Die Darcys auf Pemberley, Teil XXXI

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy OC (Own Character)
30.09.2019
15.01.2020
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Elizabeth nahm die täglich längere Phase der Dämmerung mit größerer Gelassenheit hin als in dem meisten Jahren zuvor. Fitzwilliam und Mr. Bennet überlegten, woran das auf einmal liegen könne. Wenn der Grund herauszufinden war, könnte man ihr doch in den folgenden Jahren besser helfen. Sie kamen schließlich, durch Bemerkungen, die Elizabeth fallen ließ, zu der Erkenntnis, dass das leider nicht gehen würde. Es war schlicht die Vorfreude auf die Fahrt zur Taufe in Schottland, so sehr sie sich natürlich auf die Taufe hier auf Pemberley freute. Es kam aber bei der im Januar noch dazu, dass sie dann endlich Dorothy wiedersehen würde. Sie sah Charles geringfügig öfter, aber da war sie durch die Internatszeit daran gewöhnt, sodass die Sehnsucht nach dem Kind zwar vorhanden war, aber bei solchen Gelegenheiten nicht so heftig zum Ausbruch kam.
„Fitzwilliam, haben wir eigentlich gute Jagderträge für die vielen Festlichkeiten?“
„Das haben wir, ganz sicher. Einige Rotten außerhalb Pemberleys sind wohl schlau geworden und waren zur Jagdzeit auf unser Gebiet ausgewichen. Dann waren sie aber weniger schlau. Sie sind nicht rechtzeitig genug wieder zurückgekehrt. Erst hatten wir uns darüber gewundert, aber dann war klar, woran das gelegen hatte: Wir hatten keine Pause zwischen der Jagd außerhalb und der innerhalb unserer Grenzen.“
„Wieso denn viele Festlichkeiten?“, wollte Annie jetzt wissen.
„Nun, wir haben Weihnachten, die Taufe und den Ball. Oder würdest Du zu einer der drei Tage ohne Festessen auskommen wollen?“, erwiderte Fitzwilliam.
„Oh nein, ganz bestimmt nicht. Ich gebe aber zu, dass ich die Taufe eben vergessen hatte.“
Gigi überlegte laut: „Wenn wir anschließend nach Schottland fahren wollen, müssen wir uns aber überlegen, wann wir losfahren wollen. Ach nein, wir können ja erst planen, wenn das Baby da ist. Eigentlich ist das blöd mit der Drei-Wochen-Regel. Wir können doch nicht kurzfristig alles umwerfen und hoffen, dass alle Gäste sich auf uns einstellen können. Das hatte zwar zu meinem Debüt geklappt, aber doch nur, weil wegen des Schnees die Leute keinen vollen Terminkalender hatten.“
„Und darum werden wir diesmal den Ball am 1. Januar halten. Dann bleiben uns mehr Tage zur Reise, falls Dorothys Junior doch schneller kommt. Die Fahrt würde für Charles' Jüngstes wohl nicht angemessen sein, sodass ich ihn dann zum stellvertretenden Gastgeber ernennen werde, bis die Gäste regulär abfahren.“
Ja, mit dieser Planung waren alle zufrieden. Mr. Bennet nahm sich insgeheim vor, Charles darum zu bitten, noch ein paar Tage länger zu bleiben. In Longbourn Heights war ja ebenfalls Winterpause, auch wenn das Anbaujahr früher begann, allerdings zwei oder drei Wochen, nicht Monate. Normalerweise würde ja George zu ihm ziehen, aber der würde wohl ebenso nach Schottland fahren wie die Malcolms. Falls die Abfahrt nach dem 6. Januar liegen würde, war schon ausgemacht, dass die Malcolms nach Pemberley umziehen, damit er sich nicht in Pemberley House verlor.
Elizabeth beschloss nach dieser Unterhaltung, noch am selben Tag die Einladungen an die üblichen Gäste für den Neujahrsball zu schreiben. Ach nein, sie musste erst einmal am Abend Fitzwilliam fragen, ob das mit seinem Plan überhaupt machbar war.

„Fitzwilliam?“
„Elfchen?“ 'Dieses Ritual der Gesprächseinleitung wird sich wohl nie ändern. Soll es auch nicht.'
„Können wir trotzdem die Nachbarn zum Neujahrsball einladen? Wenn nicht, sollte ich bald die Nachricht schicken, damit sie anders planen können.“
„Hm. Lass mich bitte noch ein, zwei Tage überlegen, ja? Länger nicht, weil wir doch wirklich die Nachbarn berücksichtigen müssen.“

Am nächsten Tag wollte Fitzwilliam gerade einen Brief aufsetzen, als ein Kurier kam. Noch während der Kurier bei der – wie auf Pemberley üblich – üppigen Mahlzeit saß, hatte Fitzwilliam schmunzelnd den Brief gelesen und die Antwort geschrieben. Gut gestärkt ritt dann der Kurier zu seinem Ausgangsort zurück.
Im Salon sagte Fitzwilliam nur: „Elfchen, ich habe es mir überlegt. Du kannst die Einladungen schon schreiben. Was Du gestern Abend sagtest, war doch sehr überzeugend. Die Ballgäste müssen es rechtzeitig erfahren. Sie haben doch bestimmt wieder Debüts zu planen, oder?“ 'Das wäre zwar eigentlich nicht so gut, ließe sich aber nicht ändern, ohne die vom Bischof geforderte Vertraulichkeit zu verletzen.'

Dann war wieder der Hochzeitstag gekommen, komplett mit Blumenstrauß am Morgen, Knoten der Liebe auf den Tellern zum Frühstück, Knoten der Liebe auf den Kopfkissen im Herrenschlafgemach. Auch das Festessen, weil die Familie sich so gut gefunden hatte, wie es Arthur einmal genannt hatte, war inzwischen fester Programmpunkt im Ablauf des Tages. Natürlich waren auch George und Jane mit ihren Familien gekommen.
Arthur bedauerte, dass dies ein Freitag war. Sonst hätte er als mageren Ersatz für die Familienfeier sein Zimmer zu Schokolade und Kuchen in die Stadt eingeladen. Dann hatte er aber eine tolle Idee, wie er meinte. Er ließ sich vom Bäcker in der Stadt einen Kuchen liefern und vom Milchgeschäft Clotted Cream. Dann erzählte er seinen Freunden, dass sie sich mit dem Nachtisch etwas zurückhalten sollen, weil er etwas auf dem Zimmer habe. Edgar und Peter wussten es schon, weil sie bei den Bestellungen dabeigewesen waren. Edgar ging in die Schulküche und schmeichelte der Köchin eine Kanne Bucheckernkaffee ab. Als alle vergnügt ihren verspäteten Nachtisch verspeisten, erklärte Arthur: „Heute vor … einunddreißig Jahren haben meine Eltern geheiratet. Der Abend wird immer gefeiert mit einem Festessen, weil wir uns alle so lieben, auch wenn nicht mehr alle auf Pemberley wohnen. So, und ich feier heute Abend eben, dass ich hier so tolle Freunde gefunden habe!“ Die strahlenden Gesichter ob der tollen Idee linderten sein Heimweh.

Das eigentliche Ritual war natürlich auch ein sehr wichtiger, wenn nicht der wichtigste, Bestandteil des Tages. Alle Beteiligten waren nun schon lange eingespielt. Die Planeten nahmen sich mal wieder ihre alljährlich zustehende Pause. Fitzwilliam stand die ersten zwei Minuten tatsächlich einmal sehr geduldig mit dem Rücken zur Verbindungstür, bis ihn die übliche Ungeduld wieder überfiel. Dann knarrte die Tür, und er drehte sich um und war wie üblich wieder überwältigt vom Anblick seiner über alles geliebten Elizabeth.
Sie hatte achtzehn Bänder im zur Erntekrone geflochtenen Haar. Das war ihre Konzession an das Alter. Sie mochte das Gefühl, wenn er vorsichtig die Bänder von den Haarsträhnen löste. Von daher wären einunddreißig Bänder das gewesen, was sie wünschte. Nun eigentlich auch er, weil die Erntekrone nicht mehr die ursprüngliche Elfenfrisur war. Aber wenn es mehr Bänder waren, wurde die Entfernung für Fitzwilliam ein zu großes Geduldsspiel, weil seine Finger diese Feinarbeit wirklich nicht mehr mochten. Er musste also die Erntekrone als notwendigen Ersatz annehmen. Immerhin war es eine ungewöhnliche Frisur, noch unüblicher als eine Elfenfrisur. Im Anklang an die Zahl der Ehejahre hatte sein Elfchen einunddreißig Seidenblumen in die Flechten einarbeiten lassen.
Fitzwilliam verharrte in Bewunderung seiner Gattin. Dann übergab er ihr die Geschenke: Eine weitere gefüllte goldene Blüte in ihrem Collier, den neunten Stein in ihrem ersten Großmutterring und den ersten im zweiten Ring. Dieser einzelne Stein würde nur ein Jahr lang ein einzelner bleiben – hoffentlich. Keiner von beiden mochte es laut sagen, obwohl sie beide daran dachten. Aber sie wollten die Vorsehung nicht herausfordern.
Nach diesem sentimentalen Einschub machte sich Fitzwilliam in aller Zärtlichkeit an die Erfüllung des eigentlichen Rituals.
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