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OneshotLiebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Momoi Satsuki
01.10.2019
01.10.2019
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Geneigter Leser!
Vielen Dank, dass Du Dich für diese Geschichte entschieden hast. Möge sie Dich unterhalten und zu Fanfictions, Fan-Arts und Tagträumen inspirieren.
Ich begrüße besonders herzlich all jene Leser, denen meine anderen Geschichten bereits gefallen haben. Vielen Dank für den regen Zuspruch!
Natürlich seien auch alle Neueinsteiger aufs Herzlichste begrüßt!

Hinweis:
Die auftretenden Charaktere gehören nicht mir, sondern Fujimaki Tadatoshi, ich habe sie mir nur ausgeliehen und für meine Zwecke missbraucht. Ich verdiene mit dieser Fanfiction kein Geld.
Ähnlichkeiten zu sonstigen realen sowie fiktiven Personen oder Vorkommnissen sind zufällig. Das Kopieren und Verbreiten dieser Fanfiction ohne Genehmigung des Autors ist untersagt.
Es handelt sich bei dieser Geschichte um reine Fantasie, deshalb sind einige Fakten aus dem Original abgeändert worden. Die Namen der auftretenden Charaktere richten sich nach der japanischen Reihenfolge, beginnend mit dem Familiennamen und gefolgt vom Eigennamen. Teile der Geschichte können auf Anfrage gern weiter verwendet werden.

Meine Anime-Empfehlung:
Ich möchte den Anime „Hetalia“ empfehlen. Einzuordnen in das Genre Comedy und Historisches handelt dieser Anime auf Grundlage des gleichnamigen Web-Comics und Mangas von den Ländern und Staaten der Welt, insbesondere von den Achsenmächten aus den Weltkriegen, die als Menschen dargestellt werden, und von ihren tatsächlichen gegenwärtigen und historischen Beziehungen untereinander, überwiegend auf satirische Weise.
Der Manga „Hetalia Axis Powers“ umfasst – erschienen in Deutschland – 6 Bände, „Hetalia World Stars“ umfasst bisher 4 Bände und wird fortgesetzt.
Der Anime umfasst bislang insgesamt 6 Staffeln unter den Titeln „Hetalia Axis Powers“ (52 Episoden), „Hetalia World Series“ (48 Episoden), „Hetalia The beautiful world“ (20 Episoden) und „Hetalia The world twinkle“ (15 Episoden) zu jeweils 5 Minuten pro Episode plus mehrere Specials.
Wer sich für die klischeebehaftete, parodierte und leicht verständlich erklärte Geschichte der großen Weltmächte interessiert, dargestellt mit entzückenden Charakteren, ist bei „Hetalia“ genau richtig.



Followed


Touou Gakuen war eine besondere Ehre zuteilgeworden: Die Basketballmannschaft der japanischen Oberschule wurde zu einem Freundschaftsspiel nach Amerika eingeladen. Offenbar hatte sich der gute Ruf von Touou inzwischen herumgesprochen. Laut des aufgeregten Schuldirektors, der dem Team diese Neuigkeit mitteilte, wollte man die japanischen Oberschüler auf die Probe stellen und man hatte wohl ein amerikanisches Team zusammengetrommelt, das ihnen überlegen sein sollte.
Von so einer Kampfansage ließen sich Basketballspieler natürlich nicht einschüchtern, sondern vielmehr motivieren. Es war eine helle Freude für das Lehrpersonal zu sehen, wie enthusiastisch die Jungen in den nachfolgenden Monaten trainierten. Man musste sie teilweise sogar zügeln, damit sie ihre übrigen Pflichten nicht vergaßen.
Imayoshi konnte nicht zufriedener mit seinem Team sein. Alle Clubmitglieder nahmen am Training teil und verausgabten sich, selbst Wakamatsu hatte keine Gelegenheit mehr dazu, sich über Aomines Fehlverhalten zu ereifern. Ja, das Ass von Touou Gakuen war auch mit dabei und spielte verbissen. Dass niemand gegen ihn ankam, lag auf der Hand, denn in seinem Umfeld gab es nur wenige Rivalen, die ihm wirklich alles abverlangten. Aomine durfte außerschulisch mit Kagami von der Seirin-Oberschule spielen, wenn er dem obligatorischen Training an der Touou aktiv beiwohnte. Der Dunkelblauhaarige hatte geknurrt und mit den Zähnen geknirscht und sich schließlich verpflichtet. Kagami hatte natürlich auch nichts dagegen einzuwenden, sich mit Aomine zu messen.

Der Tag des Abflugs rückte schneller heran, als man befürchtete. Der Schuldirektor hatte das Basketballteam inklusive Momoi als die Managerin und einem Aufsichtslehrer am Schultor verabschiedet, sich den Schweiß von der glänzenden Stirn wischend. Die Jungen durften Touou Gakuen keine Schande bereiten! Sie schworen es.
Das Flugzeug war riesig. Aomine gab sich nach außen wie üblich gelangweilt und unbeeindruckt, doch ein solches Fahrzeug – wenn man so sagen konnte – hatte er in diesem Ausmaß noch nie gesehen. Das Ding sollte fliegen können? Im Fernsehen sah es irgendwie nicht so überwältigend aus… Eine leichte Panik überkam ihn und Momoi war ein wenig damit überfordert, ihn vorwärtszuschieben. Es behagte dem Ass nicht sonderlich, in dieses Gefährt oder was auch immer einzusteigen. Er hatte es nie sonderlich ernstgenommen, wenn mal wieder irgendwo ein Flugzeug abgestürzt war, doch jetzt… fürchtete er sich plötzlich ganz gewaltig. Er wollte am Leben bleiben und noch einige Basketballspiele erleben. Tot ging das wohl schlecht…
Das Team bemühte sich, ihm beruhigend zuzureden, was offenbar nicht zu ihm durchdrang. Imayoshi legte ihm eine Hand auf die Schulter und Wakamatsu stand bereit, seine andere Seite zu packen. Als sich abzeichnete, dass Aomine sich sträuben würde, wurde Susa als dritter Mann hinzugezogen und Sakurai sollte für eine Gasse sorgen, damit ihnen keine Passanten oder andere Fluggäste die Arbeit erschwerten. Mit Ziehen und Zerren gelang es der Mannschaft von Touou Gakuen, eine maßstabsgetreue Bleistatue namens Aomine ins Flugzeug zu verfrachten – direkt neben seinen Klassenkameraden Sakurai und – für den Fall eines Aufstands – auf seiner anderer Seite Imayoshi. Sie schnallten ihn an und behielten ihn im Blick. Das Ass war völlig erstarrt.

Nach ungefähr einer halben Stunde unbehaglichen Schweigens im Flugzeug löste sich Aomines Anspannung sichtlich und er fing an zu reden, was Imayoshi und Sakurai gleichermaßen für eine erhebliche Besserung hielten. Vermutlich musste er sich selbst zur Besinnung zwingen und hatte einen harten inneren Kampf ausgetragen.
„Flugzeuge!“, sagte er und den verschreckten Sakurai hätte es nicht gewundert, wenn er auf den Boden gespuckt hätte. „Flugzeuge! Welcher Idiot hat die denn erfunden? War dem zu langweilig?“
„Womit würdest du denn deine Zeit gern verschwenden, Aomine-kun?“, hakte Imayoshi mit seinem merkwürdigen falschen Grinsen nach.
Sakurai und Aomine wussten inzwischen, dass Imayoshi es nicht immer so böse meinte, wie er sich gab. Das lag auch ein Stück weit an seiner Herkunft, denn er stammte aus Osaka. Leute aus Osaka sprachen eben ein bisschen anders. Diesmal war es wohl eher beruhigend gemeint.
Aomine sah ihn überrascht an, schließlich hatte er so eine Frage nicht erwartet. Auch Sakurai brachte einen verdutzten Blick zustande, denn ihm schien rein gar nichts einzufallen, was man in seiner Freizeit sonst so tun könnte – außer natürlich Basketball zu spielen.
Für den Rest des Fluges verfiel Aomine in Schweigen und erfüllte kurz darauf das gesamte Flugzeug mit seinem Schnarchen. Imayoshi hatte sich bereits alles Mögliche in die Ohren gestopft, doch es half nichts, also bat er Wakamatsu, mit ihm zu reden, da Wakamatsus Stimme jedes Geräusch übertönte. Sakurai betrachtete seine Teamkollegen mit Amüsement und wandte dann seinen Blick zum Fenster hinaus.
Durch die Zeitverschiebung kam ihnen der Morgen unendlich lange vor, sodass sie mit knurrenden Mägen, die lautstark nach einem Mittagessen verlangten, in San Francisco landeten. Das Essen erledigten sie auf ihrem Weg ins Hotel, in dem sie für die kommenden zwei Wochen untergebracht waren. Nicht einmal Momoi wollte das Risiko eingehen, mit einem Haufen ausgehungerter Sportler stundenlang durch die Gegend zu fahren. Es könnte Tote geben.
Im Hotel angekommen gab es das nächste Problem, das sich auf jedem Ausflug stellte: die Zimmeraufteilung. Sakurai zitterte nervös, denn bisher hatte sich noch niemand über die Zimmeraufteilung geäußert, aber irgendwie wollte er so gern... Er wollte so gern mit Aomine auf ein Zimmer. Das laut zu sagen getraute er sich nicht, womöglich schmiss man etwas nach ihm und er musste sich dafür wieder hunderte Male entschuldigen. Aber wenn niemand anderes wollte... Vielleicht hatte er dann eine Chance!
„Also Jungs, zur Zimmeraufteilung“, sagte Momoi und zückte einen Stift, mit dem sie auf ihr Klemmbrett klopfte. „Wer mit wem?“
„Drück dich bitte nicht so zweideutig aus, Satsuki“, warf Aomine gähnend ein.
Anscheinend hatte er den Flug besser überstanden als erwartet. Nach einem kurzen Austausch mit Sakurai und Imayoshi kurz vor der Landung hatte er zugegeben, dass Fliegen ziemlich aufregend war, ähnlich wie Achterbahnfahren. Die Luftlöcher und die Turbulenzen über dem amerikanischen Kontinent hatten ihm hin und wieder ein Lachen entlockt, während seine Teamkollegen sich krampfhaft an ihren Sitzen festgehalten hatten.
Momoi ignorierte ihn.
„Ich werde ganz sicher nicht mit ihm ein Zimmer teilen“, sagte Imayoshi sofort und deutete auf Aomine. „Wenn der immer so schnarcht, krieg ich kein Auge zu, also dankend abgelehnt!“
Bei näherer Betrachtung der Umstände wollte plötzlich überhaupt niemand mit Aomine auf ein Zimmer. Sakurai zögerte noch einen Moment, bevor er aus der Menge heraustrat und gerade den Mund öffnete, um zu sagen-
„Gut, das hab ich mir schon gedacht, deshalb habe ich Zettel vorbereitet“, erklärte Momoi lächelnd.
Sie schüttelte sanft das Säckchen aus flauschigem rosa Stoff und hielt es jedem Mitreisenden unter die Nase. Grummelnd zogen die jungen Männer einen Zettel. Sakurai zog dreimal seinen eigenen Namen, bis er schließlich Wakamatsu erwischte, und neben all der Erleichterung der Übrigen heulte Imayoshi über sein Pech, dass er nun doch Aomines Schnarchen ertragen musste.
Oh, wie gern hätte Sakurai mit ihm getauscht. Aber das hätte wirklich komisch ausgesehen und er wollte niemanden in Verlegenheit bringen. Also nahm er sich zurück und sein Schicksal so hin. Wenigstens konnte er Aomine jeden einzelnen Tag viele Stunden lang sehen und mit ihm plaudern, was in dem Falle allerdings wohl bedeutete, dass er schweigend an Aomines Seite blieb, um auf ihn aufzupassen. Aomine, der ständig gähnte und dann wieder plötzlich sehr gespannt war, als sie ein Basketballspiel der amerikanischen Ligisten besuchten. Diese leuchtenden, freudestrahlenden Augen, dieses Lachen, diese Euphorie, dieser Spaß, den er ausstrahlte… Nicht nur Sakurai war erstaunt über diesen so völlig anderen Aomine.
Sie hatten einen sehr strengen Terminplan, der vorrangig daraus bestand, dass der Basketballclub von Touou Gakuen offiziellen Spielen ihrer Gastschule als Zuschauer beiwohnte. Die Freundschaftsspiele sollten erst in der zweiten Woche stattfinden. Bis dahin hatte man ihnen Gelegenheiten zum Trainieren gegeben. Die Sporthallen in Amerika waren ein klein wenig anders als die in Japan, deshalb reagierten die Jungs am Anfang etwas befangen. Doch kaum standen sie auf dem hell erleuchteten Spielfeld, fanden sie schnell zurück in ihre Form. Es war gut, dass sie sich darauf einspielen konnten. Und es war spannend, die wichtigeren offiziellen Spiele zu erleben, denn die Atmosphäre war eine ganz andere. Die Amerikaner waren sehr leidenschaftliche Fans, da passierte immer irgendetwas.
Nach diesen besuchten Spielen hielt es Aomine selten bei seinem Team, sondern er suchte nach einem Platz zum Basketballspielen. Manchmal allerdings, wenn die Touou-Akademie von einer der amerikanischen Mannschaften empfangen wurde, nutzte Aomine diese Begegnungen, um sich mit den Spielern zu messen. Meistens spielten sie tatsächlich einer gegen einen. Noch nie hatte Sakurai Aomine dermaßen enthusiastisch erlebt, so begeistert und frei. In dem Moment wusste er, dass er Aomine viel zu aufmerksam anstarrte und dass da noch etwas anderes in ihm, Sakurai, war...

„Ihr habt drei Stunden Zeit, bevor das Finalspiel der amerikanischen Nationalmannschaft startet, also bleibt bitte in euren kleinen Grüppchen zusammen, damit wenigstens einer von euch zurückfindet“, rief Momoi ihren Jungs ins Gedächtnis.
Mit einem leichtfertigen „Ja, ja“ verabschiedeten sich alle von ihr mit Ausnahme von Imayoshi, Sakurai und Aomine, die zusammen mit Momoi eine Gruppe bildeten. Imayoshi war leider dazu gezwungen, ihnen Gesellschaft zu leisten, denn erstens hatte er den besten Orientierungssinn und würde wahrscheinlich sogar von dieser vermaledeiten Insel herunterkommen, die ein Mann in der populärsten TV-Serie Amerikas nicht ein einziges Mal verlassen hatte, nachdem er dämlicherweise dort gestrandet war, und zweitens war sein Klassenkamerad und Studienkollege Susa Yoshinori mit seiner Freundin unterwegs. Der Basketball-Mannschaftskapitän konnte sich nur zu gut vorstellen, in welchen Straßen und Läden er schließlich mit einer Frau, egal welcher, enden würde. Doch viel besser hatte es ihn jetzt auch nicht getroffen, immerhin befand sich das Mädchen aller Mädchen, Momoi Satsuki, unter ihnen. Wenn die nicht ebenfalls mühelos jeden Juwelier- und Klamottenladen aufspürte wie ein Dackel seine davonhastende Beute auf der Jagd (das bezog sich sowohl auf die Treffsicherheit als auch auf die zeitliche Länge, die dabei in Anspruch genommen wurde), dann würde Imayoshi wohl anfangen, an sich zu zweifeln.
Aomine zweifelte offenbar bereits jetzt daran, dass dieser Nachmittag vergnüglich werden würde, denn er verschränkte seine Arme in einem dermaßen gelangweilten Winkel hinter seinem Kopf, dass selbst Sakurai von diesem Anblick müde wurde und gähnte, woraufhin er sich hastig entschuldigte. Aomine kannte Momoi schon ewig, deshalb wusste er, dass Imayoshi Recht hatte, auch wenn er dessen Gedanken nicht gelesen hatte. Ihnen stand der ausgiebigste und langweiligste Stadtbummel und Einkauf der Welt vor. Und außerdem würden ihre Portemonnaies um einiges leichter sein, bis sie zu diesem Basketballspiel gingen, denn Momoi lächelte verzückt, als plante sie, die Jungs ebenfalls neu einzukleiden. Es spielte dabei gar keine Rolle, dass Momoi das einzige Mädchen unter ihnen war, immerhin hielt sie das gesamte Team von Touou Gakuen mit Leichtigkeit unter ihrer Knute. Sie würden gehorchen wie dummtreue Hunde – und das wussten Aomine, Sakurai und Imayoshi. Nun galt es, ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Die erste Ladenstraße erschien ihnen meilenlang. In jedes einzelne Geschäft hopste Momoi mit übersprühender Begeisterung. Eigentlich hatte Aomine gedacht, dass die vorgegebene Zeit von begrenzten drei Stunden für gerade drei oder vier Läden reichte – weit gefehlt. Momoi zielte offenbar auf einen Blitz-Einkaufsrekord: Wer die meisten Läden in kürzester Zeit mit den meisten Tüten und Taschen verlassen konnte, hatte gewonnen. Am Ende stand der Sieger fest: Momoi Satsuki, aber das erfuhren die Jungs erst einen Tag später.
Beim achten Laden nach beachtlichen 25 verstrichenen Minuten knurrte Aomine unwirsch. Er weigerte sich, einen Fuß in die Umkleideabteilung für Frauen zu setzen. Das Gekreische hätte ihm beinahe das Trommelfell zerrissen und die Hände der ausgeflippten Weiber beinahe seine Klamotten. Falls Momoi plante, ihn auf diese Weise zu neuen Sachen zu verleiten, musste er sie leider enttäuschen. Sakurai hatte diesen Überfall mit großem Schrecken verfolgt und sich selbst in den Kampf gestürzt, um Aomine vor einer Entblößung oder Entjungferung zu retten, doch er wurde unsensibel ignoriert und aus dem Kreis gestoßen. Als Momoi sich gerade mit Imayoshi in die Haare bekam, dass er sie doch wenigstens begutachten könnte, schließlich hätte er als Student wesentlich mehr Sinn für Mode und Stil, trat Aomine eilig ein, zwei Schritte nach hinten, bevor er sich umdrehte und davonhetzte, um die nächste Ecke bog und dort weiterlief, bis er in einer völlig anderen Straße landete. Hier war es nicht so bevölkert, außerdem machte die Gegend einen leicht schäbigen Eindruck, aber das störte ihn keineswegs. Erleichtert darüber, Momois Folter entkommen zu sein, bemerkte er lange Zeit nicht, dass Sakurai ihm wie ein Schatten gefolgt war. Erst als er an einer Straßenkreuzung ankam und sich für keine Richtung entscheiden konnte, ertönte hinter ihm seine leise Stimme.
„Rechts entlang“, sagte Sakurai schüchtern.
Aomine wirbelte perplex zu ihm herum.
„Ah, sumimasen! Das war keine Absicht, Aomine-san!“, entschuldigte er sich auf der Stelle und verbeugte sich vor ihm.
„Wa...? Was machst du hier, Ryou?“
„Eh? Oh. Naja, wir sollten... lieber nicht allein in so einer großen Stadt voller Menschen herumlaufen“, erklärte Sakurai und wurde ein bisschen rot.
„Hm“, knurrte Aomine unzufrieden, steckte seine Hände in die Hosentasche und schlenderte entgegen Sakurais Hinweis geradeaus weiter. „Bist du mein Wachhund, oder was?“
Sakurai schwieg, denn Aomine erwartete keine Antwort darauf, sondern schritt ihm voraus. Niedergeschlagen ließ sein Teamkamerad den Kopf hängen, gleichzeitig folgte er dem Ass seines Teams in gebührendem Abstand.
Nach ungefähr zwei Stunden drehte Aomine sich erneut zu Sakurai um und präsentierte ein überzeugendes verlegenes Gesicht.
„Ähm... Wie spät ist es eigentlich, Ryou?“, wollte er wissen.
„Noch eine halbe Stunde, bis das Spiel anfängt“, antwortete Sakurai ruhig, als ginge es ihn überhaupt nichts an.
„WAS? Scheiße, wo müssen wir denn hin? Ich hab keine Ahnung, wo wir sind! Du etwa?“
Panisch rotierte Aomine ein paar Mal um die eigene Achse, bis Sakurai ihn am Arm packte.
„Ganz ruhig. Es hilft uns nichts, wenn wir jetzt durchdrehen, okay?“, beschwichtigte Sakurai ihn ernst. „Also... Ich weiß auch nicht, wo wir sind. Wollen wir einen Passanten fragen?“
Aomine beäugte die vorüberziehenden Menschen misstrauisch.
„Nah, ich kann eh nicht so gut Englisch. Lass es uns auf eigene Faust probieren“, sagte er.
„Aber Aomine-san!“, wandte Sakurai ein.
„Komm schon, ich glaube, wir müssen in diese Richtung“, rief Aomine schnell und zog Sakurai hinter sich her.
Keuchend rannten sie die Straßen entlang, immer weiter Richtung Norden – zumindest hielten sie es für den Norden. Aber ob sie wirklich nordwärts mussten, wussten sie beide nicht. Schließlich endeten sie in einer Sackgasse.
„Scheiße!“, fluchte Aomine. „Was jetzt?“
„Wir könnten... jemanden... anrufen“, schlug Sakurai atemlos vor, denn Aomine hatte ein atemberaubendes Tempo hingelegt, von dem er selbst nichts zu merken schien.
Aomine stieß sofort einen weiteren Fluch aus, dass er nicht selbst auf diese offensichtliche Lösung gekommen war. Als er aber endlich sein Handy aus der Jackentasche gefischt hatte, stellte er erneut fluchend fest, dass sein Akku den Geist aufgegeben hatte. Sakurai war untröstlich darüber, dass er dasselbe zu vermelden hatte.
„Mist, Mist, Mist!“, fauchte Aomine und fuhr sich verzweifelt durch sein dunkelblaues Haar.
„Sumimasen, Aomine-san“, hauchte Sakurai und machte sich ganz klein aus Angst davor, dass Aomine ausrasten würde vor lauter Gereiztheit.
Stattdessen schlang Aomine wahrscheinlich unbewusst einen Arm um Sakurais Schultern und rieb ihn ein wenig wie zum Trost. Sakurai erstarrte unter dieser Berührung.
„Keine Angst, wir werden schon Hilfe auftreiben, Ryou, mach dir keine Sorgen“, sagte der Größere und sah sich dabei immer wieder in der Gegend um, die plötzlich menschenleer geworden war.
Natürlich, denn das spektakuläre Spiel der amerikanischen Basketballnationalmannschaft fand in Kürze statt und das wollte sich niemand entgehen lassen! Auch Sakurai und Aomine nicht, aber sie irrten noch stundenlang verzweifelt durch die Stadt, die seltsam still und verlassen dalag.
Irgendwann blieb Aomine einfach stehen. Er schwitzte unter der sengenden Sonne, er hatte Durst und Hunger und Müdigkeit überfiel ihn aus dem Hinterhalt. Sakurai erging es ähnlich.
„Takku, ich habe nicht einmal genug Geld für ein mieses, kleines Hotel dabei“, ärgerte sich Aomine. „Und hast du ein Telefon gesehen?“
Sakurai schüttelte nur ermattet den Kopf und Aomine empfand Mitleid mit ihm. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er seinen Klassenkameraden auf grausame Weise viele Meilen in einem unerhörten Tempo durch San Francisco geschleift hatte.
„Gomen, Ryou, das war wohl zu viel für dich“, sagte Aomine und fuhr sich verlegen über seinen Nacken.
Sakurai, der keuchend auf seine Knie gestützt dastand, sah ihn von unten herauf an. Dann schüttelte er vehement den Kopf.
„Nicht doch, Aomine-san, ist schon gut. Ich muss mich entschuldigen. Hätte ich doch nur-“
„Du musst dich für gar nichts entschuldigen, schließlich war ich der Sturkopf von uns beiden. Es tut mir leid“, entgegnete Aomine. „Komm, gehen wir da lang, diesen Weg sind wir noch nicht gegangen.“
Schweigend gingen sie langsam die Straße entlang. Das Spiel hatte sicher längst angefangen und war wohl sehr bald vorbei, aber das beschäftigte sie in diesem Moment eher weniger. Als sie nach einer weiteren Stunde, in der es wegen des Sonnenuntergangs dunkel zu werden anfing, an das Meer gelangten, stöhnte Aomine entnervt auf.
„Na toll!“, rief er aus. „Ich wollte Wasser, ja, aber kein Meerwasser, verflucht noch mal!“
Resigniert ließ er sich ins Gras der Uferböschung fallen und blieb auf dem Rücken liegen. Sakurai setzte sich langsam und vorsichtig neben ihn. Er keuchte immer noch, was Aomine beunruhigte.
„Ryou, ist alles in Ordnung mit dir? Du schnappst förmlich nach Luft...“, sagte er und streckte eine Hand nach seinem Klassenkameraden aus. Wieso wusste er auch nicht.
Sakurai zuckte zurück und rückte von ihm ab. Verdutzt ließ Aomine seinen Arm sinken und starrte den ängstlichen und leicht zitternden Sakurai an.
„Ah! Es tut mir wirklich sehr leid, dass wir uns verlaufen haben, Ryou. Ich weiß, es ist meine Schuld, aber das ist doch noch lange kein Grund, sich so vor mir zu fürchten, oder?“, fragte Aomine und richtete sich auf.
„Sumimasen. Das... Das ist es nicht...“, flüsterte Sakurai und wandte mit rosigen Wangen das Gesicht von ihm ab. „Sumimasen.“
Nachdenklich kratzte Aomine sich am Kopf. Erwartete Sakurai etwa von ihm, dass er irgendwie Hilfe herbeizauberte, oder wie? Gut, die Schuld lag von Anfang an bei Aomine, aber andererseits hätte Sakurai ihm ja nicht folgen müssen! Wieso hatte er das überhaupt getan?
Doch Aomine war zu erschöpft, um darüber nachzudenken.
„A-Aomine-san“, sagte Sakurai nach einer Weile leise.
„Hm?“
„We-wenn du willst, kannst du gern schlafen. Ich werde aufpassen.“
„Huh?“
„Naja, es ist ja ziemlich dunkel jetzt und du hast nicht so viel Schlaf gehabt wie sonst“, murmelte Sakurai.
Mit „ziemlich dunkel“ hatte er definitiv untertrieben: Als hätte jemand im Keller das Licht ausgeknipst, so rabenschwarz war es mittlerweile um sie herum geworden. Nur auf dem Wasser schimmerte es in weiter Ferne bunt.
„Und was ist mit dir? Du musst doch viel erschöpfter sein als ich, Ryou“, wandte Aomine ein.
„Ach... ist nicht so wild. Schlaf ruhig eine Weile“, sagte Sakurai und klang dabei erstaunlich sanft, wie Aomine feststellte.
„Hm... Und du versprichst, dass du nicht wegläufst und mich hier nicht einfach so wortlos liegen lässt?“, vergewisserte Aomine sich.
„Nein, ich werde dich nicht zurücklassen, Aomine-san.“
Es klang fast so, als ob Sakurai lächelte, als er das sagte.
„Na gut. Aber wenn du die Augen nicht mehr offen halten kannst oder dich fürchtest, dann weckst du mich sofort, klar?“, befahl Aomine ihm.
„Mhm“, machte Sakurai.
„Gib mir deine Hand. Ich brauche einen Orientierungspunkt bei dieser Dunkelheit...“, verlangte Aomine und streckte seine Hand aus.
Er hörte Sakurai scharf Luft einsaugen.
„Ähm, äh... Ich halte das für keine gute-“
„Jetzt gib schon her!“, knurrte Aomine und Sakurai widersprach nicht mehr, außer seinem üblichen „Sumimasen“.
Sakurais Hand war warm und ein bisschen schwitzig, aber vor allem war sie unglaublich zart und sanft. Aomine spürte kaum, dass er sie festhielt, aber die langen, schlanken Finger und die Knochen des Handrückens, die spürte er ganz genau. Es überraschte ihn, wie fein und leicht und lieblich eine Hand sein konnte.
Sobald Aomines Schnarchen durch die Nacht über das Meer hallte, stieß Sakurai all seinen angehaltenen Atem aus. Seit Aomine nach seiner Hand verlangt hatte, war seine Körpertemperatur sprunghaft angestiegen, als hätte man ein Feuer in ihm entzündet. Er war so nervös, dass seine Handflächen schwitzten, und er wusste, dass Aomine es bemerkte. Stoßgebete schickte Sakurai in den Himmel, Aomine möge wenigstens nicht heute herausfinden, was er für ihn empfand!
Mit der Zeit gewöhnten sich Sakurais Augen an die Dunkelheit und er konnte schemenhaft ihre Umgebung ausmachen. Doch das interessierte ihn alles nicht so sehr wie Aomines schlafendes Gesicht. Es sah ruhig und friedlich aus. Kopfschüttelnd musste Sakurai lächeln. Aomine konnte wirklich immer und überall sofort einschlafen. Sakurai kämpfte gegen den Drang, durch Aomines Haare zu streichen, sein Gesicht zu berühren, seine Hand fester zu drücken, denn sonst würde der Größere aufwachen und unangenehme Fragen stellen. So leicht wie er einschlief, so leicht konnte man ihn auch wecken.
Es war nicht so, dass Sakurai Angst davor hatte, dass Aomine es herausfand. Vielmehr bereitete ihm seine ablehnende Reaktion Sorgen, denn er wollte nicht, dass Aomine sich von ihm entfernte. Selbst wenn das bedeutete, dass er auf ewig nur ein Freund für ihn sein durfte.
Klirrende Kälte stieg aus dem Boden und Sakurai fröstelte. Auch Aomine zuckte leicht, bis er die Augen öffnete und sich aufrichtete.
„Mh? Ah, ich erinnere mich... Unsere ausweglose Situation“, rekapitulierte Aomine schläfrig.
Als er sich ausstrecken wollte, bemerkte er Sakurais Hand in seiner und ließ sie eilig los.
„Ähm... Also, wie sieht’s aus, Ryou? Mach du auch für ein paar Minuten die Augen zu“, forderte Aomine ihn auf.
„Bist du dir sicher?“, fragte Sakurai zurück.
„Ja, ich fühl mich wieder munter, also, wenn du mir bitte den Gefallen tun würdest...“
Irgendwie schienen Aomine diese Worte nicht zu behagen, deshalb diskutierte Sakurai nicht lange mit ihm und legte sich auf die rechte Seite, dabei wandte er Aomine den Rücken zu. Eine reine Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass er wieder sehr lebendig von ihm träumte. Als er beim letzten Mal davon aufgewacht war, hatte er sich in einer sehr, sehr, sehr engen Umarmung mit seiner Bettdecke vorgefunden, die sogar seine Beine umklammerten, und sein Gesicht war hineingepresst, was ihn vermutlich geweckt hatte. Er erinnerte sich daran, was er in seinem Traum mit Aomine getan hatte...
Der Wind blies eine angenehm frische Brise über die Uferböschung hinweg, die Aomine begierig aufsog, aber dann bemerkte er, dass Sakurai zitterte. Eine halbe Stunde hatten sie dagesessen, Aomine neben dem schlafenden Sakurai, dem er aus purer Verlegenheit nicht die Hand angeboten hatte, und Aomines Gedanken fuhren Achterbahn mit ihm. Wieso war er sich Sakurais Nähe plötzlich so sehr bewusst? Stimmte es denn wirklich, dass sich Menschen in Krisenzeiten stärker zueinander hingezogen fühlten, weil ihre Emotionen in Aufruhr waren? Eh? W-wie kam er denn jetzt auf Emotionen zu sprechen?
Er sah hinunter auf den zitternden Sakurai und überlegte, was er tun könnte. Schließlich zog er leise raschelnd seine Jacke aus, die er den ganzen Tag getragen hatte, und beugte sich über seinen Klassenkameraden. Dieser machte kein friedliches Gesicht, wie es immer in irgendwelchen Geschichten beschrieben wurde. Aomine für seinen Teil hatte dann immer einen Toten vor Augen und konnte die Geschichte nicht mehr ernst nehmen. Nein, friedlich sah Sakurai nicht aus, denn seine Stirn lag in Falten und seine Augen waren krampfhaft zugekniffen. Alle äußeren Gliedmaßen hatte er frierend an seine Körpermitte herangezogen, doch offenbar wärmte ihn das nicht sehr.
Bevor Aomine seine Jacke sanft über Sakurai legte, fühlte er mit der Hand nach der Kälte des Bodens. Wie er vermutete, fror sein Teamkollege vorrangig aufgrund der vom Erdboden aufsteigenden Kälte. Das konnte er nur verhindern, wenn er ihn sorgfältig in seine Jacke einwickelte. Allerdings musste er dafür irgendwie Sakurais Körper anheben. Er atmete tief ein und aus, dann machte er sich langsam ans Werk: Er führte seine rechte Hand unter Sakurais Nacken, hielt mit der linken die Jacke fest, hob den Jungen vorsichtig an und zog die Jacke darunter. Dann ließ er Sakurai sachte wieder zu Boden und schloss die Jacke mit dem Reißverschluss. Bei diesem komischen Anblick musste Aomine losprusten: Sakurai sah nun aus wie eine Raupe. Leise lachend beugte Aomine sich erneut über Sakurai und sah ihm ins sorgenvolle, niedliche Gesicht. Er war wirklich süß, selbst wenn er nicht schlief. All seine Eigenarten zeichneten ihn aus und er war immer sehr fürsorglich Aomine gegenüber. Nachdenklich strich das Touou-Ass seinem Teamkameraden den Pony aus der Stirn. Verdammt, er war wirklich süß...!
Und er regte sich. Ein Schaudern überlief Aomine, als Sakurai die Augen öffnete und viermal blinzelte.
„A-Aomine-san!“, sagte er leise und lief feuerrot an, das konnte Aomine sogar trotz der Dunkelheit sehen.
Doch Aomine empfand diese Nähe zwischen ihren beiden Gesichtern plötzlich gar nicht mehr als unangenehm. Beinahe ewig starrten sie einander an, obwohl Sakurai am Anfang einmal den Blick von Aomine abwandte, weil er sich schämte.
„Warum bist du mir gefolgt, als ich unsere Gruppe verlassen habe?“, fragte Aomine leise und Sakurai huschte eine prickelnde Gänsehaut über den Körper. „Warum bist du mir gefolgt und hast mich nicht zu ihnen zurückgezerrt?“
Sakurai konnte bald die Sonne ersetzen gemessen an der Hitze, die allein sein Gesicht ausstrahlte. Er schwieg weiterhin eisern – oder verschüchtert.
„Wieso hast du dich nicht durchgesetzt und einen der Passanten nach dem Weg gefragt?“, fuhr Aomine fort, der scheinbar keine Antwort erwartete. „Warum hast du dich nicht ein einziges Mal darüber beschwert, dass ich zu schnell laufe?“
Nun rückte Aomine noch ein Stück näher an Sakurais Gesicht heran.
„Wieso bist du mir vorhin ausgewichen, hast dann aber meine Hand gehalten?“
Sakurai erzitterte unter der Flut an Emotionen, die ihn überwältigten und sich schließlich in Form von stillen Tränen die Bahn brachen. Aomine nahm zärtlich Sakurais Gesicht in seine Hände und sah ihm fest in die feuchten Augen.
„Ryou“, sagte er mit seiner tiefen, leisen Stimme und trieb Sakurai an den Rand des Wahnsinns damit. „Sag, bist du verliebt in mich?“
Das Schluchzen und Schniefen hallte leise durch die Nacht und erschreckte Aomine ein wenig.
„Su-sumimas-sen, Ao-mine-san“, stieß Sakurai tränenreich hervor. „Ich wollte nicht, dass du es so erfährst. Sumimasen.“
„Wie dann?“, hakte Aomine gnadenlos nach. „Wann und wie hättest du es mir gesagt, Ryou? Etwa an meinem Sterbebett? Mit derselben Heulattacke wie jetzt?“
Er klang ziemlich wütend, fand Sakurai, aber das verstand er durchaus. Mit dieser Reaktion hatte er schließlich gerechnet. Und diese Nähe zwischen ihnen, die diente auch nur dazu, dass Aomine Sakurais Augen besser sehen und daher beurteilen konnte, ob er ihn belog. Das hatte rein gar nichts Emotionales zu bedeuten!
In diesem Moment zerbarst am schwarzen Himmel eine Fuhre Feuerwerk und setzte die ganze abstruse Szene in buntes Licht und knallendes Donnern. Beide Männer schauten dem Spektakel eine Weile zu, bis Sakurai sich abwandte, aufrichtete und die Tränen abwischte – soweit es ihm in der Zwangsjacke möglich war. Dann schob er Aomine ein Stück von sich weg, der sich daraufhin umdrehte und ihn wieder zu Boden drückte.
„Wie es scheint, hat die amerikanische Basketballnationalmannschaft gewonnen“, sagte Aomine mit ernstem Gesicht.
Sakurai stand erneut vor einem Meer aus Tränen.
„Sumimasen, dass du meinetwegen das Spiel verpasst hast, Aomine-san!“, rief Sakurai verzweifelt. „Es tut mir so unendlich leid! Bitte verzeih mir!“
„Hoi“, sagte Aomine sanft, griff mit beiden Händen nach Sakurais Kopf, zog ihn zu sich heran und lächelte.
Und dann küsste er ihn so bedächtig, wie er nur im Stande war, sich zurückzuhalten. Sakurai hörte erschrocken mit dem Weinen auf und gab einige aufbegehrende Geräusche von sich.
„Was? Magst du das nicht?“, wollte Aomine verunsichert wissen.
„D-doch, aber... Sumimasen, aber du brauchst dich meinetwegen nicht dazu zu zwingen, Aomine-san“, haspelte Sakurai.
Aomine grinste.
„Fühlt sich das hier etwa so an, als wäre es ein Zwang für mich?“
Seine Lippen legten sich nun etwas drängender auf Sakurais Mund und machten kurz darauf der Zunge von Aomine Platz, die einen Spalt suchte, um in Sakurai einzudringen. Zaghaft öffnete dieser die Pforten und wurde sofort von ihr erobert. Durch seine eingeschränkte Bewegungsfreiheit konnte er Aomine nicht festhalten und streicheln, so wie dieser es mit ihm gerade tat. Aomine schloss Sakurai in seine starken Arme, drückte seinen Klassenkameraden an sich und steckte ihm die Zunge noch tiefer in den Hals. Sakurai kam sich vor wie im Himmel und genoss die Berührungen mit entspannt geschlossenen Augen, auch wenn Aomine ihn vielleicht in wenigen Stunden verleugnen oder hassen würde. Aomine betrachtete Sakurais Gesicht, das nun ganz friedlich aussah. Und er musste zugeben, dass es nicht wie das Gesicht eines Toten wirkte, sondern vielmehr wie das schönste Gesicht, das er jemals gesehen hatte! Das schönste und lieblichste und süßeste Gesicht, das liebende Gesicht Sakurais.
Gerade als Aomines Hände über Sakurais Körper wanderten, verdarb eine wahnsinnig laute und markante Stimme jede Romantik, die gerade erst entstanden war.
„WAAAAAAH!“
Wakamatsus Schrei, als er der beiden ansichtig wurde, hatte er doch geglaubt, ein schmusendes Liebespärchen erwischt zu haben – womit er nicht ganz falsch lag –, zerfetzte Aomines Trommelfell.
„Kyah, da sind sie!“, rief Momoi gleich nach ihm.
Alle redeten durcheinander: Was für ein Glück es wäre, sie endlich gefunden zu haben, wo sie gewesen wären, dass sie ein einmaliges Spiel verpasst hätten und wieso sie ausgerechnet hier herumlagen, mitten in der Kälte! Sakurai und Aomine schwiegen, ließen sich taub brüllen und mitschleifen zum Polizeiwagen, der ausgerückt war, um sie zu suchen, und versuchten Momoi mit wenigen Worten zu verstehen zu geben, was sie am dringendsten brauchten: etwas zu trinken, etwas zu essen und ein Bett. Momoi organisierte ihre Wunschliste so gut, dass sie, als sie beim Hotel ankamen, nur noch das Bett vermissten. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr stellte Aomine fest, dass es drei Uhr nachts war. Heute würde nicht mehr viel geschehen, aber trennen mochte er sich von Sakurai nicht.
„Ano, Imayoshi-senpai“, sagte plötzlich Sakurai schüchtern mit matter Stimme, dennoch mit einem entschlossenen Blick. „Wollen wir für heute nicht lieber das Zimmer tauschen, Imayoshi-senpai? Du wirst deinen Schlaf sicher auch brauchen...“
„Oh, aber mit Freuden! Von mir aus können wir es für den ganzen Rest des Aufenthalts dabei belassen!“, begeisterte sich Imayoshi für diesen Vorschlag, nur um Aomines Schnarchen nicht mehr zu ertragen.
Sakurai lächelte müde und ging mit Wakamatsu ins Zimmer, um sein Zeug grob zusammenzuraffen und zu Aomine ins Zimmer zu schaffen, während Imayoshi dasselbe unter Aomines Aufsicht tat. Nachdem sie gerade so ihre Zähne geputzt hatten, fielen Aomine und Sakurai erschöpft in die Betten, doch Aomine richtete sich noch einmal mühsam auf.
„Hoi, Ryou, komm her“, sagte er im Befehlston und klopfte neben sich auf die Matratze.
Sakurai erstarrte vor Schreck, bevor er Aomine auffordernd lächeln sah. Er nickte und setzte sich langsam zu Aomine. Der schlang ungestüm und mit letzter Kraft seine Arme um Sakurais Taille und riss ihn mit sich in die Waagerechte. Sakurais Nase hatte Aomines dunkelblaues Haar direkt vor sich und er konnte dem Drang nicht widerstehen, er musste einfach daran riechen.
„Riech ich gut?“, murmelte Aomine sehr schläfrig.
„... Hai“, hauchte Sakurai glücklich und umarmte Aomine am Hals.
„Gute Nacht, Ryou“, sagte Aomine noch leise und hörte nicht mehr Sakurais Worte:
„Gute Nacht, Aomine Daiki. Ich liebe dich.“
Dann fiel auch er in einen tiefen Schlaf.

In den kommenden Tagen fiel es Aomine und Sakurai sehr schwer, sich zu beherrschen und keine Andeutungen zu machen und zweideutige Berührungen zu offenbaren. Doch wenn sie abends erschöpft in ihr Zimmer zurückkehrten, fielen sie heiß über einander her und liebten sich leidenschaftlich mehrere Stunden lang. Ausgeruht sah anders aus, aber frisch wirkten sie beide am nächsten Morgen trotzdem. Mit ziemlich viel Spaß und Glückseligkeit näherte sich die Amerikareise ihrem Ende und damit auch dem Ende von Sakurais Sorglosigkeit.
Zwar schliefen sie jeden Tag miteinander und Sakurai fühlte sich sehr von Aomine geliebt, aber gesagt hatte er es nie und auch nicht, was danach sein würde. Wie sollte es weitergehen? Möglicherweise betrachtete Aomine ihn ja nur als kleinen, schnellen Urlaubsflirt und wenn sie nach Japan zurückkehrten, wandte Aomine sich wieder den zahlreichen, hübschen, vollbusigen Mädchen zu, die um ihn herumscharwenzelten...
„Was ist los, Ryou?“, fragte Aomine, während er Sakurai in seinen Armen hielt und an dessen Brustwarzen saugte. „Ah, du schmeckst so gut...“
Heiß strich Aomines Atem über Sakurais Körper und brachte ihn völlig aus der Fassung. Er stöhnte leise und fuhr sanft durch Aomines Haar. Es war der vorletzte Tag in Amerika. Morgen würden sie lediglich ihre Sachen packen, vielleicht noch ein paar Souvenirs kaufen und letzte Erinnerungsfotos schießen, und dann würden sie wieder zurückfliegen, zurück nach Japan, wo alle Welt darauf wartete, dass das Basketballteam von Touou Gakuen in besserer Form zurückkehrte. Es tat Sakurai weh daran zu denken, dass diese besondere Nähe zwischen ihm und Aomine nicht mehr bestehen würde. Inzwischen hatte er sich fast damit abgefunden und beschlossen, die letzten Gelegenheiten dazu so ausgiebig wie nur irgend möglich zu nutzen.
Aomines Zunge schlich quälend langsam über Sakurais ganzen Körper und verursachte ein Kribbeln ohnegleichen. Sakurai liebte es, die aufwallende Hitze zu spüren, wie sie aus seinem Magen heraus jede Körperzelle erfasste und Aomine wärmte, in Sicherheit wiegte und ihn beschützte vor jeglicher Kälte. Davon war im Moment allerdings nicht die Rede. Sakurai krallte seine Finger in Aomines kräftige Schultern und vergoss, ohne es zu merken, Tränen.
Entsetzt registrierte es hingegen Aomine.
„Ano, Ryou? Was hast du denn? Tut dir was weh?“, hakte er besorgt nach.
„Mein Herz“, schniefte Sakurai.
„... Was?“
Aomine hatte mal wieder sein Ich-hab-keinen-blassen-Dunst-was-du-da-laberst-also-erklär’s-mir-bevor-ich-ausraste-Gesicht aufgesetzt, das Sakurai zum Lachen brachte, obwohl ihm überhaupt nicht danach zumute war.
„Sumimasen, Aomine. Ich möchte dir keine Schwierigkeiten machen...“, erklärte Sakurai leise.
„Hoi, jetzt geht es mich aber auch etwas an, Ryou! Also spuck’s schon aus, sonst werde ich wütend!“, befahl Aomine.
„Also gut“, gab Sakurai nach. „Wie geht es weiter, wenn wir wieder in Japan sind, Aomine?“
Aomine blinzelte überrascht.
„Eh?“
„Naja, von dort sind wir als Freunde gestartet... o-oder Teamkameraden wohl eher“, korrigierte Sakurai sich schnell. „Hier in Amerika mag zwar einiges passiert sein, aber... wenn wir nach Hause kommen, wirst du wieder von Mädchen heimgesucht...“
Er musste abbrechen, mehr konnte er nicht sagen, ohne wieder in peinliche Tränen auszubrechen. Wieso machte er das direkt vor Aomines Augen, in denen er sich als stark oder begehrenswert spiegeln wollte?
„Keine Angst, ich werde dich nicht verleugnen und ich werde dich auch nicht loslassen. Ryou, ich liebe dich und das ist nicht an einen Ort gebunden, sondern an einen Menschen, also an dich. Wo du bist, da möchte auch ich sein, und ich möchte dann bei dir sein, ganz nah, ganz nah... So wie jetzt“, antwortete Aomine und küsste Sakurai zärtlich. „Ich will nur noch dich, Ryou. Kannst du mir das glauben?“
Sakurai starrte ihn mit feurigem Blick an und Aomine erwiderte diesen Blick.
„Hm, ich weiß nicht...“, murmelte er dann.
„Dann lass es mich dir beweisen“, sagte Aomine.
Mit diesen Worten küsste er Sakurai so heftig und intensiv, dass ihm kurz die Luft wegblieb, doch gleich darauf stieß er einen gellenden Schrei aus, weil Aomine sich an seiner unteren Hälfte zu schaffen machte und ihn derartig erregte, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte.
„Aaaah... Aaahh... A-Aomi-hnnnh-ne...“, stöhnte Sakurai lustvoll und wand sich erotisch unter Aomines Berührungen.
„Sag meinen Namen“, flüsterte Aomine ihm ins Ohr, während er es Sakurai mit der Hand besorgte, bevor er ihn in den Mund nahm.
„Da-aahhhh-Daiki!“, rief Sakurai.
Aomines Nackenhaar stellte sich auf und noch etwas ganz anderes. Schnell bereitete er Sakurai auf die Vereinigung vor und drang langsam in ihn ein, was inzwischen ganz gut klappte. Dann bewegte er sich in ihm und schaukelte ihre Gefühle hoch, bis sie schließlich zum lautstarken Orgasmus kamen, den wahrscheinlich das ganze Hotel hörte, doch das kümmerte sie nicht.
Sakurai schmiegte sich in Aomines Armen an dessen starke Brust und rieb seine Nase an seiner leicht verschwitzten Haut.
„Ich liebe dich so sehr, Ao- Daiki“, sagte Sakurai leise.
Kurz darauf wurde er fast erwürgt.
„Oh Gott, du hast es endlich gesagt!“, rief Aomine glücklich und lachte. „Du hast es endlich gesagt! Ryou, oh Ryou, ich liebe dich auch so sehr! Ryou, Ryou, Ryou...“
Seine Stimme war am Ende kaum mehr ein Wispern und Sakurai spürte den unumstößlichen Aomine tatsächlich zittern. Tröstend schlang er seine Arme um ihn und hielt ihn fest.
„Was ist mit dir, Daiki? Stimmt was nicht?“, wollte Sakurai wissen.
„Du hast mir endlich gesagt, dass du mich liebst!“, antwortete Aomine gedämpft. „Danke. Danke, Ryou.“
Und da ging Sakurai ein Licht auf: Er hatte darauf gewartet, dass Aomine ihm seine Liebe gestand, aber... er selbst hatte es auch nicht gesagt, zumindest nicht, als Aomine bei Bewusstsein war und zuhören konnte. Kichernd presste er sich enger an seinen Teamkollegen.
„Sumimasen, Ao- Daiki“, flüsterte Sakurai reuevoll.
„Hm, ich find’s ja süß, wenn du dich entschuldigst, aber mach das nicht ständig“, meinte Aomine plötzlich wieder nüchtern.
Sakurai hielt ihn eine Armlänge von sich weg und grinste.
„Wirst du an meiner Seite bleiben und mich daran erinnern?“
Aomine gab das Grinsen zurück.
„Das werde ich. Ich liebe dich, Ryou.“


Vielen Dank fürs Lesen!

Wenn Dir, geneigter Leser, diese Geschichte gefallen hat, dann schaue doch gern auch bei meinen anderen Geschichten vorbei. Die nächste Fanfiction von mir findest Du Ende Oktober 2019 zum Reformationstag unter dem Titel „Schrecklich einsam“, die im Diamond-no-Ace-Universum spielt. Ich würde mich sehr über Deinen Besuch freuen.
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