Die Darcys auf Pemberley, Teil XXXI

von Bihi
GeschichteAllgemein / P12
30.09.2019
14.10.2019
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Ja, die Gästebetten in dem Gutshof waren wirklich besser gewesen als die eines Gasthofes. Das fand auch Arthur, obwohl er ja nur die guten Gasthof-Zimmer kannte, von denen jetzt aber wohl keine mehr frei gewesen wären. Aber so ein Gästezimmer eines Gutshofes war natürlich eine ganz andere Sache.
Beim Frühstück am nächsten Morgen meinte der Gutsherr noch sehr freundlich: „Sagt mir jedes Mal Bescheid, wenn Ihr nicht mit zu den Stanfolks fahren könnt. Ich werde Euch jederzeit gerne wieder Unterkunft gewähren. Eure Tochter, Baronesse Gigi, hatte schließlich eine hervorragende Idee, und Arthur hat die Lehrer darauf aufmerksam gemacht. Dadurch konnte ich meinen Hof in diesem Jahr zur Ernte modernisieren und habe eine umfangreichere Ernte einfahren können als meine Nachbarn, weil die Wagen zügiger entladen werden konnten. Meine Gastfreundschaft soll meine Dankbarkeit zeigen.“
Fitzwilliam sagte: „Vorerst kann ich wohl nur den Sommerferienbeginn und den Weihnachtsferienbeginn nennen, bis sich bei den Stanfolks die Familienbeziehungen vielleicht ändern oder anders arrangiert werden müssen. Wenn Ihr auch Interesse habt an den verbesserten Sämaschinen, so werden wir die wohl erst im Mai oder gar Juni in Angriff nehmen können, weil ich in diesem Jahr leider lange Verpflichtungen in London wahrnehmen muss.“
„Von Eurer Tochter verbesserte Sämaschinen? Ich habe Jethro Tulls, die besser sind als die Handaussaat. Wenn die verbessert werden können, hätte ich durchaus Interesse.“
„Nun, wenn Ihr bereits solche Maschinen habt, wird es sicherlich ausreichen, wenn meine Tochter eine ausführliche Anweisung schickt. Ich werde ihr Bescheid sagen. Dann könntet Ihr die verbesserten Maschinen bereits in der kommenden Aussaat anwenden.“
Dann machte sich Fitzwilliam mit seinem Jüngsten auf den Weg.
Arthur fragte nach einer Weile: „Papa, wo hätten wir eigentlich übernachtet, wenn wir nicht eingeladen worden wären?“
„Das weiß ich nicht. Ich hatte wegen der Geschehnisse bei uns glatt vergessen, ein Zimmer reservieren zu lassen. Wir wären einfach Richtung Pemberley gefahren und hätten bei jeder Pferdestation gefragt, ob noch ein Zimmer frei wär.“
„Das hätte zur Not auch gehen müssen, Hauptsache, ich komme nach Hause, aber so viel Glück, wie wir nun hatten: Edgar hat in seiner Familie mit meiner Schwester angegeben, sein Onkel hat von Gigi profitiert, und wir hatten zum Dank herrlich weiche Betten. Und Gigi ist ganz bestimmt froh, dass man ihre Erfindungen so toll findet.“
Dann ließ er sich erzählen, wie denn nun sein jüngster Neffe aussieht. „Also, Papa, ob er noch verknittert aussieht oder nicht, ist uninteressant.  Der wird schon noch glatt werden; aber wie lang oder kurz ist er? Welche Haarfarbe hat er? Welche Augenfarbe? Und kann er schon ordentlich brüllen?“
„Er ist ungefähr so lang wie damals Silvia, er hat braune Haare und die Augen sind anfangs immer blau. Ich habe ihn nur am ersten Tag gesehen, da konnte er noch nicht so gut brüllen, aber das hat er sicherlich inzwischen geübt.“
„Na ja, ich weiß ja nicht, wie kompliziert das Üben ist, aber wenn er nur eine Woche Zeit hatte, wird er wohl noch nicht so gut sein, oder? Na, das werde ich ja dann hören. Wann kann ich ihn denn sehen?“
„Soweit ich weiß, muss Jane sich noch ausruhen, sodass sie erst am Montag kommen.“
Arthur schien diese Auskunft nicht gerade zu lieben. Aber er maulte nicht. Schließlich, kurz vor Lambton, sagte er: „Na ja, aber wenn ich Glück habe, sind wenigstens Agatha und Christopher da. Aus der Schule kommen und niemand jubelt, ist ja irgendwie doof, oder?“
„Für euch ist das doof, ja. Für mich war das damals ganz normal. Erstens ist Tante Georgiana zwölf Jahre jünger als ich, zweitens hatte ich nur eine Schwester, und drittens hätte mein Vater solchen Jubel verboten.“
„Jubelverbot?!?“
„Ja.“
„Hm. Irgendwie doof, aber wenn immer nur einer kommt und nur einer jubelt, macht das sicher nicht so viel Spaß, oder? Ich meine, ich komme ja jetzt auch alleine, aber bei mir jubeln dann wenigstens zwei und sonst immer ... Ha, ab nächstem Jahr dann sieben! Das ist doch was, oder?“
„Wenn dann insgesamt acht jubeln, ist das was, da hast Du recht!“, schmunzelte Fitzwilliam. „Als hier auf Pemberley zum ersten Mal Begrüßungsjubel war, kam Jane von einer Reise zurück. George und Charles jubelten, Jane natürlich auch. Tom und Dorothy waren erst wenige Wochen alt. Die konnten also noch nicht mitmachen.“
Arthur strahlte: „Oh, danke, Papa, dass Du mir das erzählt hast! Dann ist das ja gar nicht doof, dass nur zwei jubeln können. Dann ist das ja wie ein alter Brauch!“
Fitzwilliam war froh, dass er sein Ziel ohne weitere Erläuterung erreicht hatte. Zwei Jubler mussten einem, der sein Leben lang immer nur den großen Empfangschor mitgemacht hatte, eigentlich recht wenig vorkommen. Aber nun wurde er praktisch wie seine geliebte Schwester Jane behandelt.

Dann fuhr die Kutsche vor dem Portal vor. Sobald Arthur ausgestiegen war, öffneten sich die Türen und Stokes rief: „Arthur ist da!“
Das verwunderte nicht nur Arthur, sondern auch Fitzwilliam. Aber auf diesen Ruf hin kamen auf einmal zwölf Jubler hinter der Hecke hervor. Arthur stand wie vom Donner gerührt. Dann stimmte er ein wenig zittrig in den Jubel ein: Ihm liefen die Freudentränen.
Fitzwilliam stand da, beobachtete die Szene und hatte ebenfalls etwas feuchtere Augen vor Rührung.
Diese leichte Abwandlung der Begrüßung hatte Elizabeth organisiert. Es waren einfach zu viele kleine Kinder und zu wenige große Helfer vorhanden. Sie regte daher an, dass jemand die Alarmglocke läuten sollte, sobald die Kutsche auf der Straße nach Lambton gesichtet wurde. Dann wurden die Kinder in ihre warmen Mäntel und Winterstiefel gesteckt und zum Hinterausgang gebracht. Miss Collins wachte an einem Fenster und gab Bescheid, als die Kutsche die Talsohle erreicht hatte. Dann wurden die Kinder hinter die Hecke geführt und dazu ermahnt, erst mit Empfangsjubel loszulaufen, wenn Stokes rief. Elizabeth und ihre Helferinnen waren froh, dass alles wie lange eingeübt funktionierte.
Dann wurde Arthur im Triumphzug in den Salon geführt. An der Tür blieb er erstaunt stehen: Die Mütter mit den drei zukünftigen Jubler waren ja auch schon da! Natürlich stürmte er erst einmal auf Jane und seinen jüngsten Neffen zu. Aber auch Marianne und Alma wurden von ihm liebevoll bewundernd begrüßt.
Nach dem Begrüßungstoast strahlte er in die nun komplette Runde: „Ich kann Euch nicht sagen, wie sehr es mich freut, dass ihr mir eine solch tolle Überraschung gemacht habt!“
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