Wir sind alle Kunst; gezeichnet vom Leben.

von Calypso
GeschichteAllgemein / P18 Slash
04.10.2019
26.05.2020
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04.10.2019 3.071
 
Clarkes PoV

Das Licht in der Bar war gedämmt und der Bass der Hintergrundmusik ließ ihre Knochen leicht vibrieren. Eigentlich mochte Clarke solche, auf neumodisch gemachten, Bars und Kneipen nicht.
Die Musik war zu laut, die Getränke überteuert und die Gesellschaft meist oberflächlich und langweilig. Aber verzweifelte Zeiten erforderten nun mal verzweifelte Maßnahmen.
Und offenbar waren die Zeiten sehr verzweifelt; zumindest laut ihrem besten Freund und Manager Roan. Dieser hatte ihr heute eine kurze, aber sehr deutliche, Mail geschrieben, in der es darum ging dass langsam aber sicher ein Motto her musste.
Ein Motto, für die alljährliche Benefizausstellung der Kunst- und Musikszene aus Polis.
Die Ausstellung, die in knapp einem Monat stattfand.

Die Blondine seufzte schwer und schnippte einen Fussel von ihrer hellblauen Seidenbluse. Ihr war völlig klar, dass Roan von ihrer Inspiratonsflaute wusste. Leider war ihr auch klar, dass er als ihr Freund zwar besorgt war, aber als ihr Manager kein Mitleid zeigen durfte.
Es ging ums Geschäft. Um ihr Ansehen. Niylah, ihre langjährige Freundin und Gelegenheitsliebhaberin, hatte ihr Thema und das Ziel ihrer Spendeneinnahmen schon vor vier Monaten eingereicht. Auch wenn sie die junge Frau mit den wilden Dreadlocks grundsätzlich gut leiden konnte, so hasste sie diesen ständigen Konkurrenzkampf.
Kunst sollte frei sein. Kunst sollte Spaß machen! Spaß hatte Clarke schon seit einem halben Jahr nicht mehr beim Arbeiten gehabt. Irgendwie war sie blockiert.
Keines ihrer sonstigen Models konnte sie inspirieren, kein Farbschema sagte ihr zu. Es war zum Verrückt werden.

Clarke war in diese Bar gekommen, um sich umzusehen. Um Teil des Geschehens zu sein und vielleicht den so dringend benötigten Geistesblitz zu erlangen.
Zwei Stunden und drei Cocktails war es jetzt her, dass sie sich an die gläserne Bar gesetzt hatte. Bisher hatte sie zwar einige schöne Menschen gesichtet und war auch ein paar Mal versucht gewesen einer Frau ihre Karte zu geben, doch hatte sie sich dann doch nie dazu aufraffen können. Sie seufzte schon wieder. Der Barkeeper sah sie neugierig, mitleidig und irgendwie auch lüstern an. „Harten Tag gehabt, Süße?“ Clarke musterte seine breiten Schultern, seine Tattoos und den gepflegten Drei Tage Bart und schenkte ihm ihr professionelles schiefes Grinsen als sie zynisch antwortete: „Mit einem harten Tag könnte ich umgehen, aber ein hartes Jahr ist eine ganz andere Hausnummer.“ Der Mann wackelte mit den Augenbrauen und ließ seinen Blick ungeniert über ihren sportlichen aber kurvigen Körper fahren. „Vielleicht könnte dir ja was anderes Hartes helfen, damit fertig zu werden.“

Sie war sich nicht sicher, ob sie lachen oder kotzen wollte. Ob dieser Spruch schon mal Erfolg gebracht hatte? Eine Antwort ihrerseits war er definitiv nicht wert, also strafte sie den geifernden Mann mit Ignoranz und kippte den Rest ihres Cosmopolitans runter.
Als sie ein wenig zu schnell von ihrem Barhocker aufstand, schien ihr Körper erst die restlichen Cocktails zu registrieren. Magen, Gleichgewichtsorgan und Blase meldeten sich gleichzeitig und wollten alle sofort Beachtung haben. Clarke stützte sich kurz an der Bar ab und schloss die Augen. Vielleicht sollte sie einfach nach Hause gehen und eine Runde schlafen. Wer braucht schon andere Menschen für Inspiration? Morgen würde sie in ihr Haus am See fahren und ein paar Stunden fernab der Großstadt verbringen. Mit Sicherheit würde mit der Stille der Berge auch der Geistesblitz kommen.

Mit diesem Gedanken sehr glücklich, machte Clarke sich auf den Weg zu den Toiletten. Die Schlange war wie zu erwarten ewig lang und sie rollte genervt mit den Augen. Wenigsten war im Warteraum davor die Musik auf ein angenehm normales Level reduziert worden und die Wände waren gekachelt. Mit einem weiteren Seufzen, lehnte sie sich dagegen und suchte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy. Ein paar Minuten Instagram zum Überbrücken der Wartezeit. Ihr Kumpel Lincoln hatte ein neues Foto oben ohne beim Boxen gepostet. Die Kommentare darunter lasen sich besser als jeder Schmuddelroman. Clarke grinste den Bildschirm an und scrollte weiter. Auch Murphy hatte einen neuen Beitrag gepostet. John Murphy war ihr Mitbewohner auf der Kunstschule gewesen, doch anders als sie hatte er Film- und Videoschnitt als Hauptfach. Er erstellte unglaublich tolle Reisevlogs und wurde mittlerweile oft gebucht, um für Parfümwerbungen hinter oder auch vor der Kamera zu stehen. Beim nächsten Bild fiel ihr das Lachen aus dem Gesicht. Niylah, in ihrem super tollen neuen Atelier, zusammen mit dem fucking Vorstand der Gala. Clarke biss so fest die Zähne zusammen, dass es fast weh tat.

Niylah und sie waren sich mal auf einer Mottoparty zufällig über den Weg gelaufen. Sie selbst war als Sonnenblume verkleidet gewesen, während die Frau mit den Dreads sich als Biene verkleidet hatte. Das Thema mit den Bienchen und den Blümchen? Nun, darüber hatten sie schon in dieser Nacht sehr intensiv diskutiert. Und seitdem eben in regelmäßigen Abständen immer mal wieder. Clarke wusste, dass die andere Frau sich durchaus auch eine Beziehung mit ihr vorstellen könnte. Doch das kam für sie nicht in Frage. Beziehungen endeten unweigerlich mit tragischen Trennungen, Traumata und teuren Therapiesitzungen. Auf all das konnte Clarke getrost verzichten. Auf die Presse, die diese Gala mit sich brachte, leider nicht. Finanziell war sie abgesichert, das war nicht das Problem. Aber nach der hässlichen Scheidung ihrer Eltern letztes Jahr, welches in dem größten Rosenkrieg geendet hatte, den Polis je erlebt hatte, wartete die Presse nur darauf, dass sie wieder zusammenbrach. So wie damals.

Clarke wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, als sie ein melodisches Lachen hörte. Abrupt sah sie auf und durch die Masse der wartenden Menschen, da erblickte sie die schönste Frau, die sie je gesehen hatte. Sie stand mit einer anderen Frau bei den Waschbecken und war wohl offensichtlich dabei, sich für den Heimweg vorzubereiten. Unweigerlich musste die Blondine schlucken und konnte nicht verhindern, dass sie den Körper der Brünetten genauso musterte, wie der ihre eben noch von dem Barkeeper gemustert worden war. Doch wer konnte es ihr verdenken? Diese Frau war eine Erscheinung sondergleichen. Ihre schier endlosen Beine steckten in dunkelgrauen Wildleder Over Knees. Ein goldgrünes dünnes Kleid umspielte ihren schlanken Körper und endete in etwa auf Mitte der Oberschenkel. Feiner Silberschmuck rangte sich um ihren langen Hals und die zierlichen Arme. Ihre langen braunen Haare lagen in weichen Wellen über ihrer rechten Schulter und gingen ihr dennoch bis knapp zur Hüfte. Gekrönt wurde das ganze noch durch einen grauen Filzhut, passend zu den Stiefeln. Auch wenn Clarke den Körper und das Outfit der Frau schon atemberaubend fand, so war doch beides nichts im Vergleich zu ihrem Gesicht. Wangenknochen zum anbeten, volle rosa Lippen, eine strahlende Haut und schräg stehenden Augen. Clarke war hin und weg.

Die Fremde lachte erneut auf und legte ihrer Begleitung, einer stämmigen Brünetten ohne jeglichen Sinn für Mode oder Hautpflege wie es schien, die Hand auf den Oberarm. Clarke versuchte ihre urteilenden Gedanken zu unterbinden, doch wie zur Hölle kam SO eine Frau zu SO einer Frau?! Oder waren die beiden gar kein Paar, sondern einfach nur gute Freundinnen? Die Fotografin in ihr sah sofort, dass die beiden zu nah beieinander standen, um nur zufällige Bekannte zu sein. Doch obwohl die Schönheit offensichtlich den Körperkontakt suchte, so schien sie auch unter Spannung zu stehen und eigentlich am liebsten weg  rennen zu wollen. Sehr sehr sonderbar.

Die schöne Fremde hauchte ihrer Begleitung noch einen leichten Kuss auf die Wange und wandte sich dann zum Gehen ab. Die stämmige Frau (sie hatte auch noch ein richtiges Schweinegesicht!) sah ihr schmierig ekelhaft hinterher und leckte sich doch tatsächlich die Lippen. Clarke hätte am liebsten in die nächste Ecke gekotzt. Jetzt war ihr auch klar, warum die Warteschlange so lang war. Offenbar wurde sich hier auf den Toiletten nicht nur erleichtert. Nicht, dass sie den Gedanken an Sex an öffentlichen Orten abschreckte – oh nein! Aber die Vorstellung, wie diese ekelhafte Person mit dieser wunderschönen Frau knutschte oder andere Körperteile mit ihrem Mund bearbeitete...ekelhaft.

Die Schönheit zwängte sich durch die anderen Wartenden hindurch und schob sich auch vorsichtig an Clarke vorbei. Die Blondine schloss die Augen, als sie ganz deutlich über den Geruch von Putzmittel, Alkohol und aufdringlichem Parfüm plötzlich einen würzig herben Duft in der Nase hatte. So schnell wie der Duft gekommen war, war er auch wieder verschwunden und mit ihm auch die schöne Frau. Bedauernd sah Clarke ihr für einen Moment nach. Die Schlange schien sich keinen Millimeter weiter zu bewegen und wenn sie jetzt ein Taxi nahm, war sie höchst wahrscheinlich schneller auf ihrem eigenen Klo als hier.
Mit dem nächsten schweren Seufzer des Abends, drehte Clarke sich um und schob sich ebenfalls durch die Warteschlange.

Kaum trat sie durch den dicken roten Samtvorhang, der den Warteraum von der eigentlichen Bar abtrennte, sah sie die schöne Brünette an der Theke stehen. Sehr angespannt, offensichtlich auf 180 und in ein hitziges Gespräch mit dem Barkeeper verwickelt. Dem Barkeeper und der Barbesitzerin. Clarke kannte die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren. Es war Ontari, die reiche verwöhnte Tochter einer der größten Firmenchefs in Polis und Teilzeitkünstlerin. Auch wenn sie menschlich die totale Bitch war, so konnte die Kleine aus so gut wie jedem Material atemberaubende Statuen bauen. Sie war eine Freundin von Niylah und hatte zu ihrem letzten Geburtstag von ihrem Daddy eine Bar geschenkt bekommen. Dass es sich dabei um diese hier handelte, war Clarke nicht klar gewesen; sonst wäre sie auf jeden Fall woanders hin gegangen.

Bedächtig ging Clarke auf die Streitenden zu. Sie wusste, sie sollte sich da nicht einmischen und es konnte ihr egal sein. Aber irgendwas schien sie zu der Frau im grünen Kleid hinzuziehen. Ihre Füße machten sich selbstständig und so stand sie bald in sicherer Entfernung an der Bar und lauschte. Besonders anstrengen musste sie sich hierfür nicht, Ontari keifte ziemlich laut. „Ich fasse es nicht, dass wir dich schon wieder hier erwischen. War die letzte Verhaftung nicht genug?!“ Verhaftung? In Clarke stritten sich Verwunderung, Sorge und auch irgendwie Geilheit miteinander. Sie hatte schon immer eine Schwäche für bad boys gehabt... und eben auch für bad girls. Doch wieso war die Schönheit verhaftet worden? Drogen? Diebstahl? „Ich kann euch versichern, dass es nicht meine Absicht war hier her zu kommen. Also wenn ihr mich jetzt freundlicher Weise einfach gehen lassen würdet.“, antwortete die Brünette und obwohl die Antwort sehr grob klang, so war die Stimme dennoch sinnlich und voll.

„Das könnte dir so passen, ja? Vergiss es. Dreckige kleine Nutten wollen wir hier nicht haben! Du wirst schön auf die Polizei warten. Kann ja sein, dass es das älteste Gewerbe der Welt ist, aber dennoch strafbar.“ Hämisch grinste Ontari die andere Frau an und Clarke sah, dass diese zusammenzuckte. Ähnlich wie sie selbst. Prostitution? Unmöglich. So eine wunderschöne und elegante Frau konnte doch unmöglich... und dann erinnerte sie sich wieder an die ekelhafte Begleitung in der Damentoilette; daran wie sie sich selbst gewundert hatte dass so eine Frau mit so einer Frau ausging. Das Blut rauschte in ihren Ohren und ihre Fingerspitzen kribbelten. Auch wenn ihr natürlich klar war, dass es überall Prostituierte gab so hätte sie nie im Leben damit gerechnet, dass ausgerechnet diese Frau eine war.

Die Angeklagte fluchte und schlug mit der Hand auf den Tresen, so dass die Gläser wackelten. Sie stütze sich auf ihre Unterarme und drehte den Kopf von Ontari und dem ekelhaften Barkeeper weg – in ihre Richtung. Clarke keuchte leise auf. Grün. Das allerschönste Grün überhaupt. Jade, Smaragd,... kein Edelstein hätte sich damit messen können. Der Blick der Brünetten bohrte sich in ihren eigenen und neben Wut und Verzweiflung konnte Clarke ganz deutlich einen versteckten Hilfeschrei sehen. Ohne weiter darüber nach zu denken, schnappte sie sich ihre Tasche und überbrückte die letzten paar Meter.
„Oh Scheiße, war die Schlange lang. Tut mir leid, Liebes. Ich hoffe du hast nicht zu lange gewartet?“, rief sie locker leicht in die Runde und legte der Brünetten den Arm um die Taille, als würde sie das ständig tun. Als würde ihre Haut nicht sofort in Flammen stehen und der würzige Duft der Brünetten ihr nicht sofort den Kopf und das Höschen verdrehen. Die Brünette sah sie entgeistert an und wollte sich schon von ihr lösen, da sah sie die Verwirrung auf Ontaris Gesicht. Bedächtig antwortete sie: „Das macht doch nichts, jetzt bist du ja da. Können wir dann bitte gehen? Ich muss dringend an die frische Luft.“ Clarke nickte und zog die andere Frau an deren Hüfte leicht Richtung Ausgang. Doch Ontari versperrte den Weg. „Nicht so schnell! Clarke? Clarke Griffin? Du kennst diese....Person?“ Beim letzten Wort bedachte sie die Frau in ihrem Arm mit einem angeekelten Blick. Diese versteifte sich merklich in Clarkes Arm und das wiederum machte sie ziemlich wütend. Ontari hatte kein Recht dazu, so über diese Frau zu reden und zu urteilen. „Ob ich sie kenne? Natürlich kenne ich sie. Sie ist meine Muse für die Ausstellung.“

Fuck. Wieso zur Hölle hatte sie das gesagt?! Die Brünette musterte sie von der Seite und versuchte sich wohl einen Reim daraus zu machen. Ontaris Blick war da eher giftig. „Aha. Haben dir die ganzen Models nicht gereicht oder was? Musst du jetzt schon Inspiration in der Gosse suchen?“ Wieder versteifte sich die Frau in ihrem Arm und diesmal wurde Clarke richtig wütend. Sie nahm die Brünette an die Hand (dieses Kribbeln!!) und legte die andere Hand gespielt mitleidig auf Ontaris Unterarm. „Aber aber Ontari! Ich meine, du hast schon Recht. Besonders schön ist der Schuppen nicht. Aber so hart hätte ich es jetzt auch nicht beschrieben. Vielleicht spendiert dir dein Daddy ja noch eine Sanierung, dann ist es nicht mehr so gossenartig.“ Die Brünette ließ ein unterdrücktes Kichern hören, der Barkeeper wandte sich beschämt ab und Ontari sah aus, als ob sie Clarke am liebsten die nächste Flasche über den Kopf gezogen hätte. „Verschwindet. Alle beide. Und lasst euch hier ja nicht wieder blicken!“ Clarke deutete eine gespielte Verbeugung und an zog die Brünette dann schnell und zielsicher hinter sich her, nach draußen.

Kaum waren sie durch die Tür, entzog sich die Brünette ihrer Hand und Clarke vermisste augenblicklich die Wärme ihrer Haut. Sie gingen noch um die nächste Hausecke und blieben dann unbeholfen gegenüber einander stehen. Im Schein der Straßenlaternen schien die leicht gebräunte Haut der brünetten Frau zu leuchten und Clarke konnte sich nur schwer beherrschen, ihr eine verirrte Haarsträhne hinters Ohr zu streichen. Einige Augenblicke sagte niemand ein Wort.
Doch schließlich räusperte sich die Brünette und sah Clarke direkt in die Augen.
Wieder dieses unglaubliche Grün.
„Nun, so amüsant dieser Abgang auch war, aber ich hätte deine Hilfe nicht gebraucht.“
Die Blondine runzelte überrascht die Stirn. Das war jetzt nicht unbedingt die Reaktion, die sie sich vorgestellt hatte. Die andere schien ihr ihre Verwirrung anzusehen, denn sie redete schnell weiter. „Ich weiß es wirklich zu schätzen was du da gerade getan hast, aber komm jetzt ja nicht auf falsche Gedanken. Nur weil du mich vor einer weiteren Verhaftung bewahrt hast, werde ich dich nicht gratis ran lassen.“ Nun klappte Clarke wirklich die Kinnlade runter. Doch neben der maßlosen Überraschung, wurde sie auch mit jedem Wort, das die Brünette sagte, wütender. „Jetzt halt mal die Luft an!“, knurrte sie und stemmte die Hände in die Hüften. Die andere Frau zog überrascht die Augenbraue hoch. „Ich habe dich vor einer weiteren Verhaftung bewahrt, weil Ontari ein blödes Miststück ist und ich dir helfen wollte. Nicht mehr und nicht weniger. Bis zu deiner Aussage gerade, habe ich nicht mal geglaubt, dass du wirklich eine Prostituierte bist. Also komm mal wieder runter und hör auf hier so eine Szene zu machen.“

Das Gesicht mit den grünen Augen taxierte ihres ganz genau. Keine Ahnung was es letztendlich war, aber irgendwann bröckelte die aggressive Fassade und das Gesicht der Brünetten wurde weicher. „Es tut mir leid.“
Clarke verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie abwartend an. „Es tut mir leid, dass ich gerade so eine Bitch war. Aber nun ja.... Leute wie ich erleben es nicht oft, dass man ohne Hintergedanken nett zu ihnen ist. Da stumpft man mit der Zeit einfach ab. Bitte entschuldige, ich wollte dir nichts unterstellen. Ich bin dir sehr sehr dankbar, dass du mich aus der Situation gerettet hast. Kann ich mich dafür irgendwie bei dir bedanken? So ganz unsexuell?“
Clarkes Gedanken begannen wie wild zu schwirren. Die ganze Situation war so was von surreal, dass sie fast damit rechnete Roan irgendwo aus dem Gebüsch springen zu sehen, damit er ihr sagen konnte dass das Ganze nur dem Zweck ihrer Inspiration diente. Doch es kam kein Roan und außer dem trägen Nachtverkehr auf der Straße neben ihnen, hörte sie gar nichts. Die Brünette sah sie aufmerksam und ohne Eile an. Die junge Künstlerin lockerte die Arme vor der Brust und strich sich stattdessen eine Strähne ihrer blonden Locken hinters Ohr. Die grünen Augen folgten der Bewegung unauffällig. Sie seufzte zum unendlichsten Male an diesem Abend und zuckte mit den Schultern. „Du könntest mich auf was zu Essen einladen. Die Cocktails waren überteuert und schlecht, da hab ich mich nicht ans Essen getraut. In der Nähe ist ein guter Italiener.... lad mich auf eine große Pizza ein und wir vergessen deine forsche Art."
Die vollen rosa Lippen der Brünetten verzogen sich zu einem unglaublich schönen und sanften Lächeln. „Italienisch klingt gut. Laufen wir oder möchtest du ein Taxi anhalten?“, fragte sie mit einem spöttischen Blick auf Clarkes schwindelerregend hohe und dünne Absätze. Ihre eigenen Stiefel hatten nur eine winzig kleine Sohle und trotzdem waren sie fast gleich groß. Ohne Schuhe musste die Brünette also gute 10 Zentimeter größer als sie sein. Der perfekte Höhenunterschied zum Knutschen, dachte Clarke und wurde unweigerlich rot. Die andere Frau hob nun beide Augenbrauen und schnippte mit ihren langen Fingern. „Erde an Clarke Griffin – Hallooo?“ Clarke runzelte die Stirn. „Taxi klingt gut.“, murmelte sie und die andere grinste und hob elegant den Arm, als sie zur Straße ging. Fast augenblicklich hörte man das Bremsen eines Autos. „Hey, woher kennst du meinen Namen?“, fragte Clarke erstaunt und stieg durch die Tür, welche die Brünette für sie geöffnet hatte. „Wow, du bist wirklich mit deinen Gedanken woanders, hm? Die Barbesitzerin hat dich eben so genannt.“ Clarke nickte und rutschte durch, damit die andere Frau sich neben sie setzen konnte. Kurz gab sie dem Taxifahrer die Adresse, dann war es bis auf die leise Musik aus dem Radio still. „Warte mal, wie heißt du eigentlich?“, fragte Clarke plötzlich und ihre Begleitung lachte. Es war ein anderes Lachen, als vorhin im Warteraum der Toilette. Dieses Lachen klang sehr echt. „Ich dachte schon, du würdest nie fragen. Mein Name ist Lexa.“
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