Rest der Welt

von Alice83
GeschichteRomanze / P18
Dirk "Bela B." Felsenheimer Jan "Farin Urlaub" Vetter OC (Own Character) Rodrigo "Rod" Gonzalez
29.09.2019
17.10.2019
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A/N: okay, let's face it: das hier war bis gestern kein "richtiges" Kapitel, sondern ein Briefwechsel/fast forward Kapitel.

Aber jetzt mal im Ernst, hat er nicht wenigstens mal ein kleines bisschen Aufmerksamkeit verdient, wo ich ihn sonst so stiefmütterlich behandele?

Also, bevor er komplett in der Bedeutungslosigkeit verschwindet...viel Spaß bei Rod daheim, und merkt euch Carmen, die schleifen wir ab jetzt mit...

Bis heute Abend ♡♡♡♡


P.S.: Hier habe ich mal alle Klischees bedient - Sangria, Paella, Köln/D'dorf, und vor allem: für den bodenständigen südamerikanischen Bassisten eine Spanierin mit einem erzkonservativen Beruf, die er, gemäß seines Songs, natürlich auf den Malediven kennengelernt hat.Just sayin ;)
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Auf den Malediven hab' ich sie zuerst gesehen
An der Bar saß meine "Lady of No Name"
Es spielte eine Band
Wir tanzten bis der Morgen kam
Und sie stahl mein Herz durch die Art wie sie sich benahm - Lady (Die Ärzte)


31.08.1995, Berlin, Stadtteil Tegel, 19:34 Uhr

„Kann ich dir helfen?“

Bela stand einen Treppenabsatz über Charlotte und beobachtete belustigt, wie sie nach Luft schnappend die Stufen zu Rods Wohnung hinaufstieg.

„Witzig, echt. Das Punkbaby nimmt mir die Luft zum Atmen.“

Charlotte war nun auch vor Rods Wohnungstür angekommen und atmete durch.

Während Jan sich direkt nach der Albumproduktion mal wieder in irgendeine gottverlassene Gegend dieser Welt verzogen hatte und sich von dort aus auch kaum meldete – warum auch, er wurde ja nur demnächst Vater -  hatte Rod auf den Malediven seine neue Freundin kennengelernt, die er nun unbedingt den anderen vorstellen wollte.

Warum zu diesen ominösen „anderen" auch Charlotte zählte, hatte sie immer noch nicht ganz verstanden.

Aber Rod hatte am Telefon irgendwas von „Bandbaby" und „wandelndes Ego mit Gitarre“ gefaselt, und so hatte sie die Einladung schlussendlich angenommen.

Überhaupt kümmerten sich Rod, aber auch Bela und vor allem Julia rührend um sie. Julia begleitete sie zum Arzt, überwachte ihre Ernährung und hatte ihr den Kontakt zu ihrer ehemaligen Hebamme vermittelt. Auch Romy und Charlottes Eltern versuchten von Düsseldorf aus ihr Bestes, um Lotte zu unterstützen.

Jans Anteilnahme beschränkte sich auf mehr oder weniger regelmäßige Anrufe, in deren Verlauf er immer wieder versuchte, Charlotte Geld aufzudrängen – bisher hatte sie dies aber immer abgelehnt.

Bela hatte inzwischen geklingelt und kurz darauf öffnete ein gut gelaunter Bassist die Wohnungstür.

„Schön dass ihr da seid, kommt rein.“

Bela und Lotte betraten die Wohnung und zogen sich im Flur die Schuhe aus.

„Darf ich euch Carmen vorstellen? Carmen, das sind Bela, mein Schlagzeuger, und Charlotte, die…Charlotte.“

Charlotte lachte.

„Sehr charmant, Rodrigo.“

Sie gab Carmen die Hand.

„Ich bin Musikjournalistin und begleite die Herren hier schon eine Weile. Außerdem“ – sie deutete auf ihren Bauch- „brüte ich gerade das Baby des Gitarristen aus.“

Carmen, eine hübsche, schwarzhaarige Spanierin strahlte und umarmte Charlotte.

„Hallo, meine Liebe. Ich freue mich wirklich, euch alle kennenzulernen. Rod hat schon so viel von euch erzählt.“

Anschließend begrüßte sie auch Bela sehr herzlich.

„Dann kommt mal durch, Rod hat sich für heute Abend eine Paella von mir gewünscht.“

Sie folgten Carmen ins Esszimmer und nahmen an dem großen Tisch Platz. Für die anderen gab es Sangria, für Lotte Traubensaft. Bald hatte Charlotte den Grund für Rods Menüwunsch erkannt: Carmens Paella schmeckte fantastisch.

„Du ziehst nach Berlin?“, fragte Bela nach dem essen, und Carmen griff nach Rods Hand und nickte begeistert.

„Ja, es hat echt alles gepasst. Ich bin Bankkauffrau, und da habe ich einfach mal auf blauen Dunst vorgeschlagen, dass ich die Filiale wechseln könnte – und das hat tatsächlich geklappt.“

Sie strahlte Rod an, der ihre Hand drückte.

„Überhaupt passt alles sehr gut mit uns. Dieser Urlaub war wirklich die beste Entscheidung meines Lebens.“

Sie beugte sich vor und küsste Rod.

Charlotte zog Bela eine Grimasse, der sie schief anlächelte – Bela selbst war gerade frisch getrennt, und Charlottes Leben eine generelle Katastrophe derzeit.

„Woher kommst du eigentlich?“, fragte Charlotte, als die beiden wieder voneinander abgelassen hatten.

„Meine Eltern kommen ursprünglich aus Paguera auf Mallorca, sind aber nach Deutschland gekommen, als ich noch ein Baby war. Entsprechend leidlich sind meine Spanischkenntnisse, sehr zu Rodrigos Bedauern – aber dafür habe ich ja jetzt ihn.“

Wieder sah sie ihn verliebt an. Charlotte freute sich aufrichtig für die beiden, war aber mittlerweile leicht genervt. Frustriert schaute sie auf ihren Bauch. Bela, der neben ihr saß, legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.

„Jedenfalls bin ich in Köln aufgewachsen und wohne da auch aktuell noch.“

Charlotte lachte auf.

„Echt jetzt? Ich komme aus Düsseldorf, du weißt schon, diese wunderschöne Stadt am Rhein, nicht die mit der komischen schäbigen Kirche.“

Sie zwinkerte Carmen zu, die jetzt auch lachte.

„Tja meine Liebe, dafür gibt es bei uns wenigstens gutes Bier.“

Jetzt lachten sie beide, während Bela und Rod sich ratlos anschauten.

„Daran müsst ihr euch jetzt gewöhnen, Jungs.“, lachte Charlotte.

„Kölner und Düsseldorfer setzt man besser nicht an einen Tisch.“

Sie prostete Carmen mit ihrem Traubensaft zu.

Carmen trank einen Schluck Sangria und deutete dann auf Charlottes Bauch.

„Und du bist schwanger vom Gitarristen?“

Charlotte nickte.

„So ist das, ja. Aber bevor du fragst: wir sind nicht zusammen. Jetzt gerade ist er wieder mal in Asien unterwegs, glaube ich.“

Carmen runzelte die Stirn.

„Das tut mir leid.“

Lotte schüttelte den Kopf.

„Muss es nicht, alles gut. Wir kommen auch alleine zurecht. Außerdem habe ich wunderbare Unterstützung von Bela, Rod und Jans Schwester Julia. Also alles gut.“

Sie lächelte sie schief an.

Bela legte demonstrativ eine Hand auf Charlottes Bauch.

„Wir kümmern uns gerne um dich, weißt du doch. Außerdem ist es unser erstes Bandbaby, das ist schon was besonderes.“

Er lächelte sie aufmunternd an, dann betrachtete sie wieder Carmen und Rod, die sich zufrieden anschauten.

„Carmen, du hast wirklich Glück. Nicht nur, dass Rod ein Goldstück ist, auch das Netzwerk hinter dieser Band ist super. Du musst unbedingt auf Tour vorbeischauen, dann verstehst du, was ich meine.“

Sie lächelte Carmen aufmunternd an.

„Das mache ich auf jeden Fall. Vielleicht sehen wir uns ja da?“

Charlotte lächelte. „Ja, vielleicht."

„Erst mal sehen wir uns ja nächste Woche hier in Berlin zum Interview.“

Charlotte schaute Rod an und verdrehte die Augen.

„Erinnere mich gar nicht dran, ja? Ich hab' noch versucht, es auf eine Kollegin abzuwälzen, bin aber kläglich gescheitert. Alternativ hätte ich meinem Chefredakteur erzählen müssen, dass ich gar nicht von meinem imaginären Freund, sondern von Farin Urlaub schwanger bin, und das wäre wohl taktisch nicht so klug gewesen.“

„Ach komm', wir sind ja auch da. Außerdem geht ihm vielleicht mal ein Licht auf, wenn er dich und deinen Babybauch sieht.“

Bela klang tröstend, jedoch nicht sehr überzeugt.

Charlotte pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht.

„Na, wir werden ja sehen.“
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