Flayed in the U.S.A.

GeschichteAllgemein / P16
Billy Hargrove Maxine "Max/MadMax" Hargrove Neil Hargrove OC (Own Charakter)
05.10.2019
16.11.2019
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Als der eigentliche Unterricht des Tages vorbei war, tobte in Grace noch immer die Wut.
Noch nie war sie in einer solchen Situation gewesen, noch nie hatte sie ein Lehrer zum Nachsitzen verdonnert. Und noch nie hatte ihr jemand verboten auf die Toilette zu gehen.
Sie war im Recht gewesen, doch der Lehrer saß am längeren Hebel und sorgte dafür, dass Grace´ Schultag, sich um eine weitere Stunde verlängerte.
Und nun fand sie sich in einem kargen Raum wider, welcher nur für solche Zwecke, wie das Nachsitzen gebaut worden war.
Neben ihr, befanden sich noch zwei weitere Schüler aus anderen Klassen im Zimmer, die entweder auf den Tischen herum kritzelten oder tatsächlich Hausaufgaben machten.
Grace blies sich eine Strähne aus dem Gesicht, zog ihr Spanisch Buch heraus und wollte die Zeit, die ihr aufgebrummt wurde, wenigstens sinnvoll nutzen.
Sie konnte sich vorstellen, was ihre Eltern, aber vor allem ihr Vater sagen würden wenn sie, später als geplant zu Hause erscheinen würde.
Ihren Bruder hatte in der Mittagspause bereits darüber informiert, dass sie es nicht rechtzeitig zum Abendessen schaffen würde.
Sie hatte schon jetzt genug von dieser Stadt.
Vom Flur der Schule drang lautes Lachen ins Innere des Raumes und kurz darauf wurde die Tür soweit aufgeworfen, dass das Holz gegen die Wand dahinter knallte.
Die Köpfe der beiden Jungen drehten sich kurz herum und auch Grace folgte ihren Blicken.
„Jetzt bringen wir mal Schwung in die Bude!“, lachte Billy und warf die Tür hinter sich ins Schloss.
Sein Blick schweifte über die Schüler, bis seine Augen an Grace hängen blieben.
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht zog er einen der Stühle über den Boden, was ein ekelhaft quietschendes Geräusch mit sich brachte. Er drehte die Lehne des Stuhles herum und setzte sich auf das unbequeme Holz. Die Arme auf der Lehne verschränkt, hatte er sich genau vor Grace´ Tisch positioniert und sah sie an.
„Ist was?“, fragte sie, ohne den Blick zu erwidern.
Er legte den Kopf leicht schief und musterte sie: „Jemand der Grace heißt, sollte nicht nachsitzen müssen..“
Nun sah sie auf: „War nicht meine Entscheidung.“
Billy grinste breit, kaute abermals mit offenem Mund, was ein leises Schmatzen erzeugte.
Genervt atmete Grace hörbar aus: „Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, dass man mit offenem Mund nicht kaut?“
Billy beugte sich ein Stück über die Lehne, stoppte nicht mit dem Geschmatze und entgegnete: „Scheinbar nicht.“
Grace presste die Lippen aufeinander: „Hast du nicht irgendwas zu tun, wobei du mir nicht auf die Nerven gehst?“
Er lachte: „Oh, ich mag Weiber, die schwer zu zähmen sind. Das ist eine Herausforderung.“
Sie verzog das Gesicht: „Übernimm dich nicht. Ich will ja nicht, dass du bei dieser Herausforderung versagst und dann weinend zu deiner Mama rennst.“
Billy biss sich auf die Unterlippe und streckte ihr mahnend den Zeigefinder entgegen: „Vorsicht, Sommersprosse. Du willst dir doch nicht gleich am ersten Tag Feinde machen, hm?“
Sie ließ den Stift auf die Tischplatte fallen und beugte sich ebenfalls ein wenig vor: „Ist das.. eine Drohung?“
„Ich drohe keinen Frauen.“, er wand sich an einen der Schüler, die ihm im Rücken saßen und brüllte diesem lachend entgegen: „Nur den kleinen, fetten Schweinchen, die den Zahltag vergessen haben!“
Alles, was Grace schon vorher über ihn erahnt hatte, schien sich zu bewahrheiten.
Er war der König dieser Schule, ein Arschloch und ein Mobber.
Grace schnippte mit den Fingern vor Billy´s Augen, um seine Aufmerksamkeit wieder zu bekommen: „Kannst du dir nicht jemand mit deiner Kragenweite suchen?“
Grinsend sah er wieder zu ihr: „Wäre dann ja nur halb so lustig.“
Sein Blick wich an Grace vorbei, als jemand im Türrahmen erschien.
Billy´s Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig und er kläffte: „Was willst du denn hier?!“
Als Grace sich umdrehte, fiel sie aus allen Wolken. Dylan stand im Türrahmen.
Sie sah von ihrem Bruder zu Billy: „Ihr kennt euch?“
Billy grinste: „Nein...oder?“, er sah zu Grace. „Nein..“, lachte er, fixierte den Blick zu Dylan und fügte mit einem zweideutigen Unterton an: „Das ist deine Schwester. Oder?“
Dylan presste die Kiefer aufeinander: „Ich warne dich nicht nochmal!“
Billy überkam ein kleiner Lachanfall, der ihn fast vom schaukelnden Stuhl beförderte.
Während Grace nicht verstand, um was es ging, richtete Dylan das Wort an sie.
„Soll ich auf dich warten?“
„Nein, schon gut. Gib lieber daheim Bescheid, dass es bei mir später wird..“
Dylan sah in das breit grinsende Gesicht von Billy, der aber nichts mehr sagte.
Musste er auch nicht. Der Ausdruck in seinen Augen war genug der Worte.


Nur widerwillig verließ Dylan das Gebäude und ließ Grace mit einem Kerl zurück, der ihm gestern noch damit gedroht hatte, ihn auf offener Straße zu überfahren. Und, sich Mutter und Schwester genauer anzusehen.
Dylan schüttele die Gedanken ab.
Es war ein Zufall, mehr nicht. Ein richtig dummer, um nicht zu sagen, beschissener Zufall, der Grace und Billy in einen Raum gebracht hatte.

Anstatt tatsächlich nach Hause zu gehen, hatte Dylan auf seine Schwester gewartet, die nach einer Stunde, aus dem Haupteingang trat.
Verdutzt blieb sie auf dem Treppenabsatz stehen: „Ich dachte du gehst nach Hause?“
„ich wollte lieber warten.“
Grace trat die Stufen zu ihm herunter: „Aber nicht wegen diesem Typen oder?“
Dylan zuckte mit den Schultern und begann zu laufen.
„Ich kann gut auf mich allein aufpassen, Bruderherz.“
Kurz war es still zwischen den Geschwistern, bis sie fragte: „Woher kennt ihr euch?“
Er legte den Kopf zurück in den Nacken: „Eigentlich kennen wir uns nicht wirklich. Erinnerst du dich an den Idioten, der zu schnell mit seinem Camaro über die Straße bei uns gefahren ist?“
„Ja?“, Grace weitete leicht die Augen, als sie daran dachte, was Billy zu dem Lehrer gesagt hatte. Da ging es ebenfalls um einen Wagen.
„Das war der Typ. Wir haben uns auf der Party, auf der ich gestern war..sagen wir mal, kurz kennengelernt.“
„Er ist ein Arschloch, das brauchst du mir nicht erst zu sagen, keine Sorge.“
Dylan sah kurz zu Grace: „Er hat dich aber nicht blöd angemacht oder angebaggert oder?“
Sie seufzte: „Wie gesagt, ich kann selbst auf mich aufpassen.“
„Ja. Aber manchmal brauchst du vielleicht doch deinen großen Bruder.“
Grace hakte ihren Arm in seinen und lehnte den Kopf leicht gegen seinen Arm: „Oh, du wirst mir so was von fehlen, wenn du aufs College gehst..“


Nach zwei weiteren Stunden, kam auch Billy endlich zu Hause an.
Bevor er jedoch dieses betrat, blieb er auf dem Treppenabsatz der Veranda stehen und lauschte.
Lauschte den Stimmen, die im Haus umhertrieben, dem Lachen, welches durch die Räume getragen wurde. Alles Dinge, die gleich verstummen würden.
Wieder einmal würde Billy am Liebsten kehrt machen und einfach abhauen.
Weg aus diesem Haus, weg aus dieser Stadt, einfach weg.
Ohne es zu ahnen, hatte Grace einen wunden Punkt in Billy´s Herzen getroffen, als sie seine Mutter erwähnte.
Wie hätte sie es auch wissen sollen? Wie hätte es überhaupt jemand wissen sollen?
Das coole Auftreten, das Macho Gehabe und das Niedermachen seiner Mitschüler; alles Fassade. Nichts davon war echt.
Alles nur dafür da, um die verletzte Seele nicht ans Tageslicht zu lassen.
Denn, zeigte man Schwäche, würde man untergehen. Ein wichtiger Satz, den ihm sein Vater Tag für Tag beibrachte.
Keine Schwäche zeigen.
Schweren Herzens schob Billy den Schlüssen ins Schloss und betrat das Haus.
„Hallo.“, warf er in die Räume, die wie von ihm erwartet, verstummten.
„Wo warst du?“
Es war sein Vater, der diese Frage, aus dem Nebenraum heraus stellte.
Zu Lügen war zwecklos. Die Schule schickte, am Ende jeden Monats eine Liste mit den Fehltagen und den Stunden, die der Schüler hatte Nachsitzen müssen.
Das Problem in den Augen von Billy´s Vater war nicht, dass sein Sohn wiedereinmal hatte nachsitzen müssen. Das Problem schien Billy selbst zu sein. Er und seinen Verpflichtungen, denen er nicht nachkam.
Die Frau, die er zwar im Moment nicht sehen konnte, da sie im Wohnzimmer saß, war nicht seine leibliche Mutter. Sein Vater hatte jene geheiratet, nicht lange nach dem Unfalltod seiner Mutter.
Ein Unfall.
Billy war vier Jahre alt, als er sich das erste Mal zwischen seine Mutter und den prügelnden Vater stellte. Ein Instinkt, die Mutter zu beschützen, selbst in einem Alter, in dem man nicht verstehen konnte, was eigentlich passierte.
Über all die Jahre hatte Billy es immer wieder getan, ging dazwischen und versuchte die Mutter zu retten. Doch alle die Mühe eines Kindes; sie war umsonst.
Als Billy an einem Tag aus der Schule kam, fand er die Leiche seiner Mutter, am unteren Treppenabsatz des Hauses liegen. Die Obduktion ergab eindeutig, dass Elisabeth gestützt war und sich dabei das Genick gebrochen hatte.
Während für Billy eine Welt zusammenbrach, schien der Vater das Beste daraus zu machen und heiratete nur ein paar Jahre später eine Frau namens Susan.
Jene brachte ebenfalls ein Kind mit in die Beziehung und machte Billy so zum Stiefbruder der kleinen Max.
Vater Neil hatte all seine angestaute Wut, die in ihm tobte, nun auf Billy fixiert.
Tat er nicht, was verlangt wurde, gab es Prügel und das nicht zu wenig.
Fragten die Mitschüler, woher er das blaue Auge hatte, gab es eben am Vortag eine imaginäre Schlägerei, die er natürlich gewonnen hatte.
Tief in seinem Inneren, sehnte sich Billy nach jemanden, mit dem er über all das sprechen konnte. All seine Sorgen, die Ängste und die Wut.
Doch da war niemand.
Kam er nach Hause, gab es nichts als Vorwürfe für den jungen Mann. Nichts war gut genug und allein, dass Billy atmete, schien dem Vater zu missfallen.
Und auch an diesem Abend sollte es nicht anders sein.
Sein Vater trat in den Flur, den Billy nicht schnell genug verlassen hatte.
„Ich habe dich etwas gefragt!“
„Ich musste nachsitzen.“
Neil nickte und leckte sich über die Unterlippe: „Mal was ganz Neues. Warum diesmal?“
„Ist doch egal.“
Billy lief an seinem Vater vorbei, der ihn am Kragen seiner Jeansjacke packte und gegen das Treppengeländer hinter ihm stieß.
Er ließ den Griff nicht locker, als er anmerkte: „Ich habe dich etwas gefragt. Und du hast mir zu antworten. Ist das klar? Max war zwei Stunden allein zu Hause! Es hätte sonst was passieren können!“
„Sie ist ist elf, Dad! In dem Alter hast du mich den ganzen Tag allein gelassen!“
Neil schnaube abfällig, schlug Billy mit Wucht die Faust gegen die Wange: „Wie war das?“
Billy´s Herzschlag begann zu rasen, als er schweigend seinen Blick fixierte.
„Du hast auf deine Schwester aufzupassen. Oder hast du vergessen, worüber wir gesprochen haben? Wird Max auch nur ein Haar gekrümmt, kannst du deiner Mutter Gesellschaft leisten!“
Als Billy noch immer nichts sagte, drückte Neil ihn fester gegen das Treppengeländer.
„Haben wir uns verstanden?!“
„Ja..“
„Ja, was?“
„Ja, Sir!“
Unter dem festen Griff spürte Neil das Zittern seines Sohnes.
„Du bist wahrlich ein Versager! In allem Belangen!“, er riss ihn vom Geländer und stieß ihn weiter in den Flur, wo Billy gerade noch das Gleichgewicht halten konnte.
„Geh mir aus den Augen!“, brüllte Neil. „Lass dich heute bloß nicht mehr blicken!“
Ohne den Blick mit ihm zu kreuzen, trat Billy über den Flur und schloss seine Zimmertür hinter sich.
Angelehnt an das Holz und hinter einer geschlossenen Tür, brannten seine Augen wie Feuer, als sich Tränen anbahnten, er sie aber unter Kontrolle hielt.
Sein Magen knurrte, als er die Augen schloss und den Kopf gegen das Holz hinter sich lehnte.
Der zweite Abend in dieser Woche, in der er hungrig zu Bett gehen würde..
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