keks. Anstatt ihn zu essen, bröselte er ihn langsam auf ein sein Shirt, um es in Asche zu verwandeln. Dann hauchte er die Asche weg und zog mit einer Handbewegung sie wieder zurück, um den Keks zu formen. Erst dann biss er herein. „Ich denke einfach, was ich mit der Magie tun will und lenke sie in meine Arme und Hände, dort spüre ich dann Impulse, die sich nach außen drängen. Sobald diese Impulse die Kekse zum Beispiel berühren, fühlen sie sich wie ein Teil von mir, als würden sie mit mir verschmelzen."

"Ja siehst du. Das ist die ganze Theorie. Dramatisch gekürzt, aber ja. Mehr ist es im Grunde nicht", meinte Sezuna zuversichtlich. "Nur nutzen viele Lehrer immer hochtrabende Worte."

Haru schüttelte den Kopf. „Wenn es wirklich so einfach wäre, könnte ich die überquellende Macht kontrollieren, Sezuna. Und das alles steht in Worten in den Büchern. Die bleiben nicht in meinem Kopf. Wenn die Macht über mich die Kontrolle nimmt, ist es aus", sagte er. Als er die Bücher nur erwähnte, zog er seine Augenbrauen nach oben. Seine eigene Macht nicht kontrollieren zu können, wenn es notwendig war, war das Schlimmste. Und gerade das musste er lernen.

Sezuna seufzte. "Du möchtest es ja nicht einmal probieren und versuchen. Das hättest du auch gleich sagen können. Dann hätte ich es gelassen", sagte sie und biss ein wenig beleidigt in ihren Keks.

Sie mochte Leute nicht, die dachten es gäbe nur einen einzigen Weg Dinge zu lernen. Dabei gab es hunderte. Man musste nur den finden, der für einen am hilfreichsten war.

Haru zog eine Augenbraue nach oben. „Du stellst dir alles viel zu einfach vor, weißt du das? Überrede meine Eltern dazu, dass ich es anders lernen kann, denn sie sind der Meinung, man lernt alles nur mit Büchern und dann eben Training. Wenn du es allerdings schaffst, mir das ganze beizubringen, ohne dass ich in die Bücher sehen muss, dann hast du wirklich was gut bei mir und ich lasse deinen Dienst für den Monat sein, sprich du wirst dann nicht für mich arbeiten", bot er ihr an. Er musste sich seinen Eltern in gewisser Weise beugen, denn sie waren sehr streng und oft altmodisch in solchen Dingen.

"Wir haben bereits unseren Deal gemacht. Du musst ihn deshalb nicht ändern. Deal war es dir die Theorie beizubringen. Das wie stand nie zur Debatte und sollte auch keinen interessieren. Auch deine Eltern nicht", sagte sie. "Die Resultate sind wichtig. Wenn du also gute Noten schreibst, wird dich niemand fragen, wie viele Bücher du gelesen hast. Wie ich lerne interessiert auch niemanden. Na ja außer ich jag meine Küche in die Luft, dann interessiert es die Leute schon, aber da kam in den letzten Monaten eher weniger vor", meinte sie und klang am Ende ihres Satzes ein wenig nüchterner. "Also versuchen wir meine Methode und wenn die nicht klappt, suchen wir eine andere, bis wir deine gefunden haben."

„Du bist ganz schön zuversichtlich", sagte er, wobei Anerkennung in seiner Stimme mitschwang. Dann seufzte er auf. „Also gut, dann bringe ich dir auf meine Weise bei, wie man seine eigene Quelle vergrößern und den Körper stärker machen kann, in Ordnung?" Haru streckte seine Hand nach ihr aus, damit sie einwilligte. Dabei lag ein Lächeln auf seinen Lippen. „Trotzdem werde ich dich entlassen, sollte unser Deal bereits vor dem Ende des Monats zu Ende sein."

Sezunas Lächeln war ausnahmsweise einmal wirklich belustigt. "Nicht einmal ich werde es schaffen dir in einem Monat die Theorie der letzten Jahre beizubringen, aber zumindest die Dinge, die für dich wichtig sein sollten", sagte sie und griff nach seiner Hand. "Vorausgesetzt du versuchst es überhaupt und sperrst dich nicht."

„Solange du mir beibringst, wie ich den Mist behalten kann, ist mir alles recht. Ich habe nicht verlangt, dass du mir alles beibringen musst", erwiderte er und nahm ihre Hand. Sie fühlte sich weich und warm an und er hielt sie einen Moment länger fest als geplant. Fast schon ruckartig zog er seine Hand dann zurück und entschuldigte sich murmelnd. Sowas gehörte sich nicht und das wusste er nur zu gut. „Ich werde mich nicht sperren und du tust das gleiche, verstanden? Wann hast du denn bitte deine Küche in die Luft gejagt?", kicherte er auf einmal los.

Sezuna verzog ein wenig den Mund. "Ich habe versucht verzauberte Kekse zu backen und sie Kei unterzujubeln. Na ja, leider sind sie mit dem Ofen irgendwie... erst in Flammen aufgegangen und dann gab es einen Knall."

Der blondhaarige Junge prustete los und bekam einen Lachanfall, sodass er Bauchschmerzen davon bekam. Er rollte sich auf die Seite, weil er vor Lachen kaum noch Luft bekam. Wenigstens hatte sie einen Sinn für Humor. Kei hätte es nicht anders verdient, als in eine Kröte verwandelt und eingeschlossen zu werden.

Sezuna blieb einfach sitzen, den Keks noch in der Hand und knabberte ein wenig darauf herum, während sie Haru neugierig beobachtete. Sie verstand sein Verhalten nicht. Warum war er plötzlich so belustigt? Was sollte sie denn jetzt machen?

Es dauerte einige Minuten, bis er sich erholt hatte und sich japsend aufsetzte. „Tut mir leid, aber wenn ich mir vorstelle, wie Kei deine Kekse bekommt ... nein ich kann nicht mehr. Hoffentlich hattest du wenigstens einen bösen Zauber auf die Kekse gelegt, damit sie ihm was tun. Zu schade, dass sie verbrannt sind", sagte er wahrlich bedauernd. Nur zu gern hätte er Keis Gesicht gesehen. Haru wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht und holte tief Luft. „Es scheint, du bist nicht an den Umgang mit anderen wirklich gewöhnt, richtig?"

"Sie sollten lediglich dafür sorgen, dass er sich übergeben muss, wenn er versucht mit einem Mädchen zu flirten", meinte die und überging seine letzte Aussage einfach. Was sollte sie auch dazu sagen? Sie war bisher nicht viel mit anderen Schülern in Kontakt gekommen.

„Oh dann helfe ich dir gerne, die zu backen. Das ist eine Leichtigkeit. Er ist ein grässlicher Angeber und sieht jedem Mädchen an der Schule nach. Dem würde eine Abreibung ganz gut tun", erwiderte er und rieb sich die Hände. Dennoch wiederholte er seine letzte Frage. „Es sieht nämlich so aus, als wüsstest du nicht, wie man auf einige Dinge reagiert. Zumindest wenn man mit Freunden zusammen ist", stellte er fest.

Sezuna zuckte die Schultern. "Ich hab keine Freunde. Woher soll ich das also wissen?", fragte sie und wirkte nicht, als würde es sie stören.

„Keine Freunde? Gerade solche wie du brauchen zumindest einen oder zwei Freunde", bemerkte er erstaunt. Natürlich konnte nicht jeder Freund eng befreundet sein, aber es war immer wichtig, zumindest einen zu haben. „Bei mir musst du dich nicht verstellen oder Angst haben, was Falsches zu tun. Sei einfach du selbst", sagte er.

"Ich bin nicht der Typ für Freunde", meinte sie. "Das geht sowieso nur schief."

„Deine Entscheidung, aber es könnte dir eine Menge helfen", sagte er schulterzuckend. Solange sie sich nicht bei ihm verstellte, war alles in Ordnung, denn er mochte keine Menschen, die ein falsches Gesicht aufsetzten und ihn anlogen. Haru schob ihr die Kekse hin und stand auf. „Los komm, wir sollten weiterlernen."

Sie nahm die Kekse und erhob sich ebenfalls, bevor sie diese wieder wegräumte. "Vielleicht sollten wir dazu raus gehen", schlug sie vor, da sie hoffte dort ein mehr Platz zu haben und weniger Sachen in Gefahr zu bringen.

Er sah auf seine Uhr und überlegte kurz. Es war dunkel geworden, als er aus dem Fenster sah. Die Zeit rannte ihm selbst davon. „Also gut, lass uns zu dem Baum hinter dem Park gehen. Da gibt es wenigstens genügend Platz", schlug er vor und zog eine Jacke über. Zwar konnte er sich mit Magie warmhalten, doch für solche Dinge benutzte er sie meistens nicht, solange er was zum Anziehen hatte.

"Ist es okay, wenn ich mir vorher noch eine Jacke holen gehe?", fragte Sezuna vorsichtig. Sie schien noch immer ein wenig unentschlossen zu sein, wie sie mit ihm umgehen sollte.

Haru nickte und sagte zu ihr, dass sie sich dann unten am Eingangstor treffen würden. Er ließ das dunkelhäutige Mädchen aus seinem Zimmer und sah ihr nach, als sie davonlief, bevor er sich auf den Weg machte.

Schnell zog sie sich in ihr Zimmer zurück und schnappte sich eine Strickjacke. Für das aktuelle Wetter sollte sie ausreichend sein. Danach begab sie sich schnell an besagten Treffpunkt und hoffte, dass Haru nicht zu lange warten musste.

Lässig lehnte er an der Wand und hatte die Arme verschränkt. Dabei schien er vor sich hinzustarren und murmelte einige Worte. Als er Sezuna jedoch näherkommen hörte, sah er auf und lächelte. Dann öffnete er die Tür und ließ sie hinaus. „Viel Zeit bleibt nicht mehr, bevor wir auf unsere Zimmer müssen. Aber vielleicht reicht es aus", bemerkte er und lief neben ihr her, während sie den geschotterten Weg zum Park entlanggingen. Da es sehr dunkel war, hatte er eine Lichtkugel geformt, die hell genug war, um den Weg gut zu beleuchten.

"Ich würde gern etwas versuchen, wenn das in Ordnung ist", meinte Sezuna leise und lief einen halben Schritt hinter ihm. Sogar wenn er ein wenig langsamer wurde, schien sie diese Position beibehalten zu wollen.

Zwar warf er ihr einen Blick über die Schulter, sagte aber nichts, sondern nickte nur. „Sei nur vorsichtig, dass du nicht hinfällst", meinte er, denn da das Licht vor ihm schwebte, war es hinter ihm dunkler.

Sezuna nickte und streckte ihre mentalen Hände nach seiner Lichtkugel aus, um die ungezähmte Macht, die irgendwie immer um Haru herumzuwirbeln schien, für sich zu nutzen. Mit dieser Macht ausgestattet, formte sie diese und neben ihr erschien ebenfalls eine Kugel aus sanftem Licht.

Obwohl sie seiner Kugel Magie entzog, wurde sein Licht nicht dunkler, sondern blieb gleich hell. Erstaunt drehte er sich um, sodass sie sich gegenüber standen mit jeweils einer Lichtkugel in der Hand. „Das ist bereits das zweite Mal, dass du meine Energie nutzt, Sezuna", bemerkte er.

"Ich kann diese Dinge nicht allein", sagte sie entschuldigend. "Ich versuche ebenfalls zu lernen, wie man mit Magie umgeht, was sie als schwer gestaltet, wenn man selbst nicht genug hat", murmelte sie und betrachtete dabei ihre Hand, die ein wenig vor Anstrengung zitterte.
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