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Serena Black || Nox

von Liily112
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Astoria Greengrass Fred Weasley OC (Own Character) Regulus Arcturus Black Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
03.10.2019
24.01.2022
53
115.465
10
Alle Kapitel
42 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.01.2022 3.300
 
• Serena Black •

Der Rauch verbreitete sich schnell. Er befand sich im gesamten Haus, das Feuer gefangen hatte. Serena hustete und wischte sich über die brennenden Augen, doch der Ruß machte es nahezu unmöglich für sie, etwas zu erkennen. „George?" Sie tastete nach seinem Arm, den er um sie geschlungen hatte. Hinter einem nebeligen Schleier konnte sie seine Umrisse ausmachen. Das fuchsrote Haar stach auffällig hervor und bewegte sich im Takt zu seinem Husten. Er presste sich dabei den Ärmel vor den Mund.

Eilig tat Serena es ihm nach und benutzte den Stoff des Rundhalsausschnitts ihres Pullovers als Schutz ihrer Lunge vor dem ätzenden Rauch. „Wir müssen hier raus", keuchte sie und packte den Weasley am Arm. Andernfalls könnten sie einer Rauchvergiftung erliegen. Mit der anderen Hand tastete sie sich an dem Treppengeländer zu den Stufen heran, doch die Luft wurde immer beißender und heißer. Das einzige, was Serena am Kopf der Treppe entdecken konnte, als sie hinuntersah, waren Flammen, die sich am Holz nach oben fraßen.  

Der Fuchsbau knisterte, als er von ihnen verschlangen wurde und es knarzte bedrohlich, als könne er seiner Beute nicht mehr lange standhalten. Entsetzt klammerte Serena sich an Georges Arm, aus Angst, sie könnte ihn in dem Rauch verlieren. Was war mit den anderen? Hatten sie sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können? Was war überhaupt geschehen?

„George!"

„Serena!"

Die Schreie von unten ließen Serena aufatmen und auch Georges Muskeln entspannten sich ein wenig unter ihrem Griff. „Wir sind hier!", keuchte er und wurde von einem weiteren Hustenanfall übermannt. Serena konnte es plätschern hören. Zauber wurden durch das Haus gebrüllt, gefolgt von einem unanständigen Fluchen. Zumindest schien es den anderen gut zu gehen, auch wenn die ansteigende Hysterie ihr wenig Mut machten.

Das Feuer hatte beinahe das Ende der Treppe erreicht. „Wir versuchen einen anderen Weg zu finden!", rief Serena und zog George hinter sich her in Ginnys Zimmer. Da die Tür geschlossen gewesen war, hatte der Rauch sich dort noch nicht allzu sehr verbreiten können. Serena atmete tief durch und rannte ans Fenster. Sie hätte es sich ja denken können, dass Todesser ihre Finger mit im Spiel hatten.

Hinter der unsichtbaren Linie, an der die Schutzzauber endeten, stand eine ganze Reihe maskierter Zauberer ganz in Schwarz gehüllt. Die silbernen Masken reflektierten das Mondlicht, das sich hinter den Wolken hervorbahnte. Es hatte mittlerweile aufgehört zu schneien.

Ein schrilles Lachen erfüllte die Nacht. Bellatrix Lestrange rief etwas, das Serena nicht verstehen konnte und kurz darauf löste sich eine Gestalt vom Haus. Harry rannte der Hexe hinterher. Direkt aus dem Kreis des Schutzzaubers heraus und hinein in das hohe Feld. Remus und Ginny liefen ihm hinterher, gefolgt von Mr. Weasley, der verzweifelt den Namen seiner Tochter brüllte.

„Es ist zu hoch", sagte George hinter ihr und holte sie zurück in ihre eigene aussichtslose Situation. Serena biss sich auf die Unterlippe und sah sich angestrengt im Zimmer um. Allmählich wurde auch dort die Luft immer dünner. Ihr Blick fiel auf eines der vielen Quidditchposter. Ginny würde doch bestimmt hier irgendwo einen Besen versteckt haben!

„Nicht wenn wir fliegen", keuchte sie und begann die Schränke aufzureißen. Ihre Finger zitterten und das Herz ließ Adrenalin durch ihren Körper pumpen. Sie durfte nicht die Nerven verlieren. George verstand sofort, worauf sie hinauswollte und begann die andere Zimmerseite in Angriff zu nehmen.

Der Rauch, der sich durch die Türritze schob, brannte Serena erneut in der Lunge, weswegen sie zum Fenster hastete und es öffnen wollte. Mittlerweile wurde es unerträglich warm in dem Zimmer und brachte Serena in ihrer Daunenjacke zum schwitzen. George hielt sie auf. „Sauerstoff begünstigt das Verbreiten von Feuer."

„Auch wenn die Tür zu ist?"

Der Rotschopf zuckte mit den Schultern. Serena riss dennoch das Fenster auf, sonst würde sie sicherlich längst erstickt sein, bevor sie überhaupt verbrennen konnte. Panisch drehte sie sich um die eigene Achse, auf der Suche nach einem fliegenden Untersatz. Sie warf sich auf den Boden und sah unter dem Bett nach. Zwei Augen, die das Mondlicht von draußen reflektierten, starrten ihr entgegen. „Nahla!", stieß Serena aus und zog ihre Katze aus der Nische hervor.

Völlig verängstigt hatte sie sich zusammengerollt und die Krallen ausgefahren. Beruhigend drückte sie das flauschige Tier an ihre Brust, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt eher einem lebendigem Kaktus glich. Ihr Körper brummte. Doch es war nichts zu ihrem seligen Schnurren, wenn sie gestreichelt wurde. Dies war purer Stressabbau. Plötzlich knarzte es erneut bedrohlich unter ihren Füßen und Serena hatte Probleme ihr Gleichgewicht zu halten. Das gesamte Zimmer schien sich zu bewegen und drohte von dem restlichen Teil des Hauses zu rutschen.

Die Gryffindor schloss die Augen und klammerte sich an ihr Haustier. Doch dann war es vorbei. Erleichtert atmete sie auf und sah zu George. Auch in seinen braunen Augen stand pures Entsetzen geschrieben. Ihnen lief definitiv die Zeit davon.

Der Rauch wurde immer dichter und da half auch das geöffnete Fenster nicht mehr viel. Serena keuchte und würgte, da stieß George plötzlich einen triumphieren Schrei aus. Als hätte er einen Boxwettkampf gewonnen, hielt er einen alten und ziemlich mitgenommen aussehenden Besen in die Luft. Sein Stiel bröckelte bereits und der Schweif war ausgedünnt, doch in diesem Moment war es das Schönste, was Serena je gesehen hatte.

Sie hasteten zum Fenster. Gierig streckte Serena ihren Kopf hinaus, um an Sauerstoff zu kommen, doch da der Rauch in Strömen hinausstieg, war ihr das kaum möglich. Sie stieg mit zitternden Knien auf den Besen, ihre Katze krallte sich dabei durch ihre Jacke in die Haut ihrer Schulter, da fiel ihr auf, dass sie ja noch ein zweites Haustier hatte. Ihr Blick fiel zurück in Ginnys Zimmer, doch nirgends konnte sie den orangefarbenen Minimuff ausmachen. „Was ist?", fragte George, als er ihr Zögern bemerkte.

„George Junior", röchelte sie und konnte spüren, wie ihr das Atmen immer schwerer fiel. Mit den Kräften am Ende stützte George sich an dem Fenstersims ab und folgte ihrem Blick. Seine Augen hatten einen traurigen Glanz angenommen. „Vielleicht schafft er es ja irgendwie." Er würgte die Worte hervor, als würde auch ihm langsam die Luft ausgehen.

Serena nickte langsam und gerade als der Zwilling vor sie auf den Besen klettern wollte, entdeckte er das kleine Geschöpf und zeigte mit dem Finger auf darauf. Das orangefarbene Fell lugte aus dem Klamottenberg hervor, in den Serena den Ring von Edmund verbuddelt hatte. „Ich hol ihn dir."

„George!" Sie wollte ihn aufhalten, denn erneut ging ein Ruck durch die Ebene. Das Feuer fraß sich gerade durch die Tür und vor Serenas Augen begannen schwarze Punkte zu tanzen. George hastete zu der Ecke und barg den kleinen, zitternden Minimuff in seiner Handfläche. Seine Haut war kalkweiß und die letzten Meter zurück taumelte er bloß, seine Atmung ging flach.

Er hatte kaum mehr Kraft, sich auf den Besen zu setzen, weswegen Serena ihm hinter sich auf den Stil half. Seine Arme legten sich schlaff um ihren Oberkörper, in seinen Händen war noch immer sein Namensvetter umklammert. Serena stieß sich vom Boden ab. Zu zweit auf einem Besen zu fliegen erwies sich als deutlich schwieriger, als sie gedacht hatte. Sie brauchte einige Sekunden, um die richtige Balance zu finden und steuerte auf das Fenster zu.

Gierig atmete sie draußen die frische Luft ein, als Georges Kopf plötzlich reglos auf ihre Schulter fiel. Sie verlor das Gleichgewicht und taumelte dem Boden entgegen, auf dem sie schließlich unsanft aufkamen. Serena stöhnte nach dem Aufprall schmerzerfüllt auf, denn sie war mit ihrem gesamten Körpergewicht auf ihrem angewinkelten Arm gelandet. Das kühle Gras fühlte sich angenehm auf ihrer aufgeheizten Haut an. Sie hatten es geschafft!

Die Katze sprang mit der Verwendung all ihrer Krallen von ihrer Schulter und verschwand verschreckt in den hohen Gräsern, die sich in der Dunkelheit durch den Wind verneigten wie die Todesser vor dem dunklen Lord. Serena spürte die Kratzspuren in ihrem Nacken brennen, doch das war momentan ihr geringstes Übel.

Ächzend richtete sie sich auf und sah zu George, der reglos neben ihr im Gras lag. Auf seinem weißen Hemd und Gesicht befanden sich schwarze Rußflecken und seine gegelten Haare standen ihm nun wirr von dem sommersprossigen Gesicht ab. George Junior hüpfte auf seiner ausgestreckten Handfläche herum. Doch seine Brust hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen. Er atmete und kurz darauf blinzelte er auch schon hinauf in den sternenklaren Himmel, zu dem die Rauchschwaden des Feuers gezogen wurden, wie Motten zum Licht.

„Alles in Ordnung?", fragte Serena mit merkwürdig belegter Stimme. George öffnete seinen Mund, doch die Worte waren so leise, dass die Gryffindor sie kaum verstanden hätte. „Ich habe mich nie heißer gefühlt", presste er hervor. „Verstehst du? Wegen dem Feuer."

Kopfschüttelnd und doch erleichtert versuchte Serena nun einen Überblick über die Situation gewinnen. Das besagte Feuer loderte noch immer lichterloh und hatte mittlerweile das gesamte obere Stockwerk des Fuchsbaus eingenommen. Holzbalken und verkohlte Ziegel krachten in regelmäßigen Abständen auf den eiskalten Rasen und verglühten dort mit einem Zischen.

Serena konnte einige Mitglieder des Ordens erkennen, die sich mit den Todessern duellierten. Unter ihnen waren Tonks und Kingsley. Ron wuselte immer wieder in sein brennendes Zuhause und wieder hinaus. Sein Gesicht zierte ein verzweifelter Ausdruck. Erst jetzt erkannte sie, was genau er da tat. Er brachte Gegenstände in Sicherheit. Gerade trug er die Weasley-Uhr heraus, die jedes der Familienmitglieder zeigte und was sie gerade taten. Der Großteil der Zeiger deutete in diesem Moment wohl auf: In Lebensgefahr.

Mrs. Weasley stand derweil einige Meter entfernt von ihrem Heim und schluchzte. Ihre Schultern hoben und senkten sich in unregelmäßig schnellen Abständen. Die Hände hielt sie sich vor das tränennasse Gesicht. Serena spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog und Wut in ihr aufkeimte. Wut über diese Ungerechtigkeit, dass ausgerechnet diese liebende Mutter ihr gesamtes Haus und Mobiliar verlor. Doch wenigstens keines ihrer Kinder.

In diesem Moment fiel ihr Blick auf Serena und ihren Sohn. Erleichterung legte sich über ihr gerötetes Gesicht und schneller als man es ihr zutrauen mochte, rannte sie mit wehendem roten Haar auf die beiden zu. Es war erstaunlich, zu was Mütter in der Lage waren, wenn es um ihre Kinder ging. Neben George fiel sie auf die Knie. „Oh Merlinseidank!"

Erneut liefen ihr Tränen über die runden Wangen, doch dieses Mal entsprangen sie der Freude. Eine Freude, die es überhaupt nicht geben sollen dürfte. Mütter sollten keine Angst davor haben müssen, dass ihre Kinder aufgrund ihrer bloßen Existenz ermordet werden würden. Mrs. Weasley streckte ihre zitternde Hand nach Serena aus und schmiegte sie an ihre rechte Gesichtshälfte. „Ich bin so froh, dass es euch beiden gut geht."

George griff nach der freien Hand seiner Mutter. „Es braucht schon mehr als ein kleines Feuer, um mich zu erledigen."

Kleines Feuer. Die Untertreibung des Jahres. Doch Serena zwang sich zu einem ermutigenden Lächeln, auch wenn gerade, bloß wenige Meter von ihnen entfernt, Ginnys Zimmer in den Abgrund fiel. Glut stäubte beim Aufprall hinauf. Es hätte ein schöner Anblick sein können, wie die kleinen Partikel wie Glühwürmchen in der Luft umherflimmerten. Wäre er nicht so traurig. Serena konnte zwischen dem Rauch und den verkohlten Gegenständen auch einige ihrer Habseligkeiten ausfindig machen. Glücklicherweise hatte sie nichts bei sich gehabt, an dem sie hing oder was von Wert gewesen war. Trotzdem spürte sie einen weiteren Stich in ihrem Herzen.

„Wie geht es den anderen?", fragte Serena mit zitternder Stimme, die so kratzig klang, wie das Gefühl in ihrem Hals. Mrs Weasley half derweil ihrem Sohn dabei sich aufzusetzen. „Gut." Sie nickte tapfer, doch ihr Blick fiel besorgt zu der Stelle, an der Harry, Ginny, Remus und ihr Mann verschwunden waren. „Ron, Katherine, Fred und Sirius versuchen gerade das Feuer zu löschen. I...Ich habe es dort drinnen einfach nicht mehr ausgehalten...."

Ihre Stimme brach und Serena nickte mitfühlend. Auch sie ertrug den Anblick ihres brennenden Koffers und auch den des Fuchsbaus kaum. Sie wandte den Blick schließlich ab. Als sie sich umdrehte konnte sie einen der Todesser unweit von ihnen erkennen. Er stand dort ganz allein, losgelöst von seiner feiernden und kämpfenden Truppe und sah genau in ihre Richtung. Wie eine Statue, denn er rührte sich nicht. Als würde in dem unheimlichen Kostüm gar kein Mensch stecken.

Wut wallte in Serena auf. Sie fühlte sich ein wenig benommen, als sie aufstand und spürte noch das beißende Kratzen des Rauches in ihrer Lunge, als würde diese genauso in Flammen stehen wie der Fuchsbau. Mit wackeligen Knien ging sie mit bestimmten Schritten auf die Gestalt zu. Den Zauberstab zog sie sich dabei aus ihrem Stiefel.

Sie dachte an den schönen, wenn auch ein wenig befremdlichen Abend, den sie mit George gehabt hatte. Unweit von ihr hatte auch der Schuppen Feuer gefangen. Sie dachte an ihre Familie und die Weasleys, wie sie fröhlich im Wohnzimmer Zaubererschnippschnapp gespielt hatten. Nicht ahnend, dass ihr Glück in bloß wenigen Augenblicken ein Ende haben sollte.

In diesem Moment war es Serena völlig egal, wer sich hinter dieser Maske verbarg. Lucius Malfoy? Der hätte sowas längst verdient. Damien Hall? Schnurzpiepegal. Elijah Hall? Noch besser. Selbst Voldemort persönlich könnte sie zu dieser Sekunde nicht abschrecken. Vor der kaum sichtbaren Grenze blieb sie stehen und starrte den Todesser wutentbrannt an. Dann deutete sie auf das brennende Haus und Mrs Weasley, die neben einem kränklich wirkenden George erneut zu schluchzen begonnen hatte.

„Macht's Spaß einer Familie, die jeden Knut zwei Mal umdrehen muss, das Heim wegzunehmen? Dass sie ihre ganzen Erinnerungen für immer verlieren würden? Einer Mutter beinahe ihre Kinder zu nehmen?" Serena spürte, wie heiße Tränen ihr in Sturzbächen die Wangen herunterliefen. Was tat sie hier eigentlich? Einem Todesser versuchen Vernunft einzureden? Es würde ja sowieso nichts bringen. Doch ihm die Worte an den Kopf zu werfen, sie loszuwerden, tat unheimlich gut.

Der Todesser regte sich noch immer nicht, während sie ihren Worten freien Lauf gelassen hatte. Dann hob er langsam seine behandschuhte Hand. Serena wich zurück, doch bemerkte schnell, dass er ihr durch die Schutzzauber nichts anhaben konnte. Sie glaubte, er würde einen Weg finden wollen, sie zu durchbrechen. Die Lage austesten. Seine Handfläche legte sich jedoch bloß auf die unsichtbare Kuppel, die den Fuchsbau umschloss. Um sie herum vibrierte der Zauber und stob in Farben, wie die einer Seifenblase, auseinander.

Serena blinzelte und starrte ihn an. War das irgendeine Strategie, um an der Barriere vorbeizukommen? Nein, das war kein willkürlicher Todesser. Seine Haltung war wehmütig, als wolle er sie berühren, sie in den Arm nehmen und vor den ganzen schrecklichen Dingen auf dieser Welt beschützen. Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter und vergaß sogar zu atmen. „Edmund?"

Er zog seine Hand zurück und sie fiel schlaff neben seinen Körper. Sie begann ihn nun eingehender zu mustern. Er trug die übliche Kluft eines Todessers. Der lange, schwarze Umhang verhüllte beinahe seinen gesamten Körper und verschluckte seine Figur. Das sich darunter befindende Gewand war ebenso dunkel und hochgeschlossen mit silbrigen Verzierungen, die sich auch an seinen Ärmeln wiederfanden. Es war unmöglich zu sagen, ob es wirklich Edmund war.

Beinahe so wie bei Schrödingers Katze. Solange sich seine Maske nicht lüftete, könnte er es sein, aber gleichzeitig auch nicht. Serena wich mit bebender Unterlippe zurück. Nein, das durfte einfach nicht sein. Edmund konnte kein Todesser sein. Ihre Gedanken überschlugen sich und sie versuchte sich weiterhin einzureden, dass dieser Mann vor ihr jemand anderes war.

„Wir versuchen euch die ganze Zeit aus dem brennenden Haus zu holen und du unterhältst dich hier mit einem Todesser", sagte plötzlich eine schnaufende Stimme hinter Serena und packte sie an den Schultern. Auch in dem Gesicht ihres Vaters befand sich jede Menge Asche, die seine grauen Augen hervorbrachte. Er fiel ihr erleichtert um den Hals, doch Serena konnte an nichts anderes, als den Todesser denken, der hinter ihr stand. Sie warf einen Blick über die Schulter. Doch da war nichts, außer die hohen Gräser, die sanft im Wind wogen, als wäre nie etwas geschehen. Als würde nicht wenige Meter von ihnen entfernt ein Inferno wüten.

Serena sah nun auch ihre Mutter auf sie zulaufen. Einige blonde Strähnen hatten sich aus ihrem Dutt gelöst. „Zum Glück habt ihr es da raus geschafft!", rief sie aus und drückte sie nun ebenfalls an sich.

„Du solltest doch im Haus bleiben", fuhr Sirius sie an und begann sich wachsam umzusehen. Mit einem beklemmenden Gefühl in der Magengegend folgte Serena seinem Blick, als sie sich von ihrer Mutter löste. Ein Muggel wäre vermutlich ein gefundenes Fressen für die Todesser, wenn sie bereits dazu bereit waren, eine reinblütige Familie anzugreifen, bloß weil sie in ihren Augen als Blutsverräter galten.

„In dem es brennt und das jeden Moment in sich zusammenstürzt?", schnaubte sie. „Toller Plan, Sirius."

„Was ist mit dem Schutzzauber?", fragte Serena. „Der sollte uns doch vor den Todessern schützen oder nicht?"

Ihr Vater nickte langsam und fuhr sich durch sein schwarzes Haar. „Er wirkt nicht gegen alle Zauber. Diesen Feuerfluch hat er zum Beispiel durchgelassen, aber wenigstens hält es sie davon ab, auf das Grundstück zu gelangen."

Als würde es in diesem Moment jemand darauf anlegen wollen und den Schutzzauber auf seine Tauglichkeit testen, zerbärste hinter Serena jäh ein giftgrüner Zauber. Wie ein Feuerwerk rieselten die Funken auf den Boden. Erschrocken wich sie zurück und spürte wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich. Ihrer Mutter entwich ein greller Aufschrei. Zitternd hob Serena ihren fest umklammerten Zauberstab und sah dem unmaskierten Mann in sein scheußlich grinsendes Antlitz.

Er hatte dunkle volle Haare und einen ebenso dunklen Bart. Obwohl er keine Maske trug, war es kaum zu übersehen, dass er ebenfalls ein Anhänger Voldemorts war. „Crucio!", war sein zweiter Versuch, doch auch dieser Fluch traf bloß die unsichtbare Kuppel, die ein waberndes Geräusch von sich gab, als befänden sie sich Unterwasser. Missgelaunt rümpfte der Mann die Nase.

„Stupor!", rief Serenas Vater, doch der Zauber wurde geschickt abgewehrt. „Warum kommst du nicht raus aus deinem kleinen Versteck und duellierst dich wie ein Mann, Black?", höhnte er.

„Nö, heute nicht." Serena konnte sehen, wie es ihrem Vater am Ego kratzte und seine Fingerspitzen ungeduldig auf das Holz seines Zauberstabes trommelten, als würde er eben dies gerne tun. Die Gryffindor spürte wie sich die spitzen Fingernägel ihrer Mutter in ihren Unterarm bohrten und sie zurück geschoben wurde. Protestierend befreite sie sich aus ihrer Umklammerung und trat wieder vor sie. Den Zauberstab gehoben.

Der Todesser lachte rau auf, als er dies bemerkte. „Keine Sorge, ihr müsst euch nicht streiten. Ich bringe euch alle beide um."

Serena reckte das Kinn und wollte mal sehen, wie er das anstellen wollte. Der Todesfluch schien schließlich nicht durchlässig zu sein, genauso wenig wie der Folterfluch. Damit wären die grausamsten Zauber schon einmal raus. Dennoch konnte sie spüren, wie ihr Herz ein wenig sank bei seinen Worten.

„Verzieh dich, Dolohow", zischte ihr Vater. Doch der Angesprochene schien nicht einmal daran zu denken, seine Beute nun ziehen zu lassen. Wie ein Raubtier tigerte er vor der Grenze des Schutzzaubers entlang und wehrte gekonnt die auf ihn einprasselnden Flüche ab. Auch Serena hatte begonnen ihn mit allem zu bombardieren, das ihr einfiel, in der Hoffnung, dass er mit Zweien gleichzeitig nicht klarkommen würde. Doch da hatte sie sich getäuscht.

Dann blieb er stehen und ein teuflisches Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Mit einem wachsenden, unguten Gefühl hielt Serena inne und blickte zu ihrer Familie, die sich ebenfalls stumm und beunruhigt ansahen. Sie hatte den Atem angehalten, die Luft war zum zerreißen gespannt. Nicht einmal zwei Herzschläge später, ging alles ganz schnell.

Wie in Trance nahm Serena wahr, wie ihre Mutter die zwei Schritte, die sie voneinander getrennt hatten, auf sie zukam. Sie hatte weder Zeit zu reagieren, noch um zu verstehen, was geschah. Dann wurde sie über die Schutzline geschubst.
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