Geschichten von Mutschekiepchen und Miezekatzen

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Adrien Agreste / Chat Noir Marinette Dupain-Cheng / Ladybug Plagg Tikki
03.10.2019
16.11.2019
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Endlich konnten sie mal wieder einen entspannten Abend genießen. Sie hatten sich zum Dinner im Cuisine-de-Valois eingefunden. Der Saal schimmerte hell im Kerzenlicht, die weinrote Tapete verziert mit goldenen Ornamenten verlieh dem Raum seine Eleganz und die Rosen auf jedem der mit Spitze zugedeckten Tische verströmten einen lieblichen Blütenduft. Obwohl das Restaurant sehr gut besucht war, vermittelte jeder Tisch das Gefühl von Intimität, Wärme und Romantik. Genau dieser Romantik unterlagen auch Madame und Monsieur Moreau bei ihrem Rendezvous – bis leise eine Unheil verkündende Melodie aus der Sakkotasche des Mannes ertönte.  Anfangs hatte er das Gedudel ignoriert, doch sehr zum Leidwesen seiner Frau musste er bei dem fünften Anruf einfach an sein Telefon gehen. Sichtlich genervt beobachtete die Dame ihren Ehemann, während sie an ihrem Weinglas nippte.
„Ich verstehe … Ja … nein. Aber wie Sie wissen, habe ich heute Abend frei … Hm. Da kann man nichts machen.“ Seufzend ließ der Gatte sein Handy wieder in seinem Sakko verschwinden und wies mit einem Wink der Kellnerin an, zu ihm zu kommen.
Mit dem Gefühl, nun gänzlich aus und vor zu sein, räusperte sich seine Frau. Ihr Blick verriet unmissverständlich, dass sie bitte eingeweiht werden wolle.
„Es tut mir leid. Aber es kam gerade ein Notruf rein und da wir derzeit maßlos unterbesetzt sind, brauchen sie jede Hand, die sie kriegen können.“
Sie hatte sich wohl verhört!
„Dennoch hast du heute offiziell frei! Aber deine Arbeit ist dir natürlich mal wieder wichtiger …“ Geknickt zerknüllte sie die Serviette, die sich auf ihrem Schoß befand.
Da sah sie ihren Mann schon so selten … Wieso musste ausgerechnet immer er seine Freizeit opfern? Wenn seine Kollegen sagten, sie hätten keine Zeit, wurden sie auch nicht zum Arbeiten gedrängt – wenn sie nicht sogar einfach ihr Handy ausschalteten. Sie vermutete bereits, dass man ihren Gatten mittlerweile immer als erstes kontaktierte, weil er jedes Mal sofort aufsprang, wenn die Arbeit rief. Eigentlich wusste sie ja, worauf sie sich eingelassen hatte, als sie einen Feuerwehrmann heiratete. Heimlich bewunderte sie sogar sein Engagement. Doch wenigstens heute hätte er sein Telefon abschalten können.
„Natürlich ist sie mir nicht wichtiger. Ich werde es wiedergutmachen, versprochen!“
Einsam blieb die junge Frau an dem Tisch allein zurück. Immer das gleiche. Dabei war sie so froh darüber gewesen, einen Babysitter gefunden zu haben. So niedergeschlagen, wie sie war, bemerkte sie gar nicht, wie sich ein düsteres Insekt in ihrer Serviette einnistete …

Mit lautem Getöse erreichten die Einsatzfahrzeuge das große Mehrfamilienhaus in der Rue du Guesclin, deren Durchfahrt sie mit ihren zwei Feuerwehrautos und einem Krankenwagen gekonnt versperrten. Ihnen wurde gemeldet, dass aus einem der Fenster im 3. Obergeschoss dunkle Rauchschwaden emporstiegen, doch auf den ersten Blick waren keine Anzeichen auf einen Brand zu erkennen.
Auf alle möglichen Szenarien gefasst stiegen Monsieur Moreau und seine zwei Kollegen aus dem Löschfahrzeug und näherten sich der alten hölzernen Eingangstür. Dort suchten sie nach der gemeldeten Wohnung und drückten auf das Klingelschild. Wider Erwarten wurden sie direkt hinein gelassen und erklommen direkt die Wendeltreppen des heruntergekommenen Flures bis ganz nach oben, wo bereits eine alte bucklige Dame sie überrascht begrüßte.
„Sie sind nicht mein Neffe!“, beschwerte sie sich.
„Madame, uns wurde aus ihrer Wohnung ein Brandt gemeldet, ist alles in Ordnung?“
Voller Verwunderung, wie sie darauf gekommen sein mögen, gewährte sie den Herren Eintritt. Tatsächlich roch es etwas verkokelt, aber mehr als ein Blech verkohlter Plätzchen konnten sie nicht ausmachen. Um den Gestank und Rauch loszuwerden, hatte die Frau ihr Fenster geöffnet.
Ein Fehlalarm.
„Vielen Dank und noch einen schönen Abend!“, verabschiedeten sich die Einsatzkräfte und stiegen zurück in ihre Fahrzeuge.
Und dafür hatte er seine Frau sitzen gelassen?, dachte sich Monsieur Moreau betrübt, während seine Kollegen lauthals über die Backkünste mancher Leute herzogen. Doch trotz ihres tosenden Gelächters vernahm der junge Vater merkwürdige Geräusche aus dem Fahrzeug hinter sich. Mit einem Blick in den Seitenspiegel konnte er schnell de Ursache des Lärms ausmachen. Das rote Feuerwehrauto hinter ihnen hatte einen knallpinken Farbton angenommen. An dem Dach waren dutzende Luftballons befestigt. Die blaue Warnleuchte war einer funkelnd bunten Diskokugel gewichen, die nun die gesamte Straße erhellte. Und die Rollläden, die sonst die Löschschläuche verbargen, offenbarten gewaltige Lautsprecher, welche ohrenbetäubend die aktuellsten Hits schmetterten.
„Was ist denn hier los?!“, platzte es aus Monsieur Moreau heraus. „Fahr los! Irgendwas stimmt hier nicht!“, brüllte er entsetzt seinen Kollegen an, doch als sich dieser zu ihm umdrehte, erspähte er nicht seinen üblichen, etwas zerzausten Kameraden. Seine Haare waren wie durch Geisterhand zu einem Irokesen hochfrisiert und auf seiner Nase thronte nun eine große dunkle Sonnenbrille mit Sternchengläsern. In seiner Hand hielt er einen mit Schirmchen verzierten Cocktail. Und wie entspannt er wirkte?!
„Jo, nimm `nen Schluck und werd` mal locker. Wir haben jetzt Feierabend“, meinte der Kollege gelassen. Entgegen der Anweisung stürmte Monsieur Moreau jedoch aus dem Auto, während sein anderer Kollege sich ebenfalls einer Metamorphose unterzog.
„Was um alles ist in der Welt passiert hier?!“ Panisch auf dem Boden kauernd versuchte der Mann die Situation zu überblicken.
Die Straßenlaternen waren nun Palmen, an denen Hängematten hingen und neben denen kleine Snacktische standen. Zu dem Knabberkram gesellten sich schmackhaft aussehende Drinks. Hier und da lagen einige Sitzsäcke herum. Aus den Häusern strömten angelockt vom Klang der Musik die Anwohner und machten es sich auf der frisch errichteten Partylounge bequem. Sobald sie auch nur einen Bissen oder einen Schluck von den angebotenen Snacks zu sich nahmen, veränderte sich ihr Aussehen. Sie trugen bunte, lässige Kleidung, dazu meist Sandalen. Alles perfekt zum Entspannen und Abhängen. Nur auf den Anblick der alten Dame von vorhin, die nun eine kurze Shorts und dazu ein Hemd mit weitem Ausschnitt trug, hätte Monsieur Moreau verzichten können. Naserümpfend raffte er sich auf und bahnte sich seinen Weg durch die feiernde Masse. Sehr weit kam er jedoch nicht. In dem Moment, als er sich noch einmal nach hinten drehte, um sicher zu stellen, dass ihm auch niemand folgte, stieß er mit jemanden zusammen. Entschuldigend sah er zu der Frau auf, die er beinahe umrannte. Ihre dunkelblonde Mähne, die ihr halb ins Gesicht hing, war verziert mit einem Kranz aus tropischen Blumen. Ihr Hawaii Hemd war mindestens drei Nummern zu groß, sodass es mit einem Gürtel in der Taille festgezurrt werden musste und das Muster schmerzte einem in den Augen. Rote Strelitzien rankten über den pinken Stoff und in der Brusttasche war ein rotes Tuch sicher verstaut. Die giftgrüne Bermudahose passte überhaupt nicht dazu. Und erst die langen weißen Socken in den Sandalen, die sie trug! Viel schlimmer kann man sich nicht kleiden!, dachte sich Monsieur Moreau. Dann begann diese wandelnde Modekatastrophe mit ihm zu sprechen:
„Kein Stress. Bleib doch, du hast heute Abend frei. Gesell` dich zu uns, genieß dein Leben und vergiss die Pflichten.“ So langsam und gechillt, wie sie sprach, wollte er ihre Sprechgeschwindigkeit am liebsten um zweihundert Prozent hochdrehen.
„Wer bist du überhaupt?! Hast du das alles hier verbrochen?“
Lachend ließ sie ihren Kopf zur Seite fallen. „Ja, das ist mein Werk. Jetzt braucht keiner mehr zu arbeiten. Heute Abend können wir so lange entspannen, wie wir nur wollen. Nenn mich Lazybones, mein Murkelchen.“
„Nein …?“, geschockt starrte der Feuerwehrmann die Gestalt vor sich nochmal genauer an. Murkelchen nannte ihn nur eine, doch sie konnte unmöglich …?!
„Hier, nimm einen Schluck.“ Lazybones hielt ihm ein Glas Orangensaft vor die Nase. „Du hast seit vorhin noch nichts getrunken, du bist bestimmt durstig …“

Wo könnte sich dieser Superschurke aufhalten?, fragte sich Ladybug immer wieder, während sie über die Dächer schwingend eine Straße nach der anderen absuchte. Es war schon dunkel, was ihr die Suche deutlich erschwerte, deshalb hielt sie auf der Brücke über die Seine an, um durch ihr Buggphone genauere Details in Erfahrung bringen zu können. Doch in den Nachrichten gab es keinerlei Hinweise auf negative Geschehnisse. Ganz leise drang Musik an ihre Ohren. Vielleicht musste sie dieser nur folgen? Ohne weiter darüber nachzudenken machte sich Ladybug wieder auf den Weg und schon bald erreichte sie die Quelle des Klangs. In der Rue du Guesclin angekommen überblickte sie das Umfeld der feiernden Gemeinschaft. Bunt durcheinander in bester Laune tummelten sich Jung und Alt auf der Straße umher. Ladybug sah sofort, dass es sich um keine normale Party handeln konnte, also hielt sie ihre Augen nach einem potentiellen Lazybones offen, jedoch waren alle so knallig bunt gekleidet, dass sie niemand Auffälligen erblicken konnte. Zudem breitete sich der Umkreis, in welchem alle ausgelassen feierten, immer weiter aus. In diesem Tempo würde es keine Nacht dauern und ganz Paris mischte mit!
Hinter einem Schornstein versteckt zückte sie erneut ihr Bugphone und versuchte vergeblich Cat Noir zu erreichen.
„Hinterlass eine Nachricht!“
Genervt grummelte Ladybug in den Hörer hinein: „Wo bist du? Ich könnte Hilfe gebrauchen. Und das möglichst bevor sich Lazybones die ganze Stadt unter den Nagel gerissen hat!“
Erneut sah sie sich um. Warteten die Bösewichte denn sonst nicht darauf, dass sie und Cat Noir endlich auftauchten?
„Ladybug!“
Sie zuckte zusammen. So gut schien ihr Versteck doch nicht gewesen zu sein. Aus vollem Halse hatte ein Mann nach ihr gerufen, welcher im Gegensatz zum Rest der Menge seine Dienstkleidung der Feuerwehr trug.
„Hier!“ Mit wilden Gesten machte er weiter auf sich aufmerksam und zeigte auf die Dame vor sich. Jedoch zu spät. Innerhalb weniger Sekunden nahm die ulkige Frau einen großen Schluck aus ihrem Glas und zog den Mann eng an sich heran, um ihm durch einen innigen Kuss den süßen Saft einzuflößen. Augenblicklich veränderte sich dessen Aufmachung. Er ähnelte nun mit seiner Tolle und den weiten glitzernden Klamotten einem in Frührente gegangenen Rockstar, der sich sogleich an seine vermeintliche Geliebte schmiegte und anstatt sich weiterhin gegen den Kuss zu wehren, ihn noch leidenschaftlicher entflammen ließ. Zufrieden löste sich Lazybones von ihm, ehe sie ihren Blick gen Himmel richtete.
„Wo auch immer du bist, Ladybug, auch du bist herzlich eingeladen, mit uns zu entspannen und das Leben zu genießen. Reiß dich los von deinen Pflichten! Gib mir dein Miraculous und du musst nie wieder arbeiten. Ich warte auf dich.“
Durch ein gekonntes Schnipsen errichtete sich unter den Füßen von Lazybones und ihrem Gatten eine geschmückte Sänfte mit goldenen Kordeln und roten Samtvorhängen, die von einem quietschbunten Papierwesen - ähnlich einer Lama-Pinata in Riesenformat - Richtung Eifeltower, getragen wurde. Ohne dazu aufgefordert worden zu sein folgten ihr einige der verwandelten Pariser und machten es sich zur Aufgabe, wie bei einer Parade Süßigkeiten an weitere Passanten zu verteilen. Angeführt wurde die Truppe von dem pinken Wagen mit Lautsprechern, der vor wenigen Minuten noch ein Löschfahrzeug gewesen war.
Eilig folgte Ladybug dem Geschehen. Ihr bereitete es Kopfzerbrechen, dass ihre Gegnerin es so wenig nötig haben musste, sich zu verteidigen, dass sie seelenruhig auf ihrem unübersehbaren Thron hocken und genüsslich ihre Chips verknuspern konnte. Das konnte nur eine Falle sein! Dennoch musste sie mehr über Lazybones in Erfahrung bringen! Ihre Fähigkeiten, ihre Schwächen, wo sich der Akuma befand, …
Mit Schmackes warf sie ihr Jo-Jo um eine Palme vor der Sänfte und schwang sich in die Richtung ihrer Gegnerin, um sich zu ihr gesellen zu können, doch sofort wurde sie sofort von Lazybones Untergebenen mit Bonbons und Crackern beworfen. Schützend verdeckte Ladybug ihr Gesicht mit den Armen und stürzte dabei in eine gelb-weiß-gestreifte Hängematte. Ein amüsiertes Lachen ertönte.
„Ich will nicht gegen dich kämpfen, das wäre viel zu mühselig. Ich empfange dich also nicht, wenn du zum Angriff ansetzt.“

„Nun hör auf, umherzurollen und lass dir die Windel anziehen!“, ungeschickt versuchte Adrien immer wieder August zurück auf den Rücken zu drehen. Er lag vor ihm auf der transportablen Wickelunterlage auf der Waschmaschine und rollte sich immer wieder auf alle Viere, um zu fliehen, wobei er ihm frech sein nacktes Popöchen entgegenstreckte. Er umklammerte mit seiner Rechten noch immer den Ring, den er seinem Aufpasser zuvor abgeluchst hatte.
Seufzend fragte sich Adrien, ob er irgendetwas falsch machte. Es konnte doch nicht so schwer sein, einem Kleinkind die Windel wieder anzuziehen! Wie aus dem Nichts erschien Plagg nörgelnd neben seiner Schulter.
„Wärst du bitte so freundlich und nimmst diesem Kind endlich meinen Ring ab?! Er zerstört ihn noch mit seinen Reißzähnen!“
Sein Besitzer verdrehte gereizt seine Augen. „Wenn das so einfach ginge, hätte ich das längst getan!“
„Es heißt doch, es sei einfach, einem Kind den Schnuller oder den Lolly zu klauen, wieso soll es dann so schwer sein, ihm einen Ring wegzunehmen?“
Meinte er das ernst? „Ganz einfach: Weil er sonst zu weinen beginnen würde!“
„Na und? Kinder weinen nun mal.“
Auf die Diskussion wollte sich Adrien nicht weiter einlassen.
„Datze?“ Auf einmal meldete sich aufgeregt August zu Wort. Er deutete auf Plagg und wedelte ihm mit den Ärmchen entgegen. „Datze! Datze!“
„Dieses Ding meint doch wohl nicht mich?“, fragte der Kwami zögernd.
„Ich denke schon.“
„Datze!“
„Was soll das überhaupt heißen, Datze? Ich bin ein Kater!“ Beleidigt verschränkte er seine Arme und wendete sich demonstrativ von dem Baby ab.
Während Plagg weiter moserte, sah Adrien die Chance, seinen Ring zurückzuerlangen. Schnell schnappte er sich seinen Kwami aus der Luft und hielt ihn August entgegen, der sofort den Ring fallen ließ und mit seinen winzigen Fingern Plagg umklammerte.
„Was soll das denn?! Lass mich los!“
„Datze!“
Eilig hob Adrien seinen Ring auf und steckte ihn sich wieder auf den Finger. „Geht doch!“
„Was heißt hier geht doch?! Befreie mich aus seinen Klauen!“
Das Baby drückte seine weiche Wange vergnügt gegen die des schwarzen Katers.
„Aber August scheint dich zu mögen. Halte ein wenig aus, bis ich ihm die Windel umgemacht habe und dann -“
„Und dann was?!“
Der Junge konnte nicht weiterreden, denn er war zu Stein erstarrt. Gerade als er den Babypo einwickeln wollte, hatte August im hohen Strahl zu pieseln begonnen und mit voller Breitseite das Shirt, Hemd und die Hose des Blondschopfs erwischt. Tief durchatmend versuchte Adrien das Geschehene zu verdauen.
„Wie es aussieht hast du zu lange gebraucht“, stichelte Plagg, der sich mit seiner Rolle als Schmusetier nun abgefunden zu haben schien. Die Schmuseeinheiten gefielen ihm sogar.
„Was du nicht sagst.“
„Ist doch nicht so schlimm, du kannst dich doch einfach umziehen.“
„Eben nicht.“ Adrien hatte es endlich geschafft, August wieder anzukleiden und stellte ihn auf den kalten Fliesen ab. „Ich habe doch gar keine Wechselsachen dabei. Und ich würde nicht darauf wetten, dass Marinette Kleidung in meiner Größe hier hat.“
August stapfte auf den Hocker vor dem weißen Kosmetiksiegel zu und versuchte sich darauf zu hieven. Noch am Überlegen hob Adrien ihn hoch, woraufhin das Kind Plagg losließ, sich einen dort liegenden Kamm schnappte und damit begann, unbeholfen seine Haare zu kämmen.
Plötzlich hatte Adrien eine Idee: „Marinette hat doch Kleidung in meiner Größe da! Erinnerst du dich an das Fotoshooting für ihre Website? Sie hat bestimmt nichts dagegen, mir die Sachen mal auszuleihen. Allerdings …“
Allerdings musste er dafür vorher Marinette fragen, die aber, wie er zu wissen meinte, nicht mehr im Wohnzimmer anzutreffen sei. Und sich in ihr Zimmer schleichen, um selbst nachzusehen, konnte er auch nicht. Dann wusste sie, dass er wusste, dass sie nicht mehr in der Wohnstube war.
Adrien sah sich im Bad um, ob er etwas Nützliches finden konnte. Tatsächlich hing noch ein Bademantel an einem Handtuchhalter. Zumindest den würde er sich vorerst überwerfen können. Nach einer kurzen Katzenwäsche trocknete er sich gründlich ab und legte sich dann den grauen, viel zu großen Bademantel über. Die Ärmel musste er fünf Mal umkrempeln, um seine Hände überhaupt erahnen zu können. Und wie eine Schleppe hing der Mantel halb auf dem Boden. Die Robe gehörte definitiv Monsieur Dupain-Cheng. August war, ohne dass es jemandem auffiel, von dem Hocker hinuntergeklettert und setzte sich auf den auf dem Boden schleifenden Stoff, wo er darauf wartete, vorangezogen zu werden. Erst als Adrien nur erschwert einen Schritt Richtung Wickeltasche machen konnte, bemerkte er seinen Passagier und nahm ihn auf seinen Arm, wo sich das Kind sofort müde anschmiegte.
„Meinst du, Ladybug schafft es ohne uns?“, unterbrach Plagg die Stille.
„Ich hoffe es. Zur Not kann sie sich Hilfe bei Rena Rouge oder Carapace holen.“
Noch bevor sie weiterreden konnten, klopfte es auf einmal an die Badezimmertür.
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