Stolz, Vorurteile und ein dummer Zufall

von Miki
GeschichteHumor, Romanze / P12
04.10.2019
15.11.2019
5
5.359
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04.10.2019 771
 
Keine Bange, meine andere Geschichte geht auch weiter. Das hier ist auch ein bisschen zu meiner persönlichen Erheiterung.





Prolog

Müde sah ich zu, wie der Zug einfuhr. Es regnete in Strömen. Ich schob zuerst meine Kapuze zurecht und warf dann einen Blick auf meine Armbanduhr. Die obligatorischen sieben Minuten Verspätung. Vielleicht musste die Deutsche Bahn einfach mal ihren Fahrplan anpassen. Dieser Zug fuhr wirklich nie pünktlich ab.

Ich setzte mich mit der Masse in Bewegung.

Wie eine Mauer rückten wir alle vor.

Per se hatte ich eigentlich kein Problem damit, zur Arbeit zu pendeln. Dieser  Umstand war im Endeffekt auch freiwillig gewählt. Theoretisch hätte ich auch nach Dortmund ziehen können, wollte ich aber nicht. Also musste ich fahren, was in der letzten Zeit nervend war, da die Bahn die Größe des Zuges nämlich zu knapp kalkulierte. Es fehlte mindestens immer ein Zugteil. Man konnte sich also gratulieren, wenn man einen Sitzplatz fand.

Ich stellte die Musik an meinem Kopfhörern lauter. Während der Soundtrack zu Königreich der Himmel erklang, öffneten sich die Zugtüren. Unzählige Leute purzelten heraus, während unzählige Leute darauf warteten, einsteigen zu können. Natürlich gab es wieder welche, die zu dumm waren, das Prinzip des erst Aussteigens und dann Einsteigens zu verstehen, was das ganze Prozedere verlängerte, aber irgendwann schaffte ich es, inzwischen doch leicht nass, in den Zug. Mit meinem schweren Rucksack auf dem Rücken bahnte ich mir meinen Weg.  

Und ich hatte Glück.

Ich fand einen Sitzplatz.

Zwar neben irgendeinem Faktotum, das im Jogger dasaß, die Kapuze über den Kopf gezogen hatte und sich die Ohren weg dröhnte, aber wie hieß es so schön -  lieber lieber schlecht gesessen als gut gestanden. Ich ließ mich auf den freien Platz fallen und quetschte meinen sehr monströsen Rucksack zwischen den vorderen Sitz und meine Knie. Dann holte ich mein IPad und meinen Kaffee hervor. Einfach noch mal eine gute halbe Stunde abschalten, bevor der tägliche Wahnsinn mich wieder hatte. Ich kuschelte mich in meinen Sitz, trank meinen Wachmacher und öffnete die Kindle-App. Nach fünf Minuten durfte ich aber feststellen, dass der Fantasyroman, den ich mir herausgesucht hatte, todlangweilig war. Ich scrollte durch meine Bibliothek. Den Rest kannte ich schon. Nachdenklich kaute ich an meiner Unterlippe.  Ein bisschen peinlich war es ja schon, aber egal. Andere Leute  fuhren dicke SUVs oder lasen 50 Schattierungen von Grau. Das war viel peinlicher (und dümmer).

Ich rief google auf und tippte Henry Cavill plus Fanfiction ein.

Ja, ich las gerne Fanfictions zu realexistierenden Personen.  

Na und?

Kaffeetrinkend und eine wirklich sehr kitschige Geschichte lesend verbrachte ich die nächsten

zehn  Minuten aber dennoch sehr vergnüglich. Klara, die Angestellte eines Londoner Büros, und Henry vor der Kulisse der vorweihnachtlichen Londons. Neben mir regte sich das Faktotum und  räusperte sich relativ tief. Der Typ war bestimmt so ein stupider Pumper, der ständig in Fitnessstudios herumhing und Eiweißdrinks schlürfte. Ich las weiter. Zwischendurch warf ich immer mal wieder einen Blick aus dem Fenster. Es regnete immer noch in Strömen.

Fahrradfahren konnte ich in Dortmund wohl vergessen.

Ich widmete mich wieder meiner Fanfiction zu Henry Cavill, der der Inbegriff eines Mr. Darcys für mich war. Zumindest so wie er in seinen Filmen dargestellt wurde. Besonders in der der Mann von U.N.C.L.E hatte er es mir angetan. In der Realität schien er ja lieber Fitnessstudios heimzusuchen und wie ein Irrer Gewichte zu stemmen.

Mein Sitznachbar bewegte sich wieder. Sein Oberschenkel streifte meinen. Ich warf ihm einen bösen Blick zu, was er aber aufgrund der übergezogenen Kapuze nicht merkte. Wieder vertiefte ich mich in die Geschichte der bildschönen Klara, die bei jeder sich ihr bietenden Gelegenheit Kaffee verschüttete und stolperte. Ich trank meinen Kaffee lieber.

Der Pumper neben mir streckte sich. Nett gebaut war er, dass musste ich schon zugeben.  Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich langsam mal meine Sachen zusammen suchen sollte. Seufzend packte ich mein IPad weg und hätte schwören können, dass ich im selben Moment ein heiseres, leises Lachen hörte. Irritiert blinzelnd sah ich zur Seite, aber die Kapuze schien aus dem Fenster zu sehen.  Ich verstaute meinen Thermobecher. In diesem Moment kam die Durchsage, dass der nächste Halt Dortmund sei. Ich stand auf und griff nach meinem Rucksack. Im selben Moment drehte der Pumper seinen Kopf zu mir. Ich stockte kurz.

Mah, hatte der blaue Augen.

Der sah ihm, also Henry Cavill sogar ein bisschen ähnlich. Bei diesem Gedanken musste ich grinsen, nickte ihm dann einmal höflich zu und ging meiner Wege.

Ich brauchte definitiv Frischluft, wenn ich schon fand, dass so ein Pumper wie Henry Cavill aussah.
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