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Die Darcys auf Pemberley, Teil XXXI

von Bihi
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy OC (Own Character)
30.09.2019
15.01.2020
55
68.139
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30.09.2019 1.473
 
Als Elizabeth erwachte, dachte sie darüber nach, was sie eigentlich in der letzten Nacht noch hatte fragen wollen. Es hatte nichts direkt mit der Nacht zu tun, und darum hatte sie die Frage verschoben, um nicht die Stimmung zu zerstören. Was war das nur?
Fitzwilliam hatte sie wieder beim Aufwachen liebevoll im Arm gehalten. Nun betrachtete er ihr nachdenkliches Gesicht.
„Magst Du mir sagen, welche Probleme Du schon beim Aufwachen wälzen musst?“
„Ich weiß nicht, ob es ein Problem ist. Ich wollte Dich gestern Abend noch etwas fragen, hab jetzt aber vergessen, was es war. Es war mir nicht unwichtig, aber ich wollte keine Ablenkung an dem schönen Abend.“
„Hm, war das bereits hier, oder noch bei den Gästen?“
„Das war hier!“
„War das vielleicht die rhetorische Reihenfolge von Argumenten? Ich komme nur darauf, weil ich Dir das im Laufe des Vormittags sowieso noch erklären wollte ˗ irgendwann, wenn niemand weiter zuhört.“
„Ich glaube, das war's. Ich wusste nicht mehr, ob das wichtigste am Anfang oder am Ende kommt.“
„Also, eigentlich kommt das wichtigste immer am Schluss. Aber gerade in der persönlichen Rede wird es häufig an den Anfang gestellt, damit die vorangegangenen Argumente nicht mit ihrem Nachhall ablenken. Nun, das wär bei Dir ja nicht der Fall gewesen, weil alle miteinander zusammenhingen und wichtig waren. Aber es war doch schön, zu hören, dass auch Dir unsere dreißig Jahre gelebte und geliebte Ehe so ungeheuer wichtig ist. Nicht, dass ich jemals daran gezweifelt hätte ...“
„Da wäre ich jetzt auch enttäuscht, wenn Du das jetzt sagen würdest“, erwiderte Elizabeth mit einem Zwinkern, wie es sonst nur ihr Oberon zustande brachte.
„Und ich bin froh, dass ich mit dieser Frage nicht unnötig Elfenzeit vergeuden werde. Schließlich haben wir Gäste.“
Dann beschlossen sie, umzuziehen. Sie standen bereits an der Verbindungstür, als sie auf der anderen Seite den Jubelruf hörten „Mama, Papa, da haben wir ja die richtige Tür gefunden!“ Stimmte ja, sie hatten George und Susan am vorigen Abend das Zimmer überlassen, weil auch Susan nicht überanstrengt werden sollte mit einer unnötigen Nachtfahrt nach Kympton. Schmunzelnd machten sie wieder kehrt. In Fitzwilliams Bett war es sowieso kuscheliger.

Auch Gigi und Annie hatten nicht daran gedacht, dass der Raum die ganze Nacht belegt war, obwohl sie doch dabei gewesen waren, als das angeordnet wurde. Sie hatten bereits die Tür leise geöffnet, als ihnen leises Schnarchen entgegenscholl. Vor Schreck hätten sie beinahe die Tür wieder zugeschlagen. Aber Gigi bremste sie gerade noch rechtzeitig ab. Dann schlichen sie kichernd wieder in ihr Zimmer.

Nachdem auch die Kuschelzeiten bei Edmund und Jane vorbei waren – schließlich hatten sie ja zwei Durchgänge, wie sie es schmunzelnd nannten – machten sich dann alle für den Tag bereit.
Es war seit langem wieder einmal eine lebhafte Frühstücksrunde. Man konnte sehen, wie sehr es nicht nur Fitzwilliam, sondern auch Mr. Bennet gefiel, von den kleinen Kindern ganz zu schweigen.

Jane saß auf der Chaiselongue und Susan auf dem bequemsten Sofa. Die Kinder waren gerade wieder einmal lärmend in das Spielzimmer gegangen. Wenn man sie gefragt hätte, hatten sie natürlich keinen Krach gemacht, sondern nur sich darüber unterhalten, was sie als nächstes spielen wollten. Einerseits erzeugte der Gang ein Echo und andererseits waren natürlich die kleinen Diskutanten bemüht, die Rivalen zu übertönen. Aber das störte nun wirklich niemanden, weder die Erwachsenen noch die Kinder. Schließlich waren es alle so gewohnt.
Nun sagte Elizabeth: „Eigentlich ist es doch verwunderlich, dass Silvia noch keine Rückschlüsse gezogen hat, wenn sie ihre Mama und Tante Susan in einem Raum sieht.“
Jane sah sie überlegend an: „Also, wenn ich mich recht entsinne, hatte ich bei Annie auch keine Rückschlüsse gezogen, obwohl ich genügend Tanten gehabt hatte, die mir so einiges hätten verdeutlichen können.“
Elizabeth widersprach allerdings sofort: „Du hattest nur Cousine Margret zum Vergleich und später dann Tante Mary. Aber beide hast Du nicht so oft gesehen, als dass es Dir hätte auffallen können. Wir waren zwar alle Weihnachten beisammen, aber da waren wir Mütter noch nicht so sichtbar gerundet.“
Für einen Moment überlegte sie, ob sie das nun wirklich in Anwesenheit von Muriel, Gigi und Annie hätte sagen dürfen. Andererseits waren diese Damen doch intelligent und alles andere als blind. Sie hatten also sicherlich bereits eigene Rückschlüsse gezogen.
Jane und Charles Bingley war das Gespräch wegen der Anwesenheit der jungen Damen unangenehm. Aber dann führte sich zumindest Jane vor Augen, dass Sarah, die still schmunzelnd zuhörte, bei ihrer Hochzeit nur unwesentlich älter war als Gigi jetzt.
Georgiana und William waren lediglich verwundert, dass Muriel kein bisschen erstaunt aussah, ihre Cousinen übrigens auch nicht. Da waren wohl über unbekannte Kanäle bereits Informationen geflossen. Jetzt konnte man nur noch hoffen, dass es keine Kanäle, sondern lediglich Rinnsale gewesen waren.
Edmund war zwar ein wenig verwundert, aber er dachte sich, dass diese Familie ˗ seine Familie! ˗ das schon richtig machte. Er konnte sich noch gut an jenen haarsträubenden Osterball erinnern: Die einzig amüsante Erinnerung daran war ihm die an Eliza und das Entsetzen seines Onkels. Ja, wer konnte wohl garantieren, dass die heutigen Damen wirklich noch so unbedarft waren, wie es sich die Eltern dachten? Hoffentlich hatten Gigi und Annie wenigstens verlässliche Quellen. Es war zum Glück nicht seine Aufgabe, dies zu kontrollieren. Das wäre nun wirklich höchst unschicklich gewesen.

Zur Mittagszeit mussten sich wieder sehr viele in die Ruhezeit begeben: Die Kinder, weil die Eltern es so bestimmten, Jane und Susan, weil sie die Ruhe nötig hatten, die anderen aus Rücksichtnahme. Fitzwilliam und Elizabeth waren darüber sehr froh, weil sie sich so unbemerkt in die Elfenkammer zurückziehen konnten.

Beim Tee, den die Rabauken auf eigenen Wunsch in einem getrennten Raum einnahmen, um auch einmal 'erwachsen' spielen zu können, fragte George auf einmal: „Habt ihr den Hochzeitstermin so gewählt, weil man die weiteren Tage so ohne Hektik verbringen kann?“
„Nein, George, den Termin hatte ich so gewünscht, weil ich im Sommer durch anderweitige Geschäfte zu abgelenkt war und leider erst im Herbst Miss Elizabeth den Antrag, so wie er sich gehört, machen konnte. Dann haben wir so schnell wie möglich geheiratet.“
Susan fragte nun ihre Eltern: „Und ihr habt gewartet, weil ihr unbedingt eine Doppelhochzeit haben wolltet?“
Sarah und Tobi sahen sich an und dachten das gleiche: Dann waren sie ja in schönster Familientradition geblieben, als sie auf Susan und George gewartet hatten.
Charles hatte ja eigentlich gehofft, dass diese Frage nicht kommen würde. So schlagfertig wie Fitzwilliam war er ja schließlich nicht. Hm.
„Nein, bei uns lag die Sache ein wenig anders, Susan. Meine Schwester Caroline hatte mich dazu beschwatzt, Netherfield nur zur Jagd zu nutzen. Da habe ich im Herbst Miss Bennet kennengelernt. Weil ich ab November in London zu tun hatte, konnte ich ihr erst im nächsten Herbst den Antrag machen.“
Fitzwilliam übernahm wieder: „Lady Catherine De Bourgh war gegen Mamas und meine Hochzeit und hatte angedroht, Widerspruch einzulegen. Das war ihr wirklich zuzutrauen. Deshalb erwirkte ich eine Speziallizenz vom Bischof von Westminster und bat meinen Freund Charles darum, einer Doppelhochzeit zuzustimmen. Dadurch erfuhr die Gemeinde erst bei der Trauung, dass auch Miss Elizabeth und ich heirateten, und niemand konnte es Lady Catherine vorher verraten. Der Beobachter, den sie nach Longbourn geschickt hatte, traute sich zum Glück nicht, ohne Rücksprache mit ihr Widerspruch einzulegen.“
Tante Georgiana schaltete sich nun auch ein: „Und deshalb durfte ich bei der Hochzeit meines einzigen Bruders nicht dabei sein, weil sonst die Leute geahnt hätten, was da vor sich ging. Das hatte ich ihr lange Zeit übel genommen.“
„Wieso war Lady Catherine eigentlich gegen eure Heirat?“, fragte jetzt William nach.
„Sie wollte unbedingt, dass ich Cousine Anne heiratete.“
„Ich dachte, Caroline Bingley wollte Dich unbedingt heiraten?“, wollte George nun wieder wissen, und seine Schwester Jane nickte heftig dazu.
„Tja, ich war damals eben ein sehr begehrter Junggeselle“, schmunzelte Fitzwilliam. „Aber ich glaube nicht, dass Lady Catherine ihren Widerspruch eingelegt hätte, nur damit Miss Bingley eine Chance bekommt. Und die hatte sie von mir genau so wenig bekommen wie Cousine Anne, weil ich nur aus Liebe heiraten wollte.“
Die 'Eingeweihten' waren froh, dass so spontan eine für alle glaubwürdige Erklärung zustande gekommen war, ob sie nun nur eine Teilwahrheit oder die Wahrheit in vollem Umfang kannten.
George dachte bei sich, dass seine Probleme mit Lady Warwick ja klein gewesen waren im Vergleich zu dem, was sein Vater erlebt hatte.
Edmund war unverständlich, warum diese Tante nach dem Verhalten immer noch auf Pemberley eingeladen wurde, aber er fragte nicht nach. Sie hatte sich ganz offensichtlich geändert, aber gerade das war so unglaublich und von den Anwesenden bestimmt nicht zu erklären.

Abends im Schlafgemach:
„Fitzwilliam, Du hast heute sehr spontan und sehr schlüssig geantwortet, ohne die volle Wahrheit zu sagen. Jetzt wundert es mich nicht mehr, woher Arthur seine Geistesgegenwart hat, schnell mit Teilwahrheiten die Leute zu beruhigen.“
Die zärtliche 'Strafe' für ihre 'ungehörige Bemerkung' erfolgte umgehend.
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