darkest of dreams | dreamers of dreams

von pikrat
KurzgeschichteFamilie / P16
Jesse Pinkman
30.09.2019
30.09.2019
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anmerkung: cw für erwähnte gewalt/folter, halluzinationen, suizidversuch | »and watch over as i sleep / through my darkest of dreams« aus „send them off!“ von bastille | alternatives ende für breaking bad bzw. anfang von el camino, wo jesse, statt zu skinny pete zu gehen, nach hause kommt. that boy has suffered enough!!!







darkest of dreams





0



Sie erinnert sich daran, dass sie fast zurückschreckt, als sie die Haustür öffnet. Dass sein Gesicht direkt in dem Spalt auftaucht, weil er den Kopf an die Tür gelehnt hat. Dass er aussieht, als haben sie sich zehn Jahre nicht gesehen und nicht bloß eins, und dass sie einen Moment braucht, um ihren Sohn zu erkennen.

Aber seine Mutter erinnert sich nicht mehr daran, was sie sagt. Jesse, wahrscheinlich, mein Gott, weil sie es nicht glauben kann, und was ist passiert oder wer war das oder etwas Ähnliches.

„Mom“, sagt Jesse, und das ist alles.



1



Sie wohnen immer noch in der 509 11th Street NW. Es ist nur seine Mutter zu Hause. Jake ist in der Schule, sagt sie. Okay, sagt er und weint in ihre Umarmung. Unter der Dusche wäscht er den Dreck von Monaten von seiner Haut und sie kommt weiß und sommersprossig hervor, als könne er damit von Null anfangen. Er sieht sich einmal im Spiegel an, silbrig und wie ein Geist, die rote Kruste auf dem Nasenrücken noch nicht ganz verheilt, die unförmigen Narben, und wünscht sich eine neue Haut.

Natürlich hat seine Mutter von dem Massaker in North Valley im Fernsehen gehört, das weiß er, aber sie sagt es nicht. Sie weiß, dass das FBI ihn im Zusammenhang damit sucht. Sie stellt ihm einen Teller hin und gibt ihm auf, aber er ist nicht hungrig. Der gemusterte Teller ist aus einem Set, das Tante Ginny ihnen vermacht hat. Jesse weiß nicht, warum er daran denken muss.

„Ich wusste nicht –“, sagt er, ohne von den Erbsen aufzusehen, die er nicht isst, „wohin ich gehen sollte.“ Er fährt sich mit einer Hand über den Mund. „Ich war bei Badger und Pete, weißt du. Zuerst. Aber die waren nicht da, also…” Er lässt es im Sand verlaufen.

„Wirst du uns sagen, was passiert ist, Jesse?“

„Ja“, sagt er, aber seine Stimme klingt hohl in seinen eigenen Ohren; er kann nicht aufhören, mit den Händen über den Kopf zu fahren, über die glatte Haut, die raspelkurzen Haare, kaum mehr als eine Erinnerung, „sicher. Ich sag’ euch alles, versprochen. Ich – ich mach’ das Richtige, Mom, ich schwör’s.“

Seine Mutter beeilt sich, ihn in sein Zimmer zu bringen, aber er sieht ihren verletzten Gesichtsausdruck trotzdem. Auch das ist ein leeres Versprechen. Möchtest du, dass ich bleibe, fragt sie. Sie lässt die Tür offen, als sie geht, und er dreht ihr den Rücken zu. Sie denkt, dass er schläft, aber er schläft nicht. Insomnie zieht das letzte Leben aus ihm heraus.





2



Das Licht wird weich und hell. Die Schatten wandern auf dem Teppichboden, übers Holzparkett. Jesse hat nicht geschlafen. Er liegt bewegungslos. Durch die offene Tür hört er, wie seine Eltern sich in der Küche unterhalten, obwohl sie die Stimmen gesenkt haben.

„Das FBI sucht nach ihm“, sagt sein Vater.

Die Erinnerung kommt in unzusammenhängenden Fetzen. Das Gelände mit Maschendrahtzäunen und Stacheldraht. Gleißendes Licht und die Überwachungskamera. Wie er stehen bleibt und schreit, tötet mich einfach!

„Adam“, zischt seine Mutter, „hast du deinen Sohn gesehen! Hast du gesehen, was die mit ihm gemacht haben!“

Todd, mit dem er sich gutzustellen versucht; Kenny, der nachts durch die Stäbe auf ihn herunterpinkelt, wenn die Plane nicht ganz darüber gezogen ist; Jack, der ihn wie ein Äffchen tanzen lässt, einfach, weil er es kann. Da ist der Schmerz und da ist die Angst davor und er weiß nicht, was schlimmer ist, der Schmerz selbst oder die Erwartung von Schmerz.

„Ich kann das nicht tun“, sagt sein Vater. „Hast du an Jake gedacht! Was willst du tun? Im Grunde verstecken wir – wir verstecken einen Verbrecher!“

Sie sind tot und er nicht, das weiß Jesse. Sie sind alle tot – Jack, Todd, Kenny, Lester, Walter White – und er nicht. Er ist am Leben. Verwildert, schlaflos, hungerlos, vernarbt, am Leben. Er weiß nicht, ob es sich gut anfühlt. Sie sind tot und er nicht.





3



„Wir müssen dich ausliefern“, sagt sein Vater.

„Okay“, sagt Jesse.

„Wir rufen beim FBI an, deren Mann im Büro… und sie werden kommen und dich mitnehmen. Du wirst von der Polizei gesucht. Sie… sie werden Fragen an dich haben. Wir werden keinen Verbrecher verstecken. Verstehst du das?“

„Wo ist Jake?“

„In der Schule“, sagt seine Mutter sacht.

„Okay“, sagt Jesse, noch einmal.





4



„Kann ich noch pinkeln gehen“, fragt er, „bevor die Feds mich mitnehmen.“

Seine Eltern lassen ihn ins Bad. Seine Mutter sagt, er solle die Tür nicht abschließen, und sein Vater zieht den Schlüssel aus dem Schloss. Jesse nickt. Er würde sich selbst nicht glauben. Er lässt die Tür angelehnt und schaut nicht in den Spiegel. Durch die vorgezogenen Vorhänge kann man den grünen Garten draußen sehen.

Er findet nichts anderes als eine Nagelschere. Das muss reichen.

Er sieht Walter White neben dem Duschvorhang stehen. Tu es, sagt Walter, du bist nie etwas anderes gewesen als eine Bürde für alle. Besonders für deine armen, leidgeprüften Eltern.

Der Schmerz ist so beißend und scharf, dass er für einen Moment glaubt, nie wieder etwas anderes zu fühlen. Er kann es nicht, er tut es nicht, weil er ein Feigling ist, ein Schwächling – er spürt Mr. Whites Blick im Rücken. Er will nicht, dass er seine Tränen sieht.

Du gehst lieber auf Nummer Sicher, sagt Walter, ich brauche dich aus dem Weg. Tu mir einen Gefallen, tu’s für mich, Jesse.

Im Labor hat er ihn gesehen, wenn er Phenylessigsäure und Essigsäureanhydrid zusammengegossen hat, wenn er die Aluminiumspäne hineingeschüttet hat oder am Ende das Produkt ausgewogen hat. Fast jeden Tag hat er ihn auf dem Gelände gesehen, dass er geglaubt hat, er halluziniere seinen Geist – und dann tauchte der Bastard sechs Monate später lebendig auf.

Tu mir einen Gefallen und verschwinde.

Wenn er ihn sieht, sieht er immer aus, wie er früher ausgesehen hat, nicht der Mr. White, der auf dem Neonazi-Gelände aufgetaucht ist mit vollem Haarschopf, Bart und Automatikgewehr. Es ist der glatzköpfige Mr. White mit einer goldgerahmten Nickelbrille, der krebskranke Mr. White mit Schnurrbart und spießigen Klamotten, an den er sich erinnert.

Verdammt, tu es, Jesse, bring es hinter dich, sagt Walter, er klingt jetzt gefährlich und wütend, nicht einmal das bekommst du hin, oder? Gott bewahre, dass Jesse Pinkman es je schafft, etwas erfolgreich hinzubekommen!

Jesse braucht fast zehn Sekunden, bis er merkt, dass er Mr. White sieht, obwohl er nicht da ist.





5



„Familie ist Familie“, sagt seine Mutter.

Es klingt so weich und fremd aus ihrem Mund, dass es vielleicht auch nur eine Halluzination gewesen sein kann, und er schließt die Augen. Er träumt. Er halluziniert wieder. Gleich wacht er auf und steht in der Halle der Neonazis, methkochend, die Handgelenke wund von den Fesseln, von Todd beobachtet wie ein Adler –

Aber jetzt liegt er im hellen Licht in seinem Kinderzimmer, eine sanfte Hand an der Stirn, Andrea ist nicht tot und Brock keine Waise, er hat Gale Boetticher nicht ins Gesicht geschossen und Jane ist nicht neben ihm im Bett an ihrem Erbrochenen erstickt; seine Eltern hassen ihn nicht.

Familie ist Familie.

Er hätte ihr die Holzbox schenken sollen, denkt er, damals in der zehnten Klasse. Eine Unze Gras eingetauscht gegen tagelange Sorgfalt und Handarbeit, war es das wert? Er hätte nie mit Mr. White in einen Campingwagen steigen sollen. Er schläft, er träumt, er halluziniert. Er spürt seinen Herzschlag durch den Verband am Handgelenk.

Für einen Moment senkt sich die Matratze etwas mehr herab, bevor das Gewicht aufgehoben wird, als seine Mutter aufsteht. Es ist nicht wahr, es ist nicht wahr, nichts davon ist wahr und das Kissen ist feucht, als er weint. Er liegt im goldenen Licht, wo alles endlich richtig wird, wo niemandem wehgetan wird. Wenn er die Augen nicht aufmacht, wacht er nicht auf dem Gelände der Neonazis auf.

„Mom“, sagt er, Familie ist Familie, im weichen Licht, im goldenen Licht, wo endlich alles richtig wird, „kannst du bleiben? Nur noch eine Minute?“



6



„Ich wusste nicht, wo ich sonst hingehen sollte“, sagt Jesse, erneut.

Es fühlt sich seltsam an, fremd, weit weg. Er ist zu Hause, obwohl er gestern noch in der Wüste war, eine Charge gekocht hat, gestern. Zeit ist bedeutungslos. Er spürt seinen Herzschlag im Handgelenk, ein unablässiges, brennendes Pochen. Er hört das Klingeln auf seinem Ohr.

Die Gesichter verschwimmen. Sein Vater sagt etwas, aber er hört ihn nicht. Es ist ein zähes Rauschen, ein Murmeln, ein Sausen. Er fühlt, wie er wegtritt, wie es weniger wird, unbedeutend, nicht wahr. Nichts ist wahr von dem, was passiert. Er weiß nicht, wer er ist.

Jemand, der nicht gestorben ist, wenn er hätte sterben sollen.





7



Er sieht Mr. White beim Essen, danach. Sieht ihn im Augenwinkel stehen – und lässt den Teller fallen, dass er in hundert Teile zerbricht, Erbsen und Scherben überall über den Boden versprengt, nichts ist mehr übrig von Tante Ginnys Zeug, nicht ihr Geschirr, nicht ihr Haus, nichts, wie es vorher war – und er denkt, am Ende war es dasselbe, was sie getötet hat, Mr. White und Tante Ginny: der Krebs.

„Sorry“, sagt er. „Tut mir leid, Mom.“

Es tut dir immer leid, oder etwa nicht, sagt Walter.

„Lass mich in Ruhe“, sagt er leise. Er weiß, was er tut, er manipuliert ihn, wie er ihn immer manipuliert hat. Brich ihn und bau ihn wieder auf. Zuckerbrot und Peitsche, Macht und Kontrolle; nur weil er es weiß, heißt das nicht, dass es nicht funktioniert.

Es tut dir immer leid und das wird nie genug sein, sagt Walter, weil es deine Schuld ist. Das weißt du, Jesse, du hast das getan. Es tut dir leid, weil du weißt, dass du schuldig bist.

„Halt den Mund“, sagt er und sammelt die Stücke des Tellers auf. Er klaubt mit fliegenden Fingern die Scherben zusammen, so hastig, dass er sich schneidet.

Du bist genauso schuldig wie ich, sagt Walter, du bist genauso schuld daran, dein Leben in Scheiße verwandelt zu haben. Aber ich schätze, es ist zu einfach, mir die Schuld zu geben. Sieh einmal im Leben in den Spiegel und –

„Lass mich verdammt nochmal in Ruhe!”, schreit er und dann schluchzt er inmitten der Scherben.

Jesse, sagt seine Mutter und, mein Gott, als sie das zerbrochene Porzellan sieht. Er denkt an diese verdammten Essteller und Tante Ginny, dass sie die Einzige war, die etwas anderes in ihm gesehen hat als einen Schulabbrecher und zukünftigen Drogendealer oder irgendetwas von dem Scheiß, als den seine Mutter ihn immer gesehen hat. Und dass sie trotzdem gestorben ist, wie alle anderen.

Es tut ihm leid, dass er sie mehr geliebt hat, Tante Ginny, sie mehr geliebt hat als seine Mom.





8



Sie findet ihn mit allen Lichtern angeschaltet in seinem Kinderzimmer um halb drei Uhr nachts. Er hat die Vorhänge vorgezogen, die Tür angelehnt, aber nicht geschlossen. Er sieht aus, als habe er nicht geschlafen, auf der Seite liegend, die Augen offen.  

„Es ist erst so, seit ich raus bin”, sagt Jesse und erkennt ihre Anwesenheit, sieht sie aber nicht an.

Seine Mutter tritt ins Zimmer, zieht den Morgenmantel enger um sich. Aber das verhindert ihr unwillkürliches Zittern nicht, instinktiv, als wolle ihr Körper etwas abschütteln, bevor es erst anhaften könne.

„– und ich seh’ immer wieder diesen Bastard. Halt, die ganze Zeit, überall.“

Das Loch im Boden, das Methamphetamin, das Blut, die Schießerei, die Reporterin im Fernsehen, die sagt, es sieht so aus, als sei dort unten jemand festgehalten worden – White-Power-Verbrecherbande – flüchtig; der Verdächtige ist möglicherweise bewaffnet und –

„Möchtest du, dass ich mich zu dir setze?“

Sie setzt sich, als er nicht antwortet. Er sagt nichts. Bewegt sich nicht. Sie kann seinen Atem hören, der gleichmäßig kommt und geht. Sie haben ihn zurückbekommen. Sie haben ihn lebendig zurückbekommen. Sie denkt darüber nach, ihn zu fragen, was passiert ist, wo er hineingeraten ist zwischen ihrem Betrug um 400.000$ und die meistgesuchte Person in New Mexico zu sein.

Bevor sie es kann, spricht Jesse wieder. „Die kommen und holen mich, oder? Die Feds?“

Ein Massaker im Westen von Albuquerque – neun Tote, keine Verletzten – was zuvor bereits als ‚Operation Icebreaker‘ bekannt war – DEA und FBI untersuchen gemeinsam was sich als der größte Methamphetamin-Handel nördlich der Grenze herausstellt –

„Jesse, ich – es, es ist das Richtige. Dein Vater und ich, wir werden dir einen Anwalt besorgen. Sie werden dich einen Deal machen lassen, wenn du – wenn du kooperierst, werden sie sicherlich das Strafmaß entsprechend anpassen. Wir müssen das tun. Es ist das Richtige, Jesse. Es ist das einzig Richtige, was wir tun können.“

Er atmet aus.

Das Loch im Boden, das eingezäunte Gelände, die Fesseln, die Patronenhülsen, das Blut und die Toten. Wie sie dafür gebetet hatte, dass man ihn dort drin nicht finden würde, nicht so. Jedes Mal, wenn sie eine Leiche fanden, würde sie sich wünschen, dass es nicht ihr Sohn sei, es ist nicht Jesse, den sie in To’hajiilee ausgraben, würde sie sich selbst sagen, es kann nicht sein.

Wie sehr sie es brauchte, dass er nicht tot gefunden wurde, aber sich nicht wünschen würde, dass er nach all dem am Leben sei.





9



Sie nehmen Jesse im Vorgarten seiner Eltern fest. Sie werden ihm nicht wehtun, sagt seine Mutter, angstvoll, sie werden ihm nicht wehtun, oder. Sie stehen drinnen und sehen nach draußen, während FBI-Agenten um sie herumschwirren, wie in einem durchdachten Tanz, in Bienenkreisen geschäftig summend.

Sie durchsuchen das Haus erneut und hinterlassen es unordentlich, umgestürzt, vibrierend mit vergangener Gewalt. Und plötzlich ist es vorbei. Sie sind weg, haben Jesse mitgenommen und den Dämon, den er ständig sieht. Diesen freundlich aussehenden Teufel, der ihren Sohn in einen Meth-Koch, einen Verbrecher, einen Bösewicht verwandelt hat.

„Er ist jetzt ein erwachsener Mann und er muss sich dem stellen, was er getan hat“, sagt Adam. „Egal, wie abscheulich die Verbrechen sein mögen.“

„Hast du sie gerufen?“, fragt Mrs. Pinkman nach einem Herzschlag Stille. „Um ihn aus dem Haus zu haben, wenn Jake zurückkommt?“

Adam sieht sie einen Moment zu lang an. Jake ist auf einem mehrtägigen Schulausflug in Santa Fe, weit weg von all den Schwierigkeiten; er wird erst abends zurück sein. „Das habe ich nicht“, sagt er, und sie lehnt sich in seine Umarmung, leise schluchzend. Sie ist froh, dass es endlich vorbei ist. Jetzt wird er die Hilfe bekommen, die er braucht.





10



Es wird eine Schlagzeile: ‚Heisenbergs Komplize verhaftet‘, ‚Heisenbergs Partner‘, ‚Heisenbergs Kampfhund‘ – die Nachrichtenreporter geben ihm viele Namen.

Sie bringen ihn ins Krankenhaus, aber das bekommt er nicht richtig mit. Kein Blaulichtgestöber, kein Blitzlichtgewitter. Sie geben ihm Haloperidol, oder was auch immer, und nehmen ihn 72 h auf. Er schläft zum ersten Mal wieder. In einer verschwommenen Wolke aus Chemikalien muss er nicht nachdenken, muss er sich nicht erinnern.

Es entwirrt sich von da an: Sie haben Todds El Camino in der Wüste gefunden, das eingezäunte Gelände und das aufgebaute Maschinengewehr im Kofferraum, neun Tote mit mehreren Schussverletzungen, das Labor, das Klubhaus, das Loch im Boden.

Es gibt zu viele lose Enden, die man verknoten müsste, also versucht Jesse es gar nicht erst, als das FBI zur Befragung kommt. Sie haben einen Haftbefehl, den sie ihm im Krankenhaus vorlesen. Er hat Schlimmes getan, aber er hat es nie ausbuchstabiert gesehen. Er verdient das, denkt er, und für einen Moment glaubt er, es ist Walters Stimme, aber es ist er selbst, er ist kein guter Mensch, niemand, der Erlösung verdient.

Kim Wexler wird seine Anwältin und sie fegt herein, wie Saul es in letzter Minute zu tun pflegte. Wie ein Falke im Sturzflug auf weiter Flur. Sie weiß, was sie will.  

„Warum bist du zurückgekommen?“, fragt Kim, als sie allein sind. „Warum bist du nicht geflohen… hast in einem anderen Staat neu angefangen? So wie Jimmy das gemacht hat.“

„Wer ist Jimmy“, sagt Jesse.

Er kennt sich selbst nicht mehr, und jeder, der es getan hat, ist tot.