Ground Zero

von aka-chan
GeschichteDrama, Übernatürlich / P16
01.10.2019
21.10.2019
3
7893
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Hallo zusammen und Willkommen zu meiner ersten eigenen Geschichte, die ich hier auf dieser Plattform veröffentliche.
Ich schreibe zwar schon etwas länger, habe jedoch nur FanFiktions veröffentlicht.
Es würde mich sehr freuen wenn die Story den ein, oder anderen Leser findet. Für Feedback bin ich natürlich immer offen.
____________________________________________________________________________

Eine unnatürlich helle Lichtquelle blendete die eisblauen Augen, als eine Lampe vorgeschoben wurde. Der etwa 6-Jährige lag waagrecht, mit leicht erhöhtem Kopf auf einer Liege, seine Extremitäten konnte er nur geringfügig bewegen, da sie festgebunden waren. Sein Kopf war links und rechts von einem strammen Band fixiert worden, sodass er die Augen etwas zusammenkniffen musste. Unwohlsein machte sich in seinem ganzen Körper breit, seine Atmung war beschleunigt, sein Herz hämmerte gegen seine Brust. In der Nähe musste sich ein Monitor befinden, denn bei jedem Herzschlag gab dieser einen schrillen Ton von sich. An seinem Körper waren vermutlich etliche Kabel und Zugänge angebracht, die er aufgrund seiner Angst jedoch kaum bemerkte.
Zu gern hätte er sich aus dieser Situation befreit, unruhig schlug er immer wieder mit Armen und Beinen gegen die Gurte, sein Gesichtsausdruck wurde mit jeder Minute verzweifelter. Plötzlich spürte er an einem seiner Arme einen brennenden Stich, nur kurze Zeit später bemerkte er, wie sich eine dicke, klumpige Flüssigkeit den Weg durch seine Arterien bahnte. Im ersten Moment wurde dem Jungen schwallartig Übel, doch im nächsten, schien die Flüssigkeit in seinem Organismus aufzuplatzen und sich rasant zu verbreiten. Er schrie vor Schmerzen auf, immer, und immer wieder, Kämpfte gegen die Fesseln an seinen Händen und Füßen und streckte seinen Rücken vor Schmerzen durch. Seine Venen und Arterien verfärbten sich grün und traten stechend scharf unter der Haut hervor. Seine Augen waren aufgerissen und fühlten sich an, als würden sie von innen aus seiner Augenhöhle gedrückt werden. Ein komischer Geschmack breitete sich in seinem Rachen aus, ehe er nach nur wenigen Minuten des Schmerzes ohnmächtig wurde und eine bräunliche Flüssigkeit aus seinem Mund sickerte.

Hecktisch zog es den Braunhaarigen, etwas 25-Jährigen in die Senkrechte, als er aus seinem Traum erwachte. Er atmete beschleunigt, sein Herz benötigte einen kurzen Moment, ehe es sich beruhigt hatte. Er fuhr sich einmal durch die wirren Haare und atmete einmal tief ein und aus, ehe er die blauen Augen wieder öffnete. Er bewegte seine Beine auf den Boden und blieb für einen kurzen Moment am Bettrand sitzen. Er stützte sich mit seinen Ellenbogen auf seinen Knien ab und starrte gegen den Boden. Er benötigte einen kurzen Moment, um sich und seine Gedanken zu sammeln und den Traum wieder in Vergessenheit geraten zu lassen. Solche Träume hatten sich in letzter Zeit gehäuft. Zwar lagen die Inhalte der Träume schon lange in der Vergangenheit, dennoch Kratze eben diese immer wieder an Elliots Gedächtnis, was seinen Verstand langsam aber sicher in Unbehagen geraten ließ.
Er ließ seinen Blick kurz durch das kleine Zimmer schweifen, sein Mitbewohner schien wach zu sein, Stumm, jedoch mitfühlend blickte er Elliot entgegen. Durch die Schreie Elliots wurden er, sowie viele der Leute in den umliegenden Kojen, beinahe schon jede Nacht geweckt, jedoch hatte sich nie jemand beschwert. Sie alle befanden sich in einer ähnlichen Situation, respektierten und verstanden einander.
Erst als Elliot sich erhob und das Zimmer verlassen wollte, machte sich sein Mitbewohner bemerkbar. „Elliot“ flüsterte er leiste, bedacht, die anderen nicht zu stören. „Es ist mitten in der Nacht“ Die Stimme seines langjährigen Freundes klang besorgt und etwas warnend. In dieser Einrichtung gab es etliche Regeln, an die sich jeder zu Halten hatte und dessen Missachtung mit erheblichen Konsequenzen bestraft wurde. Elliot schien in dieser Regel jedoch die einzige Variable zu sein, denn obwohl er immer wieder Grenzen überschritt, gab es für ihn kaum Konsequenzen.
Elliot drehte den Kopf etwas zur Seite und schielte aus dem Augenwinkel zu seinem Freund, welcher bereits am Bettrand saß. „Mach dir um mich keine Sorgen, Jamie“  
Mit nackten Füßen bewegte sich Elliot aus der Schlafkoje in den schmalen Gang der großen Halle. Bekleidet mit seiner Schlafkleidung, bestehend aus einem ausgewaschenen, weißen Shirt und einer Dreiviertellangen Jogginghose ging er die verworrenen, engen Gänge entlang. In der Halle befanden sich ausschließlich die Schlafräume der Abteilung C, welcher auch Elliot sowie Jamie angehörten. Die Kojen waren jeweils mit zwei Betten und einem Kleiderkasten ausgestattet, welcher ausschließlich einheitliche, weiße Kleidung für alle enthielt. Die Wände der einzelnen Kojen waren nur etwa 1,5 Meter hoch, hatten weder eine Decke, noch Türen.
Zielsicher bahnte sich Elliot leise den Weg über die kalten Bodenfliesen, ehe er am anderen Ende der Halle angekommen war. Mit einem sachten Lächeln im Gesicht erblickte er in einer der Kojen die Person, die er gesucht hatte. In der Dunkelheit konnte man nur eine leise atmende, schlafende Gestalt erkennen, dennoch war sich Elliot sicher, dass er hier genau am Richtigen Ort war. Immerhin kannte Elliot diese Person schon sein ganzes Leben lang, sie waren gemeinsam in dieser Institution aufgewachsen.
Behutsam setzte er sich auf das Bett, musterte kurz die Umrisse seiner weichen Gesichtszüge und verfolgte die ruhigen Atemzüge. Die schwarzen Haare hatte er zu einem Dutt gebunden, einzelne Haarsträhnen lagen allerdings wirr im Bett. Elliot wusste, war Levi erst einmal eingeschlafen, gab es nichts mehr, was ihn so schnell wieder aufwecken würde. Er tippte ihm dennoch kurz auf die Schulter und flüsterte ihm leise zu. „Hey Levi..“
Ein kurzer Augenblick verstrich, als Levi kein Wort von sich gab und sich Elliot neben ihn in das Bett lag. Instinktiv schien Levi etwas weiter zur Seite gerückt zu sein, damit Elliot genug Platz hatte und es sich bequem machen konnte.
Für Elliot war Levis Nähe zu spüren die einzig Art und Weise, sich wieder zu beruhigen und seine Gedanken und Bedenken wieder in den Hintergrund drängen zu können. Es war der Einzige Ort, an dem Elliot sich wirklich Wohl und sicher fühlen konnte.
Eine angenehme Ruhe erfüllte den Raum, er vernahm immer wieder die sachten Atemzüge Levis, welche ihn zunehmend beruhigten. Die wohlige Wärme, die von Levis Körper ausging umschmiegelte sanft seine Haut wie Watte, verlieh ihm ein angenehmes Gefühl von Geborgenheit und Wohlsonnen. Elliot atmete einmal tief ein und aus als die negativen Erinnerungen immer weiter in den Hintergrund rückten. Mit jeder weiteren verstrichenen Sekunde wurde Elliot ruhiger, jeder Muskel in seinem Körper entspannte sich zunehmend. Elliot schloss die Augen, genoss die Ruhe und nach nur wenigen Minuten segelte sein Verstand langsam wieder in das Land der Träume und der unendlichen Möglichkeiten.


Ein überaus lauter, alarmierender Signalton hallte so früh am Morgen durch die Räume, dass die gesamte Abteilung auf einen Schlag unsanft aus ihren Träumen gerissen wurden. Auch der sonst so tief schlafende Levi schreckt auf und saß innerhalb einer Sekunde Kerzengerade in seinem Bett. Aufgeschreckt blickte er sich hektisch um, doch nach nur wenigen Sekunden verstand er, wieso der Alarm durch die Hallen raunte.
Levi entspannte seine Körperhaltung wieder und zog etwas skeptisch eine Augenbraue in die Höhe, als er Elliot erblickte, welcher ruhig und gelassen neben Levi im Bett lag und sich ausgiebig streckte. Er setzte sich auf, strich sich einmal kurz über sein Gesicht und murmelte anschließend ein verschlafenes „Guten Morgen“.
Es dauerte keine weitere Sekunde mehr, ehe auch schon 3 Männer in Uniformen in der Koje angekommen waren, in der Hand trug jeder von ihnen eine Waffe. Sie blickten Elliot streng entgegen, die Waffen griffbereit. „Fuza, zurück in deine Koje!“
Der Mann schrie und wirkte überaus genervt, als er die Worte aussprach. Die Meisten der Männer trugen eine Art Schutzmaske, doch einer von ihnen schien dies für unnötig zu halten. Er war groß, hatte muskulöse Arme und blonde Haare. Er hatte recht weiche Gesichtszüge, legte allerdings immer die Stirn in Falten und hatte einen befehlerischen, strengen Ton. Auf Elliot wirkte er etwas einschüchternd, zum anderen aber auch vertraut, denn er war einer der Wenigen, die Elliot regelmäßig zu Gesicht bekam.
Es war nicht das erste Mal gewesen, dass Elliot sich in der Nacht in Levis Bett geschlichen hatte. Bei der morgendlichen Zählung wurde dann jedes Mal der Alarm ausgelöst, nach Elliot gesucht und ihn zurück gebracht. Für Elliot hatte Handeln wie dieses kaum Konsequenzen, weswegen er sich immer von seinen Gefühlen leiten ließ. Würde eine andere Person so handeln wie Elliot es tat, würden vermutlich die schlimmsten Befürchtungen und Vorstellungen dieser Person wahr werden.
Die Männer zerrten Elliot ungeduldig mit sich durch den Gang, luden ihn in seiner Koje ab und verschwanden anschließend ziemlich schnell wieder.
In seiner Koje angekommen, setzte sich Elliot auf sein Bett und streckte sich erneut, als er in das belustigte Gesicht seines Freundes sah, welcher den Kopf schüttelte und leicht grinste. „Du bist einfach unverbesserlich“
Elliot blickte auf und konnte ein sachtes Grinsen auf seinen Lippen nicht unterdrücken, als er Jamie antwortend entgegen Blickte.
Wenige Minuten sprachen die beiden kein Wort, beide hatten sich in ihre Betten gelegt und die Augen geschlossen, die Ruhe und den momentanen Frieden genießend. Erst nach einer kurzen Weile ergriff Jamie erneut das Wort. „Und?“ fragte er, als er den Kopf zu Elliot drehte. „Was denkst du, steht heute für uns auf den Plan“
Elliot blickte seinem Freund entgegen, stand anschließend von seinem Bett auf und begann damit, kleine Runden in der Koje zu drehen. „Da muss ich nicht lange überlegen“ sagte er monoton, wissend, sein Freund würde die Antwort sowieso bereits kennen.
Jeden Morgen kam der Arzt der Abteilung in Begleitung von einem der Aufseher in jede Koje, um zu berichten, in welche Phase die einzelnen Insassen eingeteilt wurden.
Jeder, der Insassen hatte persönliche Fähigkeiten, welche über der Natur standen und geradezu unnatürlich waren. Jede Fähigkeit war einzigartig und individuell, sodass es sich diese Organisation zur Aufgabe gemacht hatte, die einzelnen Fähigkeiten zu reizen, zu analysieren und zu verstärken. Hierfür diente die Versuchsphase, in welcher die Menschen wie wertlose Laborratten behandelt wurden. Da die Experimente sehr oft Kräftezehrend und unmenschlich waren, gab es die Erholungsphase, damit die einzelnen Subjekte nicht an Erschöpfung und Krankheit starben. Manch einer wurde zwischendurch auch in die Arbeitstherapie eingeteilt und konnte in der Küche helfen, in der Wäscherei beschäftigt sein oder das Gebäude reinigen.
Elliot war schon seit Jahren mit Experimenten verschont worden, den Grund dafür kannte er jedoch nicht. Schon seit Jahren hatte sich eine Vermutung in seinen Gedanken breit gemacht, dennoch hatte er diese immer wieder verdrängt.
Jamie wurde genauso wie Elliot, meistens in die Arbeitstherapie eingeteilt, nur selten teilte man ihn die Versuchs- oder Erholungsphase ein.

Es dauerte nur wenige Minuten bis der Arzt der Abteilung, begleitet von einem der Aufseher damit begann, von Koje zu Koje zu gehen. Er erschien beinahe jeden Tag, um sich ein persönliches Bild von seinen Versuchsobjekten zu machen. Der Mann hatte graue, kurze Haare, strenge Gesichtszüge und einen selbstgefälligen, zufriedenen Blick. Auf seinem Kittel war der Name „Dr. Ito“ eingestickt.
Elliot wusste, dass er früher von ihm gefoltert wurde, seine Erinnerungen daran waren allerdings stark verblasst. Einzig und allein sein Körper schien sich noch an die Ereignisse zu erinnern, denn immer, sobald Elliot den Mann erblickte, stieg sein Puls ins unermessliche. Gefühle der Wut, Angst und Missachtung machten sich schlagartig in ihm Breit, sobald er nur die Stimme dieses Mannes vernahm.
Elliot konnte spüren, wie die Präsenz des Mannes immer Näher und näher zu kommen schien, bis er schließlich direkt vor den beiden stand. Er blickte erst kurz zu Jamie, ehe er Elliot musterte. Elliot wagte es nicht, den Mann ins Gesicht zu sehen, geschweige denn ein Wort zu ihm zu sagen. Stattdessen starrte er Stumm und wie in Trance auf den gleichmäßig weißen Fußboden.
„Arbeitstherapie“
Die Stimme Dr. Itos klang fast schon gelangweilt, als er sich schließlich umkehrte, um bereits zur nächsten Koje zu gehen. Als er bereits im Ausgang stand, hielt er nochmals inne und drehte sich zu Elliot um.
„Du kannst mir heute assistieren.“
Als er diese Worte an Elliot richtete, wirkte er hingegen amüsiert, ein vergnügtes Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab, als er den kleinen Raum verließ. Er hatte gar nicht erst auf eine Antwort Elliots gewartet, er wusste, Elliot würde es nicht wagen, ihm zu wiedersprechen.
Erst als der Mann weit genug entfernt war, atmete Elliot leicht zitternd tief durch, um seinem Körper wieder Herr zu werden und seinen Herzschlag zu regulieren.
Seit einigen Tagen wurde Elliot befohlen, Dr. Ito bei seiner Arbeit zu Unterstützen. Meistens wurde er dazu beauftragt, Geräte von Blut und anderen Substanzen zu reinigen. Elliot versuchte seinen Verstand während dieser Arbeit abzustellen, da er sich nicht vorstellen wollte, für was diese Geräte verwendet wurden und wer damit verletzt wurde. Die Arbeit beunruhigte Elliot nicht nur auf ethischer, sondern auch auf persönlicher Ebene. Die Alpträume waren seither schlimmer geworden, er machte sich Sorgen über die Zukunft. Was würde geschehen, wenn Dr. Ito ihm plötzlich befehlen würde, diese Geräte an anderen Menschen anzuwenden?
Erst als Jamie das Wort ergriff, schreckte Elliot aus seinen Gedanken. „Alles in Ordnung?“ wollte dieser mit leicht besorgter Stimme wissen. Sein Blick schien beunruhigt und etwas skeptisch.
Elliot strich sich kurz übers Gesicht, blickte seinem Freund anschließend starr entgegen und nickte. „Ja, mach dir keine Sorgen um mich“
Jamie war erst seit knapp 2 Jahren in dieser Institution, dennoch hatte er von Anfang an eine Gabe dafür gehabt, Situationen zu analysieren und Prognosen zu stellen. Meistens lag er mit seinen Vermutungen Richtig, sein Gespür hatte ihn bisher noch nie getäuscht. Eine weitere Eigenschaft Jamies war seine Neugierde, welche ihn auch dazu zwang, Elliot auszuforschen. Jamie war sich zwar ziemlich sicher, dass Elliot abblocken, oder das Thema wechseln würde, dennoch wollte er es versuchen.
Er beobachtete Elliot, wie dieser unruhig durch die Koje lief und wartete einen kurzen Moment, ehe er vorsichtig und bedacht die Frage in den Raum stellte. „Hast du eine Ahnung, was er von dir will?“
Elliot stoppte in seiner Bewegung, blickte Jamie für einen Moment eingehend, mit einem starren Blick entgegen, ehe er Stumm und mit leicht nachdenklichem Blick den Kopf schüttelte. Ohne auch nur eine weitere Sekunde zu verschwenden ging Elliot zum Kleiderkasten, schnappte sich eine frische Garnitur seiner Kleider und bewegte sich in Richtung Ausgang. „Ich geh duschen“
Mit schnellen Schritten verließ er die Koje, streckte aber nur wenige Sekunden später wieder den Kopf durch den Eingang, als er Jamie mit einem leichten Lächeln anblickte. „Wir sehen uns beim Frühstück“
Jamie schmunzelte etwas, als er nickte und sich etwas über seinen Freund wunderte. „Aber Klar“ antwortete er, kurz bevor Elliot wieder aus der Türe verschwand.
Review schreiben