Wizard's Promise

KurzgeschichteMystery, Romanze / P12
Hauro
04.10.2019
04.10.2019
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Hauro seufzte. Mit seinen Fingerspitzen berührte er die schwere Holztür, drückte leicht dagegen und mit einem leisen Knarzen ging die Tür auf. Es sah bizarr aus, denn die Tür war viel zu schwer, als das man sie mit bloßen Fingerspitzen hätte aufdrücken können.
Er schritt hindurch und seine Schritte hallten in dem kleinen Raum wider. Es war lange her, dass er das Zimmer aufgesucht hatte. Doch nun musste er es tun.
Mit einem mulmigen Gefühl tastete er an der Wand entlang, bis er etwas wächsernes spürte. Er drehte die Kerze in seiner Hand, hielt sie dicht vor seine Brust und entzündete ein Streichholz.
Der kurze Geruch von Schwefel ließ ihn an die Flugmonster denken, doch schüttelte diese Gedanken schnell ab. Die kleine Flamme berührte den Docht der Kerze und schon konnte er mehr sehen: ein kleiner Raum vollgestopft mit Büchern, Kerzenhaltern an der Wand und etlichen Pergamentrollen. An der Stirnseite gab es auch einen kleinen Schreibtisch, der über und über mit Papyrus, Federkielen und Tintenfässchen vollgestellt war.
Es wurde ihm speiübel. Der muffige Geruch nach abgestandener Luft und kaltem Rauch ließen ihn würgen. Mit einer Hand an der kalten Mauer abgestützt, ging er wankende Schritte auf das Schreibpult zu.

Die lose Kerze in seiner Hand steckte er auf einen Kerzenhalter.
Mit einem weiteren Streichholz entzündete er noch mehr Kerzen. Der Raum wurde in ein kaltes orange gehüllt. Es gab keine Fenster. Nicht ein mal Markl, sein kleiner Schützling, wusste von diesem Raum. Und falls doch, könnte er ihn nicht betreten. Etliche Zauberfallen beschützten den Raum vor Eindringlingen.
Hauro legte seine Jacke ab, hängte sie über die Lehne des Stuhles und seufzte erneut.
Dann widmete er sich einem der beiden großen Regale voller Bücher.
Ein Buch nach dem Anderen zog er heraus, blätterte wahllos darin und schlug sie wieder zu. Die Stapel von Manuskripten, Pergamentrollen und Büchern wuchs stetig.
Irgendwann brannten ihm die Augen und er bakm keine Luft mehr. Es war zu stickig geworden.

Also stand er auf, versiegelte von draußen wieder die Tür und schnappte nach Luft. Von unten konnte er Stimmen hören, gedämpfte Stimmen. Sophie sprach, doch er wollte gar nicht hören, was sie sagte.
Hauro wandte sich den Geräuschen ab, hievte sich ins Bad und drehte den Wasserhahn auf. Sofort brauste Wasser ins Waschbecken. Das kühle Nass tat ihm gut. Der Magier tupfte sich den Schweiß von der Stirn und legte sich einen nassen Waschlappen ins Genick. Die Farben vor seinen Augen verschwammen zu einem gigantischen Strudel. Alles drehte sich. Wieder wurde ihm schlecht. Hauro verlor immer mehr das Bewusstsein. Angestrengt versuchte er der Müdigkeit Herr zu werden.
Vergeblich.
Mit letzter Kraft konnte er sich an den Badewannenrand lehnen und schon sah er einen langen dunklen Tunnel.

Die Luft roch nach verbranntem Fleisch und Blut. Eisen. Schießpulver. Tod.



Zu seiner Rechten und Linken wucherten ehemalige Spielzeuge, Kristalle, bunte Perlen und allerlei Schutzgegenstände aus den Wänden. Er sah an sich herab und blickte auf ein rabenschwarzes Gefieder. Dunkle Krallen als Füße und seine Stimme hallte verloren durch die schier unendlichen Gänge. Das Rascheln der Federn, seine eigene Stimme und das Widerhallen der Schritte waren das einzige, was er hören konnte.
Er rief bekannte Namen, doch keiner antwortete. Verzweiflung machte sich in ihm breit. Wie ein übermenschlicher Strom aus Gefühlen brach über ihn herein.
Stunden verstrichen und langsam zerrte das Gehen an seinen physischen und mentalen Kräften. Irgendwann, kurz nach einer weiteren Abzweigung, sackten ihm die Knie ein. Er fiel erschöpft mit dem Gesicht voraus auf den erdigen Untergrund.
Nach einer weiteren kleinen Ewigkeit vernahm er eine bekannte Stimme. ,,Hauro?"
Seine Augenlider waren sehr schwer, doch er bemühte sich, sie zu öffnen.
Wie ein bleierner Klumpen lag er auf dem Boden. Das Atmen fiel ihm Mal um Mal schwerer.
Sophie stand da. Braune Haare, ein rosafarbenes Nachthemd und einen Kerzenhalter in der Hand haltend. Sie sah erschrocken zu ihm hinab, als würde sie ein kleines Kind weinend erblicken.
,,Bist du verletzt? Du musst sicherlich große Schmerzen haben", sprach die junge Frau. Sie wollte einen Schritt auf ihn zugehen, doch er öffnete das große dunkle Maul. ,,Bleib wo du bist."
,,Ich will dich von dem Fluch befreien, der auf dir liegt!" Sophie Worte trafen ihn direkt ins Herz. Er suchte doch schon nach einer Möglichkeit den Bann zu brechen!

,,Du kannst dich doch nicht mal von dem Zauber befreien, der auf dir liegt." Hauro stand mühsam auf, seine Krallen taten ihm weh - alles schmerzte. ,,A-Aber ich liebe dich, Hauro!" Das Geschöpf blickte durch die Federn Sophie an. Tränen brannten in Hauros Augen. ,,Es ist zu spät." Das federne Wesen rauschte durch den dunklen Gang davon und ließ eine verzweifelte Sophie zurück, die wieder alt aussah.
Der junge Magier wachte wieder auf. Auf dem Boden, alle Viere von sich gestreckt und mit nassem Gesicht. Er hatte geweint.
Sein Atem war flach, er hustete mehrmals. Dann übergab er sich. Alles roch ekelerregend, er robbte mit einer Hand vor dem Mund zur Toilette und übergab sich erneut.
Mit zitternden Knien stand er auf, strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht und drehte den Wasserhahn der Badewanne voll auf.
Sofort donnerte Wasser aus dem Hahn, ergoss sich in die saubere Badewanne. Sterne tanzten vor seinen Augen, das brausende Geräusch des Wassers holte ihn jedoch wieder zurück. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den Anderen, schloss seine Hand um die Entriegelung des Fensters und drückte es auf. Kühle Nachtluft strömte ihm entgegen, zerzauste seine dunklen Haare. Er atmete wieder freier, kippte letztlich das Fenster und kippte etliche Tinkturen in das heiße Badewasser.
Er wischte noch schnell das Erbrochene auf, spülte alles die Toilette herunter und zog sich aus.

Das warme Wasser umschmeichelte seinen Körper sanft und aller Frust und Schmerz gingen in der Schwerelosigkeit verloren.
Nach dem Baden wickelte er sich ein Badetuch um die Hüfte, verließ das Bad und zog sich in seinem Zimmer um.
Erschöpft und dennoch voller Kraft schmiss er sich auf das weiche Bett. Die Bettwäsche roch nach frischem Waschmittel. Dank Sophie.
Er schlug seine Augen auf und setzte sich gerade ins Bett. Sophie.
Der junge Magier suchte sich ein paar Utensilien und Kräuter zusammen, ging leise zurück zum versiegelten Zimmer und setzte sich an das Schreibpult. Hustend ergriff er die Kräuter, murmelte ein paar Zauberformeln und mit einem Mal saugten die getrockneten Pflanzen alle schlechte Luft auf und ersetzten sie mit frischer. Nun konnte er besser atmen. Das andere Zeug stellte er provisorisch auf das Schreibpult.
Jetzt galt es nur noch, Sophies Fluch zu lösen.
Also setzte er sich an jedes Buch, überflog Nacht für Nacht jede Seite des Buches, machte sich unzählige Notizen für mögliche Lösungen, nur um sie wieder zu verwerfen.
Hauro zerbrach sich den Kopf, wie er Sophie helfen könne.
In einem dünnen, sehr alten Buch, das er einst Madame Suliman abgeluchst hatte, entdeckte er die Formel für die Auferlegung des Fluches.
Dieser Zauber war also der Hexe aus dem Niemandsland geläufig - sie hatte auch dieses Buch in ihren Fingern gehabt. Hauro blickte verzweifelt auf die Formeln, auf die alten Beschwörungen. Je älter ein Zauber war, desto machtvoller wirkte er.
Doch es stand nirgends, wie er den Fluch hätte brechen können.
Es war zum verrückt werden.
Vielleicht war innerhalb der Seiten der Anwendung ein Gegenzauber versteckt. Also las er alles erneut durch, dann rückwärts und diagonal, schrieb jeden siebten Buchstaben heraus.
Nichts. Alles nur Kaudawelsch.
Er probierte es ein letztes Mal. Hauro kramte eine alte Zauberertabelle heraus, trug die Buchstaben in die Felder ein und übersetzte diese.
Mit immer größer werdenden Augen las er mehrmals die Übersetzung durch. ,,Nur, wer den Verfluchten wahre Liebe zu schenken vermag, wird diesen Bann brechen können."
Hauro blickte sich um, als ob er einen Fehler gemacht hätte. ,,Was soll das heißen?!" Aufgebracht sprang er vom Stuhl, räumte in seiner Wut den Tisch leer und tigerte entsetzt im Raum umher. ,,Ich liebe sie doch schon!" Dann stürzte er zu Boden, raffte alle Unterlagen zusammen und ging sie alle in seiner manischen Panik erneut durch.
,,Nein, nein, nein! Nein!" Tränen schossen ihm in die Augen und quollen hervor. ,,NEIN!" Er biss sich auf die Unterlippe und schlug mit der Faust auf den Holzboden. ,,Ich liebe sie."
Er suchte das Buch, las die Formel ein letztes Mal durch und klappte es zu.
,,Ich liebe sie."
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