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Stranger from the DARK 2

GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Adam / Jonas Kahnwald OC (Own Character)
01.10.2019
05.04.2020
8
20.229
1
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01.10.2019 2.393
 
Hallo zusammen, hier kommt, wie versprochen, die Fortsetzung von Stranger from the DARK. Wenn jemand die Serie mag und sich für die Story interessiert, wünsche ich viel Spaß beim Lesen und würde mich wie immer über das eine oder andere kleine Feedback freuen.




Kapitel 1: 2017

Hand in Hand gingen wir immer tiefer in den Wald hinein und ich wusste nicht, wohin mich diese Reise führen würde. Ich glaubte nicht an eine Höhle, schließlich kannte ich dieses Areal von Kindesbeinen an. Aber ich wollte den jungen Mann neben mir nicht enttäuschen, er wirkte so überzeugt von dem, was er erlebt hatte und inzwischen glaubte ich zumindest nicht mehr an eine geistige Verwirrung seinerseits.
Noch ein paar Minuten, dann würde ich – und auch er – Gewissheit haben.
Jonas wirkte aufgeschlossener und entspannter, seitdem wir aufgebrochen waren,. Er drückte meine Hand und lächelte mich sogar aufmunternd an.  „Vielen Dank, dass du mit mir kommst.“
Ein seltener Anblick in seinem sonst so traurig wirkenden Gesicht. Überhaupt trug dieser junge Mann zu viel Traurigkeit in sich, was mich zusätzlich dazu bewegte, diesen Weg mit ihm zu gehen. Auch wenn ich es nicht verstehen konnte, legte er mit dem Auffinden dieser Höhle die ganze Hoffnung in die Lösung seiner Probleme. „Sehr gerne“ erwiderte ich daher und schenkte ihm ein liebevolles Lächeln. Die Gedanken an letzte Nacht verursachten einen angenehmen Schauer in meinen Eingeweiden, auch wenn ich aufgrund des Altersunterschiedes von Gewissensbissen geplagt wurde. Allein die Tatsache, dass es von ihm ausgegangen war und niemand außer uns davon wusste, beruhigte mich und ließ die positiven Gefühle zu.

Plötzlich stoppte ich, was einen Zug an seiner Hand verursachte. Er blieb ebenfalls stehen und blickte überrascht zu mir zurück. „Was hast du?“ fragte er mit einem leichten Beben in der Stimme, das wohl auf die Sorge zurückzuführen war, ich könnte nun doch einen Rückzieher machen. Stattdessen überwand ich die zwei Schritte bis zu ihm und blickte in sein hübsches Gesicht. In seinen Augen lag neben der üblichen Trauer nun auch wieder Angst, die letzten Meter doch noch alleine zurücklegen zu müssen. Sanft strich ich ihm die blonden Strähnen beiseite, die über seinen Augen hingen und fuhr mit dem Daumen über seine Lippen. „Bitte versprich mir, dass du auf dich aufpasst, ganz egal was passieren wird.“
Ich sah ihn schlucken und er nickte langsam. Offenbar hatte er mit einer solchen Aussage nicht gerechnet und das Spiel der Gefühle in seinen Augen war unbeschreiblich.  Es war so viel in dem schönen Blau zu lesen und er zog mich sanft zu sich und legte seine Lippen auf meine. „Ich verspreche es“ murmelte er und begann einen zärtlichen Kuss, in den ich nur zu gerne mit einstieg, denn ich wusste nicht, wie viel Zeit uns noch blieb. Möglicherweise war mit dem Auffinden dieser Höhle – oder auch nicht – bereits alles vorbei. Er würde seinen Irrtum einsehen und sich auf den Weg begeben, der ihn zu mir geführt hat. Eine längerfristige Beziehung mit ihm war ein Hirngespinst, von dem ich Abstand gewinnen musste.

Langsam lösten wir uns voneinander und blickten uns noch einen Moment lang in die Augen. Ich spürte ein Brennen und hoffte, die Tränen zurückhalten zu können, die über mich kommen wollten. Seine Hand fuhr in meinen Nacken und er intensivierte den Kuss noch einmal, so dass ich leise seufzte.
Er musste spüren, wie verfallen ich seinen Zärtlichkeiten war, doch er blieb ernst, nutzte dies nicht im Geringsten aus oder machte sich einen Spaß daraus. „Ich brauche dich an meiner Seite“ flüsterte er mit geschlossenen Augen. Er sah mich als den Halt, den er gerade dringend benötigte und das erfüllte mich mit Freude, auch wenn ich nicht absehen konnte, wie lange das noch so sein würde. Schließlich begleitete ich ihn zu einem Ziel, von dem er überzeugt war, es in Kürze zu erreichen.
Noch einmal stupste seine Zunge gegen meine und umschlang sie zu einem zärtlichen Duell, bevor er sich wieder von mir löste und mir ein wunderbares Lächeln schenkte. Zuversichtlich drückte er meine Hand fester und ging weiter, er schien die Richtung genau zu kennen, in die er wollte.
Ein paar weitere Minuten gingen wir beinah schweigend nebeneinander her und meine Gedanken kreisten einzig und allein darum, wie viel Zeit mit mir diesem bezaubernden Menschen noch bleiben würde.

Das Zwitschern der Vögel begleitete unseren Weg, bis er diesmal plötzlich abrupt stehenblieb. Sofort fiel mir seine angespannte Körperhaltung auf und ich folgte seinem fast starren Blick, in den das Entsetzen zurückgekehrt war. Ich erschrak ebenfalls, denn vor mir tat sich der mannshohe Eingang zu einer dunklen Höhle auf.
Mitten im Wald, wie ich es nie vermutet hätte…
Hektisch sah ich mich um und hätte im Augenblick nicht sagen können, an welchem Ort wir uns befanden. Ein blauer Müllsack hing neben dem Eingang im Gestrüpp und erinnerte an die unsichtbaren Umweltsünder. Offenbar hatte er zielstrebig hierher zurückgefunden, während ich ihm durch meine Gedankengänge nur stumm gefolgt war.
„Von…“ meine Stimme wollte mir kaum gehorchen, „…von hier bist du gekommen?“ fragte ich, in den tief schwarzen Eingang blickend. Man erkannte nicht, was sich wenige Meter dahinter befand. Es wirkte, als starre von dort etwas zu uns zurück, das mit den Augen nicht zu erkennen war.
Jonas nickte und setzte sich langsam in Bewegung, doch ich blieb wie erstarrt stehen. Von dieser Höhle ging etwas Unheimliches aus und ich weigerte mich, auch nur einen Schritt darauf zuzugehen. Zudem erinnerte ich mich daran, was er mir über seine Zeitreise in Verbindung mit dieser Höhle erzählt hatte und mir wurde wieder bewusst, wie absurd diese Vorstellung war. Wenn er tatsächlich noch immer daran glaubte, dann musste ich ihm den Rücken kehren, bevor es gefährlich wurde.

Instinktiv wich ich einen Schritt zurück, entgegen der Richtung die er einschlug, woraufhin unsere Körper durch die noch immer verbundenen Hände in ihrer Bewegung gestoppt wurden. Überrascht blickte er zu mir zurück und ich erkannte die Gefühlsaufruhr in seinen Augen. „Hab keine Angst“ sagte er leise und hielt mich noch immer fest. „Du musst nicht mit mir kommen, aber ich dachte… du begleitest mich noch bis zur Abzweigung.“
Sein flehender Blick, während ihm wieder ein paar seiner dunkelblonden Haarsträhnen über die Augen hingen, ging mir sehr nah und ich schwankte zwischen der Sorge einer Geistesschwäche seinerseits sowie der Faszination, die von ihm ausging. „Was erhoffst du dir denn?“ wollte ich wissen.
Er schluckte und sah mich fest an. „Ich reise ins Jahr 1987 zurück, verhindere, dass mein Vater als kleiner Junge entführt wird. Und dann komme ich zurück.“ Er lächelte voller Zuversicht. „Es ist ganz einfach.“
Erneut wich ich einen Schritt zurück. Er war also nach wie vor geistig verwirrt, obwohl er zeitweise überhaupt nicht so wirkte. Aber das war schließlich das Gefährliche an solchen Menschen; wenn man ihnen vertraute, begab man sich in Gefahr. Andererseits war ich erfahrener als er und wollte ihn nicht einfach so seinem Schicksal überlassen.
Was sollte schon passieren, wenn ich ihn ein Stück hineinbegleitete?

Wir könnten die Taschenlampen unserer Handys benutzen und wenn er feststellte, dass es keine Zeitreise gab, dann gingen wir einfach wieder hinaus und womöglich war das ganze Problem schneller gelöst, als wenn ich hier noch lange zögerte. „Also gut“ sagte ich schließlich, „gehen wir bis zu dieser Abzweigung. Aber ich will mich keinesfalls da drin verlaufen.“
„Das wirst du nicht, ich kenne diese Höhle gut.“ Er streckte mir seine Hand entgegen, doch bevor ich sie erneut ergriff, zog ich mein Mobiltelefon aus der Tasche und schaltete das Assistenzlicht ein. Ohne Licht würde ich keinen Fuß in diese Finsternis setzen.
Direkt vor dem Eingang schlug uns kalte, muffige Luft entgegen, als ob das, was dahinter lag, Jahrtausende alt wäre. Mit einem mulmigen Gefühl setzte ich einen Fuß vor den anderen, während Jonas viel zielstrebiger voran wollte. Unsicher warf ich einen Blick zurück und sah das Licht des Eingangs schnell kleiner werden. Unbewusst klammerte ich mich fester an seine Hand, denn von dieser Höhle ging eindeutig etwas Unheimliches aus und ich fragte mich, warum ich von ihrer Existenz nichts wusste.
Ich vernahm seinen beschleunigten Atem und spürte die Aufregung, die zweifellos auch in ihm tobte.
Erhoffte er sich wirklich eine Reise durch die Zeit?
Ich konnte es nicht begreifen und verkniff mir ein Kopfschütteln.

Plötzlich blieb er abrupt stehen und ich wurde aus meinen Gedanken geholt. Ein leises Grollen war zu hören und ich schmiegte mich etwas näher an ihn. Es war gruselig hier drin und ich spürte den Drang, hinauszurennen. Um uns herum herrschte absolute Dunkelheit, nur das Licht unserer Handys erhellte den Bereich vor uns. Wir standen vor einer V-förmigen Weggabelung. Jonas hatte zumindest in diesem Punkt recht gehabt, diese Abzweigung existierte, doch wohin führte sie? Ich vermutete, auf zwei unterschiedlichen Wegen wieder hinaus aus dieser Höhle. Mir war egal, welchen wir nahmen, Hauptsache, wir konnten diese kalten und erdrückenden Gemäuer schnell wieder hinter uns lassen.
Er drehte sich zu mir um und lächelte siegessicher. „Es ist ganz einfach, beim letzten Mal bin ich rechts gegangen, deshalb muss ich jetzt nach links. Rechts geht es in die Zukunft und links in die Vergangenheit.“
Nun schüttelte ich doch mit dem Kopf, denn das klang alles völlig absurd. „Aber du warst doch so aufgelöst, als du bei mir aufgekreuzt bist und hast etwas davon gemurmelt, dass es immer 33 Jahre sein müssen?“ stellte ich in Form einer Frage fest.
„Das war wohl nur ein kleiner Irrtum, dass es drei anstatt dreiunddreißig waren. Ich komme eigentlich aus dem Jahr 2020, das ist nicht so weit entfernt.“

Skeptisch blickte ich ihn an und richtete den Strahl meiner Handylampe in sein Gesicht, was ihn geblendet die Hand vor die Augen halten ließ. Sogleich senkte ich den Lichtstrahl wieder und entschied mich in dieser Sekunde dafür, ihn diesen Weg nicht alleine gehen zu lassen. Aufgrund seiner zum Teil wirren Äußerungen trug ich Sorge, dass er sich alleine in diesen Gängen verirrte. Was, wenn er stolperte, sich den Kopf stieß oder mit dem Fuß umknickte? Zu zweit waren wir da besser gewappnet und da ich das Hirngespinst mit der Zeitreise keine Beachtung mehr schenken wollte, sagte ich überzeugt: „Ich möchte dich durch diese Höhle begleiten.“
Mit großen Augen sah er mich an. „Aber… das musst du nicht, du gehörst in diese Zeit und ich möchte nicht, dass du sie für mich verschwendest. Ich bleibe auch nicht lange, wenn ich meinen Vater gerettet habe, komme ich zurück… zu dir.“ Zuversichtlich lächelte er und hauchte mir einen zärtlichen Kuss auf die Lippen, doch ich musste aufgrund der Unsinnigkeit seiner Worte ein spontanes Aufschluchzen unterdrücken. Er war ein noch so junger und wundervoller Mensch, der nicht von einer Geisteskrankheit befallen sein sollte. Anstatt hier in einer dunklen Höhle nach einem Portal zu suchen, das nicht existierte, sollte er lieber mit seinen Freunden auf Partys gehen und sich ein Mädchen in seinem Alter anlachen. „Jonas, du bist ein so wunderbarer Mensch, bildhübsch und so liebevoll, weshalb…“ ich versuchte, meine Worte mit Bedacht zu wählen, „…weshalb versuchst du nicht, deine Probleme auf eine andere Weise zu lösen?“
Nun spiegelte sich erneut Enttäuschung in seinen Augen und es kehrte die altbekannte Traurigkeit zurück, die da nicht hingehörte. „Weil es keinen anderen Weg gibt.“

Ich schluckte, sah ihm tief in die Augen und beschloss, nicht mehr weiter darauf einzugehen. In diesem Punkt würden wir keine Einigkeit erreichen. Doch mein Entschluss, ihn in diesem Zustand nicht alleine gehen zu lassen, stand fest. Fest drückte ich seine Hand und sagte: „Ich begleite dich!“
Es lag so viel Gefühl in seinem Blick, mit dem er mich gerade bedachte. Dankbarkeit, Vertrauen und auch eine tiefe Liebe waren darin zu lesen. Etwas, das mich zutiefst berührte und ich wusste, dass ich bereits mehr für ihn empfand als ich eigentlich sollte.
Schweigend wählten wir die linke Abzweigung und gingen Hand in Hand weiter. Das Gestein unter mir versprühte eine Kälte, die von der Kleidung nicht abgehalten wurde. Sie drang in unsere Körper ein und schürte eine Angst in mir, wie ich sie nicht kannte. Dennoch erwähnte ich davon nichts, um ihn nicht zu verunsichern.
Nach ein paar Minuten versperrte uns eine eiserne Tür den Weg. Jonas schien damit gerechnet zu haben, denn er griff zielstrebig nach dem Hebel auf der linken Seite und drehte ihn. Mir war nicht wohl bei der Sache, als das alte Eisen beinah leicht nach hinten aufschwang. Dahinter war wieder nichts als Dunkelheit zu sehen und mein Instinkt warnte mich erneut davor, weiterzugehen. Doch ich hatte es ihm versprochen und so duckten wir uns, um durch die Öffnung zu passen und gingen auf der anderen Seite weiter, dem Strahl unserer Handybeleuchtung folgend.

Hinter uns fiel die Tür lautstark ins Schloss zurück, so dass wir zusammenzuckten. Der Weg zurück war nun also versperrt und wir konnten nur noch nach vorne gehen. Panik wollte sich in mir ausbreiten, als uns weiterhin nichts als Dunkelheit umgab und nur unser aufgeregter Atem zu hören war. Wer wusste schon, wie tief wir in dieses Labyrinth vordrangen. Die Chance war groß, dass wir uns verliefen und nicht mehr herausfanden, auch wenn der junge Mann an meiner Seite sich seiner Sache offenbar sicher war, denn er ging zielstrebig weiter voran.
Kurz darauf tat sich vor uns endlich ein Lichtschein auf, der einen Ausgang verriet. Nun wurden auch meine Schritte automatisch schneller und nach wenigen Minuten erreichten wir tatsächlich einen Ausweg aus dieser Höhle. Wir traten ins Freie und blickten uns nach allen Seiten um. Es sah beinahe genauso aus wie auf der anderen Seite, wir waren nur ein Stück weiter in den Wald eingedrungen.
Erleichtert und auch ein bisschen stolz darüber, dass ich Recht gehabt hatte, fasste ich meinen Begleiter aufmunternd an der Schulter um ihm zu sagen, dass wir uns nun außenherum wieder auf den Rückweg begeben konnten, und zwar außerhalb der Höhle.
Doch da ließ mich ein Geräusch in der Bewegung innehalten.

Wir blickten beide nach oben und sahen durch die lichten Baumkronen ein Flugobjekt, wie zumindest ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Es glich weder einem Flugzeug, noch einem Hubschrauber und rauschte in Sekundenschnelle über uns hinweg.
Eine Drohne?
Entgeistert blickten wir diesem Objekt nach und erkannten in der Ferne feine Rauchschwaden, die von irgendwoher in den trüben Taghimmel aufstiegen. Die Sonne war verschwunden und plötzlich drehte sich Jonas zu mir um, bedachte mich mit einem völlig entsetzten Blick, der mich erstarren ließ.
„Wir sind nicht in der Vergangenheit“ sagte er leise aber zutiefst überzeugt, „… wir sind in der Zukunft.“



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