Was es über Reacher zu wissen gibt

von Ririchiyo
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Jack Reacher
05.10.2019
05.10.2019
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Was euch hier erwartet? Nun, genau das, was man sich bei dem Titel vermutlich schon denken kann. Ich bin inzwischen beim zwölften Band der Reihe (wenn ich mich nicht total irre) und während ich die einzelnen Bände gelesen habe, sind mir einige sehr schöne Details und Dinge aufgefallen, die erwähnt werden, und darum dachte ich mir … warum das Ganze nicht ein wenig zusammentragen? Denn manche Dinge sollte man über Reacher einfach wissen. Oder man kann. Und schaden tut es ja bestimmt nicht.


Reacher und seine Familie

Ja, fangen wir gleich einfach mal mit so was einfachem wie seiner Familie an. Oder eigentlich sogar noch einfacher, als die Familie: Mit seinem Namen. Reacher. Jack Reacher, eigentlich, wenn man es ganz genau nimmt, und er hat keinen Zweitnamen. Aber alle nennen ihn nur Reacher. Immer. Selbst seine Mutter. Keiner weiß so genau, wie das zustande kam, aber schon seit er denken kann, heißt er immer und für alle nur „Reacher“.
    Das geht sogar so weit, dass er sofort in Alarmbereitschaft ist, als Jodie (seine zu dem Zeitpunkt Freundin) ihn am Telefon mit „Hi Jack“ begrüßt, weil ihm augenblicklich klar ist, dass irgendetwas nicht stimmen kann und sie in Gefahr ist.¹ Denn warum sonst sollte sie ihn Jack nennen? Ja, so extrem ist das mit seinem Namen.
    Das gesagt, machen wir mit dem Rest seiner Familie weiter. Er hat einen großen Bruder namens Joe Reacher. Ebenfalls kein Zweitname. Im Gegensatz zu Reacher wird er allerdings mit seinem Vornamen angesprochen, und seit jeher sind die beiden „Joe und Reacher“. Auch für ihre Eltern. Joe arbeitet im Finanzministerium der vereinigten Staaten. Er hat einen ähnlichen Gerechtigkeitssinn wie Reacher selbst, ist aber im Gegensatz zu Reacher nicht ganz so gut zu gebrauchen, wenn es ums Kämpfen geht. Dafür ist er sehr genau mit Zahlen, denkt logisch, und er wird von Reacher des öfteren für seine Intelligenz erwähnt. Man könnte beinahe gelobt sagen, aber so weit würde ich bei Reacher nicht gehen. Das Wort scheint einfach nicht zu passen.
    Die Mutter von Joe und Reacher ist Französin. Josephine Moutier-Reacher. Ich erinnere mich tragischerweise nicht mehr an alle Einzelheiten, weil es auch nur ein Subplot war, aber sie ist bereits als junges Mädchen der Résistance beigetreten, und hat nicht sehr wenigen Menschen das Leben gerettet.
    Der Vater, William „Stan“ Reacher ist Amerikaner. Er war ein Marine, was häufig dafür sorgt, dass Reacher sich mit den Marines gutstellen kann, welche ihm begegnen, da sie zwar oft Soldaten nicht mögen, wegen seinem Vater aber „ein Auge zudrücken“, wenn man so will.
     Bereits zu Beginn des ersten Buches ist Reacher das einzige noch lebende Mitglied seiner ganzen Familie. Zu diesem Zeitpunkt weiß er davon allerdings noch nichts, und er bekommt es erst heraus, als er zufällig des Mordes an seinem Bruder beschuldigt wird.
   

Reachers Leben

Das wohl zugegebener maßen besser hätte verlaufen können, aber was soll‘s.
    Geboren wurde Reacher am 29. Oktober 1960 in Berlin, und aufgewachsen ist er sein ganzes Leben lang im Militär. Er ist immer mit seinen Eltern und seinem Bruder gemeinsam an den Verschiedensten Stützpunkten gewesen, hat regelmäßig die Schule gewechselt, und sich, wenn es nötig war, auch durchaus sehr erfolgreich geprügelt.
    Mit 24 schloss Reacher die „U.S. Military Academy at Westpoint“ ab, und es folgte eine 13-jährige Karriere als Militärpolizist. Er arbeitete sich zum Major hoch, wurde allerdings nach einem Vorfall zum Captain zurückgestuft, und erlangte später dann erneut den Rang des Majors.
    Während seiner Karriere gewinnt Reacher außerdem eine ganze Reihe von Preisen, und so unter anderem auch einmal den „Wimbledon Cup“. Damit ist er der einzige Nicht-Marine, dem das jemals gelungen ist.⁷
    Ungefähr zwei Jahre lang arbeitete er außerdem mit acht Kollegen in einem Team. Zwei Frauen, sechs Männer. Tony Swan, Jorge Sanchez, Calvin Franz, Frances Neagley, Stanley „Stan“ Lowrey, Manuel Orozco, David O‘Donnel und Karla Dixon. Swan, Sanchez, Franz und Orozco werden im laufe der Bücher ermordet, Lowrey verstarb bei einem Autounfall, und die anderen Drei sind glücklicherweise noch am Leben. Das gemeinsame Motto dieser Gruppe lautete: „You do not mess with the special investigators.“ und das nahmen und nehmen sie alle auch sehr ernst.²
    Im Alter von 37 stieg er schließlich aus der Army aus, und ließ seinen Job bei der MP hinter sich. Seitdem ist er in den Büchern auf der Reise, und sieht sich einfach alles an, was er zuvor noch nicht gesehen hat, und schaut, wohin das Leben ihn so bringt.


Reacher und seine Beziehungen

Nur ein kleiner Punkt, denn tatsächlich gibt es nicht so viel zu sagen, und manches wurde ja auch schon angedeutet.
    Reacher hat ein gutes Verhältnis zu seinen Verwandten. Zumindest, wann immer diese auftauchen. Sein Vater wurde bisher immer nur erwähnt, aber sowohl mit seiner Mutter als auch seinem Bruder versteht er sich gut, auch wenn erwähnt wird dass er und Joe sich manchmal streiten, und sie nicht immer einer Meinung sind. Aber wer ist das schon?
    Abgesehen von seiner leiblichen Familie versteht er sich außerdem sehr gut mit Leon Garber, der sein Vorgesetzter war, und auch so etwas wie seine Vaterfigur. Dieser verstirbt ebenfalls im Laufe der Bücher.¹
    Seine Kollegen bei den „special investigators“ sind ihm ebenfalls wichtig, wie man sehr deutlich merkt. Frances Neagley taucht außerdem mehrfach auf, und es wird deutlich, dass die beiden eine starke Freundschaft verbindet, und sie auf einer gänzlich platonischen Ebene sehr aneinander hängen.
    In jedem Buch hat Reacher außerdem eine Frau an seiner Seite, die ihm irgendwie bei seinen Ermittlungen hilft. Das Buch über entwickelt sich meiste etwas zwischen ihnen, und am Ende trennen sie sich voneinander, und er sieht sie nie wieder. Vermutlich. Zumindest war dem in den bisherigen elf Büchern immer so.
    Und was an dieser Stelle vielleicht auch ganz interessant anzumerken ist: Reacher hat keine Geheimnisse in Beziehungen. Mindestens in den romantischen nicht, aber eigentlich ist es bisher auch nicht passiert, dass es in den anderen zu irgendwelchen Geheimnissen kam. Besonders deutlich wird dies, dadurch, dass er einmal sogar Staatsgeheimnisse „einfach so“ an seine Freundin verrät, mit der er bis dahin ungefähr drei Monate zusammen gewesen ist, weil er der Meinung ist, dass man in Beziehungen offen miteinander reden sollte. Also ja, keine Geheimnisse in Beziehungen mit Reacher.


Fähigkeiten, Talente, und Superkräfte

Lacht gerne, würde ich bei dieser Überschrift wohl auch tun. Natürlich hat Reacher nicht wirklich Superkräfte, und er ist auch kein Superheld (auch wenn er durchaus so aussehen könnte wie einer, nehme ich an: knappe zwei Meter groß, über 100 Kilo schwer, kaum ein Gramm Körperfett, sondern großteils Muskeln, und bei den Narben würde ich ihm den Batman bestimmt auch abkaufen), aber dennoch ist Superkraft in Hinsicht auf gewisse Dinge einfach das bessere Wort, finde ich. Aber dazu gleich. Beginnen wir mit den Fähigkeiten.
    Reacher ist stark. Offensichtlich. Bei über 100 Kilo großteils Muskeln ist das wohl kein Wunder. Doch was er in Stärke hat, fehlt ihm dafür in anderen Bereichen. So ist er zum Beispiel kein schneller Läufer, und an Beweglichkeit mangelt es auch. Athletisch muss er auch nicht sein, denn die meisten Dinge löst er nun einmal einfach mit Muskelkraft. Das sind die Fakten. Und mit logischem Denken natürlich.
    Er ist recht gut mit Zahlen, wie er selbst behauptet, und was auch durchaus das ein oder andere Mal zur Sprache kommt. Die Kartennummer seiner Bankcard ist zum Beispiel „9781“. 97, weil es die größte Primzahl unter 100 ist, und 81, weil es die einzige Zahl (außer 1) ist, deren Quersumme und Quadratwurzel die gleiche Zahl ist. Wer denkt sich so etwas schon aus, wenn er mit Zahlen nicht klar kommt, richtig?
    Er spricht außerdem fließend Französisch, was sich sehr leicht durch seine Herkunft erklären lässt, und ein klein wenig Spanisch. Und selbstverständlich auch Englisch.
    Und abgesehen von all diesen Kleinigkeiten, hat er außerdem das wundervolle Talent, immer wieder aus Versehen in die Dümmsten Situationen zu geraten. Und ich meine wirklich die dümmsten Situationen. Wenn irgendwer plötzlich als Terrorist geahndet wird, weil er gerade eben noch einer jungen Frau geholfen hat, die gestürzt ist? Das ist er. Und nein, das ist nicht übertrieben. Ganz ehrlich. Ist ihm wirklich schon passiert.⁶
    Und das alles gesagt: Reacher hat die großartige Superkraft, immer genau zu wissen, wie spät es ist.³ Und ja, es ist eine Superkraft, denn ich meine wirklich GENAU, wie spät es ist. Wenn er dir sagt, es ist 12:13 Uhr, und deine Uhr sagt dir, es  ist 12:14? Deine Uhr geht falsch. Ehrlich. Das tut sie. So gut ist er. Also ja, Superkraft. Denn was genau soll das denn bitte sonst sein?


Reachers „Charakter“

Eigentlich gar nicht so leicht in Worte zu fassen, aber versuchen wir es dennoch einmal.
    Reacher ist ein äußerst rationaler Mensch mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Was er tut, tut er, weil es richtig ist. Davon ist er zumindest überzeugt. Er hat vermutlich mehr Menschen getötet, als du in deinem Leben je getroffen hast³, laut Eigenaussage, und dennoch schläft er Nachts ohne jegliche Probleme. So sicher ist er sich seiner Sache. (Eventuell sollte hier auch gesagt werden, dass Reacher so genau weiß, was er tut, dass er keinen Grund sieht, sich beweisen zu müssen. Den gewonnenen „Wimbledon Cup“? Er trifft einmal auf jemanden, der den dritten Platz gemacht hat, und Reacher doch tatsächlich klar machen will, dass dieser nie im Leben besser schießen kann, als er. Reacher sagt nichts dazu, und lässt ihn einfach in dem Glauben. Im Endeffekt kommt es dennoch raus, aber nicht weil Reacher der Meinung gewesen wäre, sich beweisen zu müssen. Er wusste immerhin, dass er gut ist.)
    Reacher hat auch einmal eine Millionen Dollar angenommen, nur um sie sofort wieder abzugeben, damit ein Fremder seine Arztrechnungen bezahlen konnte. Ohne darüber nachzudenken. Von dem Geld hätte er höchstens genug für ein neues Hemd behalten. (Und auf Nachfrage hin, ob das sein ernst sei, war er der absolut festen Überzeugung „jeder braucht mal ein neues Hemd“ und hat überhaupt nicht verstanden, dass das Hemd nicht das Problem der nachfragenden Person war.)³ Entsprechend könnte man ihn also wohl als „guten Menschen“ bezeichnen, aber  so weit würde ich tatsächlich nicht gehen. Er macht es, weil es richtig ist, nicht, weil er jemandem etwas Gutes tun möchte.
    Als ähnlich ausgeprägt wie seinen Gerechtigkeitssinn, würde ich außerdem auch seinen Wissensdrang bezeichnen. Denn Reacher hasst es, etwas nicht zu wissen. Abgrundtief. Wenn er etwas weiß, und er falsch liegt? Kein Problem. Wenn er von etwas überrascht ist? Ebenfalls kein Ding, kann vorkommen, er macht einfach weiter. Aber irgendetwas nicht zu wissen? Schrecklich! Ich würde es ihm sogar zutrauen, einen Krieg anzuzetteln, wenn er dadurch dann endlich etwas wissen würde. Aber eventuell tue ich ihm damit auch unrecht.
    Die größeren Dinge abgehakt, noch ein paar Kleinigkeiten: Reacher lächelt nie auf Fotos, weil er keinen Grund dafür sieht. Er kann Lächeln, tut es auch mal, aber nicht für irgendwelche Fotos. Was ihn irgendwie noch sympathischer macht, wenn man mich fragt. Allgemein redet er außerdem nicht sehr viel, bzw. kann er sich durchaus zurückhalten, und auch lange schweigen und einfach nur zuhören, sollte die Situation mal dafür ausgelegt sein. Auch gibt er sich Mühe, dass Leute mit ihm auskommen, und meistens äußert er sich generell sehr höflich, solange die Person ihm gegenüber sich auch (gegenüber allen anderen, nicht nur Reacher) höflich verhält. Tut die Person es allerdings nicht, kann auch Reacher sehr ungemütlich werden. Und das will man wirklich nicht.
    Er kann keine Handys leiden, die auf stumm geschaltet sind, denn immer, wenn jemand plötzlich ohne Grund eine Hand in irgendeine Tasche steckt, versetzt es ihn automatisch in Alarmbereitschaft, weil er sofort damit rechnet, dass die Person nach einer Waffe oder etwas anderem gefährlichen Greift. Bei seiner Vergangenheit und dem Leben wohl auch kein Wunder.
    Gute Schuhe sind für ihn ein Muss. Was vielleicht nicht unbedingt seinen Charakter ausmacht, aber irgendwie doch. Denn es wird in den Büchern glaube ich nie so ganz genau gesagt, aber wenn er 400 Dollar für gute, praktische Schuhe ausgibt, und 20 Dollar für den gesamten Rest seines „Outfits“? Das sagt schon so einiges über ihn aus, wenn man mich fragt. Auch über seinen Charakter. Und wo wir gerade dabei sind: er ist außerdem Kaffee-süchtig. Was ich normalerweise vielleicht auch nicht als Charaktereigenschaft ansehen würde, aber wer mit seiner Kaffee-Sucht sogar einen Heroin-Junkie in den Schatten stellen kann⁴, der hat es irgendwie doch verdient, dass das mal erwähnt wird.
    Auch erwähnenswert: Reacher hat kein Problem mit Schwulen und Lesben, weil er nicht einsieht, warum es da ein Problem geben sollte.⁴/⁵ Natürlich ist das die einzige vernünftige Einstellung, und Reacher als rationaler Mensch sollte sich auch so verhalten, aber da er die Einstellung bereits 1990 in der Army vertreten hat, und mir das doch nicht ganz so alltäglich vorkommt, möchte ich das einfach mal hervorheben. Aufgrund seines bisherigen Verhaltens würde ich entsprechend auch davon ausgehen, dass er kein Problem mit jeglichen anderen Leuten der LGBTQ-Community hat, einfach, weil es das einzig Logische ist.
    Und zu guter Letzt: Reacher bleibt nirgendwo lange. Er hat kein Wohnung, und alles, was er besitzt, sind die Dinge, die er immer bei sich trägt. Entsprechend schnell kommt er auch immer und sofort überall hin, oder kann einfach verschwinden, wenn er möchte. Und so viel, wie er unterwegs ist, ist das wohl etwas, was er auf jeden Fall braucht. Er hat einmal kurzzeitig ein Haus besessen, und ist es dann sehr schnell wieder „losgeworden“, weil es einfach nichts für ihn war. Und ja, bei ihm ist losgeworden das richtige Wort dafür. Reacher sollte kein Haus haben. Das bekommt ihm und seiner Ruhelosigkeit einfach nicht.
    Nicht wenig überraschend mag er entsprechend auch keine Pläne. Und macht auch keine. Niemals. Manchmal ist es sogar ein wenig traurig, aber es gibt auch ein sehr interessantes Gefühl von Freiheit, weil weder Reacher noch Leser jemals genau wissen, wo er als nächstes ankommt. Und entsprechend kann Reacher überall enden, und irgendwie ist das echt großartig, wenn man mich fragt.



¹ „Tripwire“, Lee Child, 1999
² „Bad Luck and Trouble“, Lee Child, 2007
³ „The Hard Way“, Lee Child, 2006
⁴ „The Enemy“, Lee Child, 2004
⁵ „Echo Burning“, Lee Child, 2001
⁶ „Die Trying“, Lee Child, 1998
⁷ „One Shot“, Lee Child, 2005
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